Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Nachts ist es auf dem Fluß gefährlich«, wandte ich ein. »Es gibt Untiefen, Wirbel und alles mögliche.«
»Es ist nicht mehr weit«, sagte Terence, energisch weiterrudernd. »Sie sagte, es läge genau hinter der dritten Insel.«
»Wir sehen doch in der Dunkelheit überhaupt nichts. Wir werden uns verirren, über ein Wehr fahren und ertrinken.«
»Da sind wir schon«, sagte Terence und deutete aufs Ufer. »Sie sagte, ich könnte es am Gartenpavillon erkennen.«
Der weiße Gartenpavillon schimmerte schwach im Sternenlicht, und dahinter, jenseits einer sanft gewellten Rasenfläche, lag das Haus. Es war immens groß und bis aufs I-Tüpfelchen victorianisch, mit Türmen, Giebeln und sämtlichem neugotischen Pfefferkuchenkitsch. Es sah aus wie eine kleinere Ausgabe der Victoria Station.
Die Fenster waren dunkel. Gut, dachte ich. Wahrscheinlich sind sie bereits nach Hampton Court gefahren, um Catherine Howards Geist zu wecken oder nach Coventry. Es wird ein Leichtes für mich werden, die Katze zurückzubringen.
»Es ist niemand zu Hause«, sagte ich. »Am besten ist, wir rudern nach Streatley zurück. Im Schwan werden keine Zimmer mehr frei sein.«
»Nein, warte.« Terence schaute zu dem Haus hinüber. »Laß mich noch einen Augenblick auf den geweihten Boden schauen, über den sie wandelt, auf das geheiligte Gemach, in dem sie schläft.«
»Scheint, als hätten sie sich schon zur Nachtruhe begeben«, sagte der Professor.
»Vielleicht haben sie nur die Vorhänge zugezogen«, entgegnete Terence. »Seid mal still.«
Professor Peddicks Idee schien angesichts des linden Abends unwahrscheinlich, aber wir lauschten gehorsam. Vom Ufer her drang kein Laut zu uns. Man hörte nur das leise Schwappen des Wassers, den Wind, der leicht durchs Schilf strich und das verhaltene Quaken der Frösche. Und ein Miauen vom Bug her.
»Da«, sagte Terence. »Habt ihr das gehört?«
»Was?« fragte Professor Peddick.
»Stimmen.« Terence lehnte sich über den Schandeckel.
»Grillen«, sagte ich und schob mich zum Bug hin.
Die Katze miaute wieder. »Da!« sagte Terence. »Hört ihr’s? Da ruft uns jemand.«
Cyril schnüffelte.
»Es ist ein Vogel.« Ich zeigte auf einen Baum neben dem Pavillon. »Dort in der Weide. Eine Nachtigall.«
»Hört sich nicht an wie eine Nachtigall«, sagte Terence. »Im Sommer singen Nachtigallen aus ›reinster Kehle, lassen ihre Seele in inbrunstsel’gem Traum verglühn‹.[49] Das hört sich nicht so an. Horcht mal…«
Vom Bug her kam ein schnüffelndes Geräusch. Ich fuhr herum. Cyril stand auf den Hinterbeinen, die Vorderpfoten auf dem Gepäcksstapel, roch an der Reisetasche und schob sie mit seiner platten Schnauze zum Rand des Stapels.
»Cyril! Nein!« rief ich, und dann geschahen vier Dinge gleichzeitig. Ich hechtete vorwärts, um die Reisetasche zu packen, Cyril wich schuldbewußt zurück und prallte gegen den Weidenkorb, Professor Peddick sagte: »Vorsicht, mein Ugubio fluviatilis.« Er beugte sich zur Seite, um den Teekessel hochzuheben. Terence drehte sich um, sah, wie die Reisetasche das Übergewicht bekam und ließ die Ruder fallen.
Mitten im Sprung versuchte ich, den Rudern und Professor Peddicks Hand auszuweichen und schlug längs hin. Der Professor drückte seinen Kessel mit den Fischen krampfhaft gegen die Brust, und ich bekam eine Ecke der Reisetasche zu fassen, gerade als sie herunterfiel. Das Boot schaukelte wie wild. Wasser schwappte über Heck und Bug. Es gelang mir, die Tasche fester zu packen, sie auf die Heckbank zu setzen und mich selbst zu einer sitzenden Position hochzuziehen.
Ein lautes Platschen ertönte. Ich griff wieder nach der Reisetasche, aber sie war noch da. Ich schaute zum Bug, ob vielleicht die Ruder ins Wasser gefallen waren.
