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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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»Sprecht die Wahrheit.«

»Ich habe nichts damit zu tun!«

Stille folgte diesen Worten mit der Wucht eines Axthiebs. Biast saß plötzlich wie in seinen Stuhl gepresst.

Vielleicht hätte ich mir lieber die Zunge abbeißen sollen.

»Das ist gut zu wissen, Herr«, bemerkte Ingrey mit vorgetäuschter Gelassenheit. Und jetzt raus hier! »Wie geht es dem Geheiligten König?«

Das Schweigen dauerte allzu lange, als Hetwar ihn anstarrte. Ohne den Blick von Ingreys Mund zu lösen, gab er dem bestürzten Biast einen knappen Wink. Der befeuchtete sich nach einem fragenden Blick auf den Siegelbewahrer die Lippen: »Ich habe das Krankenlager meines Vaters besucht, bevor ich hierherkam. Es geht ihm schlechter, als ich mir hätte vorstellen können. Er hat mich erkannt, sprach aber nur noch sehr undeutlich. Seine Haut wirkt gelblich, und er ist geschwächt. Er ist beinahe sofort wieder eingeschlafen.« Der Prinz hielt kurz inne und fuhr noch leiser fort: »Seine Haut ist so dünn geworden wie Papier. Er war nie …« Er hielt inne, ehe ihm die Stimme brach.

»Ihr müsst in allernächster Zukunft die Fährnisse einer Königswahl einplanen«, warf Ingrey vorsichtig ein.

Hetwar nickte. Auch Biast nickte, jedoch mit größerem Widerstreben. Die halb gesenkten Lider des Fürstmarschalls verbargen nur unzulänglich seine Besorgnis, und sein Blick auf Hetwar fragte deutlich, ob Ingreys schaurige Empörung dem normalen Verhalten von Hetwars berüchtigtem Wolfskrieger entsprach oder nicht. Hetwars grimmig verkniffener Gesichtsausdruck gab nichts preis.

»Ich bin ziemlich sicher, dass Bolesos verbotene Bemühungen einen Griff nach der geheiligten Krone vorbereiten sollten«, merkte Ingrey an.

»Aber er ist der Jüngere!«, widersprach Biast und fügte hinzu: »War.«

»Das hätte sich korrigieren lassen. Mit magischen Mitteln hätte sich Eure Ermordung sogar ohne Spuren bewerkstelligen lassen. Wie ich feststellen konnte.«

Hetwar wirkte plötzlich sehr nachdenklich: »Es stimmt«, murmelte er, »dass weit mehr Stimmen verkauft und bezahlt wurden, als es gibt. Ich habe mich schon die ganze Zeit gefragt, durch welche Lücke dieser Überschuss abfließen sollte …«

»Wie sicher ist das Erbe des Fürstmarschalls?« Ingrey richtete die Frage an Hetwar, mit einem höflichen Nicken in Biasts Richtung. »Sollte der König zufällig dahinscheiden, während so viele Menschen anlässlich der Bestattung Boleros in Ostheim versammelt sind, könnte die Abstimmung doch rasch zu einem Ende kommen.«

Hetwar zuckte die Achseln. »Wie jeder weiß, haben die Falkenmoors und ihre Parteigänger aus den östlichen Landesteilen schon seit langem auf einen solchen Moment hingearbeitet. Es ist nun vier Generationen her, dass sie die geheiligte Königswürde verloren haben, aber sie sind immer noch begierig, ihre alte Vorherrschaft zurückzugewinnen. Meiner Einschätzung nach haben sie nicht genug sichere Stimmen auf sich vereinen können, aber wenn man die unsicheren Stimmen hinzunimmt … Falls Boleso diese insgeheim für seine Sache gewinnen konnte, sind sie nun wieder frei.«

»Seht Ihr diese frei gewordenen Stimmen zu seinem Bruder zurückkehren?« Ingrey schaute zu Biast, der den Eindruck machte, als müsse er immer noch die Andeutung des Brudermords verkraften.

»Möglicherweise nicht«, murmelte Hetwar. »Die Fuchsholzen-Sippe kann zwar selbst den Thron nicht gewinnen, aber sie wird sich darüber klar sein, dass ihre Stimme bei einem knappen Ergebnis entscheidend sein kann. Wenn es mehrere Wahlgänge ohne eindeutiges Ergebnis gibt, kann es durchaus geschehen, dass die Auseinandersetzung mit Schwertern weitergeführt wird.«

Biast blickte nicht eben glücklicher drein, doch bei diesen letzten Worten wanderte seine Hand entschlossen zum Schwertgriff. Hetwar entging dies nicht, und er hob beruhigend die Hand.

»Wenn Prinz Biast beseitigt würde«, warf Ingrey vorsichtig ein, »genau genommen, ob er nun beseitigt wäre oder nicht: Ich würde vermuten, dass ein Zauber, der einen Mord bewirken kann, ebenso leicht auch insgeheim eine Stimme umlenken könnte.«

»Tatsächlich«, hauchte Hetwar. Er hätte nicht unbewegter dasitzen können. »Und, Ingrey? Könntet Ihr einen solchen Zauber wahrnehmen?«

»Inzwischen kann ich es.«

»Hm.« Sein Blick auf Ingrey wurde abwägend.

