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Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:

1825 wird eine franko-kanadische Verschwörung gegen die englische Regierung in Kanada verraten. Aber der Verräter verzweifelt an seiner Schuld und erschießt sich. Nun setzt die Familie alles daran, dieses Verbrechen zu sühnen, bis ihr guter Name wieder hergestellt ist. In spannenden Episoden schildert uns Verne das Schicksal der beiden Söhne des Verräters, die für ein freies Kanada kämpfen -bis zum bitteren Ende. Ein Abenteuerroman vor historischem Hintergrund, bei dem auch die kanadischen Indianer eine wichtige Rolle spielen.
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Kein Mensch befand sich auf dem von den entfernten Flammen hell erleuchteten Platze.

Johann kehrte zu Herrn de Vaudreuil zurück, der ausgestreckt neben einem Pfeiler lag. Er hob ihn auf und nahm ihn die Arme. Doch selbst für einen so muskelstarken Mann wie Johann bildete der Körper eine sehr schwere Last, wenn er diese bis nach der Biegung der Landstraße, wo das geschlossene Haus stand, tragen sollte.

Johann überschritt den Platz und glitt über die nächste Straße hin.

Es war die höchste Zeit. Kaum hatte er einige zwanzig Schritte zurückgelegt, als er laute Rufe vernahm, während der Erdboden von Pferdegetrappel wiederhallte.

Die Reiterabtheilung war es, welche nach St. Charles zurückkehrte. Ehe diese zur weiteren Verfolgung der Flüchtlinge aufbrechen sollte, hatte der Oberstlieutenant Whiterall ihr Befehl gegeben, zur Nachtruhe in den Flecken zurückzukehren, wo sie bis Tagesanbruch verweilen sollte, und gerade die Kirche war zur Unterkunft der Leute ausersehen worden.

Kaum eine Minute nachher hatten sich die Reiter unter dem Schiff derselben eingerichtet, doch nicht ohne sich durch geeignete Maßregeln vor feindlicher Ueberrumpelung zu schützen. Aber nicht die Mannschaften allein machten es sich im Innern der Kirche bequem, nein, auch die Pferde waren in dieser mit untergestellt worden. Da ist es wohl kaum nöthig, auf die Profanationen hinzuweisen, denen sich die wilde Soldateska, von Blut und Gier berauscht, in diesem, dem katholischen Cultus geweihten Gebäude hingab.

Johann ging die verlassene Straße weiter hinunter und machte nur dann und wann Halt, um einmal Athem zu schöpfen. Immer quälte ihn die Furcht, je mehr er sich dem geschlossenen Hause näherte, nur dessen Ruinen wiederzufinden.

Endlich erreichte er die Straße und blieb vor der Wohnung seiner Mutter stehen. Die Feuersbrunst hatte sich nach dieser Seite hin nicht ausgebreitet. Das Haus war unversehrt, im Schatten verloren. Durch seine Fenster drang nicht die Spur eines Lichtstrahls.

Herrn de Vaudreuil tragend, stand Johann jetzt vor der Gitterthür, welche den kleinen Vorhof abschloß; er stieß dieselbe auf, schleppte sich bis zur Hausthür und gab das verabredete Zeichen.

Einen Augenblick später waren Herr de Vaudreuil und Johann im Hause der Bridget Morgaz in Sicherheit.

Drittes Capitel

Herr de Vaudreuil im geschlossenen Hause

»Mutter, begann Johann, nachdem er den Verwundeten auf das Bett, welches er oder sein Bruder gelegentlich benutzte, wenn sie einmal im geschlossenen Hause übernachteten, niedergelegt, Mutter, es kostet diesem Manne das Leben, wenn ihm nicht die sorgsamste Pflege zu Theil wird.

- Ich werde ihn pflegen, Johann.

- Doch es geht auch Dir aus Leben, wenn Whiterall's Soldaten ihn bei Dir finden!

- Mir aus Leben!. Was zählt denn mein Leben, lieber Sohn?« antwortete Bridget.

Johann wollte sie nicht wissen lassen, daß Herr de Vaudreuil, eines der Opfer Simon Morgaz', vor ihr lag. Das hätte zu beschämende Erinnerungen in ihr wachgerufen. Besser war es jedenfalls, wenn Bridget davon nichts erfuhr. Der Mann, dem sie Obdach bot, gehörte zu den Patrioten - das war genug, um ihm ein Anrecht auf ihre Hilfe und Ergebenheit zu sichern.

Zuerst waren Johann und Bridget nach der Hausthür zurückgegangen. Sie lauschten. Drang auch von der Kirche her noch wüstes Geschrei, so herrschte auf der Landstraße doch vollkommene Ruhe. Der letzte Schein des im höheren Theil der Stadt entfachten Brandes war dem Verlöschen nahe und auch das Lärmen der Königlichen verstummte allmählich. Sie mochten des Brennens, Raubens und Mordens satt geworden sein. Alles in Allem waren etwa zwanzig Wohnstätten durch das Feuer zerstört. Das geschlossene Haus gehörte zu denen, die dem Unheil entgingen; doch hatten Bridget und Johann noch Alles von den Siegern zu fürchten, wenn die Sonne erst die traurigen Ruinen von St. Charles beleuchtete.

