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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Ich hätte es vor Monaten mühelos richten können«, sagte ich und drehte seine Hand um, um den Winkel der Kontraktur kritisch zu betrachten. »Es wäre ein Leichtes gewesen. Jetzt wird es um einiges komplizierter werden – aber ich kann es immer noch korrigieren, glaube ich.«

Wäre er ein weniger sturer Mensch gewesen, hätte ich gesagt, dass er sich vor Verlegenheit wand. So jedoch zuckte er lediglich schwach, und die Röte in seinem Gesicht nahm zu.

»Ich – ich wünsche nicht –«

»Es ist mir verdammt gleichgültig, was Ihr wünscht«, sagte ich zu ihm und legte ihm die Klauenhand wieder in den Schoß. »Wenn Ihr mir nicht erlaubt, diese Hand zu operieren, wird sie innerhalb von sechs Monaten so gut wie nicht mehr zu gebrauchen sein. Ihr könnt doch jetzt schon kaum noch damit schreiben, oder?«

Sein Blick traf den meinen, tiefgrau und erschrocken.

»Ich kann schreiben«, sagte er, doch ich konnte sehen, dass sich hinter der Kampflust in seiner Stimme tiefe Beklommenheit verbarg. Tom Christie war ein gebildeter Mann, ein Gelehrter und der Schulmeister von Fraser’s Ridge. Er war es, zu dem viele der Menschen hier gingen, wenn sie Hilfe beim Verfassen von Briefen oder rechtlichen Dokumenten brauchten. Darauf war er sehr stolz; ich wusste, dass die Drohung des Verlustes dieser Fähigkeit mein bester Ansatz war – und es war keine leere Drohung.

»Nicht mehr lange«, sagte ich und weitete meine Augen, als ich ihn ansah, um mich ganz deutlich auszudrücken. Er schluckte beklommen, doch bevor er antworten konnte, tauchte Jamie wieder auf, einen Weinkrug in der Hand.

»Besser, wenn Ihr auf sie hört«, riet er Christie und stellte den Krug auf die Arbeitsfläche. »Ich weiß, wie es ist, mit einem steifen Finger zu schreiben, aye?« Er hob seine rechte Hand und krümmte sie mit reumütiger Miene. »Wenn sie das mit ihrem Messerchen wieder hinbekommen könnte, würde ich ihr meine Hand sofort auf den Block legen.«

Jamies Problem war beinahe das Gegenteil von Christies, obwohl die Wirkung sehr ähnlich war. Der Ringfinger war so böse gequetscht worden, dass die Gelenke verknöchert waren; er konnte ihn nicht beugen. Demzufolge war die Bewegungsfreiheit der beiden Finger rechts und links davon ebenfalls eingeschränkt, obwohl ihre Gelenkkapseln unversehrt waren.

»Mit dem Unterschied, dass deine Hand nicht schlimmer wird«, sagte ich zu Jamie. »Seine schon.«

Christie machte eine kleine Bewegung und schob die rechte Hand zwischen seine Oberschenkel, als wollte er sie verstecken.

»Aye, nun ja«, sagte er, in die Enge getrieben. »Es kann sicher noch etwas warten.«

»Zumindest so lange, bis sich meine Frau um die andere Hand gekümmert hat«, merkte Jamie an und goss einen Becher voll Wein. »Hier – könnt Ihr ihn halten, Tom, oder soll ich …?« Mit einer fragenden Geste hob der den Becher so, als wollte er ihn Christie an die Lippen führen. Der riss seine rechte Hand aus den schützenden Falten seiner Kleidung.

»Das kann ich schon«, fuhr er Jamie an und nahm den Wein – und hielt den Becher so ungeschickt mit Daumen und Zeigefinger fest, dass er noch stärker errötete. Seine linke Hand hing immer noch über seiner Schulter in der Luft. Er sah albern aus und kam sich offenbar auch so vor.

Jamie goss noch einen Becher voll und reichte ihn mir, ohne Christie zu beachten. Das hätte ich für selbstverständlichen Takt gehalten, wäre ich mir nicht der komplizierten Vergangenheit der beiden Männer bewusst gewesen. Es klangen unverändert gewetzte Messer mit, wenn Jamie und Tom Christie miteinander umgingen, obwohl sie nach außen hin eine freundliche Fassade wahrten.

Gegenüber jedem anderen Mann wäre Jamies Demonstration seiner eigenen beschädigten Hand einfach nur das gewesen, wonach es aussah – eine Geste der Beruhigung und der Kameradschaft in einer verletzlichen Lage. Gegenüber Tom Christie war es möglich, dass es bewusst als Beruhigung gemeint war, doch es lag zugleich eine Drohung darin, obwohl Jamie vielleicht gar nichts dafür konnte.

