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Die Elfenkönigin von Shannara

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Die Elfenkönigin von Shannara
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Auch sie ging fort, und Eowen folgte ihr auf dem Fuße, mit so viel Betroffenheit auf ihren jugendlichen Zügen, daß Wren nicht zu folgen wagte.

Statt dessen sah sie Stresa an. Das Lachen des Stachelkaters klang verbittert. »Sie will nicht, daß wir die Insel verlassen. Pfffft. Keiner von ihnen will das.«

»Stresa, was geht hier vor?« fragte Wren, jetzt selbst ärgerlich und bestürzt über die Feindseligkeit, die Stresas Erscheinen hervorgerufen hatte.

»Grrrrr, Wren Ohmsford. Weißt du es nicht? Hssst. Du weißt es nicht, nicht wahr? Ellenroh Elessedil ist deine Großmutter, und du weißt es nicht. Wie seltsam!«

»Komm, Wren«, sagte die Eule und huschte einmal mehr an ihr vorbei, wobei er sie leicht an der Schulter berührte. »Wir sollten gehen. Beeilt euch jetzt.«

Die Elfenjäger schoben das Floß ans Ufer des Flusses, und die anderen eilten hinterher. »Sag es mir!« drängte sie Stresa.

»Eine Fahrt den – grrr – Rowen hinab ist nicht meine Vorstellung von einem guten Zeitvertreib«, sagte der Stachelkater und überhörte ihre Bitte. »Ich möchte genau in der Mitte sitzen, falls dir das genehm ist. Hsssttt. Das heißt, auch wenn es dir nicht genehm ist.«

Eine weitere Woge von Erschütterungen ließ die Insel erbeben, und in dem Dunst hinter ihnen brach aus dem Killeshan ein Schauer karmesinroten Feuers hervor. Asche und Rauch schössen empor, und ein Poltern ertönte aus den Tiefen der Erde.

Sie riefen jetzt alle nach Wren, und sie rannte zu ihnen, Stresa einen Schritt voraus, Faun um ihren Hals gewunden. Sie war wütend, weil niemand sich ihr anvertrauen wollte, weil in ihrer Gegenwart Informationen über etwas zurückgehalten wurden, über das sie bewußt im unklaren gelassen wurde. Sie haßte es, so behandelt zu werden. Es war offensichtlich, daß niemand ihr jemals etwas über die Elfen und Morrowindl erzählen würde, es sei denn, sie betrieb diese Angelegenheit mit Nachdruck.

Sie erreichte das Floß, als es gerade auf den Rowen hinausgeschoben wurde, begegnete Gavilans offen feindlichem Blick mit der gleichen Feindseligkeit und rückte bewußt näher an Garth heran. Die Elfenjäger standen bereits bis zu den Knien im Wasser und stabilisierten das Floß. Stresa sprang an Bord, ohne dazu aufgefordert worden zu sein, und machte sich mitten zwischen den Rucksäcken und dem Proviant breit, genauso, wie er es angedroht hatte. Niemand machte Einwände, niemand sagte etwas. Eowen und die Königin wurden von Triss zu ihren Plätzen geführt, wobei die Königin den Ruhkstab fest in beiden Händen hielt. Wren und Garth folgten. Gemeinsam schoben alle das Floß vom Ufer frei, dann beugten sie sich vor, damit die Stämme das Gewicht ihrer Oberkörper tragen konnten, und ihre Hände griffen nach den Seilen, die zu genau diesem Zweck befestigt worden waren.

Augenblicklich nahm die Strömung sie auf und begann sie fortzutragen. Diejenigen, die dem Ufer am nächsten waren, versuchten dabei, das Floß mit den Füßen von Sandbänken, Felsen und Baumwurzeln abzustoßen, die sie sonst vielleicht behindert hatten. Der Killeshan rumorte weiter, Feuer und Asche wurden ausgespien, und der Vulkan zeigte polternd sein Mißvergnügen. Der Himmel wurde von einer neuen Schicht aus Vog verdunkelt, und noch mehr Wolken bewegten sich vor dem Licht. Das Floß schwamm hinaus in die Mitte des Stromes, schaukelte mit der Bewegung des Wassers und nahm an Geschwindigkeit zu. Die Eule rief ihnen Anweisungen zu, und sie versuchten ohne Erfolg, das Floß auf das jenseitige Ufer zuzusteuern. Geysire brachen durch das Lavagestein der Küstenlinie hinter ihnen und ließen die Felsenhaut des hochgelegenen Landes bersten, wobei sie Dampf und Gas himmelwärts stießen. Der Rowen erzitterte unter der Macht der Erdstöße und begann sich aufzulehnen. Das Wasser wurde unruhig, und kleine Strudel bildeten sich überall. Schutt wirbelte vorbei und wurde auf den Wellenkämmen getragen. Das Floß wurde geschlagen und gestoßen, und während sie sich an ihm festklammerten, waren sie gezwungen, all ihre Kraft aufzuwenden, nur um oben zu bleiben.

