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Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:

1825 wird eine franko-kanadische Verschwörung gegen die englische Regierung in Kanada verraten. Aber der Verräter verzweifelt an seiner Schuld und erschießt sich. Nun setzt die Familie alles daran, dieses Verbrechen zu sühnen, bis ihr guter Name wieder hergestellt ist. In spannenden Episoden schildert uns Verne das Schicksal der beiden Söhne des Verräters, die für ein freies Kanada kämpfen -bis zum bitteren Ende. Ein Abenteuerroman vor historischem Hintergrund, bei dem auch die kanadischen Indianer eine wichtige Rolle spielen.
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Der General-Gouverneur hatte alle durch die Nothwendigkeit gebotenen Maßregeln getroffen. Die Reformer konnten deshalb nicht mehr daran denken, ihn in seinem Palaste überrumpeln und die Autorität des Staates durch die des Volkes ersetzen zu können. Ja es war sogar zu befürchten, daß der erste Angriff von den Bureaukraten ausgehen werde. Die Gegner derselben hatten sich denn auch in leicht zu vertheidigende Stellungen zurückgezogen, wo sie sich unter günstigeren Bedingungen organisiren konnten. Ihr weiteres Streben erst ging dann dahin, von der Vertheidigung zum Angriff überzugehen.

Ein erster Sieg in der Grafschaft St. Hyazinthe errungen - das war die Erhebung der Uferbevölkerung von St. Lorenzo, d. h. die Vernichtung der anglosächsischen Tyrannei vom See Ontario bis zur Mündung des Stromes.

Lord Gosford wußte das recht wohl. Er verfügte nur über beschränkte Kräfte, welche von der Uebermacht erdrückt werden mußten, wenn der Aufstand wirklich ganz allgemein wurde. Es galt also jenen durch einen zweifachen Schlag in St. Denis und St. Charles gleich empfindlich zu treffen - was nach den Vorfällen von Longueuil versucht werden sollte.

Sir John Colborne, der Oberbefehlshaber, theilte die anglo-canadische Armee in zwei Colonnen.

An der Spitze der einen stand der Oberstlieutenant Whiterall, an der der anderen der Oberst Gore.

Nach eiligst vollendeten Vorbereitungen brach der Oberst Gore im Laufe des 22. November von Montreal auf. Seine aus fünf Compagnien Füselieren und einer Schwadron Reiterei bestehende Abtheilung besaß an Artillerie nur ein einziges Feldstück. Am Abend desselben Tages traf dieselbe noch in Sorel ein. Trotz des abscheulichsten Wetters und der fast ungangbaren Wege zögerte Gore nicht im Geringsten, in pechdunkler Nacht weiter hinauszuziehen.

Seine Absicht ging dahin, die Aufständischen in St. Charles vor die Klinge zu bekommen, nachdem er die von St. Denis zerstreut, und vor jedem eigentlichen Angriffe durch den Sherif-Deputirten, der ihn begleitete, regelrechte Verhaftungen vorzunehmen.

Der Oberst Gore hatte Sorel seit einigen Stunden verlassen, als der Lieutenant Weir vom 32. Regiment dahin kam, um ihm eine Depesche von Sir John Colborne zu übergeben. Die Depesche war dringender Natur, so daß der Lieutenant sich sofort aufmachte, einen Querweg einschlug und so eilig vorwärts drang, daß er in St. Denis vor den Truppen Gore's eintraf und so den Patrioten in die Hände fiel.

Der mit der Vertheidigung beauftragte Doctor Nelson fragte den jungen Officier aus und entlockte ihm auch wirklich das Geständniß, daß die Königlichen schon auf dem Marsche hierher seien, wo sie etwa am Morgen eintreffen mußten. Dann übergab er ihn der Obhut einiger Männer mit der Empfehlung, die einem Gefangenen gebührenden Rücksichten nicht aus den Augen zu setzen.

Nun wurden die letzten Vorbereitungen in größter Hast getroffen. Unter anderen Compagnien von Patrioten befand sich auch die, welche man allgemein als »Raketen« und als »Biber« bezeichnete, Mannschaften, welche sehr geschickt im Gebrauche der Waffen waren und die sich bei dieser Gelegenheit ganz außerordentlich bewährten. Unter dem Befehle des Doctor Nelson standen auch Papineau und einige Abgeordnete, der General-Commissär Philipp Pacaud, ferner die Herren de Vaudreuil, Vincent Hodge, Andre Farran, William Clerc und Sebastian Grammont. Auf ein Wort, das ihnen von Johann zukam, waren sie den Reformern zu Hilfe geeilt, wobei sie nur mit Mühe der Polizei in Montreal entgehen konnten.