Es war nun einmal schlicht und ergreifend so, dass die Leute Jamie öfter um Hilfe baten als Christie. Jamie genoss allgemeinen Respekt und Bewunderung, trotz seiner verkrüppelten Hand. Christie war als Person nicht besonders beliebt; es war gut möglich, dass er jeden gesellschaftlichen Rang verlor, wenn ihm die Fähigkeit zu schreiben abhandenkam. Und – wie ich unverblümt erwähnt hatte – Jamies Hand würde sich nicht verschlimmern.

Christies Augen hatten sich über seinem Becher ein wenig verengt. Die Drohung war ihm nicht entgangen, ob sie nun beabsichtigt war oder nicht. So etwas entging ihm nicht; Tom Christie war von Natur aus ein argwöhnischer Mensch; er fühlte sich schon bedroht, wenn es nicht beabsichtigt war.

»Ich glaube, die Hand hat sich jetzt etwas beruhigt, lasst mich danach sehen.« Ich griff sanft nach seiner linken Hand und wickelte sie aus. Die Blutung hatte aufgehört. Ich legte die Hand in ein Bad aus mit Knoblauch abgekochtem Wasser, fügte zur weiteren Desinfektion ein paar Tropfen reines Äthanol hinzu und machte mich daran, mir meine Ausrüstung zurechtzulegen.

Es wurde allmählich dunkel, und ich zündete den Alkoholbrenner an, den Brianna für mich konstruiert hatte. In seinem hellen, gleichmäßigen Licht konnte ich sehen, dass Christies Gesicht den Anflug von Zornesröte verloren hatte. Er war nicht mehr so blass wie vorhin, sah aber so beklommen aus wie ein Maulwurf auf einer Dachsversammlung, als sein Blick meinen Händen folgte, die mein Nähmaterial und meine Schere zurechtlegten. Im Schein der Lampe glänzte alles sauber und scharf.

Jamie ging nicht, sondern blieb, an die Arbeitsfläche gelehnt, stehen und nippte ebenfalls an einem Becher Wein – mutmaßlich für den Fall, dass Christie erneut das Bewusstsein verlor.

Ein leises Zittern durchlief Christies Hand und Arm, die auf den Tisch gestützt waren. Er schwitzte wieder; ich konnte es riechen, scharf und bitter. Es war dieser Geruch, halb vergessen, aber augenblicklich vertraut, der mich schließlich das Problem erkennen ließ: Es war Angst. Möglicherweise konnte er kein Blut sehen; Angst vor Schmerzen hatte er mit Sicherheit.

Ich hielt den Blick auf meine Arbeit gerichtet und beugte den Kopf tiefer darüber, damit er meinem Gesicht nichts ansehen konnte. Ich hätte es eher sehen müssen; ich hätte es auch eher gesehen, dachte ich, wenn er kein Mann gewesen wäre. Seine Blässe, der Ohnmachtsanfall … nicht verursacht durch den Blutverlust, sondern durch den Schreck, das Blut verlorengehen zu sehen.

Ich flickte routinemäßig Männer und Jungen zusammen; eine Farm in den Bergen war harte Arbeit, und es gab kaum eine Woche, in der mir nicht irgendeine Axtwunde präsentiert wurde oder der Hieb einer Gartenhacke, ein Schweinebiss, eine Kopfverletzung, die sich jemand bei einem Sturz zugezogen hatte, oder irgendeine andere kleine Kalamität, die genäht werden musste. Im Großen und Ganzen verhielten sich meine Patienten völlig ungerührt, ließen meine Behandlung stoisch über sich ergehen und gingen danach gleich wieder an die Arbeit. Doch mir war klar, dass die Männer fast ausnahmslos Highlander waren, und viele von ihnen nicht nur Highlander, sondern ehemalige Soldaten.

Tom Christie war ein Städter aus Edinburgh – er war in Ardsmuir als Sympathisant der Jakobiten eingekerkert gewesen, doch er war nie ein Kämpfer gewesen, sondern Militärbeauftragter. Wahrscheinlich, so begriff ich überrascht, hatte er im Leben noch keine richtige Militärschlacht gesehen, ganz zu schweigen davon, sich auf den täglichen Kampf mit der Natur einzulassen, den das Farmerdasein in den Highlands mit sich brachte.

Mir wurde bewusst, dass Jamie nach wie vor im Schatten stand, an seinem Wein nippte und mit schwach ironischer Gleichgültigkeit zusah. Ich blickte rasch zu ihm auf; er verzog keine Miene, doch er erwiderte meinen Blick und nickte kaum merklich.

Tom Christie hatte seine Lippe zwischen die Zähne geklemmt; ich konnte das leise Pfeifen seines Atems hören. Er konnte Jamie nicht sehen, wusste aber, dass er da war; seine steife Rückenhaltung verriet es. Möglich, dass er Angst hatte, Tom Christie, doch ganz ohne Mut war er nicht.

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