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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Ingrey bemerkte, dass er alleine unterwegs war.

Er fuhr herum. Gesca stand wie erstarrt im schwachen Licht einer Wandlaterne.

Ingreys Magen krampfte sich zusammen. »Gesca! Das ist nicht lustig!« Wütend kehrte er um. »Hör auf damit.« Er stieß Gesca vor die Brust. Der Mann wankte leicht, bewegte sich aber nicht. Er streckte seine verbundene Hand aus — sie zitterte und berührte Gesca am Kinn. »Machst du dich über mich lustig?«

Gescas Augen, vor Entsetzen weit aufgerissen, waren das Einzige, das sich an dem Mann bewegte — und das auch nur zu einem Blinzeln.

Ingrey befeuchtete sich die Lippen und trat zurück. Seine Kehle war ihm beinahe zu eng geworden, um überhaupt ein Wort hervorbringen zu können. Er musste zweimal tief Luft holen, ehe er erneut und mit Mühe die Stimme in seinem Innern erwecken konnte: »Geh.«

Die Lähmung löste sich. Gesca schnappte nach Luft, wich taumelnd an die nächste Wand zurück und zog blank. Keuchend starrten sie beide einander an. Ingrey fühlte sich plötzlich allzu nüchtern. Beruhigend hielt er die offenen Hände an der Seite und betete, dass Gesca sich nicht auf ihn stürzte.

Langsam steckte Gesca das Schwert wieder ein. Nach einem Augenblick sagte er mit belegter Stimme: »Das Haus Eurer Gefangenen liegt gleich hinter dieser Ecke. Tesko wartet dort bereits, um Euch zu Bett zu bringen. Schafft Ihr es allein bis dort?«

Ingrey schluckte. Er brachte kaum mehr als ein Flüstern hervor. »Ich glaube schon.«

»Gut. Gut.« Gesca wich an der Hauswand entlang zurück und wandte sich dann um, um rasch durch die Schatten davonzuschreiten, wobei er mehrere Male über die Schulter blickte.

Mit zusammengebissenen Zähnen eilte Ingrey in die andere Richtung. Er wagte kaum Luft zu holen, als er um die nächste Ecke bog. Eine Lampe hing an einem Träger neben der Tür des schmalen Hauses und wies ihm den Heimweg.

Kapitel Zwölf

Ingrey musste nicht lautstark gegen die Tür hämmern und das halbe Haus wecken, denn der Pförtner kam schon auf sein erstes, zaghaftes Klopfen herbei. Allerdings trug er bereits ein Nachthemd und hatte sich eine Decke um die Schultern gelegt, und die entschiedene Art, in der er hinter Ingrey wieder absperrte, vermittelte deutlich den Eindruck, dass dies der letzte nächtliche Ausflug bleiben sollte. Er entzündete ein Windlicht in einem Glasgefäß, damit Ingrey den Weg die Treppen hinauf fand.

Ingrey nahm den Leuchter mit einem gemurmeltem Dank entgegen und schlurfte die Stufen empor. Oben, auf seinem Treppenabsatz, brannte Licht, und als Ingrey herankam, erkannte er, dass dieses Licht von einer Lampe ausging, die mit kurzem Docht auf einem Tisch brannte. Eine weitere Kerze stand auf den Treppen zum Stockwerk darüber; daneben kauerte Ijada, in ein dunkles Kleid gehüllt. Als Ingrey aus dem engen Treppenhaus herausstolperte, mit einem leichten Klappern seiner Schwertscheide gegen Holz, blickte sie auf.

»Du bist in Sicherheit!«, stellte sie heiser fest und rieb sich die Augen.

Ingrey blickte sich verwirrt um und blinzelte in die Düsternis. Das letzte Mal, dass eine Frau besorgt auf ihn gewartet hatte … es lag so lange zurück, dass er sich nicht mehr daran erinnern konnte. Von ihrer Zofe war keine Spur zu sehen, ebenso wenig von seinem Burschen Tesko. »Sollte ich das nicht?«

»Vor drei Stunden, oder länger, hat Gesca vorbeigeschaut und berichtet, dass du niemals bei Lord Hetwar angekommen bist.«

»Oh. Ja. Ich wurde abgelenkt.«

»Ich habe mir die eigenartigsten Dinge ausgemalt, die dir zugestoßen sein könnten.«

»Spielte dabei auch ein sechshundert Pfund schwerer Eisbär und ein dichtender Pirat eine Rolle?«

»Nein …«

»Nun, dann waren diese Dinge nicht eigenartig genug.«

Sie runzelte die Stirn, erhob sich und stieg die Stufen hinunter. Als sein ohne Zweifel hochprozentiger Atem sie erreichte, wich sie wieder ein Stück zurück, wedelte mit der Hand, um den Geruch zu vertreiben, und verzog das Gesicht. »Bist du betrunken?«

