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Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:

1825 wird eine franko-kanadische Verschwörung gegen die englische Regierung in Kanada verraten. Aber der Verräter verzweifelt an seiner Schuld und erschießt sich. Nun setzt die Familie alles daran, dieses Verbrechen zu sühnen, bis ihr guter Name wieder hergestellt ist. In spannenden Episoden schildert uns Verne das Schicksal der beiden Söhne des Verräters, die für ein freies Kanada kämpfen -bis zum bitteren Ende. Ein Abenteuerroman vor historischem Hintergrund, bei dem auch die kanadischen Indianer eine wichtige Rolle spielen.
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Diese ungerechten und gewaltthätigen Maßregeln erregten das ganze Land; die ganze franco-canadische Race fühlte sich in ihren patriotischen Empfindungen aufs tiefste verletzt. Das war mehr als die Bürger vertragen konnten, und die Kirchspiele von beiden Ufern des St. Lorenzo traten zu Meetings zusammen.

Am 15. September findet in Laprairie eine Versammlung statt, welcher auch ein Abgesandter Frankreichs, der von seiner Regierung Verhaltungsbefehle gegenüber dieser Angelegenheit empfangen hatte, und außerdem der Geschäftsträger der Vereinigten Staaten in Quebec beiwohnte.

In St. Scholastique, in St. Ours und vor Allem in den Grafschaften Unter-Canadas verlangt man die sofortige Losreißung von Großbritannien, fordert die Reformer auf, von Worten zu Thaten überzugehen, und entscheidet man sich dafür, die Hilfe Amerikas anzurufen.

Eine Kasse wird gegründet, um die geringfügigsten wie die größten Zuwendungen zur Durchführung der nationalen Sache zu sammeln.

Verschiedene Abtheilungen ziehen mit fliegendem Banner umher, auf dem sich mit hellem Jubel begrüßte Inschriften, wie:

»Flieht Ihr Tyrannen! Das Volk ist aufgestanden!«

»Ein Bund der Völker - der Schrecken der Großen!«

»Lieber ein baldiger Kampf, als die Unterdrückung durch eine corrumpirte Staatsgewalt!« - befinden.

Eine schwarze Fahne mit Todtenkopf und gekreuzten Gebeinen darunter enthielt die Namen der verabscheuten Gouverneure Craig, Dalhousie, Aylmer und Gosford. Endlich zeigt ein weißes Banner zu Ehren Frankreichs auf der einen Seite den von Sternen umgebenen amerikanischen, auf der anderen den canadischen Adler mit dem Ahornzweige im Schnabel und mit den Worten:

»Unsere Zukunft! Frei wie die Himmelsluft!«

Man erkennt hieraus, bis zu welchem Grade die Geister schon erhitzt waren. England kann die Befürchtung hegen, daß die Colonie mit einem Schlage das Band zerreißt, das sie mit ihm verbindet. Die Vertreter seiner Autorität in Canada ergreifen die umfassendsten Maßregeln in Voraussicht eines erbitterten Kampfes, versteifen sich aber darauf, da nur die Schliche einer Fraction zu erkennen, wo es sich um die heiligsten nationalen Empfindungen handelt.

Am 23. October findet eine Versammlung in St. Charles statt, in demselben Flecken, in dem Johann ohne Namen sich zu seiner Mutter geflüchtet und welcher der Schauplatz von beklagenswerthen Ereignissen werden sollte. Die sechs Grafschaften Richelieu, St. Hyazinthe, Rouville, Chambly, Verchere und Acadien haben hierzu ihre Vertreter geschickt. Dreizehn Abgesandte nehmen bei dieser Gelegenheit das Wort, und unter ihnen Papineau, der gerade jenerzeit auf dem Gipfel seiner Popularität stand. Mehr als sechstausend Personen, Männer, Frauen und Kinder, strömen aus dem Umkreise von zehn Lieues zusammen und lagern sich auf einer großen, dem Doctor Duvert gehörigen Wiese rings um eine mit der Freiheitsmütze gekrönte Säule. Und um Jedermann zu zeigen, daß auch militärische Elemente mit den bürgerlichen gemeinschaftliche Sache machen, schwingt eine Compagnie Milizen ihre Waffen am Fuße jener Säule.

Nach anderen mehr Feuer und Flamme speienden Rednern hielt Papineau einen Vortrag, der vielleicht etwas zu gemäßigt erschien, da er anrieth, sich mit allen Maßnahmen auf gesetzlichem Boden zu halten. Der Doctor Nelson, als Vorsitzender der Versammlung, antwortete ihm auch unter wahnsinnigen Beifallsrufen mit den Worten: »daß die Zeit herangekommen sei, die Löffel einzuschmelzen, um Kugeln daraus zu gießen.« Das bekräftigte Doctor Cöte, der Vertreter von Acadien, noch mit den entschlossenen und aufreizenden Worten:

»Die Zeit der Verhandlungen ist vorüber! Jetzt gilt es unsere Feinde mit Blei zu begrüßen!«

Dreizehn Vorschläge gelangen zur Annahme, während die Hurrahs des Volkes sich mit den Gewehrsalven der Miliz vermischen.

