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Die Elfenkönigin von Shannara

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Die Elfenkönigin von Shannara
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Auf einmal erbebte die Erde.

Der kleine Trupp hielt inne. Alle senkten schutzsuchend ihre Köpfe, als ein Sandschauer von der Decke des Tunnels herabbröckelte. Der Boden erschauerte erneut, das Beben steigerte sich immer mehr und erschütterte die Erde, als habe ein Riese die Insel mit beiden Händen ergriffen und kämpfe darum, sie herauszuheben.

»Was geht da vor?« hörte Wren Gavilan fragen. Sie ließ sich auf die Knie nieder, um nicht umgeworfen zu werden, und spürte, wie Garth beruhigend seine Hand auf ihre Schulter legte.

»Lauft weiter!« rief die Eule. »Beeilt euch!«

Nun rannten sie, tief gebückt gegen eine Staubwolke, die durch die Luft wirbelte. Das Beben hielt an. Es war ein Rumpeln aus der Erde, ein Geräusch, das an- und abschwoll, ein Erschauern, das sie gegen die Wände des Tunnels warf und sie um ihr Gleichgewicht kämpfen ließ. Die Sekunden flogen vorbei und flohen scheinbar genauso schnell wie sie selbst vor dem Entsetzen, das ihnen folgte. Ein Tunnel brach hinter ihnen zusammen und überschüttete sie mit Erde. Sie konnten ein Bersten von Fels hören, ein Auseinanderbrechen des Lavagesteins, als gebe die Erdkruste nach. Es gab einen schweren Schlag, als ein Felsblock durch eine Spalte fiel und auf den Tunnelboden aufschlug.

»Eule, bring uns hier raus!« schrie Gavilan wild auf.

Schließlich arbeiteten sie sich wieder ins Freie, krochen durch eine Öffnung in der Erde aus dem Tunnel und erkletterten sich ihren Weg in das schwache Morgenlicht. Hinter ihnen brach der Gang vollständig zusammen. Er stürzte ein, und durch den Luftstoß wurde Sand durch die Öffnung, durch die sie gerade eben entkommen waren, emporgeschleudert. Das Beben rollte noch immer über die Höhen von Morrowindl, kräuselte seine Oberfläche und ließ den Fels knirschen und auseinanderbrechen. Wren richtete sich wie die anderen mühsam auf. Sie stand im Schutze einer Gruppe absterbender Akazien, während sie dorthin zurückschaute, woher sie gekommen waren.

Der Keel wimmelte von Dämonen. Ihre schwarzen Körper waren überall zu sehen, und sie versuchten offenbar immer noch, die verhaßte Schranke zu erklimmen. Die Magie war fort, aber die Beben waren an ihre Stelle getreten und erwiesen sich als noch größeres Hindernis. Dämonen flogen von den Höhen und kreischten, während sie fielen. Sie wurden heruntergeschüttelt wie Blätter von einem Herbstbaum im Sturmwind. Der Keel bekam Risse und teilte sich, als der Berghang unter ihm bebte, Felsbrocken stürzten hinab, und er drohte ganz zusammenzubrechen, Feuer schossen aus der Erde dahinter, und der Krater an der Stelle, wo Arborlon durch die Magie herausgehoben worden war, wurde zu einem Kessel aus Hitze und Flammen. Dampf zischte und schoß in Geysiren hervor. Hoch auf Killeshans Hängen wurde die Erdschicht von geschmolzenem Felsgestein durchbrochen, das hervorzusprudeln begann.

»Killeshan erwacht«, sagte Eowen leise, und alle wandten sich um. »Das Verschwinden von Arborlon hat das Gleichgewicht der Dinge auf Morrowindl gestört. Es ist eine Lücke in die magischen Kräfte gerissen worden. Der Riß reicht bis ganz in den Kern der Insel hinein. Der Vulkan schläft nicht mehr, er bewegt sich. Die Feuer in ihm werden immer wilder brennen, und die Gase und die Hitze werden sich weiter aufbauen, bis sie nicht länger gehalten werden können.«

»Wie lange noch«, keuchte die Eule.

Eowen schüttelte den Kopf. »Auf den höher gelegenen Hängen sind es Stunden, weiter unten Tage.« Ihre Augen schimmerten. »Es ist der Anfang vom Ende.«

Einen Augenblick herrschte unsicheres Schweigen.

»Für die Dämonen vielleicht, aber nicht für uns.« Das war Ellenroh Elessedil. Sie war wieder wohlauf und hatte sich von der Anstrengung, die Magie des Loden anzurufen, erholt. Sie befreite sich aus Triss’ stützendem Griff, trat zwischen ihnen hindurch und bedeutete ihnen, ihr zu folgen, bis sie sich schließlich umwandte und alle ansah. Sie wirkte ruhig und sicher und angstfrei. »Wir dürfen jetzt nicht zögern«, ermahnte sie sie. »Wir werden schnell und leise hinunter zu den Ufern der Blauen Spalte gehen, die Insel verlassen und dorthin zurückkehren, wo wir hingehören. Bleibt zusammen, haltet die Augen offen. Eule, bring uns hier heraus.«

Aurin Striate wandte sich sofort um, und die anderen folgten ihm. Niemand stellte eine Frage – Ellenroh Elessedils Gegenwart war stark genug. Wren schaute einmal zurück und sah, wie ihre Großmutter Eowen einholte, die in eine Art Trance abgeglitten zu sein schien, ihre Arme um die Seherin legte und sie sanft führte. Hinter ihnen hüllte der Schein des Vulkanfeuers den Keel und die Dämonen in die Farbe von Blut. Es schien, als sei alles in Rot versunken.

