Die Familie ohne Namen
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:
Uebrigens zweifelte Niemand mehr an dem entscheidenden Erfolg des Aufstandes, weder die politischen Anführer der Oppositionspartei, noch Herr de Vaudreuil und seine Freunde, weder Thomas Harcher, Pierre, Remy, Michel, Tony und Jacques, seine tapfern Söhne, noch einer der Bewohner des Fleckens, welche besonders stolz waren bei dem Gedanken, daß dieser letzte gegen die angelsächsische Tyrannei geführte Schlag von ihnen ausgehen sollte.
Vor Eröffnung des Angriffs auf St. Charles hatte der Oberstlieutenant Whiterall an Brown und dessen Gefährten das Angebot ergehen lassen, daß ihnen nichts geschehen sollte, wenn sie sich unterwerfen wollten.
Dieser Vorschlag wurde von den Waffengefährten Brown's einstimmig zurückgewiesen. Wenn die Königlichen mit demselben hervortraten, so geschah das ihrer Meinung nach nur, weil sie sich nicht in der Lage befanden, das Lager mit Gewalt zu nehmen. Nein, man wollte sie auf keinen Fall herein lassen, um dort vielleicht blutige Vergeltung zu üben; sobald die Colonne Whiterall's näher kam, sollte sie zurückgeschlagen und versprengt werden. Das war eine neue Niederlage, welche den Königlichen drohte - und dieses Mal eine vollständige Niederlage, welche den endlichen Sieg schon sicherstellen mußte.
So dachte man in den Reihen der Patrioten.
Man würde sich übrigens sehr täuschen mit der Annahme, daß die Vertheidiger des Lagers sehr zahlreich gewesen wären - nur eine handvoll Leute, dafür aber die besten der Partei. Führer und eigentliche Kämpfer berechnet waren ihrer höchstens zweihundert, bewaffnet mit Sensen, Aexten, einfachen Knütteln und Steinschloßgewehren; während sie der königlichen Artillerie nur zwei - noch dazu kaum dienstfähige Kanonen entgegenzustellen hatten.
Während die Insurgenten sich nun vorbereiteten, die Colonne Whiterall's zu empfangen, marschirte diese trotz der Hindernisse, welche der Winter dieser Gegend ihr in den Weg legte, rasch auf ihr Ziel los. Das Wetter war kalt, der Erdboden steinhart und trocken. Die Mannschaften hielten einen scharfen Schritt ein und die beiden Feuerschlünde rollten über den harten Weg hin, ohne durch Schneehaufen oder aus Wegaushöhlungen geschleppt werden zu müssen.
Die Reformer erwarteten die Truppen. Begeistert durch ihren letzten Sieg und elektrisirt durch die Anwesenheit ihrer Führer, wie Brown, Desrivieres, Gauvin, Vincent Hodge, de Vaudreuil, Amiot, A. Papineau, Marchessault und Maynard, vorzüglich aber durch die Johanns ohne Namen, hatten sie, wie wir wissen, den Vorschlag des Oberstlieutenant Whiterall ohneweiters zurückgewiesen. Seine Aufforderung, sich zu ergeben und die Waffen zu strecken, waren sie bereit mit Flintenschüssen, mit Sensenhieben und Axtschlägen zu beantworten.
Das an dem einen Ende des Fleckens errichtete Lager bot jedoch einige Nachtheile, zu deren Beseitigung es jetzt an der nöthigen Zeit fehlte. War es auch auf der einen Seite durch den Fluß gedeckt und auf der anderen durch ein Baumdickicht, welches das Haus Debartzeh's umgab, vertheidigt, so wurde es von der Rückseite doch von einem Hügel beherrscht.
Die Insurgenten nun waren an Zahl zu schwach, um diesen Hügel besetzen zu können. Gelang es den Königlichen, auf demselben Stellung zu nehmen, so gab es gegen deren Feuer keinen anderen Schutz mehr als das Debartzeh'sche Haus, welches aus Vorsorge schon mit Schießscharten versehen worden war. Immerhin blieb es sehr fraglich, ob dasselbe einem Sturme würde widerstehen können, und ob Brown und seine Gefährten die Macht besitzen würden, den Angreifern darin hinreichenden Widerstand entgegenzusetzen.
Etwa um zwei Uhr Nachmittags ertönte aus der Ferne ein verworrenes Geschrei, und bald bemerkte man in derselben Richtung ein auffallendes Getümmel. Das rührte von einer Menge Frauen, Kinder und alter Leute her, welche quer über das Feld nach St. Charles zu entflohen.
Es waren Landleute, die hier Schutz suchten. In weiterer Ferne stiegen schwärzliche Rauchsäulen von den längs der Straße in Brand gesetzten Häusern auf - so weit man sehen konnte, brannten die Farmen. Inmitten von Ruinen und grausamen Metzeleien, welche ihren Weg bezeichneten, drangen Whiterall's Colonnen vor.