Clary war gleichfalls zu ihrem Vater gekommen, den sie seit dem Weggange von Chipogan nicht wieder gesehen hatte. Nach Erlassung eines Haftbefehls gegen ihn gezwungen, jede Verbindung mit der Villa Montcalm abzubrechen, war Herr de Vaudreuil höchst unruhig, seine Tochter daselbst allein und Gefahren aller Art ausgesetzt zu wissen. Als er sich dann entschlossen, nach St. Denis zu gehen, schlug er ihr vor, ihn dort zu treffen. Clary zauderte nicht, dem Rufe zu folgen, da sie an dem endlichen Siege gar nicht zweifelte, wenn Johann die Führung der Patrioten übernahm. Herr und Fräulein de Vaudreuil waren also vereinigt in dem Flecken, wo das Haus eines Freundes, des Richters Froment, ihnen Unterkunft gewährte.

Inzwischen wurde eine Maßnahme beschlossen, der sich Papineau sehr gegen seinen Wunsch unterwerfen mußte. Der Doctor Nelson und einige Andere, auf deren Anrathen dieselbe erfolgte, stellten dem kampfesmuthigen Abgeordneten vor, daß sein Platz auf dem Schlachtfelde nicht, dagegen sein Leben zu kostbar sei, um es ohne Nothwendigkeit schweren Gefahren auszusetzen. Er sah sich also gezwungen, St. Denis zu verlassen, um sich an einen sicheren Ort zu begeben, wo die Agenten Sir Gilbert Argall's ihn nicht entdecken konnten.

Die ganze Nacht wurde angewendet, Kugeln zu gießen und Patronen zu verfertigen. Der Sohn des Doctor Nelson und seine Genossen, Herr de Vaudreuil und dessen Freunde, gingen, ohne einen Augenblick zu verlieren, an die Arbeit. Leider ließ die Bewaffnung recht viel zu wünschen übrig. Die wenig zahlreichen Gewehre bestanden aus leicht einmal versagenden Steinschloßflinten, welche kaum weiter als hundert Schritte trugen.

Während seiner Fahrten auf dem St. Lorenzo hatte Johann, wie wir erzählten, Munition und Waffen mehrfach vertheilt; da aber jedes Comite in Erwartung eines allgemeinen Aufstandes davon erhalten hatte, konnten diese' nicht auf einem bestimmten Punkte concentrirt sein, was doch in St. Denis und St. Charles, wo es offenbar zum ersten Zusammenstoß kommen mußte, jetzt so nöthig erschien.

Inzwischen marschirte Oberst Gore durch die dunkle kalte Nacht weiter. Kurz vor der Ankunft in St. Denis hörte er von zwei in seine Hände gefallenen französischen Canadiern, daß die Aufständischen ihm den Durchzug durch das Kirchspiel verwehren und auf das äußerste kämpfen würden.

Ohne seinen Leuten die geringste Rast zu gönnen, feuerte Oberst Gore diese vielmehr noch weiter an, mit der Eröffnung, daß sie hier keinen Pardon zu erwarten hätten. Hierauf bildete er aus denselben drei Abtheilungen, postirte die eine in ein kleines Gehölz, das den Flecken im Osten deckte, und die andere längs des Flusses, während die dritte, die einzige Kanone mit sich führend, die Hauptstraße weiter hinabzog.

Um sechs Uhr Morgens stiegen der Doctor Nelson, die Herren Vincent Hodge und de Vaudreuil zu Pferde, um eine Recognoscirung auf dem Wege von St. Ours vorzunehmen. Die Dunkelheit war noch so stark, daß alle Drei beinahe den Vortruppen der Königlichen in die Hände gefallen wären. Sofort umkehrend, eilten sie nach St. Denis zurück. Nun wurde der Befehl ertheilt, die Brücke abzubrechen und mit allen Kirchenglocken zu läuten. Binnen wenigen Minuten strömten die Patrioten in dem Lager zusammen.

Dieselben zählten zwischen sieben- und achthundert Mann, von denen nur eine geringe Anzahl mit Gewehren bewaffnet war, während die Anderen sich mit Sensen, Heugabeln und Aexten ausgerüstet hatten. Alle aber beseelte der feste Vorsatz, sich nöthigenfalls tödten zu lassen, aber die Soldaten des Oberst Gore zurückzuschlagen.

Doctor Nelson vertheilte diejenigen seiner Leute, welche in der Lage waren, ein Feuergefecht zu unterhalten, so, daß davon sechzig im zweiten Stockwerk eines steinernen, an der Landstraße stehenden Gebäudes Platz nahmen, unter ihnen auch Herr de Vaudreuil und Vincent Hodge; etwa fünfundzwanzig Schritte davon und hinter der Mauer einer dem Doctor gehörigen Brennerei sollten sich gegen dreißig, unter ihnen William Clerc und Andre Farran, aufstellen; innerhalb eines zur Brennerei gehörigen Schuppens fanden noch zehn Mann Platz, unter denselben auch der Abgeordnete Grammont. Die Anderen, welche sich nur mit blanker Waffe schlagen konnten, hatten sich vorläufig hinter den Mauern der Kirche zu halten, um im geeigneten Moment auf die Angreifer einzustürmen.

Zu dieser Zeit - gegen neuneinhalb Uhr Vormittags -ereignete sich ein beklagenswerther Zwischenfall, der später -auch durch eine deshalb angestellte Criminaluntersuchung -niemals vollständig aufgeklärt wurde.

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