Diese Vorschläge, welche O. David in seiner Schrift »Die Patrioten« wiedergibt, enthalten zuerst einen Hinweis auf die unveräußerlichen Menschenrechte, erläutern dann das Recht und die Nothwendigkeit, sich gegen eine tyrannische Regierung aufzulehnen, suchen die Soldaten der englischen Armee zur Fahnenflucht zu verleiten, ermuntern das Volk, den Behörden und den von der Regierung ernannten Milizofficieren den Gehorsam zu verweigern und endlich sich gleich den Söhnen der Freiheit zu organisiren.

Zuletzt bewegen sich Papineau und seine Gefährten im feierlichen Aufzuge an der symbolischen Säule vorüber, während durch einen Chor junger Leute mit lauter Stimme ein Hymnus gefangen wird.

Jetzt schien es, als ob die Begeisterung den höchsten Grad erreicht hätte, und doch sollte sie sich noch weiter steigern, als nach einigen Minuten größerer Ruhe eine neue Persönlichkeit auf den Schauplatz trat. Es war das ein junger Mann mit leidenschaftlichen Blicken und energischen Gesichtszügen. Er erklimmt den Sockel der Säule, und so die Tausende von Theilnehmern an der Versammlung von St. Charles überragend, schwingt seine Hand die Fahne der canadischen Unabhängigkeit. Verschiedene erkennen ihn wieder. Vor ihnen aber hat der Advocat Grammont seinen Namen ausgerufen und unter dröhnenden Hurrahs wiederholt die Menge: »Johann ohne Namen! Johann ohne Namen!«

Johann kam eben aus dem geschlossenen Hause. Zum ersten Male seit dem letzten Waffentanze im Jahre 1834 zeigte er sich hier öffentlich; nachdem er dann seinen Namen dem der übrigen Politiker hinzugefügt, verschwand er wieder... Man hatte ihn jedoch einmal wieder gesehen, und die Wirkung davon war eine ungeheuere.

Die einzelnen Ereignisse, welche sich in St. Charles zugetragen hatten, verbreiteten sich mit Windeseile über ganz Canada. Man könnte sich nur schwer eine Vorstellung machen von der ermuthigenden Wirkung, die sie erzeugten. In den meisten Kirchspielen des Bezirks wurden nun weitere Versammlungen abgehalten. Vergebens suchte der Bischof von Montreal, Mgr. Lartigue, die Gemüther zu besänftigen, indem er sie zu evangelischer Mäßigung und zum Verharren auf dem Boden der Gesetze ermahnte. Der Ausbruch stand jetzt nahe bevor. Sowohl Herr de Vaudreuil in seinem Versteck als auch Clary in der Villa Montcalm waren durch zwei Billets, deren Unterschrift ihnen den Absender verrieth, davon benachrichtigt worden. Dieselbe Mittheilung hatten Thomas Harcher und seine Söhne in St. Albans, jenem amerikanischen Dorfe erhalten, in dem sie des Augenblickes harrten, die Grenze wieder zu überschreiten.

Zu dieser Jahreszeit hatte sich der Winter schon mit der dem amerikanischen Klima eigenthümlichen Schroffheit angemeldet. Hier bieten die endlosen Ebenen dem aus den Polargegenden herabbrausenden Sturme keine Hindernisse, und der nach Europa zu abweichende Golfstrom erwärmt sie nicht mit seinem segenspendenden Gewässer. Hier fehlte es also sozusagen an jedem Uebergang zwischen der Wärme des Sommers und der Kälte der Winterperiode. Fast ohne Unterlaß strömte der Regen herab, nur selten unterbrochen von einem flüchtigen, doch jeder Wärme beraubten Sonnenstrahl. Binnen wenigen Tagen hatten die bis zum äußersten Ende ihrer Zweige kahl gewordenen Bäume die Erde mit einer Unmenge von Blättern bedeckt, über welche sich im ganzen Gebiete Canadas bald darauf eine dichte Schneeschicht ablagern sollte. Doch weder die Wucht des Sturmes, noch die kalte Temperatur des Klimas sollte die Patrioten abhalten, sich auf das erste Signal zu erheben.

Unter solchen Verhältnissen kam es - am 6. November -zwischen den beiden Parteien in Montreal zu einem ersten Zusammenstoße.

Am ersten Montage jeden Monats versammelten sich die Söhne der Freiheit in den größeren Städten zu einer öffentlichen Kundgebung. An genanntem Tage beabsichtigten die Patrioten von Montreal dieser Demonstration eine weiter hinausreichende Wirkung zu verleihen. Es wurde deshalb ein Zusammentreffen im Herzen der Stadt selbst, zwischen den Mauern eines an die Straße St. Jacques stoßenden Hofes, verabredet.

Auf diese Nachricht hin ließen die Mitglieder des Doric-Clubs einen Anschlag des Inhalts verbreiten, daß die Stunde gekommen sei, »die Rebellion in ihrem Keime zu ersticken«. Die Loyalisten, die Constitutionellen und die Bureaukraten wurden veranlaßt, sich auf dem Place-d'Armes einzufinden.

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