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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Mat stieß Rand von hinten an und murmelte etwas, und so kroch Rand nach vorn in die Baumhöhle hinein. Moiraine und Egwene nahmen sein Eintreten nicht wahr. Die anderen drängten sich hinter ihm hinein, warfen die klammen Umhänge zur Seite, setzten sich ans Feuer und hielten die Hände darüber, um sie zu wärmen. Lan, der letzte, der eintrat, zog Wasserbeutel und Ledersäcke aus einer Nische in der Baumwand, holte einen Kessel hervor und bereitete Tee zu. Er achtete nicht darauf, was die Frauen sagten, aber Rands Freunde hörten auf, sich die Hände zu rösten, und lauschten ganz unverhohlen. Thom gab vor, seine ganze Aufmerksamkeit dem Stopfen seiner wunderschön geschnitzten Pfeife zu widmen, aber die Art, wie er sich zu den Frauen hinüberbeugte, verriet ihn. Moiraine und Egwene benahmen sich, als seien sie allein.

»Nein«, antwortete Moiraine auf eine Frage, die Rand nicht gehört hatte, »die Wahre Quelle kann nicht aufgebraucht werden, genausowenig wie ein Fluß durch das Mühlrad aufgebraucht wird. Die Quelle ist der Fluß, die Aes Sedai sind das Mühlrad.«

»Und Ihr glaubt wirklich, daß ich das lernen kann?« fragte Egwene. Ihr Gesicht glühte vor Eifer. Rand hatte sie noch nie so schön gesehen und gleichzeitig so weit von ihm entfernt. »Ich kann eine Aes Sedai werden?«

Rand sprang auf und stieß mit dem Kopf gegen einen Baumstamm an der niedrigen Decke. Thom Merrilin packte ihn am Arm und zog ihn hinunter.

»Sei kein Narr!« zischte der Gaukler. Er betrachtete die Frauen — keine schien etwas bemerkt zu haben — und blickte Rand voller Sympathie an. »Darauf hast du keinen Einfluß mehr, Junge.«

»Kind«, sagte Moiraine sanft, »nur wenige lernen, die Wahre Quelle zu berühren und die Eine Macht anzuwenden. Einige von denen lernen es besser, andere schlechter. Du gehörst zu der Handvoll Menschen, die es nicht erst lernen müssen. Zumindest wirst du von selbst wissen, wie man die Wahre Quelle berührt, ob du es willst oder nicht. Ohne das Wissen, das du in Tar Valon erwerben kannst, wirst du allerdings nie lernen, die Macht ganz zu beherrschen, und es könnte sein, daß du nicht überlebst. Männer, denen die Fähigkeit angeboren ist, Saidin zu berühren, sterben natürlich, falls die Roten Ajah sie nicht finden und dämpfen... «

Thom grollte tief in seiner Kehle, und Rand rutschte nervös hin und her. Männer wie jene, von denen die Aes Sedai sprach, waren selten — er hatte in seinem ganzen Leben nur von dreien gehört, und die lebten, dem Licht sei Dank, nicht bei den Zwei Flüssen -, aber der Schaden, den sie anrichteten, bevor sie von den Aes Sedai gefunden wurden, war immer schlimm genug, um Futter für die Nachrichten zu liefern, genauso wie die Kriege oder Erdbeben, die ganze Städte zerstörten. Er hatte niemals richtig verstanden, was die Ajah taten. Den Geschichten nach bildeten sie Gesellschaften innerhalb der Aes Sedai, die mehr als alles andere untereinander stritten und intrigierten, doch in einem Punkt waren sich die Geschichten einig. Die Roten Ajah hatten es sich zur obersten Pflicht gemacht, die Welt vor einer neuen Zerstörung zu bewahren, und diese Aufgabe erfüllten sie, indem sie jeden Mann jagten, der davon träumte, die Eine Macht anzuwenden. Mat und Perrin sahen aus, als wünschten sie sich plötzlich, zu Hause in ihren Betten zu liegen.

