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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Hetwar fuhr sich mit den Fingern durch das dünner werdende Haar und bedachte Ingrey mit einem finsteren Blick. »Es wird auch Zeit, dass Ihr auftaucht.«

»Herr«, erwiderte Ingrey nichtssagend.

Bei seinem Tonfall runzelte Hetwar die Stirn und fasste ihn schärfer ins Auge. »Wo wart Ihr gestern Abend?«

»Was habt Ihr bisher darüber vernommen, Herr?«

Bei dieser vorsichtigen Erwiderung hoben sich Hetwars Mundwinkel ein wenig. »Eine sehr wirre Geschichte von meinem Leibdiener heute Morgen. Ich nehme an, Ihr habt gestern Abend im Tempel nicht wirklich einen tobenden Eisbär mit einem Zauber belegt? Was ist tatsächlich geschehen? Erzählt.«

»Ich bin auf dem Weg hierher zu einem kurzen Botengang im Tempel gewesen, Herr. Tatsächlich hat dort ein Akolyth die Herrschaft über ein neues heiliges Tier verloren, das ihn verwundet hat. Ich … äh, habe geholfen, das Tier zu besänftigen. Als der Tempel es daraufhin dem Spender zurückgab, ersuchte mich der Gelehrte Lewko, das Tier um der Sicherheit willen beim Weg durch die Stadt zu begleiten. Diesem Ersuchen bin ich nachgekommen.«

Bei Lewkos Namen blitzten Hetwars Augen auf. Also kannte er Lewko, selbst wenn Ingrey nichts von diesem Geistlichen gewusst hatte.

Ingrey fuhr fort: »Der Besitzer des Bären, Jokol, stellte sich als Fürst von den südlichen Inseln vor, und es schien mir diplomatisch unklug zu sein, die Gastfreundschaft auf seinem Schiff zurückzuweisen, die er mir aufnötigte. Die Getränke der Inselbewohner erwiesen sich als … nun, mörderisch, und die Werke ihrer Dichter als sehr langwierig. Als Gesca mich rettete, war es bereits zu spät, um Euch noch aufzusuchen.«

Ein leises Schnauben von Biast, mit Blick auf Ingreys blasses Gesicht, zeugte von der Belustigung des Fürstmarschalls. Gut. Es war besser, er machte sich hier mit einer Säufergeschichte zum Gespött als zum Helden einer Geschichte um außer Kontrolle geratene, verbotene Zauberei, gestörte Wunder und Schlimmerem.

»Der Gelehrte Lewko war Zeuge des Zwischenfalls mit dem Bären«, fügte Ingrey noch hinzu, »und der Einzige, den ich Euch als verlässliche Quelle nahe legen kann.«

»Für diese Dinge ist er in besonderer Weise qualifiziert.«

»So habe ich es gehört, Herr.«

Hetwar hielt kurz die Hände still. Mit keiner anderen Geste verriet er, wie er diese Geschichte aufnahm. Er legte die Stirn in Falten und fuhr fort: »Genug von gestern Abend. Mir wurde berichtet, Eure Reise mit Prinz Bolesos Sarg war ereignisreicher, als Eure Schreiben vermuten lassen …«

Ingrey zog den Kopf ein. »Was hat Gesca in seinen Briefen geschrieben?«

»Briefe von Gesca?«

»Er hat Euch keine Berichte zukommen lassen?«

»Er hat mir gestern Abend berichtet.«

»Vorher nicht?«

»Nein. Warum?«

»Ich hatte den Eindruck, dass er schriftliche Berichte abfasst, von denen ich glaubte, sie wären an Euch gerichtet.«

»Habt Ihr es gesehen?«

»Nein«, gab Ingrey zu.

Hetwar runzelte wieder die Stirn.

Ingrey holte tief Luft. »Auf dieser Reise sind ein paar Dinge geschehen, von denen nicht einmal Gesca weiß.«

»Zum Beispiel?«

»Ist Euch bekannt, Herr, dass Prinz Boleso sich an Seelenmagie versucht hat? An Tieropfern?«

Biast zuckte bei diesen Worten überrascht zusammen. Hetwar verzog das Gesicht und sagte: »Ritter Ulkra berichtete mir von derartigen Versuchen. Womöglich war es ein Fehler, einen jungen Mann von solcher Tatkraft dem Müßiggang zu überlassen. Ich hoffe, Ihr habt sämtliche entsprechenden Hinweise beseitigt, wie ich Euch aufgetragen habe. Es bringt niemandem etwas, das Andenken der Toten zu besudeln.«

»Es waren keine müßigen Versuche. Es waren ernsthafte und erfolgreiche Bemühungen, wenn auch unkontrolliert und unbedacht. Sie führten unmittelbar zu einem Geisteszustand, den ich nur als gewalttätigen Wahnsinn bezeichnen kann. Und das führt mich, wie man sich vorstellen kann, geradenwegs zu der Frage, wie lange diese Umtriebe des Prinzen schon andauerten.

