Die Familie ohne Namen
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:
Die Volksversammlung wurde am bestimmten Tage und Orte abgehalten. Papineau erntete hier wieder den gewohnten stürmischen Beifall; auch andere Redner, wie Brown, Guimet, Eduard Rodier riefen begeisterte Zustimmung hervor.
Plötzlich fiel ein Hagel von Steinen in den Hof, die Loyalisten waren es, welche die Patrioten angriffen. Nur mit Stöcken bewaffnet, bildeten letztere vier Colonnen, stürmten nach außen, warfen sich auf die Mitglieder des Doric-Club und drängten diese im ersten Anlauf bis nach dem Place-d'Armes zurück. Jetzt knallten von verschiedenen Seiten auch Pistolenschüsse. Brown erhielt einen gefährlichen Schuß, der ihn zu Boden streckte, und einem der entschiedensten Reformer, dem Chevalier de Lorimier, wurde der Schenkel durch eine Kugel zerschmettert.
Obwohl sie zurückgeschlagen worden waren, hielten sich die Mitglieder des Doric-Club noch nicht für besiegt. Unter dem Beifall der Bureaukraten und dem Bewußtsein, daß ihnen die Rothröcke bald zu Hilfe kommen mußten, zerstreuten sie sich in die Straßen von Montreal, warfen mit Steinen die Fenster von Papineau's Haus ein und zerstörten die Druckpressen des »Vindicator«, eines liberalen Blattes, welches schon seit längerer Zeit für die franco-canadische Sache in die Schranken trat.
In Folge dieses Handgemenges wurden die Patrioten von den Behörden in schlimmster Weise gemaßregelt. Auf Anordnung des Lord Gosford ergehende Haftbefehle zwangen die bedeutendsten Führer, vorläufig zu flüchten. Uebrigens öffneten sich diesen alle Häuser, um ihnen Obdach zu bieten. Herr de Vaudreuil, der gleichfalls mit seiner Person eingetreten war, mußte den geheimen Zufluchtsort wieder aufsuchen, wo ihn die Polizei seit den Ereignissen von Chipogan vergeblich zu entdecken bemüht war.
Dasselbe war mit Johann ohne Namen der Fall, obwohl dieser bald darauf unter folgenden Umständen wieder erschien.
Nach dem blutigen Zusammentreffen am 6. November waren einige hervorragende Bürger in der Umgebung von Montreal inhaftirt worden, unter Anderen ein gewisser Denaray und der Doctor Davignon von St. Jean d'Iberville, und diese beiden wollte eine Cavallerieabtheilung im Laufe des 22. November nach der Stadt bringen.
Einer der kühnsten Parteigänger der nationalen Sache, der Vertreter der Grafschaft Chambly, L. M. Viger - »der schöne Viger«, wie man ihn in den Reihen der Aufständischen nannte - erhielt von der Verhaftung seiner beiden Freunde Nachricht.
Der Mann, der ihm diese überbrachte, war ihm bisher unbekannt.
»Wer sind Sie? fragte er.
- Darauf kommt ja nichts an, antwortete jener Mann. Die in einem Wagen gefesselten Gefangenen werden unverzüglich durch das Kirchspiel Longueuil kommen, und sie müssen befreit werden!
- Sie sind allein?
- Meine Freunde erwarten mich.
- Wo werden diese uns treffen?
- Unterwegs.
- Ich folge Ihnen.«
Das geschah denn auch. An Hilfsmannschaften fehlte es weder Viger noch seinem Begleiter. Sie gelangten nach dem Eingange von Longueuil, gefolgt von einer Anzahl von Patrioten, die sie noch vor dem Dorfe zurückließen. Es mußte jedoch etwas von ihrem Vorhaben verlautet haben, denn schon kam eine Abtheilung königlicher Truppen herbei, um den den Wagen begleitenden Reitern Unterstützung zu gewähren. Ihr Anführer ließ den Einwohnern ansagen, daß das Dorf, im Fall sie sich Viger anschlössen, in Flammen aufgehen würde.
»Hier ist nichts zu machen, sagte der Unbekannte, als er von diesen Maßnahmen hörte. Kommen Sie.
- Wohin denn? fragte Viger.
- Folgen Sie mir nur bis zwei Meilen von Longueuil, antwortete er. Wir wollen den Bureaukraten keinen Anlaß geben, hier Wiedervergeltung zu üben. Diese wird so wie so früher oder später nicht ausbleiben.
- Brechen wir auf!« sagte Viger.