Der kleine Trupp war nicht mehr als Schatten vor dem diesigen Licht, als sie sich von den Hängen des Killeshan durch das zerklüftete Durcheinander von Lavagestein, totem Holz und Gestrüpp bewegten. Alle Geräusche waren jetzt hinter ihnen, wo die Dämonen sich einem Feind näherten, dessen Verschwinden ihnen erst allmählich bewußt wurde. Vor ihnen erklang nur das stete Rauschen des Rowen, dessen graue Wasser auf das Meer zuwirbelten. Die Beben jagten hinter ihnen her, Schauder, die die Flächen mit Lavagestein kräuselten und die Bäume und Sträucher schüttelten. Aber ihre Wucht ließ nach, je weiter die Neun kamen. Vog hing in der Luft vor ihnen, dämpfte die Helligkeit des morgendlichen Dunstes und ließ die Umrisse des Landes verschwimmen. Wrens Atem beruhigte sich, und ihr Körper kühlte ab. Sie fühlte sich nicht mehr gefangen, wie es in dem Tunnel gewesen war, und die Intensität der Hitze hatte abgenommen. Sie begann sich zu entspannen, fühlte, wie sie mit dem Land verschmolz, und fing an, ihre Sinne auszustrecken wie unsichtbare Fühler, um aufzuspüren, was verborgen war.

Dennoch entdeckte sie die Dämonen, die auf sie lauerten, vor ihrem Angriff nicht. Es waren mehr als ein Dutzend, ziemlich klein und knorrig, gekrümmt wie totes Holz, die Gestrüpp und Zweige zerrissen, als sie sich erhoben, um sich auf sie zu stürzen. Eowen ging zu Boden, und die Eule verschwand in einem Gewirr aus Gliedern. Die anderen rückten zusammen, schlugen auf ihre Angreifer mit allem, was gerade zur Hand war, ein und scharten sich beschützend um Eowen. Die Elfenjäger kämpften mit grimmiger Wildheit und vernichteten die Dämonen, als seien sie nur Schatten. Der Kampf war vorbei, fast bevor er begonnen hatte. Eines der schwarzen Wesen entkam, der Rest lag bewegungslos auf der Erde.

Die Eule tauchte hinter einer Bodenwelle auf, ein Ärmel zerrissen, das schmale Gesicht zerkratzt. Er winkte ihnen wortlos, wandte sich von dem Weg ab, dem sie gefolgt waren, und führte sie schnell von der Spitze eines Hügels hinab zu einer engen Wasserrinne, die sich in den Vog hinein schlängelte. Sie waren jetzt sehr wachsam, bereiteten sich auf weitere Angriffe vor und machten sich bewußt, daß die Dämonen überall sein würden, da sie sicher nicht alle zum Keel gegangen waren. Der Himmel über ihnen verwandelte sich zu einem eigenartigen Gelb, als die Sonne hochstieg und vergeblich darum kämpfte, den Vog zu durchdringen. Wren schlich mit langen Messern in beiden Händen voran, während ihre Augen die Schatten vorsichtig auf jedes Zeichen von Bewegung durchstreiften.

Sie näherten sich dem Rowen, als Aurin Striate sie plötzlich anhalten ließ. Er kauerte sich nieder, machte ihnen ein Zeichen, das gleiche zu tun, wandte sich dann um und bedeutete ihnen zu bleiben, wo sie waren, und verschwand voraus in den Dunst. Er war kaum fünf Minuten fort gewesen, als er schon wieder erschien. Er schüttelte warnend den Kopf und bedeutete ihnen, sich nach links zu wenden. Tief gebückt glitten sie an einer Reihe von Felsen entlang, einer Bodenwelle, die sie zum Rowen hin abschirmte. Mehr als eine Meile weit arbeiteten sie sich parallel zum Fluß vor und bewegten sich dann vorsichtig auf eine Erhebung hoch. Wren spähte hinaus auf die träge, graue Oberfläche des Flusses, die leer und weit vor ihr lag und sich in die Ferne erstreckte.

Nichts rührte sich.

Die Eule schloß sich ihnen wieder an. Sein ledriges Gesicht war faltig. »Die seichten Stellen sind von Wesen belagert, mit denen wir lieber nichts zu tun haben sollten. Wir werden ihn statt dessen hier überqueren. Er ist zu breit, als daß wir hinüberschwimmen könnten. Wir müssen übersetzen. Wir müssen ein Floß bauen, das groß genug ist, um uns hinüberzutragen – das wird schon gehen.«

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