Also bin ich erst einmal gerettet, jedenfalls, wenn es nach Hetwar geht. Möglicherweise.

Hetwar stieß einen Laut aus, irgendwo zwischen einem Ächzer und einem Seufzen. Erneut fuhr er sich mit den Fingern durchs Haar. »Und ich dachte die ganze Zeit, Bestechung, Nötigung, Drohungen und Doppelzüngigkeit wären das Einzige, womit ich mich auseinandersetzen müsste.« Wieder schaute er Ingrey an, und seine Augen verengten sich bei einem neuen Gedanken. »Und wen verdächtigt Ihr dieser unerlaubten Zauberei, wenn nicht mich?«

Ingrey bedachte ihn mit einem höflichen, entschuldigenden Achselzucken. Wenn Euch Euer Leben etwas bedeutet, so wahrt Eure Geheimnisse, und die meinen … »Ich verfüge noch nicht über hinreichende Beweise. Es ist eine ernste Anschuldigung.«

Hetwar verzog das Gesicht. »Wie ich sehe, hat Euer Sinn für Untertreibungen Euch nicht verlassen. Ihr wisst, dass die Kirche sich mit dieser Angelegenheit befassen wird.«

Ingrey nickte unglücklich. Er wollte, dass der Verursacher des bösartigen Bannes — selbst in Gedanken schreckte er vor den allzu präzisen Begriffen Zauberer oder Schamane zurück — zur Strecke gebracht wurde. Er war sich allerdings nicht ganz so sicher, ob er selbst mit ihm zur Strecke gebracht werden wollte. Aber es war zumindest eine große Erleichterung, dass Hetwar als unerschütterliche Wand in seinem Rücken stand. Ingrey betete darum, dass diese Wand nicht beschädigt worden war, als er sie auf die Probe gestellt hatte.

Und wenn Hetwar nicht mit Ijadas Möchtegern-Mördern im Bunde stand, war er vielleicht auch einer Bitte um Gerechtigkeit nicht abgeneigt? Wann sonst böte sich für Ingrey in nächster Zeit noch einmal die Gelegenheit, unmittelbar auch Prinz Biast anzusprechen? Er holte tief Luft.

»Es bleibt noch die Angelegenheit mit Lady Ijada. Wenn Ihr Bolesos jüngsten Wahnsinn und seine blasphemischen Umtriebe verschleiern wollt, dürfte auch ein Prozess nicht in Eurem Interesse liegen. Ihr könntet dafür sorgen, dass die vorangehende Anhörung einen Akt der Selbstverteidigung feststellt, oder besser noch: einen Unfall, und sie gehen lassen.«

»Sie hat meinen Bruder umgebracht«, warf Biast entrüstet ein.

»Dann könntet Ihr dafür ein angemessenes Wergeld festsetzen, gemäß der Tradition des Alten Weald — vielleicht nicht unerreichbar hoch«, fügte Ingrey vorsichtig hinzu. »Damit wären Ehre und Diskretion gleichermaßen Genüge getan.«

»Ein solcher Präzedenzfall wäre für die königliche Familie kaum vorteilhaft«, widersprach Hetwar. »Genauso gut könnte man gleich die Jagdzeit auf alle Hirschendorns einleiten oder womöglich sogar auf alle fürstlichen Herren. Es gibt gute Gründe, dass die Kirche des Vaters so viel Mühe darauf verwendet hat, diese alte Tradition zu unterbinden. Die Reichen könnten damit ohne große Sorge die Leben der weniger Begüterten kaufen.«

»Und jetzt können sie das nicht?«, fragte Ingrey.

Hetwar bedachte ihn mit einem warnenden Brummen. »Es wäre sicher der bessere Weg, die Hinrichtung so rasch und schmerzlos wie möglich hinter sich zu bringen. Vielleicht könnte man ihr das Schwert gewähren, anstelle des Galgens oder Scheiterhaufens, oder ihr eine vergleichbare Gnade zuteil werden lassen.«

Und ich bin Schwertkämpfer. »Da steckt noch mehr hinter dieser ganzen Angelegenheit, als bisher … enthüllt worden ist.« Er hatte diese Karte nicht ausspielen wollen, doch die verschlossenen Gesichter der beiden erschreckten ihn. Er hatte seine Gedanken in ihre Köpfe gepflanzt; vielleicht sollte er dieser Saat die Zeit verschaffen, um aufzugehen. Sollte ihr Leben verwirkt sein, nur weil ich es nicht wage, das Wort zu ergreifen? »Ich glaube, sie wurde von den Göttern berührt. Wenn Ihr sie verfolgt, so tut Ihr das auf Eure eigene Gefahr.«

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