Der heisse Himmel um Mitternacht
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11452-7
- Переводчик: Roland Fleissner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Der heisse Himmel um Mitternacht». Краткое содержание книги:
Das hätte Rhodes beinahe umgeworfen. Wollten sie ihn für Kyocera anwerben, damit er an ihrem interstellaren Raumfahrt-Projekt mitarbeite?
»Das Problem besteht darin«, fuhr Nakamura geschmeidig fort, »dass die Hyperlichtgeschwindigkeit anscheinend zu etlichen unvermeidlichen Relationsverzerrungen führt. Die Insassen eines solchen Schiffs werden in einem veränderten Raum fliegen, in dem – unter anderen Problemen – die optischen Signale, die ihre Sehnerven erreichen, ihnen völlig fremdartig erscheinen werden. Unsere Augen sind bekanntlich so konstruiert, dass sie das Licht eines bestimmten Segments des Spektrums aufnehmen und die von diesem Licht geformten Muster entsprechend unseren Erwartungen der Gestalt der Dinge entziffern. Im Innern des Sternenschiffs und unter der Wirkung des Antriebsfeldes, das im wörtlichen Sinn das umgebende Kontinuum verformt, um das Schiff mit nichtrelativistischer Geschwindigkeit durch das Raum-Zeit-Gewebe zu befördern, unterliegen die Lichtwellen einer extremen Belastung. Die von den Sehnerven der an Bord befindlichen Personen werden für sie unverständliche Informationen erhalten. Die Besatzung würde effektiv blind sein.«
Rhodes konnte sich kaum vorstellen, dass ein Achter- oder Neuner-Grad so hätte sprechen können. In den Verwaltungsrängen hielt man im allgemeinen Wissenschaft für etwas, das man beruhigt den unteren Stufen überlassen konnte. Aber Nakamura schien tatsächlich begriffen zu haben, wovon er sprach: Aber seine Ausdrucksweise, auch wenn es die gestelzte Sprache des Megamulti-Japaners war, hatte nichts stur Auswendiggelerntes.
Rhodes überlegte, ob man ihn auffordern würde, irgend etwas bezüglich dieses ›Blindheits‹-Problems zu unternehmen. In die Richtung schien Nakamura jedenfalls zu zielen.
Überraschenderweise fragte Nakamura: »Hast du schon einmal etwas von einem Dr. Wu Fang-shui gehört?«
Rhodes war verblüfft. Diesen Namen hatte er seit Jahren nicht mehr gehört.
»Eine Legende in der Geschichte der Genchirurgie«, sagte er. »Der brillanteste Vertreter in seiner Generation. Ein Wunderwirker.«
»Ja. Wahrhaftig. Und hast du eine Ahnung, wo er jetzt ist?«
»Er ist schon seit langem tot. Seine Karriere endete mit einem schrecklichen Skandal. Ich habe gehört, dass er Selbstmord begangen hat.«
»Aber nein, mein verehrter Dr. Rhodes. Das ist nicht die Wahrheit.«
»Kein Selbstmord?«
»Nein, er ist gar nicht tot. Dr. Wu war jahrelang auf der Flucht nach dem bedauerlichen Skandal, auf den du angespielt hast. Aber man hat ihn gefunden, und nun arbeitet er effektiv seit kurzem für uns.«
Die unverblümte Eröffnung Nakamuras bestürzte Rhodes so stark, dass seine Hand heftig zuckte und er Cognac verschüttete. Nakamura goss ihm mit glatter Geste beinahe sofort nach.
»Es fällt mir schwer, das zu glauben«, sagte Rhodes. »Ich zweifle natürlich nicht an deinem Wort. Aber es hat tatsächlich so was, wie wenn ein Astronom erfahren würde, dass Galileo Galilei plötzlich wieder aufgetaucht sei und an einem neuen Teleskop arbeitete. Oder wie wenn man einem Biologen sagte, dass Gregor Mendels neue Arbeit demnächst publiziert werden würde. Oder ein Mathematiker, der hört, dass Edgar Madison …«
Nakamura lächelte kühl. »Ja. Ich verstehe durchaus.« Sein Ton ließ keinen Zweifel daran, dass er Rhodes abblocken wollte, ehe dieser in seiner logorrhöischen Angesäuseltheit das gesamte Pantheon der Wissenschaftler rezitieren konnte. »Aber der gefeierte Dr. Wu entschied sich dafür, zu verschwinden, nicht sich zu töten, als seine illegalen Experimente im Freistaat Kasachstan aufgedeckt wurden, was – wie ich annehme – der Skandal war, auf den du angespielt hast. Er ließ sein Aussehen beträchtlich verändern und suchte in einer der Satellitenwelten von L-5 Asyl. Es zeigte sich, Dr. Rhodes, dass Dr. Wu in Kasachstan unter anderem auch Experimentalforschung auf dem Gebiet der alternativen Vision betrieben hatte. Und derzeit arbeitet er daran, die künftige Besatzung unseres Test-Sternenschiffs zu retrofitten, damit sie befähigt wird, die bei Überlichtgeschwindigkeit auftauchenden visuellen Probleme zu meistern.«
Rhodes hob zitternd sein Glas an die Lippen.
