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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Seit dem offen ausgesprochenen Widerstand verfolgten Torrons Männer die Straßenkinder unerbittlich. Es war ein Krieg in den Gassen von Kesselstadt entflammt, und die Stadt war tatsächlich zu einem brodelnden Kessel geworden, dessen unheilvolles Aufkochen nicht einmal der Fürst verhindern konnte.

Nein, die Sache zwischen Torron und den Straßenkindern würde ausgetragen werden.

»Vielleicht«, überlegte Scapa, »kauft uns dieser Elfenhehler Afarell die Schlüssel ab. Ich glaube, dass er mit Torron nichts zu schaffen hat.«

»Einen Versuch ist es wert. Gehen wir morgen zu ihm.«

Scapa ließ sich auf die Schlafmatten fallen. Sie hatten ihre Decken zusammengerollt und benutzten sie als Kissen, denn es war Sommer – da verwandelte sich Kesselstadt in ein brütend heißes Nest, erfüllt von Sandstaub und den fiebrigen Ausdünstungen der tiefen Viertel. Von den Marschen von Korr kam die Feuchtigkeit herübergekrochen und legte sich über die Stadt wie eine undurchdringliche Wolke, die die Sonnenwärme ein- und nicht mehr ausließ. Selbst die Nächte waren drückend warm.

Scapa zog sich das Hemd aus und stützte die Arme auf die Knie. Er musste an all die Pläne denken, die er hatte, an all die Herausforderungen, die ihm bevorstanden ... Es war schon seltsam: Gerade erst war er den Soldaten entkommen, und jetzt schon hatte er die Gefahr vergessen, um an eine ganz andere zu denken – nämlich die, die noch vor ihm lag. Fast hatte er das Gefühl, der Zukunft näher zu sein als der Gegenwart.

Arane ließ sich neben ihn sinken und lehnte sich so schwungvoll an seine Seite, dass er schwankte und sich mit der Hand abstützen musste. Sie lächelten stumm, während die Stille der Stadt sich in ihr Zimmer schlich – nur ab und an durchbrochen vom fernen Jaulen eines Hundes, einem kurzen Klirren, dem Platschen, wenn ein Nachttopf in die Straßengruben geleert wurde.

»Arane ...«, murmelte Scapa, ohne zu wissen, was er ihr sagen wollte. Aber sie war es gewohnt, dass er ihren Namen sagte, wenn er in Gedanken war, und legte den Kopf an seine Schulter. Er erinnerte sich an all die Tage, die er mit ihr schon verbracht hatte. Tage, so heiß wie der heutige, und Tage, an denen sie zähneklappernd vor Kälte nach einem offenen Feuer gesucht hatten. Und er dachte an ihre Zukunft, wie sie gemeinsam den Fuchsbau bewohnen würden, aus dem sie Torron und seine Männer noch vertreiben mussten – sie gemeinsam, die wahren Fürsten von Kesselstadt. Zwei Straßenkinder ...

Arane erhob sich und nahm die Öllampe vom Tisch. »Es ist spät. Ich mache das Licht aus.« Und ihre Gestalt verschwand mit einem Zischen in der Dunkelheit.

Kesselstadt

Zwischen den unendlichen Marschen von Korr und dem Reich der Dunklen Wälder gab es kaum Dörfer oder Städte. Schließlich waren die Einwohner des Waldreichs und die Bewohner von Korr nie besonders gut miteinander ausgekommen – obwohl auch kein Krieg herrschte. Ein Sumpf der Vorurteile und über Generationen überlieferter Hass hatten den Frieden beider Länder in einen unausgesprochenen Rivalitätskampf verwandelt. Selbst zwischen den Moorelfen und den Freien Elfen der Dunklen Wälder herrschte Zwietracht. Und dennoch hatte es eine Stadt geschafft, am Rande von Korr nahe dem Waldreich zu bestehen: Es war eine Stadt, deren Häuser wie durcheinander gewürfelte Steinchen über das gelbe Land verstreut waren und deren Straßen sich tief hinab in die Schluchten schraubten, die die Ebene zwischen Sumpf und Wald so unwirtlich machten. Während die Stadt von oben aus eher wie ein wildes Dörfchen wirkte, spreizte sich ihr größter Teil in die darunter liegenden Talkessel. Darum nannte man sie Kesselstadt.