»Zieht eure Beine ein!« rief die Eule warnend. »Haltet euch fest!«

Sie trieben flußabwärts. Das Ufer flog als verschwommener Eindruck von gezackten Bäumen, zerklüfteten Lavafeldern, Nebel und Dunst vorbei. Der Vulkan verschwand hinter ihnen. Durch eine Biegung des Flusses und die Ausläufer des Tales, in das sie kamen, wurde er ihrer Sicht entzogen. Wren spürte, daß alles mögliche in sie hineinstach und sie stieß, gegen sie schlug, wieder fortwirbelte und vorbeipeitschte, als würde es von einem unsichtbaren Seil hin- und herbewegt. Ihre Hände und Finger begannen durch das anstrengende Festhalten an den Seilen zu schmerzen, und ihr Körper war durch das eisige Bergwasser zur Gefühllosigkeit gefroren. Das Rauschen des Flusses übertönte das Brüllen des Vulkans, aber sie konnte ihn noch immer unter sich erbeben fühlen. Es war, als ob er aufwachte, im Fieber hochschreckte und in Krämpfen auseinanderbrach. Klippen tauchten vor ihnen auf, die sich wie unpassierbare Mauern erhoben. Doch gleich darauf befanden sie sich zwischen ihnen, denn der Fels hatte sich auf wundersame Weise geteilt, um den Rowen durch einen Engpaß hindurchstürzen zu lassen. Ein paar Minuten lang waren die Stromschnellen so stark, daß es schien, als würden sie auf den Felsen zerschellen. Doch dann kamen sie wieder frei, die Stromrinne verbreiterte sich erneut, und die Klippen wichen in die Ferne zurück. Sie wirbelten durch eine Ansammlung von breiten, unförmigen Felsen und landeten in einem See, der sich in den grünen Dunst eines Dschungels erstreckte.

Der Fluß wurde langsamer und beruhigte sich. Das Floß hörte auf umherzuwirbeln und begann gemächlich auf die Mitte des Sees zuzutreiben. Nebel hing dick über dessen schimmernder Oberfläche, schloß das Ufer auf beiden Seiten von der Sicht aus und verwandelte es in eine tiefe, grüne Oase der Stille. Von irgendwo in der Ferne erklang Killeshans ärgerliches Rumpeln.

In der Mitte des Floßes hob Stresa zögernd seinen Kopf und schaute sich um. Die scharfen Augen des Stachelkaters bewegten sich schnell und suchten Wren: »Sssfffft! Wir müssen von hier fort!« drängte er. »Dies ist kein guter – sssfff – Aufenthaltsort! Dort drüben ist Eden’s Murk!«

»Worüber beschwerst du dich, Stachel?« grolle Gavilan gereizt.

Ellenroh veränderte ihren Griff um den Ruhkstab, der auf dem Floß lag. »Eule, weißt du, wo wir sind?«

Aurin Striate schüttelte den Kopf. »Aber wenn der Stachelkater sagt, es sei hier unsicher...«

Das Wasser hinter ihm brach donnernd auf, und ein riesiger, krustenbedeckter Kopf erhob sich. Vor ihren Augen stieg er langsam, fast träge, in den Nebel, ausgependelt auf einem dicken, sich schlangelnden Körper mit Schuppen und Höckern, die sich im Zwielicht wellenartig bewegten und bogen. Ranken hingen aus seinem Maul wie Fühler, die sich drehten, um Nahrung zu finden. Seine Zähne wurden entblößt, als sich sein grünliches Maul öffnete, sie waren gebogen und standen in Zweierreihen. Das Wesen wand sich, bis es kaum fünfzig Fuß entfernt turmhoch über ihnen aufragte, und dann zischte es wie eine Schlange, die getreten wurde.

»Eine Schlange!« schrie Eowen leise auf.

Die Elfenjäger waren bereits in Bewegung, wechselten hastig ihre Positionen, so daß sie zwischen dem Monster und ihren Schützlingen aufgereiht waren. Mit gezogenen Waffen begannen sie, das Floß auf das gegenüberliegende Ufer zuzubewegen. Es war ein nutzloses Unterfangen. Die Schlange schwamm ihnen lautlos nach und mußte sich kaum anstrengen, um sie einzuholen, wobei sie ihren Kopf mit weit geöffnetem Maul drohend eintauchte. Wren half neben Garth das Floß voranzubringen, aber das Flußufer schien noch weit entfernt. In der Mitte des Floßes standen Stresas Stacheln in alle Richtungen ab, und sein Kopf war verschwunden.

Die Schlange traf sie mit ihrem Schwanz, als sie noch hundertfünfzig Meter vom Ufer entfernt waren, schwang ihn von unten zu ihnen hinauf, hob das Floß und die neun, die sich daran festklammerten, vollständig aus dem Wasser und wirbelte sie durch die Luft. Sie flogen eine kurze Strecke und landeten wieder mit einem Aufprall, der ihnen den Atem aus dem Körper preßte. Ihre Griffe lockerten sich, und Menschen und Gepäck stürzten hinab. Eowen schlug hart auf, ging unter und wurde von Garth wieder an die Oberfläche gezogen. Durch die Wucht des Aufpralls hatte das Floß begonnen, auseinanderzufallen, die Stricke lösten sich, und die Stämme teilten sich. Die Eule schrie ihnen zu, sie sollten um sich treten, und das taten sie, wild und voller Panik, denn sie konnten nichts anderes tun.

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