»Nach meinen Maßstäben, ja. Auch wenn ich noch laufen und reden kann und mir jetzt schon vor morgen früh graut. Ich fand mich unvermittelt mit fünfundzwanzig verrückten Inselbewohnern und einem Eisbären auf ihrem Schiff wieder und musste dort den Abend verbringen. Sie haben mich auch verköstigt. Hast du Tesko irgendwo gesehen?«

Sie nickte in Richtung seiner geschlossenen Zimmertür. »Er ist mit deinen Sachen hier eingetroffen. Ich glaube, er ist eingeschlafen, als er auf dich gewartet hat.«

»Das überrascht mich nicht.«

»Was ist mit meinem Brief? Ich hatte schon Sorge, dass er verloren gegangen ist.«

Oh. Um den Brief hatte sie sich Sorgen gemacht. Deshalb also hatte sie hier in der Dunkelheit auf ihn gewartet. »Er ist sicher ausgehändigt.« Ingrey dachte noch einmal darüber nach. »Jedenfalls ist er ausgehändigt. Wie sicher ein Mann wie der Gelehrte Lewko ist, will ich gar nicht erst fragen. Er kleidet sich wie ein Schreiber des Tempels, aber das ist er nicht.«

»Du hattest mir mal erklärt, welche Art von Kirchenleuten sich mit meinem Fall befassen würden. Wie schätzt du Lewko ein? Als aufrichtig oder als bestechlich?«

»Ich … kann mir nicht vorstellen, dass er bestechlich ist. Aber das heißt nicht, dass er auf deiner Seite stehen wird.« Ingrey zögerte. »Er ist von den Göttern berührt.«

Sie legte den Kopf schief. »Im Moment wirkst du selbst ein wenig von den Göttern berührt.«

Ingrey zuckte zusammen. »Woher weißt du das?«

Sie streckte ihre im unruhigen Licht bleich aussehenden Finger aus, als wolle sie sein Gesicht ertasten. »Ich habe einmal miterlebt, wie einer der Männer meines Vaters von seinem Pferd mitgeschleift wurde. Er war nur leicht verletzt, doch als er sich erhob, war er zutiefst erschüttert. Dein Gesicht wirkt gefasster, und es ist auch nicht mit Dreck und Blut beschmiert, aber deine Augen sehen genauso aus wie die seinen. Ein wenig verstört.«

Er lehnte sich beinahe gegen ihre Hand, doch Ijada ließ sie rasch wieder sinken. »Ich habe eine sehr seltsame Nacht verbracht. Im Tempel ist etwas geschehen. Lewko möchte dich morgen aufsuchen. Und mich. Ich glaube, ich stecke in Schwierigkeiten.«

»Dann erzähl mir davon!« Sie zog ihn neben sich auf die Stufen. Ihre Augen waren weit aufgerissen und dunkel von neuerlicher Sorge.

Stockend berichtete Ingrey von dem Vorfall mit dem Bären und seiner Begegnung mit dessen Gott im Hof des Tempels. Der Bericht ließ sie zweimal nach Luft schnappen und einmal kichern. Ihr Kichern brachte ihn ein wenig aus der Fassung. Als er Jokol beschrieb, sein Schiff und seine Dichtkunst, war sie ganz aufmerksam. »Ich dachte«, schloss Ingrey, »was mit dem Bären geschehen war, wäre das Wirken des weißen Gottes gewesen, ein Ausdruck Seines Zorns mit den unaufrichtigen Tierpflegern. Aber gerade eben, als ich mit Gesca nach hier zurückkehrte, geschah dasselbe noch einmal. Die Zauberstimme. Ich weiß nicht, ob es mein Wolf war oder ich selbst. Bei den fünf Göttern, ich bin mir nicht mal mehr ganz sicher, wo der Wolf aufhört und ich anfange! Er hat noch nie auf diese Weise gesprochen. Er hat niemals überhaupt gesprochen!«

Nachdenklich meinte Ijada: »Die Sumpfleute behaupteten stets, dass die Legendenlieder einst magisch waren. Vor langer Zeit.«

»Oder an einem sehr fernen Ort.« Die singende Frau vom Waldrand … »Das hier ist hier und jetzt, und es ist tödlicher Ernst. Ich frage mich, ob Wenzel von diesen Kräften weiß. Warum hat er sie uns gegenüber nicht angewandt? Ich glaube übrigens, er hat deinen Brief gestohlen und gelesen, während wir bei ihm zum Abendessen saßen. Der Gelehrte Lewko meinte, der Brief wäre geöffnet worden.«

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