Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Ich will mich ja nicht beklagen, Moiraine Sedai«, sagte Thom mit ungewohnter Schüchternheit, »aber wäre es nicht besser gewesen, uns weiterhin Deckung zu gewähren? Vielleicht bis Baerlon? Wenn der Draghkar auf diese Seite des Flusses schaut, dann verlieren wir alles, was wir gewonnen haben.«
»Die Draghkar sind nicht besonders schlau, Meister Merrilin«, sagte die Aes Sedai trocken. »Furchterregend und von tödlicher Gefahr und mit guten Augen ausgestattet, doch mit wenig Intelligenz. Er wird dem Myrddraal berichten, daß es auf dieser Seite des Flusses klar sei, doch der Fluß selbst sei meilenweit in beiden Richtungen in Nebel gehüllt. Der Myrddraal wird wissen, welche Anstrengung das für mich bedeutete. Er wird in Betracht ziehen, daß wir vielleicht den Fluß hinunter zu entkommen versuchen, und das wird ihn aufhalten. Er muß seine Bemühungen verdoppeln. Der Nebel sollte sich lange genug halten, damit er nie sicher ist, ob wir nicht doch zumindest ein Stück mit einem Boot gefahren sind. Ich hätte den Nebel statt dessen auch mehr in Richtung Baerlon ausdehnen können, doch dann könnte der Draghkar den Fluß innerhalb weniger Stunden absuchen, und der Myrddraal wüßte genau, in welche Richtung wir reisen.«
Thom pustete und schüttelte den Kopf. »Ich entschuldige mich, Aes Sedai. Ich hoffe, Ihr seid mir nicht böse.«
»Ah, Moi... ach ja, Aes Sedai.« Mat stockte und schluckte hörbar. »Die Fähre... äh... habt Ihr... ich meine... ich verstehe nicht, wieso... « Er verstummte schüchtern, und die nachfolgende Stille war so tief, daß der einzige Laut, den Rand vernahm, der eigene Atem war. Schließlich sprach Moiraine, und ihre Stimme erfüllte die leere Stille mit Schärfe. »Ihr sucht alle nach Erklärungen, aber wenn ich jede meiner Handlungen erst erklären wollte, dann hätte ich keine Zeit mehr für anderes.« Im Mondlicht erschien ihnen die Aes Sedai größer, sie ragte beinahe über ihnen auf. »Wisset also: Ich beabsichtige, Euch sicher nach Tar Valon zu bringen. Das ist das einzige, was Ihr wissen müßt.«
»Wenn wir weiter hier herumstehen«, warf Lan ein, »muß der Draghkar den Fluß nicht erst absuchen. Falls mich mein Gedächtnis nicht täuscht...« Er führte sein Pferd weiter die Böschung hoch.
Als habe die Bewegung des Behüters etwas in seiner Brust befreit, holte Rand tief Luft. Er hörte die anderen dasselbe tun, sogar Thom, und erinnerte sich an eine alte Redensart: Besser dem Wolf auf die Nase spucken als eine Aes Sedai erzürnen. Aber die Anspannung war gewichen. Moiraine ragte über niemanden auf; sie reichte ihm kaum bis zur Brust.
»Können wir uns wenigstens ein bißchen ausruhen?« fragte Perrin hoffnungsvoll und gähnte. Egwene, die sich träge an Bela lehnte, seufzte erschöpft.
Das war der erste verzagte Laut, den Rand von ihr vernahm. Vielleicht merkt sie endlich, daß dies kein tolles Abenteuer ist. Dann erinnerte er sich schuldbewußt daran, daß sie nicht wie er den halben Tag verschlafen hatte. »Wir brauchen ein wenig Ruhe, Moiraine Sedai«, sagte er. »Schließlich sind wir die ganze Nacht hindurch geritten.«
»Dann schlage ich vor, wir sehen nach, was Lan mit uns im Sinn hat«, sagte Moiraine. »Kommt!«
Sie führte sie die Böschung vollends hinauf und in den Wald hinein. Kahle Äste verstärkten die Schatten, und sie erreichten eine dunkle Erhebung neben einer Lichtung. Hier hatte vor langer Zeit eine Überschwemmung einen ganzen Hain von Lederblattbäumen unterspült und umgestürzt. Die Bäume waren zu einem großen Gewirr aus Stämmen und Ästen und Wurzeln zusammengesackt. Moiraine blieb stehen, und plötzlich erschien in Bodennähe ein Licht. Der Schein drang aus dem Gestrüpp hervor, und Lan kroch dort unten heraus. Er schob vorsichtig den Stummel einer Fackel vor sich her. »Keine ungebetenen Besucher«, sagte er zu Moiraine. »Und das Holz, das ich gesammelt hatte, ist immer noch trocken. Ich habe ein kleines Feuer gemacht. Wir können uns in der Wärme ausruhen.«
»Hattet Ihr damit gerechnet, daß wir hier eine Rast einlegen?« fragte Egwene überrascht.
»Das schien ein geeigneter Ort«, antwortete Lan. »Ich bin immer gern auf alles vorbereitet. Man kann ja nie wissen.«
Moiraine nahm ihm die Fackel ab. »Kümmerst du dich um die Pferde? Wenn du fertig bist, werde ich mein möglichstes tun, um allen die Müdigkeit zu vertreiben. Jetzt gerade möchte ich mich mit Egwene unterhalten.
