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Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:

1825 wird eine franko-kanadische Verschwörung gegen die englische Regierung in Kanada verraten. Aber der Verräter verzweifelt an seiner Schuld und erschießt sich. Nun setzt die Familie alles daran, dieses Verbrechen zu sühnen, bis ihr guter Name wieder hergestellt ist. In spannenden Episoden schildert uns Verne das Schicksal der beiden Söhne des Verräters, die für ein freies Kanada kämpfen -bis zum bitteren Ende. Ein Abenteuerroman vor historischem Hintergrund, bei dem auch die kanadischen Indianer eine wichtige Rolle spielen.
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- Fräulein de Vaudreuil ist abgereist, antwortete die Stimme, dieses Mal aber etwas zaudernd.

- Sie ist abgereist?

- Seit gestern.

- Und wissen Sie, wohin das Fräulein gegangen ist?

- Jedenfalls hat sie ihren Vater aufsuchen wollen.

- Ihren Vater?. antwortete Bridget. Nun, eben um des Herrn de Vaudreuil willen komm' ich sie zu holen.

- Mein Vater! rief Clary, die im Hintergrunde der Hausflur gestanden hatte. Oeffnen Sie schnell!.

- Clary de Vaudreuil, nahm Bridget darauf mit gedämpfter Stimme das Wort, ich bin nur hierher gekommen, Sie zu Ihrem Vater zu führen, und Johann ist es, der mich sendet.«

Schon waren die Riegel der Thür zurückgeschoben worden, als Bridget mit leiser Stimme sagte:

»Nein, öffnen Sie jetzt nicht, warten Sie ein wenig!«

Die Stufen hinabgehend, setzte sie sich still am Fuße der Treppe nieder. Es schien in der That von Wichtigkeit, daß sie nicht gesehen wurde und Niemand ihren Eintritt in dieses Haus bemerkte. In diesem Augenblicke aber näherte sich ein Haufen Männer, Frauen und Kinder, der am Ufer des Richelieu hinzog.

Es waren die ersten Flüchtlinge, welche St. Denis erreichten, nachdem sie Nebenwege eingeschlagen, um die große Straße zu vermeiden. Da gab es Verwundete, gestützt und geführt von ihren Eltern und Freunden, da kamen Frauen, welche noch mit sich schleppten, was ihnen von ihrer Familie geblieben war, doch auch noch kampffähige Patrioten, welche der Feuersbrunst und der Niedermetzelung hatten entgehen können. So manche derselben mußten Bridget wohl kennen, und diese hielt doch darauf, Niemand wissen zu lassen, daß sie aus dem geschlossenen Hause weggegangen sei; deshalb wollte sie, im Schatten der Mauer verborgen, diese erste Woge der Flüchtlinge vorüberziehen lassen.

Doch was mußte Clary während dieser wenigen Minuten denken, wenn sie die Klagelaute der Leute - das Jammern der Verzweiflung hörte? Seit mehreren Stunden schon harrte sie sehnsüchtig auf Nachrichten von St. Charles. Vielleicht beeilte sich ihr Vater, vielleicht auch Johann, ihr diese zu übermitteln, wenn dieser nicht nach einem erneuten Siege beschloß, sofort auf Montreal zu marschiren.

Nein! Durch die Thür, welche Clary noch nicht zu öffnen wagte, drangen nur Seufzer und Klagelaute herein.

Nachdem die Flüchtlinge am Hause vorübergezogen, wandten sie sich weiter draußen dem Wasser erst an einer Stelle zu, wo sie dasselbe jedenfalls hofften, überschreiten zu können.

Die Straße war wieder still geworden, obgleich sich flußaufwärts schon wieder ein dumpfes Getöse vernehmen ließ.

Bridget hatte sich erhoben. Eben als sie noch einmal anklopfen wollte ging die Thür auf und schloß sich wieder unmittelbar hinter ihr.

Clary de Vaudreuil und Bridget Morgaz standen sich jetzt gegenüber, und zwar in einem Zimmer des Erdgeschosses, das eine Lampe, deren Schein nicht durch die festgeschlossenen Läden dringen konnte, nur matt erhellte.

Die alte Frau und das junge Mädchen sahen einander an, während die Dienerin etwas abseits stand.

Clary sah sehr bleich aus und wagte, in der Voraussetzung eines entsetzlichen Unglücks, erst keine Frage zu stellen.

»Die Patrioten von St. Charles?. sagte sie endlich.

- Geschlagen! antwortete Bridget.

- Mein Vater?

- Verwundet!

- Todt?.

- Vielleicht.«

Clary hatte nicht mehr die Kraft sich aufrecht zu erhalten und Bridget mußte sie in ihren Armen auffangen.

»Muth! Clary de Vaudreuil! sagte sie. Ihr Vater wünscht, daß Sie zu ihm kommen. Sie müssen dem Wunsche nachkommen, müssen mir, ohne einen Augenblick zu verlieren, folgen.