Brown gelang es, diejenigen der Flüchtlinge, welche noch kampffähig schienen, zum Stehen zu bringen, und nach Ueberlassung des Oberbefehls an Marchessault jagte er jetzt selbst auf die Landstraße hinaus, um die Schwachen und Hilflosen zu holen. Nachdem Marchessault alle Maßregeln zur Verlängerung des Widerstandes getroffen, ließ er seine Mannschaft unter dem Schutze der Hecken, welche das Lager umschlossen, antreten.
»Hier, Ihr Leute, sagte er, hier wird sich das Schicksal des Landes entscheiden! Hier müssen wir dasselbe vertheidigen!...
- Bis zum Tode!« antwortete Johann ohne Namen.
In diesem Augenblicke krachten die ersten Schüsse in der Nähe des Lagers, und jeder sah wohl ein, daß die königlichen Truppen von Beginn des Gefechts an die Vortheile auf ihrer Seite hatten.
Sich dem Feuer der Insurgenten, welche längs der Hecken standen und die ihm schon einige Leute getödtet hatten, auszusetzen, das wäre seitens des Oberstlieutenants Whiterall ein kaum zu verzeihender Fehler gewesen. Mit seinen aus drei-bis vierhundert Fußtruppen und Reitern bestehenden Streitkräften, welche noch zwei Feldgeschütze unterstützten, war es ihm ja ein Leichtes, die Vertheidiger des Lagers von St. Charles, wenn er eine das letztere beherrschende Stellung einnahm, zu vernichten. So ertheilte er denn auch Befehl, die Verschläge zu umgehen und den im Rücken der feindlichen Stellung gelegenen Hügel zu besetzen.
Diese Bewegung vollzog sich ohne Schwierigkeiten; die beiden Kanonen wurden auf die Höhe geschleppt, nebeneinander aufgestellt und der Kampf begann nun mit einer auf beiden Seiten gleich großen Entschlossenheit. Das geschah Alles mit solcher Schnelligkeit, daß Brown, der noch dabei war, die sich über das Land zerstreuenden Flüchtlinge zu sammeln, nicht mehr ins Lager zurückkehren konnte und bis nach St. Denis verschlagen wurde.
Trotz ihrer nur sehr mangelhaften Deckung vertheidigten sich die Patrioten mit bewundernswerthem Muthe. Marchessault, Herr de Vaudreuil, Vincent Hodge, Clerc, Farran, Gramont, Thomas Harcher und seine Söhne, sowie Alle, welche mit Gewehren bewaffnet waren, erwiderten Schuß für Schuß das Feuer der Angreifer. Johann ohne Namen trug schon durch seine Anwesenheit allein dazu bei, ihren Muth zu erhöhen. Ihm fehlte hier aber eins, ein eigentliches Kampfesfeld für ein Handgemenge, um die Tapfersten mit sich fortzureißen und sich Mann an Mann auf den Feind zu stürzen. Bei diesem Kampfe auf größere Entfernung erlahmte seine Thatenlust.
Der Kampf dauerte nichtsdestoweniger an, so lange die Hecken noch einigermaßen Schutz gewährten. Wenn die Vertheidiger des Lagers mehr als einen Rothrock hingestreckt hatten, so blieben doch auch ihnen empfindliche Verluste nicht erspart. Von Kanonen- oder Flintenkugeln getroffen, waren ein Dutzend von ihnen gefallen und entweder todt oder doch kampfunfähig gemacht. Unter den ersteren befand sich Remy Harcher, der, von einer Kartätschenkugel mitten durch die Brust getroffen, in seinem Blute schwamm. Als seine Brüder ihn aufhoben, um ihn hinter das Haus zu tragen, war er nur noch eine Leiche.
Hier lag auch schon Andre Farran mit zerschmetterter Schulter. Herr de Vaudreuil und Vincent Hodge waren, nachdem sie ihn aus dem Feuerbereiche geschafft, wieder an ihren Platz zurückgekehrt.
Bald machte es sich aber nöthig, die erste Deckungslinie zu räumen. Die von den Kanonenkugeln zerrissenen Hecken eröffneten den Feinden Zugang zum Lager, so daß der Oberstlieutenant Whiterall Befehl gab, die Belagerten mit dem Bajonnet anzugreifen. Das wurde zur »wirklichen Schlächterei«, wie die Berichte über diese blutige Episode der franco-canadischen Insurrection sich ausdrückten.
Hierbei fielen tapfere Patrioten, welche nach Erschöpfung ihrer Munition sich nur noch mit Kolbenschlägen wehrten, hier wurden die beiden Hebert getödtet, welche minder glücklich waren als A. Papineau, Amiot und Marchessault, denen es gelang, sich durch die Angreifer nach wüthendem Einzelkampfe durchzuschlagen. Hier unterlagen andere Parteigänger der nationalen Sache, deren Anzahl niemals bekannt geworden ist, da der Fluß eine Menge Leichen hinwegschwemmte.