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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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»Guten Tag, Herrschaften«, grüßte er mit eingeübter Freundlichkeit.

Trotzdem entging Scapa nicht der herablassende Unterton. Er spürte, wie sich Arane reckte und das Gesicht hob. Fühlte sie sich in ihrem Stolz bedroht, setzte sie stets eine königliche Miene auf.

»Was führt Euch zu mir, ehrenwerte Herrschaften?« Afarell nahm die Pfeife aus dem Mund und stieß kleine Rauchwölkchen aus. Noch weit über ihm an der Decke des Zimmers sah Scapa die Rauchkringel im Lampenschein tanzen. »Wir wollen Euch etwas anbieten, Afarell«, sagte er und drehte sich zu Arane um. Sie hielt ihm den Schlüsselbund schon entgegen. »Wir haben die Schlüssel zum Gefängnis.«

Afarell hob die Augenbrauen. »Für jeden Kerker?«

Scapa nickte und trat, die Schlüssel vorgestreckt, näher zu ihm. Jedoch hütete er sich davor, den Schlüsselbund aus der Hand zu geben. Bei einem Elf konnte man sich schließlich nie sicher sein.

»Wenn Ihr den ganzen Bund abkauft, könnt Ihr gerne ausprobieren lassen, ob die Schlüssel echt sind. Wenn Ihr herumfragt, werdet Ihr außerdem erfahren, dass die Gefängnisschlüssel den Soldaten tatsächlich letzte Nacht verloren gegangen sind – die hier sind also die echten.«

»Interessant«, murmelte Afarell, ohne den Blick von den klirrenden Schlüsseln zu wenden. »Natürlich muss ich die Sache noch überprüfen lassen. Aber ich habe in der Tat etwas von einem verlorenen Schlüsselbund gehört ... Neuigkeiten gehen in Kesselstadt um wie ein Lauffeuer, nicht wahr? Was verlangt Ihr denn für Euer Angebot, mein Herr?«

Ein Zucken ging um Scapas Mundwinkel, teils weil das »mein Herr« spöttisch geklungen hatte, teils weil er sich noch keine Gedanken über eine Antwort auf diese Frage gemacht hatte. Arane, dachte er.

Arane, was denkst du? Aber sie blieb wie immer hinter ihm wie ein Geist, der ihn stumm bewachte. »Fünfzig Taler. Dreißig in Silber, zehn in Gold und zehn in Kupfer.«

Afarell lachte mit offenem Mund. So lustig war Scapas Angebot nun auch nicht gewesen!

»Ach, fünfzig Taler, dreißig Silber, zehn Gold? Und zehn in Kupfer, wie großzügig!« Schneller als geahnt lehnte sich Afarell zu ihm vor. Fast ein bisschen erschrocken zog Scapa den Schlüsselbund zurück und wollte auch einen Schritt rückwärts gehen – aber er zwang sich, fest stehen zu bleiben.

»Ich will dir mal was sagen, Junge«, fuhr Afarell in amüsiertem, aber wesentlich ernsterem Ton fort.

»Ich weiß ganz genau, was du und deine kleinen Freunde wie dieses wilde Menschenmädchen da hinten vorhabt –«

»Beleidigt sie nicht«, fiel Scapa ihm kalt ins Wort und trat vor Arane.

Afarell ließ sich dadurch nicht beirren. »Ihr wollt Torron und seinen Männern an den Hals springen, ihr kleinen tollwütigen Hunde.« Er lachte gackernd.

»Und dafür kratzt ihr schön euer Geld zusammen. Zu einem kleinen, schmuddeligen Häufchen. Und mit eurem hübsch gesammelten Sümmchen wollt ihr euch dann Waffen und Ausrüstung und Mut kaufen.«

Afarell legte ruckartig den Kopf schief. Sein Doppelkinn wälzte sich in kleinen Röllchen über den Hemdkragen. »Oder nicht?«

Scapa biss die Zähne so fest zusammen, dass seine Kieferknochen vortraten. »Ich wüsste nicht, was Euch das angeht. Aber eine amüsante Theorie.« Afarell kicherte und paffte wieder seine Pfeife.

Genüsslich stieß er ein paar Rauchringe in ihre Richtung. »Aber jeder weiß doch, dass ihr das plant, Jungchen.« Er klang schrecklich liebenswürdig; wie klebriger Honig übergoss seine Stimme die beiden.

Scapa riss der Geduldsfaden. »Wollt Ihr den Schlüssel kaufen, ja oder nein? Sonst suchen wir einen anderen Käufer.«

Afarell lachte herzhaft und seine Augen wurden starr wie Murmeln. »Ein anderer Käufer! Gab! Als ob noch jemand mit euch Rotznasen Geschäfte machen würde, nachdem ihr euch die Frechheit bei Torron erlaubt habt!«

Scapa presste die Lippen aufeinander vor Zorn.