Es ist der Verdacht aufgekommen, dass Boleso zu irgendeinem Zeitpunkt die Hilfe eines abtrünnigen Zauberers besaß. Lady Ijada sagte aus, dass Boleso irgendeine wirre Vorstellung hatte, diese Rituale würden ihm eine übernatürliche Macht über die Sippen des Weald verleihen. In der Nacht, in der er versuchte, sie zu vergewaltigen, erdrosselte er einen Leoparden, und sie erschlug ihn bei dem Versuch, sich zu verteidigen.«

Hetwar warf einen besorgten Blick auf Biast, der sich inzwischen aufgerichtet hatte und mit deutlichem Missfallen zuhörte. »Lady Ijada hat das gesagt?«, wandte Hetwar ein. »Ihr seht, wo das Problem liegt?«

»Ich habe den Leoparden gesehen und auch die Schnur, mit der er erdrosselt wurde, und die Farbspuren auf Bolesos Leib sowie das Gemach selbst. Ulkra und mehrere weitere Personen aus dem Gefolge des Prinzen können die Geschichte bestätigen. Ich war von der Wahrheit ihrer Aussage überzeugt, von Anfang an, und später bestärkte mich ein weiterer Vorfall in dieser Überzeugung.«

Hetwar öffnete die Hand in einer ermunternden Geste. Er sah nicht sonderlich glücklich aus.

»Ich habe festgestellt … Man hat aufgedeckt …« Es war schwerer, als Ingrey erwartet hatte. »Irgendwer, in Ostheim oder woanders, hat die Ermordung meiner Gefangenen geplant. Ich weiß nicht, wer es war oder warum er es getan hat.« Unauffällig behielt er Biast im Auge, während er diese Worte sprach. Der Prinz wirkte erschrocken. »Aber das Wie wurde deutlich genug.«

»Wer war dieser Attentäter?«

»Ich.«

Hetwar zwinkerte. »Ingrey …«, setzte er in warnendem Tonfall an.

»Mir wurde offenbar — durch vier gescheiterte Mordversuche an meiner Gefangenen und mit der Hilfe einer Tempelzauberin namens Hallana, der wir in Rottwall begegnet sind und die ganz nebenbei einst Schülerin des Gelehrten Lewko gewesen ist —, dass mir mit magischen Mitteln ein Zwang oder Bann auferlegt wurde. Hallana meinte, es wäre keine gewöhnliche, dämonische Magie gewesen … nichts, das eine Verbindung zu den Kräften des weißen Gottes aufwies.«

Hetwar blickte seinen Krieger von oben bis unten an. »Versteht mich nicht falsch, Ingrey … Ich will Euch nicht vorwerfen, dass Ihr Unsinn redet. Aber ich sehe wirklich keine Möglichkeit, wie irgendjemand, geschweige denn eine junge Frau, einen Zweikampf mit Euch überleben könnte.«

Ingrey verzog das Gesicht. »Wie sich herausstellte, konnte sie schwimmen. Und andere Dinge. Die Zauberin in Rottwall konnte den Bann lösen, zum Glück für uns alle.« Das kam für den Augenblick der Wahrheit nahe genug. »Dieses Ereignis war äußerst eigenartig.« Mit vollkommen ruhiger, gleichmütiger Stimme setzte er hinzu: »Ich bin über alle Maßen wütend, dass ich derart benutzt wurde.«

Eigentlich hatte er vorgehabt, zurückhaltenden Verdruss in seinem Tonfall zum Ausdruck zu bringen. Doch an der Hitze, die in seinem Leib aufstieg, und am Zittern seiner Hände erkannte er, um wie viel mehr als beabsichtigt diese Worte der Wahrheit entsprachen. Biast schnaubte angesichts der unpassenden Zusammenstellung von Aussage und Tonfall, doch Hetwar, der die Gesten von Ingreys Körper deutete, erstarrte.

»Ich habe mir die Frage gestellt, ob Ihr dafür verantwortlich seid, Herr«, fuhr Ingrey mit derselben tödlichen Ruhe fort.

»Nein, Ingrey!«, sagte Hetwar. Er hatte die Augen ein wenig aufgerissen. Seine Hände lagen flach auf dem Tisch und tasteten nicht nach dem Griff seines Hofschwerts. Ingrey konnte sehen, wie schwer dem Siegelbewahrer diese Zurückhaltung fiel.

Ingrey verfolgte nun schon seit vier Jahren, wie Hetwar Lügen und Wahrheit verwob, ganz wie die Situation es erforderte. Was von beidem war es diesmal? Ingrey spürte ein Pochen im Kopf, sein Blut schien zu sieden. War Hetwar ein Verschwörer? Ein Werkzeug? Oder war er schuldlos?

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