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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Scapa und Arane tauchten in die Menge ein.

Schwer hing der Duft der feilgebotenen Gewürze über ihnen; Koriander, Jasmin und Anis roch Scapa aus der Mischung heraus. Ein paar Schritte weiter übertünchte salziger Fischgeruch die Gewürzdüfte.

Ein Händler pries die Frische seiner Aale an. Scapa trat auf etwas Glitschiges und blickte hinunter: Fischdärme. Mit gerümpfter Nase schüttelte er seinen Schuh und ließ sich dann von der lärmenden Menge weiter vorwärts treiben.

Fast alles war auf diesem Markt zu finden. Während sich Scapa und Arane mit den anderen Passanten vorandrängten, zogen Stände jeder Art an ihnen vorbei. Kleider und Schuhe wurden feilgeboten, Früchte, Körner, ofenwarme Brotfladen, Fisch und sogar Hühner – aber das Wunderbarste an allem waren die Gerüche. Scapa und Arane sogen tief das bunte Aroma ein: Da gab es Obst, Gebäck, Kräuter und an manchen Ständen Dinge, die von Orten ihren Weg nach Kesselstadt gefunden hatten, die Scapa und Arane nicht einmal mit Namen kannten.

Bald wichen die Stände einem neuen Markt, der sich zwar nahtlos dem ersten anschloss, aber vollkommen anders wirkte. Es war ein Markt der Moorelfen. Die Händler hier waren weder so laut noch so hektisch wie ihre menschlichen Kollegen. Träge saßen die Elfen vor ihren Ständen, rauchten ihre langen, merkwürdigen Pfeifen und beobachteten die vorbeiströmenden Leute wie aus der Ferne.

Schlagartig hatte sich auch die Menge verändert: Statt der lärmenden Menschen umgaben Scapa und Arane nun beinahe ausschließlich die grauen Elfengesichter. Die Luft war erfüllt von ihrer schnellen, weichen Sprache. Schwermütiger Gesang erklang von einem Straßenmusikanten, und einige Passanten, die an ihm vorbeigingen, summten seine Melodie mit. Es war wohl ein bekanntes Elfenlied.

Selbst die vielen Gerüche hatten jetzt nachgelassen, denn die meisten Moorelfen handelten mit Schmuck, mit gefälschten Goldbroschen und Silberschnallen, mit schmalköpfigen Pfeifen und bemalten Öllampen. Eine junge Elfe verkaufte Armreifen und Fußbänder aus Holzperlen, so hübsch und zierlich, wie nur das Elfenvolk sie zu fertigen wusste. Trotzdem wäre ein Mensch nie auf die Idee gekommen, sich mit ihnen zu schmücken – das war genauso undenkbar wie ein Junge, der Mädchenkleider trug.

Denn obwohl beide Völker in den engen Straßen zusammenlebten, blieben sie in verschiedenen Welten.

Etwas weiter, als der Markt in einen offenen Platz mündete, scharten Schausteller und Akrobaten Schaulustige um sich. Elfenkinder verbogen sich in waghalsigen Kunststücken das Rückgrat, kletterten aufeinander und bildeten Pyramiden aus Beinen und Armen. Bunt gekleidete Flötenspieler mit Glockenschuhen tanzten zu ihren eigenen Melodien, und zwei Jongleure hatten sich die grauen Gesichter mit weißer Farbe übermalt und vollführten Sprünge und Rollen, während die Jonglierbälle wie verzaubert über ihren Händen schwebten.

Scapa und Arane drängten sich unbeeindruckt an alledem vorbei. Nur einmal konnte Scapa sich ein scheues Lächeln nicht verkneifen, weil ihm eine Elfentänzerin mit rasselndem Glockengürtel eine Mohnblume schenkte. Als die klatschenden Zuschauer hinter ihnen zurückblieben, war die Blume bereits wie ein Armband um Aranes Handgelenk geknotet.

Eine Seitentreppe führte vom offenen Marktplatz in eine Gasse hinab, die von hohen, stuckverzierten Häusern umschlossen wurde. Solche Häuser waren selten in dieser Gegend, tief auf dem Grund von Kesselstadt. Sie waren das Zuhause reicher Bewohner, die sich trotz ihres Wohlstands im Untergrund verborgen halten wollten: die berühmten Hehler.

Scapa und Arane blieben vor einem der Häuser stehen, an dessen Messingschild, hübsch und reich verziert, geschrieben stand:

AFARELL. TAUSCH UND HANDEL.

Afarell, der Elfenhehler

Scapa schlug den schweren Türring gegen das Holz.