Egwene?«
Rand beobachtete, wie sich die beiden Frauen bückten und unter dem Gewirr aus Baumstämmen verschwanden. Es gab da eine niedrige Öffnung, kaum groß genug, um hineinzukriechen. Der Schein der Fackel verschwand.
Lan hatte bei den Reisevorbereitungen auch an Futtersäcke und einen kleinen Hafervorrat gedacht, doch die Pferde sollten die Sättel nicht ablegen. Statt dessen holte er die ebenfalls mitgebrachten Fußfesseln heraus. »Sie könnten sich ohne Sättel natürlich besser ausruhen, aber falls wir schnell weitermüssen, haben wir vielleicht keine Zeit mehr, sie wieder zu satteln.«
»Für mich sehen sie nicht so aus, als müßten sie sich ausruhen«, sagte Perrin beim Versuch, einen Futtersack über den Kopf seines Reittieres zu hängen. Das Pferd warf den Kopf hoch, bevor es ihm gestattete, die Riemen anzubringen. Rand hatte auch seine Schwierigkeiten mit Wolke. Er benötigte drei Versuche, bis er den Segeltuchbeutel über die Nase des Grauen gezogen hatte.
»Sie brauchen Ruhe«, sagte Lan. Er richtete sich auf, nachdem er seinen Hengst festgemacht hatte. »Ja, sie können immer noch rennen. Wenn wir nicht aufpassen, dann rennen sie, bis sie vor Erschöpfung tot umfallen. Mir wäre es lieber gewesen, Moiraine Sedai hätte das nicht tun müssen, aber es war nicht anders möglich.« Er tätschelte den Hals des Hengstes, und das Pferd hob und senkte den Kopf, als genieße es die Berührung des Behüters. »Wir müssen in den nächsten Tagen langsamer tun, damit sie sich erholen. Langsamer, als mir lieb ist. Aber mit etwas Glück wird es reichen.«
»Ist das...?« Mat schluckte hörbar. »Meinte sie das? Mit unserer Erschöpfung?«
Rand klatschte mit der Hand auf Wolkes Hals und starrte ins Leere. Obwohl sie seinem Vater so wirkungsvoll geholfen hatte, hatte er nicht das Bedürfnis, die Macht der Aes Sedai auch an sich selbst erproben zu lassen. Licht, sie hat ja so gut wie zugegeben, daß sie die Fähre versenkte.
»Ja, so ungefähr.« Lan lachte sarkastisch. »Aber ihr müßt euch keine Gedanken machen, daß ihr euch zu Tode rennen werdet — solange die Lage nicht sehr viel schlimmer wird als jetzt. Nehmt es einfach als eine zusätzliche Nacht zum Schlafen.«
Von weit droben über dem nebelbedeckten Fluß ertönte plötzlich der Schrei des Draghkars. Sogar die Pferde erstarrten. Wieder erklang er, diesmal näher, und noch einmal. Wie Nadeln drang es in Rands Schädel. Dann wurden die Schreie schwächer, bis sie ganz fern verklangen. »Glück«, hauchte Lan. »Es sucht den Fluß nach uns ab.« Er zuckte kurz mit den Achseln und klang plötzlich wieder ganz selbstsicher. »Gehen wir hinein. Ich könnte heißen Tee gebrauchen und etwas zum Magenfüllen.«
Rand war der erste, der auf Händen und Knien durch die Öffnung im Gestrüpp und einen kurzen Tunnel hinunterkroch. Am Ende hielt er an, immer noch auf Knien. Vor ihm lag ein unregelmäßig geformter Raum, eine Waldhöhle, die bei weitem groß genug für alle war. Die Decke aus Baumstämmen und Ästen war allerdings so niedrig, daß nur die Frauen aufrecht stehen konnten. Rauch stieg von einem kleinen Feuer auf einem Fundament aus Flußsteinen auf und trieb davon. Der Luftzug reichte aus, um den Raum vom Rauch zu befreien, und das verwobene Gestrüpp war so dicht, daß kein Feuerschein nach außen drang. Moiraine und Egwene hatten ihre Umhänge zur Seite gelegt und saßen sich im Schneidersitz am Feuer gegenüber. »Die Eine Macht«, sagte Moiraine gerade, »kommt aus der Wahren Quelle, der treibenden Kraft der Schöpfung, der Kraft, die der Schöpfer erschuf, um das Rad der Zeit zu drehen.« Sie legte die Handflächen aneinander und preßte sie gegeneinander. »Saidin, die männliche Hälfte der Wahren Quelle, und Saidar, die weibliche Hälfte, arbeiten gleichzeitig gegeneinander und miteinander, um die Macht zu erzeugen. Saidin« — sie erhob eine Hand und ließ sie wieder fallen — »wurde durch die Berührung des Dunklen Königs verdorben, wie Wasser, auf dessen Oberfläche ein dünner Film ranzigen Öls schwimmt. Das Wasser ist immer noch rein, doch man kann es nicht berühren, ohne gleichzeitig die Verunreinigung zu berühren. Nur Saidar kann noch gefahrlos benutzt werden.« Egwene wandte Rand den Rücken zu. Er konnte ihr Gesicht nicht sehen, doch sie beugte sich begierig lauschend vor.