- Wo ist mein Vater? fragte Clary, sich aus diesem Schwächeanfall aufraffend.

- Bei mir. in St. Charles, erklärte Bridget.

- Wer sendet Sie, Madame?

- Ich sagte es Ihnen bereits. Johann!. Ich bin seine Mutter.

- Sie?. rief Clary.

- Hier, lesen Sie selbst!«

Clary nahm das Billet, welches Bridget ihr hinhielt. Es war die ihr nur zu gut bekannte Handschrift Johanns ohne Namen.

»Vertrauen Sie sich meiner Mutter an.« schrieb er.

Doch wie kam es, daß Herr de Vaudreuil sich in dieser Wohnung befand? War Johann es, der ihn gerettet, der ihn vom Schlachtfeld bei St. Charles weg und nach dem geschlossenen Hause getragen hatte?

»Ich bin bereit, Madame, sagte Clary de Vaudreuil.

- So brechen wir auf,« antwortete Bridget.

Die Einzelheiten der schrecklichen Vorkommnisse sollte Clary erst später erfahren. Schon jetzt wußte sie ja genug davon. Ihr Vater dem Tode nahe, die Patrioten zerstreut, der Sieg von St. Denis aufgehoben durch die Niederlage bei St. Charles!

Clary hatte in der Eile einen dunklen Anzug gewählt, um Bridget zu begleiten.

Die Thür des Vorraumes stand offen, Beide stiegen nach der Straße hinunter.

Die Hand in der Richtung nach St. Charles ausstreckend, sprach Bridget nur die Worte:

»Wir haben sechs Meilen zurückzulegen. Damit Niemand erfährt, daß Sie in das geschlossene Haus gekommen sind, müssen wir daselbst noch diese Nacht eintreffen.«

Clary und Bridget gingen am Ufer des Flusses hinauf, um die Landstraße zu erreichen, welche in gerader Linie von Norden nach Süden die Grafschaft St. Hyazinthe durchschneidet. Das junge Mädchen hätte mehr laufen mögen als gehen, so drängte es sie, an das Schmerzenslager ihres Vaters zu kommen. Dennoch mußte sie ihren Schritt etwas mäßigen, denn Bridget hätte ihr, trotz einer für ihr Alter wunderbaren Rüstigkeit, nicht folgen können.

Uebrigens gab es auch Verzögerungen. Verschiedene Haufen Flüchtlinge kamen ihnen direct entgegen. Geriethen sie unter diese, so konnten sie leicht nach St. Denis zurückgeschoben werden, sie mußten jene also womöglich vermeiden. Bridget und Clary verschwanden deshalb bald zur Rechten, bald zur Linken in den Dickichten am Wege. Niemand bemerkte sie da, während sie Alle sehen und hören konnten.

Die armen Leute schleppten sich jämmerlich vorwärts, einige ließen ganz blutige Spuren auf dem Erdboden zurück. Frauen trugen kleine Kinder auf den Armen. Die starken Männer führten die Greise, die sich lieber niedergeworfen hätten, um auf der Stelle zu sterben. Vernahmen sie dann wieder Geschrei aus der Ferne, so verschwanden sie Alle in der Finsterniß.

Man hätte glauben können, daß Soldaten und Freiwillige diesen Unglücklichen schon auf den Fersen wären, den Armen, welche ihre brennende Heimat flohen und rings auf den Farmen eine Unterkunft suchten, die sie in St. Charles nicht mehr finden konnten. Sollte die Colonne Whiterall's etwa schon auf dem Marsche sein, um mit anbrechendem Tage die entflohenen Patrioten gefangenzunehmen?

Nein; es waren nur andere Flüchtlinge, welche durch das Land irrten. Zu Hunderten kamen dieselben bisweilen vorüber.

Und wie viele wären in dieser schrecklichen Nacht vielleicht umgekommen, wenn sich nicht einige Farmer geopfert hätten, sie aufzunehmen!

Mit von tödtlicher Angst gemartertem Herzen war Clary Zeugin der Schrecken dieser Flucht, und dennoch wollte sie an der Sache der Unabhängigkeit nicht verzweifeln, für die ihr Vater entschlossen dem Tode ins Auge gesehen hatte.

Sobald der Weg wieder frei war, setzten sich Bridget und Clary aufs neue in Bewegung. Einundeinehalbe Stunde wanderten sie so dahin. Je mehr sie sich dem Flecken näherten, desto seltener wurden die Aufenthalte, weil die Straße weniger von Flüchtigen eingenommen war. Alles, was hatte entrinnen können, befand sich jetzt weit von hier und auf der Seite nach St. Denis zu, oder hatte sich in den Grafschaften Vercheres und St. Hyazinthe zerstreut. In der Nachbarschaft von St. Charles galt es dafür nun, jeder Abtheilung von Freiwilligen aus dem Wege zu gehen.

Um drei Uhr Morgens waren noch drei Meilen nach dem geschlossenen Hause zurückzulegen.

Da sank Bridget erschöpft zusammen.

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