Uebrigens wurden sie auch im Laufe der Nacht mehrfach erschreckt. Von Stunde zu Stunde kamen Patrouillen von Soldaten und Freiwilligen an dem geschlossenen Hause vorüber und beobachteten die Umgebung des Fleckens an der Biegung der Landstraße. Zuweilen machten dieselben Halt. Wie leicht war zu befürchten, daß Befehl zu Hausdurchsuchungen gegeben worden war, daß die Agenten der Polizei an die Thüren klopfen und die Oeffnung derselben fordern konnten. Für sich selbst zitterte Johann nicht im mindesten, wohl aber für Herrn de Vaudreuil, der fast im Sterben lag und der dann sein Leben im Hause seiner Mutter ausgehaucht hätte.

Jene Befürchtungen sollten sich nicht erfüllen - wenigstens nicht während dieser Nacht. Bridget und ihr Sohn hatten sich neben das Kopfkissen des Verwundeten gesetzt. Alles, was sie thun konnten, war geschehen. Hier wären aber Arzneimittel nöthig gewesen - doch wie solche beschaffen? Hier hätte es eines Arztes bedurft - doch wie einen finden, dem man mit dem Leben des Patrioten auch die Geheimnisse des geschlossenen Hauses hätte anvertrauen können?

Sie untersuchten die bloßgelegte Brust des Herrn de Vaudreuil. Eine tiefe, von einem Säbelhieb herrührende Wunde verlief schräg über die linke Seite des Brustkastens. Es schien jedoch, daß diese Wunde nicht tief genug eindrang, um ein besonders lebenswichtiges Organ getroffen zu haben. Und dennoch athmete der Verwundete so schwach und hatte einen so großen Blutverlust erlitten, daß er unter dieser Ohnmacht hinscheiden konnte.

Nach Reinigung der Wunde mit frischem Wasser näherte Bridget die Ränder derselben einander und bedeckte sie mit zusammengefalteten Tüchern. Johann und seine Mutter wagten aber trotzdem kaum zu hoffen, daß Herr de Vaudreuil bei den wiederholten Aufschlägen, welche Bridget ihm machte, und durch die Wärme, welche er im geschlossenen Hause genoß, wieder zu sich kommen würde, ehe Whiterall's Truppen den Flecken verließen.

Zwei Stunden nach seiner Hierherkunft ließ Herr de Vaudreuil, obgleich er die Augen noch nicht geöffnet, einige Worte entschlüpfen. Offenbar fesselte ihn nur noch eins - die Erinnerung an seine Tochter - an das Leben. Er rief nach ihr, vielleicht um von ihr gepflegt zu werden, vielleicht schwebten ihm auch nur die Gefahren vor Augen, von denen sie jetzt in St. Denis bedroht war.

Bridget hielt seine Hand gefaßt und lauschte. Johann, der daneben stand, sachte die Wiederaufreißung der Wunde bei einer etwaigen schnellen Bewegung zu verhindern. Auch er bemühte sich, die von Seufzern unterbrochenen Worte des Armen aufzufassen. Wenn nun Herr de Vaudreuil gar etwas sagte, was Bridget nicht hätte hören sollen?.

Da ließ sich unter den unzusammenhängenden Sätzen ein Name deutlich vernehmen.

Es war der Name Clarys.

»Der Unglückliche hat also eine Tochter? murmelte Bridget, ihren Sohn ansehend.

- So scheint es, liebe Mutter.

- Und er verlangt nach ihr. Er will nicht sterben, ohne sie noch einmal gesehen zu haben!. Wäre seine Tochter ihm zur Seite, so würde er ruhiger sein. Wo befindet sich aber dieselbe?. Könnte ich nicht versuchen, sie zu entdecken.. sie. ganz im Geheimen. hierher zu bringen?

- Sie!. rief Johann.

- Ja. Ihr Platz ist hier bei ihrem Vater, der sie, mit dem Tode ringend, ruft.«

Da wollte sich der Verletzte, den das Wundfieber schüttelte, im Bett aufrichten.

Dann entrangen sich seinem Munde flehende Worte, welche das, was ihn quälte, deutlich verriethen:

»Clary. allein. da unten. in St. Denis!«

Bridget erhob sich.

»St. Denis?. fragte sie. Da hat er seine Tochter zurückgelassen?. Hörst Du's, Johann?

- Die Königlichen!. In St. Denis!. fuhr der Verwundete fort. Sie wird ihnen nicht entgehen können!. Die Elenden werden an Clary de Vaudreuil Rache nehmen.

- Clary de Vaudreuil?« wiederholte Bridget.

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