Der heisse Himmel um Mitternacht
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11452-7
- Переводчик: Roland Fleissner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Der heisse Himmel um Mitternacht». Краткое содержание книги:
Der Chefober – drei glühende weiße Stäbe, mit dickem roten Draht verbunden – kam heran. Nahm eine devote Haltung an. Räusperte sich.
»Bitte um Vergebung, dass ich störe, Mister Farkas. Aber da wünscht dich jemand zu sprechen, und er sagt, es sei äußerst wichtig …«
»Ich bin bei meinem Lunch«, sagte Farkas.
»Selbstverständlich, Mister Farkas. Tut mir entsetzlich leid, dass ich gestört habe, Mister Farkas.«
Und wie es dem leid tat! Das Schmiergeld durfte er auf jeden Fall einstecken, gleichgültig, ob er Kluge mit Farkas zusammenbrachte oder nicht.
Aber vielleicht ergab sich da doch etwas Brauchbares – ein Einstieg, ein Hinweis. Als die drei weißen Stäbe sich zu entfernen begannen, sagte Farkas: »Moment. Wie ist der Name der Person?«
»Kluge, Sir. Ein Kurier. Ich sagte zu ihm, du brauchtest keine Kuriere, aber er sagt, darum geht es nicht, und er will dir auch nichts verkaufen, aber …«
»Schon gut. Sag ihm, ich werde mit ihm sprechen.«
Kluge kam und verharrte in der Nähe. Das wie ein zentrales Auge wirkende Gebilde in seiner Mitte wurde dunkler, fast blauschwarz, und das Schimmern wich einem matten Glänzen. Farkas interpretierte dies als tiefe Unsicherheit, die zwanghaft kontrolliert wurde. Und er warnte sich selbst, dass er diesen Kluge nicht unterschätzen dürfe. Das war eine seiner wenigen Schwächen, das wusste er, dass er sich Menschen gegenüber hochfahrend betrug, die sich durch sein Aussehen verschreckt fühlten und sich nach dem ersten Schock um Fassung bemühten, um nicht ihren Abscheu zu zeigen. Aber manche davon waren trotzdem gefährlich.
»Ich heiße Kluge, Sir«, begann Kluge. Als Farkas darauf nicht sogleich einging, setzte er hastig hinzu: »Ich stehe direkt hier links von dir.«
»Ja. Ich weiß. Setz dich, Kluge. Ist Kluge dein Vor- oder dein Familienname?«
»Beides irgendwie, Sir.«
»Ach. Sehr ungewöhnlich.« Farkas aß weiter. »Und was willst du nun genau von mir? Ich höre, du bist Kurier. Aber ich brauche keinen.«
»Das ist mir klar, Sir. Dein Kurier ist Juanito.«
»Er war es.«
Eine kurze wortlose Pause, ehe Kluge sagte: »Ja, Sir. Das ist tatsächlich eine von den Sachen, die ich dich gern fragen möchte, wenn du erlaubst.« Das große blaue Zentralauge war nun völlig schwarz, wie der Weltraum ohne Sterne. Die scharlachenen Zacken und Spiralen ballten sich und flogen wie zuckende Peitschenschnüre. Farkas sah: Hier bestand eine echte Hochspannung. Kluge sagte: »Juanito ist ein guter Freund von mir. Wir arbeiten ziemlich viel zusammen. Aber seit einiger Zeit hat ihn keiner mehr hier gesehen, und – ich frage mich …«
Er sprach nicht zu Ende. Farkas ließ ihm Zeit. Doch er sprach nicht weiter.
»Was fragst du dich, Kluge?«, sagte er schließlich. »Ob ich weiß, wo er ist? Tut mir leid, aber ich weiß es nicht. Wie ich schon andeutete, Juanito arbeitet nicht mehr für mich.«
»Und du hast auch keine Ahnung …?«
»Nicht die geringste«, sagte Farkas. »Er stand auch nur ein paar Tage in meinem Dienst, dein Freund Juanito. Sobald ich mich hier eingerichtet hatte, benötigte ich ihn nicht länger und entließ ihn aus dem Vertrag. Danach musste ich geschäftlich zu einem benachbarten Satelliten, und als ich dort meine Sachen erledigt hatte, kehrte ich hierher zurück, um ein paar Tage Urlaub zu machen, aber diesmal brauchte ich keinen Kurier, also habe ich auch keinen engagiert. Ich glaube, ich habe dich im Terminal bei meiner zweiten Einreise gesehen, und vielleicht ist dir da ja aufgefallen, dass ich die Formalitäten ohne Hilfe erledigen konnte.«
»Ja. Ich habe dich da gesehen«, sagte Kluge.