»Cyril!« schrie Terence. »Mann über Bord!« Er zog seine Jacke aus. »Nehmen Sie die Ruder, Professor Peddick. Ned, such den Schwimmgürtel.«
Ich beugte mich über den Bootsrand, um zu sehen, wo Cyril steckte.
»Beeil dich!« rief Terence und zerrte die Schuhe von den Füßen. »Cyril kann nicht schwimmen.«
»Er kann nicht schwimmen?« Ich war verblüfft. »Ich dachte, alle Hunde könnten schwimmen.«
»Stimmt auch. Der Begriff ›paddeln wie ein Hund‹ kommt von der instinktiven Schwimmbewegung, die canis familiaris angeboren ist«, erklärte Professor Peddick.
»Er weiß, wie man schwimmt«, sagte Terence und streifte die Socken ab. »Aber er kann es nicht. Er ist eine Bulldogge.«
Augenscheinlich hatte er recht. Zwar paddelte Cyril tapfer auf das Boot zu, doch waren Schnauze und Nase unter Wasser und er wirkte ziemlich verzweifelt. »Ich komm’ schon, Cyril!« rief Terence und sprang ins Wasser, wobei er eine Welle auslöste, in der er beinahe selbst untergegangen wäre. Er schwamm auf den unermüdlich paddelnden, doch trotzdem immer tiefer sinkenden Hund zu. Inzwischen waren nur noch Cyrils Stirnfalten über Wasser zu sehen.
»Das Boot zur Anlegestelle, nein, steuerbords. Nach links«, rief ich, den Schwimmgürtel suchend, den wir offenbar ganz unten verstaut hatten. »Genauso übel wie auf der Titanic«, murmelte ich. Dann fiel mir ein, daß diese noch gar nicht gesunken war, aber es hatte mir sowieso keiner zugehört.
Terence war es gelungen, Cyril am Halsband zu packen und seinen Kopf über Wasser zu halten. »Näher mit dem Boot«, rief er wasserspuckend, und Professor Peddick kam dieser Bitte nach, indem er fast über ihn ruderte. »Halt! Nein!« schrie Terence, schwenkte seinen Arm, und Cyril ging wieder unter.
»Zur Anlegestelle!« rief ich. »Die andere Richtung!« Ich lehnte mich weit aus dem Boot und packte Terence meinerseits am Genick. »Nicht mich!« japste Terence. »Cyril!«
Gemeinsam schafften wir es, den pitschnassen Cyril ins Boot zu wuchten, wo er mehrere Hektoliter Themsewasser ausspuckte. »Leg ihm eine Decke um«, keuchte Terence, der sich am Bug festklammerte.
»Mach’ ich«, sagte ich und streckte ihm die Hand entgegen. »Jetzt du!«
»Mir geht’s gut«, erwiderte er zähneklappernd. »Hol erst die Decke. Er erkältet sich so leicht.«
Ich holte die Decke, legte sie um die massigen Schultern, die Cyrils Sturz vornehmlich herbeigeführt hatten, und dann wandten wir uns der kniffligen Aufgabe zu, Terence zurück ins Boot zu bekommen.
»Das Boot grade halten«, befahl Terence mit klappernden Zähnen. »Sonst fällt gar noch einer ins Wasser.«
Wenn es darum ging, Anweisungen zu befolgen, unterschied sich Terence in nichts von Professor Peddick. Er versteifte sich darauf, ein Bein über den Bug zu schwingen, eine Bewegung, die den Bug in die gleiche Schräglage brachte wie die Titanic.
»Du wirst uns umwerfen«, sagte ich und zwängte die Reisetasche unter die Bank. »Halt still und laß dich von uns hochziehen.«
»Ich habe das schon dutzendmal gemacht«, versicherte Terence und schwang weiter das Bein hoch.
Der Schandeckel neigte sich zur Wasseroberfläche. Cyril, in seine Decke gehüllt, taumelte und versuchte, sich auf den Beinen zu halten. Der Gepäckstapel im Bug neigte sich bedrohlich zur Seite.
»Ich habe noch nie ein Boot zum Kentern gebracht«, erklärte Terence selbstsicher.
»Dann warte wenigstens, bis ich die Sachen wieder aufgerichtet habe.« Ich schob das Portmanteau an seinen Platz zurück. »Professor Peddick, gehen Sie bitte auf diese Seite.« Und zu dem die Decke nachschleifenden Cyril, der sich entschieden hatte, zu uns herüberzukommen: »Platz! Sitz!«
»Man muß bloß den richtigen Ansatzpunkt finden«, sagte Terence und verlagerte seinen Griff am Schandeckel.
49
Aus: John Keats, Ode an eine Nachtigall. — Anm. d. Ü.