Der unheimliche alte Bastard lebte noch! Und zauberte in irgendeinem Labor bei K-M weiter herum! Unvorstellbar!
»Und falls ich mich entschließen sollte, zu Kyocera zu gehen«, fragte Rhodes, »dann würde ich unter Dr. Wu an diesem Sternenschiff-Projekt arbeiten, ja?«
»Aber keineswegs. Nach allem, was wir über Dr. Wus frühere Erfahrungen aus seinen Arbeiten in Kasachstan wissen, dürfte er durchaus in der Lage sein, das Problem der visuellen Wahrnehmungsfähigkeit unter Hyperdrive-Bedingungen in kürzester Zeit zu lösen, auch ohne die Mitwirkung eines so hervorragenden Wissenschaftlers, wie du es bist, Dr. Rhodes. Aber davon ganz abgesehen, es wäre ja töricht, wenn wir dich von deinem derzeitigen Forschungsprojekt abzuziehen versuchten.«
»Du meinst, ich könnte direkt mit dem weitermachen, was ich in Santachiara tue, nur eben unter der Schirmherrschaft von Kyocera-Merck?«
»Ja, genau. Wir setzen zwar hohe Erwartungen auf unser Sternenschiffprogramm, aber wir wissen auch zu gut, dass die Kolonisation in anderen Sonnensystemen nur eine potentielle Lösung für unser Problem darstellt. Es wäre sträflich leichtfertig, wenn wir die Möglichkeiten der Adapto-Forschung unberücksichtigt lassen würden. Und hier bei Kyocera-Merck machen wir uns ernsthafte Sorgen darüber, dass die Firma, für die du tätig bist, offenbar in diesem Bereich eine Vormachtstellung erlangt hat.«
Also war den Leuten bewusst geworden, dass man sich bei Samurai in die Startlöcher für nichts geringeres als die Weltherrschaft begab.
»Ich verstehe«, sagte Rhodes.
»Deshalb sind wir bereit, dir die gleichen Forschungsmittel zur Verfügung zu stellen oder sie auch soweit zu vergrößern, wie du dies für wünschenswert hältst. Wir besorgen dir alles an Ausrüstung, was du benötigst, auf jeder Budgetbasis, die dir angemessen erscheint.«
Mit trockener Kehle krächzte Rhodes: »Das klingt sehr reizvoll.«
»Das ist unsere Absicht. Aber natürlich würden wir hoffen, du bringst die meisten oder alle Angehörigen deines derzeitigen Forscherteams mit herüber.«
»Das könnte mir aber einigen juristischen Ärger einbringen, nicht wahr?«
»Es könnte uns einigen juristischen Ärger einbringen«, sagte Nakamura. »Der Firma als einer Körperschaft, Doktor, nicht dir als Einzelperson. Aber wir sind bereit, dieses Risiko auf uns zu nehmen.« Er hielt ihm die Cognacflasche entgegen. »Noch einen Tropfen?«
Rhodes legte hastig die Hand über sein Glas.
»Danke, nein.«
»Ich glaube, ich schon«, sagte Nakamura. Er schenkte sein Glas voll und hob es zu einem Toast. Er wirkte nun graziös, entspannt, charmant, ganz echter Freund und Trinkbruder. »Ich glaube, es wäre verfrüht, jetzt schon über Gehälter zu sprechen. Aber ich bin sicher, du weißt, dass wir höchst großzügig zu sein beabsichtigen, sowohl was die direkte Gehaltsfrage angeht, als auch bezüglich der Beförderung in höhere Rangstufen für dich und deine wichtigsten Mitarbeiter.«
Rhodes Kopf wirbelte.
»Und nun zu Dr. Wu und seinem Zusammenhang mit unserer Unterhaltung«, sagte Nakamura.
Richtig, Wu hatte irgend etwas damit zu tun, erinnerte sich Rhodes.
»Wenn er seine Arbeit für das Sternenschiff-Projekt abgeschlossen hat – was unserer Schätzung nach in einigen Monaten der Fall sein wird –, könnte es sehr gut möglich sein, dass wir ihn deiner Gruppe beiordnen, sagen wir als Research-Berater. Ein älterer Berater, dir weder über- noch untergeordnet, sondern euren Arbeiten einfach zur Verfügung gestellt als ein Sammelbecken höchst fortschrittlicher technischer Fähigkeiten. Beispielsweise: Wir erfuhren aus guter Quelle, dass ein Mitglied deines Teams einen extrem kühnen, ja radikal neuen Vorschlag für eine neue Forschungsrichtung vorgebracht hat, die sich als höchst fruchtbringend erweisen könnte, die aber derzeit noch von potentiellen unüberwindbar scheinenden Hürden behindert ist. Es könnte der Fall sein, dass ein Wissenschaftler von der Bedeutung Dr. Wus, wenn er sich diesen Hindernissen sozusagen mit frischer Vision annimmt, Vorschläge anbieten könnte, die …«