Eine Weile blieb es still dahinter. Dann öffnete sich die Tür so abrupt, als hätte jemand auf der anderen Seite nur auf Besucher gewartet. Aber es war bekannt, dass Elfen sich lautlos zu bewegen vermochten – oder, besser gesagt: dass das Gehör der Menschen miserabel war.

Vor Scapa und Arane erschien ein Moorelf und starrte fragend auf sie herab. Der süßliche Rauch seiner Pfeife waberte den beiden entgegen.

»Wir wollen zu Afarell, dem Händler«, erklärte Scapa.

Es war wohl der ruhige, leise Ton des Jungen, der den Elf überzeugte, sie einzulassen. »Wollt ihr ihm was ausrichten? Dann sagt es lieber mir.«

»Wir wollen ihm ein Geschäft vorschlagen.« Scapa sah sich bereits in dem dunklen Haus um. Zu beiden Seiten hin eröffneten sich Korridore, die von geschlossenen Vorhängen unterbrochen wurden. Direkt vor ihnen führte eine wuchtige Wendeltreppe aus Eichenholz in ein höheres Stockwerk.

»Na dann«, sagte der Moorelf. »Dann wollen wir mal sehen, was ihr so bei euch tragt. Arme und Beine auseinander, los, los!«

Mit einem geduldigen Lächeln übergab Scapa dem Moorelf seinen Dolch. Der nahm ihn an sich und schob ihn in seinen Gürtel. Trotzdem ließ er es nicht aus, beide nach gefährlichen Gegenständen abzutasten. Als er keine fand, trat er zur Seite und deutete die Treppe hoch.

»Den Gang nach rechts, erstes Zimmer. Wenn ihr wiederkommt, gebe ich euch den Dolch zurück.« Scapa und Arane stiegen die Stufen hinauf. Dabei lächelten sie sich verstohlen an. Der Moorelf hatte nichts von der Klinge gemerkt, die Arane stets in ihrem Stiefel trug. Nicht dass sie davon Gebrauch zu machen gedachten, aber sicher war sicher – man wusste ja nie, in welchen Häusern sich Torrons Männer aufhalten mochten.

Die besagte Tür war eine Doppeltür mit Goldgriffen, die viel zu gelb waren, um echt zu sein.

Scapa klopfte an. Dreimal, dann drang eine genervte Stimme durch das Holz: »Wer ist da?«

»Ein Kunde«, erwiderte Scapa.

Einen kurzen Moment blieb es still. Dann kam die wesentlich freundlichere Erlaubnis: »Tretet ein, Herr!«

Scapa drückte den Türgriff hinunter und sie betraten das Zimmer. Stickige Luft schlug ihnen entgegen. Die dunkelgrünen Samtvorhänge waren zugezogen, dafür tauchten unzählige Öllampen den Raum in helles Licht. Sie standen überalclass="underline" auf dunklen Holztischen, zwischen Büchern, auf teuren Teppichen, unter Fensterbrettern und in hohen Regalen. Ihr Licht bestrahlte die unglaubliche Sammlung von Gegenständen, die in diesem Zimmer zusammengedrängt war. Zwischen zahllosen Silberschalen, inmitten von Polsterstühlen und Stoffen und Büchern und Pfeifen saß Afarell, der Hehler, auf einem throngleichen Sessel. Seine Füße ruhten übereinander geschlagen auf dem dazu passenden Hocker.

Afarell war zwar ein Moorelf, doch er hatte wohl im Verlauf seiner Karriere viele elfische Eigenschaften abgelegt. Das grünlichbraune Haar war zu einem strengen Zopf zurückfrisiert, sodass man die beiden Rubinohrringe sehen konnte, die in seinen spitzen Ohren saßen wie glänzende Bluttropfen. Er trug einen feinen Mantel, zwar nach Elfenart geschneidert, aber aus Seide, wie nur die Menschen sie herstellten. Seine schwarzen, hochhackigen Stiefel hätten andere Elfen nicht angezogen, weil sie die Freiheit ihrer Füße hoch schätzten. Funkelnde, schwere Goldringe mit Edelsteinen und Diamanten in allen Regenbogenfarben glänzten an seinen Fingern. Afarell war außerdem, ganz anders als die meisten Elfen, dick: Deutlich wölbte sich sein Bauch unter den Kleidern und auch die schmale, flache Nase versank förmlich zwischen seinen fleischigen Backen. Nur seine Haut war so grau wie die aller Moorelfen. Grau wie der Rauch, der ihm unaufhörlich aus seiner Silberpfeife und den Mundwinkeln sickerte.

Einen Augenblick lang besah Afarell seine beiden Gäste von oben bis unten. Dann legte er den Kopf zurück und ließ sich tiefer in seinen Sessel sinken.

Die Arme ruhten gebieterisch auf den Lehnen.

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