Gefolgt von ihren Leuten, schlugen Beide wieder den Weg über die Felder ein.
Sie gelangten bis zur Farm Trudeau und nahmen in einem benachbarten Felde Stellung. Es war hohe Zeit. In der Entfernung einer Viertelmeile erhob sich eine Staubwolke, welche die Annäherung der Gefangenen und ihrer Bedeckungsmannschaft ankündigte.
Der Wagen kam an. Sofort begab sich Viger zu dem Anführer der Abtheilung:
»Halt, sagte er, und liefert uns im Namen des Volkes die Gefangenen aus!
- Achtung, rief der Officier, sich nach seinen Leuten umkehrend. Macht schnell!.
- Halt!« wiederholte der Unbekannte.
Plötzlich stürmte ein Mann heran, um sich dieses zu bemächtigen. Es war ein Agent des Hauses Rip & Cie. - Einer von Denen, die in der Farm von Chipogan mit gewesen waren.
»Johann ohne Namen! rief er, sobald er des jungen Proscribirten ansichtig wurde.
- Johann ohne Namen!« wiederholte Viger, der seinem Begleiter zu Hilfe eilte.
Plötzlich ertönten in unaufhaltsamem Ausbruche begeisterte Rufe.
In dem Augenblicke, wo er seinen Leuten Befehl gegeben, sich Johanns ohne Namen zu bemächtigen, wurde der Officier von einem kräftigen Canadier zurückgestoßen. Letzterer war quer über das Feld herangestürmt, während die Anderen, die noch hinter der Hecke bereit standen, auf Viger's Befehle warteten - Befehle, welche dieser mit lautschallender Stimme sehr vielfach ertheilte, als könne er wenigstens über hundert Kämpfer verfügen.
Während dessen war Johann ohne Namen an den Wagen herangekommen und ihn umgaben verschiedene seiner Anhänger, welche ebenso entschlossen waren, ihn zu vertheidigen, wie die Herren Denaray und Davignon zu befreien.
Nachdem er sich wieder erhoben, commandirte der Officier Feuer. Sechs bis sieben Flinten krachten. Viger wurde von zwei Kugeln getroffen, zum Glück nicht tödtlich, da eine derselben ihm nur das Bein gestreift und die andere ihm die Spitze des kleinen Fingers weggerissen hatte. Er antwortete mit einem Pistolenschuß und traf den Anführer der Begleitmannschaft ins Knie.
Jetzt scheuten auch die Pferde der Mannschaft, von denen einige durch Schüsse verletzt waren, und rasten davon. Die Königlichen, welche glaubten, es vielleicht mit tausend Mann zu thun zu haben, zerstreuten sich über das Land. Der Wagen war befreit, und Johann ohne Namen und Viger sprangen nach dessen Thür, um diese aufzureißen. Die Gefangenen wurden erlöst und im Triumph nach dem Dorfe Boucherville geleitet.
Als Viger und die Anderen aber nach dem Scharmützel Johann ohne Namen suchten, war er nicht mehr da. Gewiß hatte er gehofft, bis zum Ausgang der Sache sein Incognito zu bewahren, und gewiß hätte ihn nichts vermuthen lassen, daß er sich hier einem Agenten Rip's gegenüber befand und seine Person den anderen Betheiligten bekannt werden würde. Sobald der kurze Kampf vorbei war, hatte er sich denn auch beeilt, wieder zu verschwinden, ohne daß Jemand gesehen hatte, nach welcher Seite er sich wandte. Jedenfalls rechneten aber die Patrioten einer wie der andere fest darauf, ihn zur Stunde des beginnenden Kampfes, der über die canadische Unabhängigkeit entscheiden sollte, wieder erscheinen zu sehen.
Zweites Capitel
St. Denis und St. Charles
Der Tag zur Ergreifung der Waffen sollte nicht mehr fern sein. Der Schauplatz, an dem der Kampf entbrennen sollte, waren offenbar diejenigen Grafschaften, welche an die Grafschaft Montreal grenzten und in denen die Aufregung schnell eine für die Regierung bedenkliche Höhe erreichte, unter anderen die Grafschaft Vercheres und St. Hyazinthe. Man bezeichnete dafür besonders zwei der reichsten, vom Laufe des Richelieu durchschnittenen und nur wenige Meilen von einander entfernten Kirchspiele - St. Denis, wo die Reformer ihre Kräfte zusammengezogen hatten, und St. Charles, wo Johann, der nach dem geschlossenen Hause zurückgekehrt war, bereit stand, das Signal zur Erhebung zu geben.