»... aber auch einige der Frauen sterben. Es ist schwer ohne Führung zu erlernen. Die Frauen, die wir nicht finden und die überleben, werden oft zu... Nun ja, in diesem Teil der Welt werden sie vielleicht Seherinnen in ihren Dörfern.« Die Aes Sedai schwieg nachdenklich. »Das alte Blut ist stark in Emondsfeld, und dieses alte Blut singt. Ich wußte, wer du warst, vom ersten Augenblick an, als ich dich sah. Jede Aes Sedai, die sich in Gegenwart einer Frau befindet, die die Eine Macht lenken kann oder deren Erwachen bevorsteht, fühlt dies.« Sie kramte in einem Beutel an ihrem Gürtel und holte einen kleinen blauen Edelstein an einer Goldkette hervor, den sie vorher im Haar getragen hatte. »Du bist deinem Erwachen sehr nahe, deiner ersten Berührung der Wahren Quelle. Es ist besser, wenn ich dich durch diese Zeit geleite. Dann kannst du die unangenehmen Auswirkungen vermeiden, die denen bevorstehen, die den Weg selbst finden müssen.«

Egwenes Augen wurden groß, als sie den Stein betrachtete, und sie leckte sich die Lippen zum wiederholten Mal. »Ist... Hat der die Macht?«

»Natürlich nicht!« fuhr Moiraine sie an. »Dinge haben keine Macht, Kind. Selbst ein Angreal ist nur ein Werkzeug. Das hier ist nur ein hübscher blauer Stein. Aber er kann Licht erzeugen. Sieh her!«

Egwenes Hände zitterten, als Moiraine den Stein auf ihre Fingerspitzen legte. Sie wollte die Hände zurückziehen, aber die Aes Sedai nahm ihre beiden Hände in eine der ihren, und mit der anderen berührte sie Egwenes Schläfe. »Schau den Stein an«, sagte die Aes Sedai leise. »Es ist besser so, als allein herumzutasten. Befreie deinen Geist von allem bis auf den Stein. Befreie deinen Geist und laß dich treiben. Es gibt nur noch den Stein und die Leere. Ich werde beginnen. Treibe und laß mich dich führen. Keine Gedanken. Treibe.«

Rands Finger bohrten sich in seine Knie; die Kinnbacken verkrampften sich, bis sie schmerzten. Sie muß versagen. Sie muß.

Licht erblühte im Stein, ein einziges blaues Aufblitzen, dann war es verschwunden; nicht heller als ein Glühwürmchen, doch er zuckte zusammen, als habe es ihn geblendet. Egwene und Moiraine starrten mit ausdruckslosen Gesichtern in den Stein hinein. Ein weiteres Aufblitzen, dann noch einmal, bis das azurblaue Licht wie in einem Herzschlag pulsierte. Es ist die Aes Sedai, dachte er verzweifelt. Moiraine tut das. Nicht Egwene.

Ein letztes schwaches Aufflackern, und dann war der Stein erneut nichts als ein Anhänger. Rand hielt die Luft an.

Für einen Moment starrte Egwene noch weiter in den Stein hinein, doch dann blickte sie zu Moiraine auf. »Ich... ich dachte, ich fühle... etwas, aber... Vielleicht habt Ihr doch nicht recht in bezug auf mich. Es tut mir leid, daß Ihr Eure Zeit verschwendet habt.«

»Ich habe nichts verschwendet, Kind.« Um Moiraines Lippen spielte ein schwaches, zufriedenes Lächeln. »Das letzte Licht war allein deines.«

»Tatsächlich?« rief Egwene und verfiel danach sofort in Trübsinn. »Aber es war ja kaum vorhanden.«

»Jetzt benimmst du dich wie ein närrisches Dorfmädchen. Die meisten, die nach Tar Valon kommen, müssen monatelang üben, um das fertigzubringen, was du gerade geschafft hast. Du könntest es weit bringen. Vielleicht sogar eines Tages bis zum Amyrlin-Sitz, wenn du fleißig lernst und arbeitest.«

»Ihr meint...?« Mit einem Freudenschrei umarmte Egwene die Aes Sedai. »O danke! Rand, hast du gehört? Ich werde eine Aes Sedai!«

13

Entscheidungen

Bevor sie einschliefen, kniete Moiraine neben jedem von ihnen nieder und legte ihnen die Hände auf den Kopf. Lan schimpfte, er brauche das nicht, und sie solle ihre Kraft nicht verschwenden, doch er versuchte nicht ernsthaft, sie daran zu hindern. Egwene drängte sich beinahe nach dieser Erfahrung, während Mat und Perrin eindeutig Angst hatten, sich aber auch davor fürchteten, nein zu sagen. Thom zuckte unter den Händen der Aes Sedai zusammen, aber sie ergriff energisch seinen grauen Kopf, mit einem Blick, der keinen Widerspruch erlaubte. Der Gaukler machte die ganze Prozedur hindurch ein saures Gesicht. Sie lächelte spöttisch, als sie die Hände wieder wegnahm. Seine Miene verfinsterte sich noch mehr, aber er sah erfrischt aus. Sie alle wirkten erholt.

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