Aber es gab noch einen anderen Grund für den Namen. Denn in den schiefen Häuserschluchten, den steilen und versteckten Straßen ließ sich alles finden: Reiche und arme Leute, Verbrechen und Begehrlichkeiten, Diebe, Menschen, Elfen – hauptsächlich verstoßene Elfen. Die Stadt war ein Kessel, in dem das Verbrechen vor sich hin köchelte wie eine Suppe, die manchmal überschwappte, sodass sich der Fürst von Kesselstadt die Finger verbrannte und seine Soldaten ausschickte. Dann beruhigte sich die brodelnde Brühe wieder.

Kesselstadt war zu einer Hauptstadt aller Völker geworden. Hier trafen sich Elfen und Menschen des Waldes und der Marschen und trugen ihre Feindseligkeiten aus. Für viele war Kesselstadt ein vorübergehender Unterschlupf oder ein geschäftliches Reiseziel; für andere, für Verbannte oder für niedergelassene Händler, bedeutete die Stadt eine neue Heimat.

Scapas Leben hatte sich ausschließlich in Kesselstadt ereignet. Kaum erinnerte er sich mehr an seine frühe Kindheit, bevor die Straßen sein Zuhause geworden waren. Eines Tages stand er in den Gassen der untersten Viertel, lauschte dem Herzschlag der Stadt und begann, sich ihm anzupassen. Seine Vergangenheit war verschwommen bis zu jenem Augenblick, da er Arane getroffen hatte. Wie jeden Morgen erwachte Scapa durch die Geräusche der Stadt. Das Klirren und Klappern der Kochtöpfe, das Rufen der Händler, die Stimmen lachender und schreiender Kinder schlüpften durch den dunkelroten Zimmervorhang und lockten ihn aus seinen Träumen.

Scapa setzte sich schlaftrunken auf. Sein Mund war trocken. Es war bereits heiß geworden, die feuchtwarme Luft überzog seine Haut wie ein dünner Film. Strubbelige Haare hingen ihm ins Gesicht, darum löste er die drei Zöpfe, die die vordersten Strähnen zurückhielten, und band sie erneut fest.

Arane lag schlafend auf den Bodenmatten, die Knie angezogen und das Gesicht unter den Locken versteckt. Sie sah kleiner aus, als sie war, und vor allem jünger. Man konnte sie mit ihren kurzen Haare glatt für einen Jungen halten, hätte sie nicht den Rock getragen.

»Arane. Wach auf.« Scapa stupste sie mit dem Griff seines Dolches an.

Arane knurrte im Schlaf und vergrub das Gesicht unter der zusammengerollten Decke.

»Wach auf! Wie kannst du bei dieser Schweinehitze noch schlafen?« Scapa lächelte.

Eine Weile blieb es still unter der Decke. Dann drang, gedämpft und leise, eine Frage hervor: »Holst du Wasser ...?«

»Du bist eine faule Kröte, weißt du das?«, erwiderte er, während er sich das Hemd überzog und den Gürtel umband. Zuletzt steckte er sich den Dolch ein. Dann nahm er den verbeulten Blecheimer aus einer Zimmerecke, mit dem sie Wasser holten, und verschwand hinter dem Türvorhang.

Von hier aus war es nicht weit bis zum nächsten Brunnen. Scapa lief durch die Straßen, bog ein paar Mal ab und erreichte schließlich die Schlange, die vor dem Brunnen anstand.

So geschickt Scapa als Dieb und Gauner auch sein mochte, so trickreich er sich durchs Leben schmuggeln konnte – an den reizbaren Anstehenden vor einem Brunnen kam selbst er nicht vorbei. Geduldig stellte er sich darauf ein, zu warten.

An einem Tag wie diesem hatte das Leben von Scapa, dem Dieb begonnen. Die Sonne hatte sengend auf die oberen Hausdächer niedergebrannt, doch hier unten, in den tiefsten Winkeln der Stadt, hatte man davon kaum etwas bemerkt. Nur die Luft war drückender und schwerer zu atmen gewesen.

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