Dass der Moorelf Recht hatte, war beinahe noch unerträglicher als sein Gekicher. »Also nicht«, murmelte Scapa schließlich. Afarell lachte ein bisschen leiser, um ihn zu hören. »Dann seid Ihr also auch einer von Torrons Speichelleckern.«

Scapa wandte sich um, als der Ruf des Hehlers ihn zurückhielt: »Vorsicht, Menschchen! Vorsicht, wie du mich nennst ... Ich habe mit Torron nichts zu schaffen, so wie ich auch mit eurem kleinen Krieg nichts zu schaffen habe.«

»Wieso dann das Gerede?«, fragte Scapa über die Schulter hinweg.

Der Elf lehnte sich auf die andere Seite seines Sessels und kuschelte sich in die weichen Kissen wie ein schnurrender Kater. »Komm schon, ich wollte dich nicht vergraulen, Junge. Du weißt doch, dass ich nur Spaß mache, nur ein Späßchen. Nicht mehr. In Ordnung?« Er spreizte die fetten, kleinen Hände, als lade er ihn zu einer herzlichen Umarmung ein.

Darauf verzichtete Scapa gerne. »Also, geht Ihr auf das Angebot ein oder nicht?«, wollte er wissen.

Afarell faltete die Finger ineinander und beobachtete ihn zufrieden. »Jungchen, nur weil ich nicht zu Torrons Schlägern gehöre, heißt das nicht, dass ich den mächtigsten Mann des Viertels nicht achte. Und wenn ich seine Feinde sozusagen geschäftlich unterstütze ... Wisst ihr, ich habe auch nur einen Kopf zu verlieren. Andererseits – ich bin wirklich schwer beeindruckt von euch kleinen Kämpfern.« Die Lüge war so schmierig wie Afarells Haarzopf. »Und unter uns: Ich wünsche euch den Sieg über Torron. Wird endlich mal Zeit, dass eine neue Bande Schwung in Kesselstadt bringt, was? Darum will ich euch helfen. Nicht nur dieses eine Mal, sondern für eine längere Zukunft. Ihr seid ja noch so jung! Haha, haha!«

»Was soll das heißen?«, fragte Scapa misstrauisch.

»Dass ich von nun an euer offizieller Händler bin! Also: Was immer ihr klaut, Verzeihung, was ihr erwerbt, könnt ihr an mich weiterverkaufen, sofern ich es denn auch als weiterverkäuflich erachte. Und ich verspreche euch einen fairen Preis.«

Dass sie klauten, erwähnte Afarell nicht etwa versehentlich, sondern nur, um ihnen noch einmal sein Wissen unter die Nase zu reiben – das war Scapa natürlich klar. Trotzdem blieb ihm nicht viel übrig, als sich über die glückliche Wendung zu freuen. »Also haben wir einen Pakt?«

Afarell nickte feierlich. Dann blitzten seine Augen auf – und Scapa spürte im selben Augenblick, in dem Arane die Luft anhielt, dass die Sache einen Haken hatte.

»... Und zum Zeichen unserer künftigen Zusammenarbeit überlasst ihr mir die Schlüssel zu einem Freundschaftspreis von zehn Kupfermünzen.«

»Was?«, rief Scapa. »Das ist kein Freundschaftspreis, das ist – das ist Betrug!«

Afarell vergrub das Gesicht in der Hand und klingelte eine schnörkelige Silberglocke. Kaum einen Moment später öffnete sich die Tür und der Moorelf von vorhin steckte den Kopf ins Zimmer.

»Ja, Meister?«, grüßte er den Hehler untertänig.

»Jador, könntest du meinen beiden Gästen bitte ausrichten, dass sie sich jetzt entscheiden müssen? Ich habe leider nicht den ganzen Tag Zeit.« Afarell sah einfach über Arane und Scapa hinweg und zuckte mit den Schultern.

Scapa konnte kaum die Dämlichkeit des Elfendieners fassen, als der sich tatsächlich an sie wandte:

»Los, ihr beide müsst euch jetzt entscheiden. Afarell hat nicht den ganzen Tag für euch Zeit!«

Afarell hielt bereits ein blaues Samtsäckchen in der Hand und zählte zehn Kupfermünzen ab. Beim Anblick ihres hilflosen Zorns entfaltete sich ein zuckersüßes Lächeln auf seinen Lippen. »Na, Jungchen? Auf zukünftige Geschäfte!«

Als die Haustür hinter ihnen zufiel, fühlten sich Scapas Eingeweide wie verknotet an. Zitternd hielt er die Kupfermünzen in der Faust.

Die Straßenprinzessin

Wie angewurzelt blieb Scapa vor der Tür des Elfenhehlers stehen. Seine Füße wollten sich einfach nicht in Bewegung setzen. Jetzt hatten sie statt der Schlüssel das schmierige Versprechen eines Moorelfs, mehr nicht! Was ihnen der weite Weg hierher wirklich gebracht hatte, war nur Demütigung ...

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