»Na also. Ich nehme an, Juanito macht irgendwo Urlaub. Ich habe ihn sehr gut für seine Dienste bezahlt. Wenn du ihn siehst, richte ihm bitte meinen Dank aus für seine gute Arbeit.«
Farkas lächelte auf jene Art, die eine Unterhaltung auf freundliche Weise beendet. Er senkte das Gesicht über seinen Teller, schnitt ein sauberes dreieckiges Stück Fleisch zurecht und führte es zum Mund. Er goss Wein aus der Karaffe in sein Glas und hob es an die Lippen. Er nahm eine Scheibe aus dem Brotkorb und bedeckte sie sorgfältig dünn mit Butter. Kluge beobachtete die ganze Prozedur schweigend. Farkas lächelte ihn erneut an. Diesmal war es allerdings ein anderes Lächeln, als wollte er sagen: Für einen Blinden sehe ich doch recht gut, nicht wahr? Und Kluges Farbgebung verriet bestürzte Verwirrung.
Kluge sagte: »Er ist aber kein großer Herumreiser, der Juanito. Er bleibt am liebsten hier in Nuevo.«
»Dann, denke ich, ist er sicher hier irgendwo«, sagte Farkas. Er schnitt sich wieder ein dreieckiges Stückchen Fleisch zurecht. Lächelte wieder verabschiedend. »Ich verstehe deine Besorgnis um deinen Freund, aber es tut mir leid, dass ich dir nicht weiterhelfen kann. Und nun, wenn es sonst nichts gibt, das du mir zu sagen hast …«
»Doch, da gäbe es etwas, Sir. Der wirkliche Grund, warum ich heute hierher nach Cajamarca kam, um dich zu treffen. Du warst gestern Abend zum Dinner in Valdivia, Sir?«
Farkas nickte.
»Die Sache ist ein wenig außergewöhnlich. Die Frau, für die ich gerade tätig bin, speiste zufällig gestern Abend im selben Restaurant wie du. Sie kommt von der Erde, aus Kalifornien, und macht eine Rundreise durch die L-5-Welten. Sie hat dich dort gesehen, und später fragte sie mich, ob ich es arrangieren könnte, dass sie sich mit dir trifft.«
»Aus welchen Gründen?«
»Da bin ich ebenso überfragt wie du, Sir. Aber ich glaube, es ist etwas Zwischenmenschliches, wenn du mich verstehst.«
Interessant, dachte Farkas. Eine Frau.
Tatsächlich hatte er gestern Abend in dem Restaurant eine Frau wahrgenommen, eine sehr beeindruckende Frau, eine mächtige, auffallende Frau. Einmal war sie an seinem Tisch vorbeigekommen und hatte eine deutliche körperlich-sinnliche Ausstrahlung gehabt, eine große driftende Wolke hitziger weiblicher Stärke verbreitet – grelle Hitzewellen, violettblau, durchzuckt von schweren azurblauen Streifen – und sie hatte sofort seine Aufmerksamkeit erregt und einen unmittelbaren Hormonfluss in ihm ausgelöst. Und auch er hatte ihre Aufmerksamkeit erregt – das leichte überraschte Erschauern in ihrer Aura, das winzige verdutzte Zurückweichen, als ihr seine Augenlosigkeit bewusst wurde … Und dann war sie weitergegangen.
Es wäre ein erfreulicher Zufall, wenn es sich um die selbe Frau handeln sollte. Farkas fühlte sich schon seit einigen Tagen leidlich geil. Sein sexueller Antrieb folgte einer deutlichen Periodizität, lange Strecken mit eunuchenhaftem Desinteresse, unterstrichen von heftigen Ausbrüchen wilder Sexualbedürfnisse. Er machte sich jetzt klar, dass möglicherweise wieder einer dieser episodenhaften Schübe bevorstand. Wäre Juanito noch da gewesen, der Junge hätte wahrscheinlich etwas für ihn arrangieren können. Aber Juanito war ja nun natürlich nicht mehr da. Was für eine freundliche Schicksalsfügung also, dass dieser Kluge aufgetaucht war.
»Wie heißt sie?«, fragte er.
»Bermudez. Jolanda Bermudez«, antwortete Kluge.
Der Name sagte ihm nichts. Und Kluge um eine Beschreibung zu bitten, hätte auch nichts gebracht.
»Nun«, sagte Farkas. »Ich denke, ich kann vielleicht etwas Zeit für sie erübrigen. Wo finde ich sie?«
»Sie wartet in einem Café, das Santa Margarita heißt, ein Stückchen weiter die Speiche rauf. Ich könnte ihr ausrichten, sie kann in, sagen wir, einer halben Stunde hier runterkommen, wenn du deinen Lunch beendet hast.«
»Ich bin fast fertig«, sagte Farkas. »Lass mich hier bezahlen, dann kannst du mich gleich zu ihr bringen.«
»Und Juanito, Sir, weißt du, wir alle machen uns ziemliche Sorgen um ihn. Wenn du also etwas von ihm hörst …«