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Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]

Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:

Der große Kritiker- und Publikumserfolg aus den USA! Connie Willis, preisgekrönt als beste SF-Autorin der 90er Jahre, schickt in diesem Buch Zeitreisende aus der Zukunft in das viktorianische England — ein unvergessliches Abenteuer …
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Terence hatte recht gehabt. Sie hatten die Vorhänge geschlossen. Als wir über den Rasen gingen, wurden sie zurückgezogen, ein Licht flackerte schwach auf, und wir konnten Stimmen hören.

»Das ist ja schrecklich aufregend«, sagte eine Männerstimme. »Was machen wir zuerst?«

»Uns die Hände reichen.« Das klang wie Veritys Stimme. »Und konzentrieren.«

»Oh, Mama, frag doch bitte nach Juju.« Das war eindeutig Tossie. »Frag sie, wo sie steckt.«

»Psscht.«

Stille trat ein, während der wir die restliche Rasenfläche überquerten.

»Ist ein Geist anwesend?« rief eine dröhnende Stimme, und ich ließ fast Prinzessin Arjumand fallen, so sehr ähnelte die Stimme der von Lady Schrapnell, aber das war ja unmöglich. Es mußte Tossies Mutter sein, Mrs. Mering.

»Oh, Geist von der Anderen Seite«, rief sie, und ich mußte mich zwingen, nicht wegzurennen, »sprich zu uns, die wir hier im Irdischen weilen.«

Wir bahnten uns einen Weg durch die Heckeneinfassung zu dem gefliesten Weg, der zur der Verandatür führte.

»Sag uns unser Schicksal«, dröhnte Mrs. Merings Stimme. Prinzessin Arjumand kletterte an mir hoch und grub die Krallen in meine Schulter.

»Tritt ein, o Geist«, intonierte Mrs. Mering, »und bring uns Nachricht von unseren Lieben, die wir vermissen.«

Terence klopfte an die Tür.

Wieder trat Stille ein, dann rief Mrs. Mering mit etwas schwächerer Stimme: »Tritt ein!«

»Warte«, sagte ich, aber Terence hatte die Tür bereits geöffnet. Die Vorhänge bauschten sich ins Zimmer, und wir starrten blinzelnd auf das von Kerzen erleuchtete Bild, das sich uns bot.

Vier Personen saßen um einen schwarzverhangenen Tisch, die Augen geschlossen, und hielten sich die Hände: Verity, weißgekleidet, Tossie in Rüschen, ein bleicher junger Mann mit dem Kragen eines Geistlichen und versunkenem Gesichtsausdruck und Mrs. Mering, die zum Glück Lady Schrapnell äußerlich nicht ähnelte. Sie war viel molliger, mit einem beeindruckenden Busen und einem noch beeindruckenderen Doppelkinn.

»Tritt ein, o Geist von der Anderen Seite«, sagte sie, und Terence schob die Vorhänge beiseite und trat ins Zimmer.

»Ich bitte um Verzeihung«, sagte er. Alle im Zimmer öffneten die Augen und starrten uns an.

Wir mußten ein ziemlich interessantes Bild abgegeben haben, Terence in seiner zusammengewürfelten Kleidung, ich in Socken und wir alle triefend wie Wasserratten, von dem Hund gar nicht zu reden, der immer noch Flußwasser ausspie. Oder der Katze.

»Wir sind gekommen…« setzte Terence an, und Mrs. Mering erhob sich und legte eine Hand auf ihren gewichtigen Busen.

»Sie sind gekommen!« rief sie und fiel in Ohnmacht.

11. Kapitel

»Mir war, als hört’ ich eine Stimme rufen: ›Schlaft nicht länger!‹«

William Shakespeare
Macbeth

Warum die Victorianer so verklemmt wirkten • Unsere süße Miezmiez, endlich wieder bei ihrem Frauchen! • Fisch • Ein Mißverständnis • Wie wichtig Anklopfen ist • Vorstellungen • Irische Namen • Ein erstaunlicher Zufall • Mehr Fisch • Ein zögerlicher Abschied • Noch ein Mißverständnis • Ich gehe zu Bett • Ein Besucher • Eine Krise

Eigentlich handelte es sich mehr um ein Dahinsinken als eine Ohnmacht. Mrs. Mering glitt sanft auf den Teppich, wobei sie sorgsam vermied, an irgendeines der Möbelstücke zu stoßen, kein leichtes Unterfangen, da sich im Zimmer ein großer runder Rosenholztisch befand, auf dem unter einer Glasglocke ein Bukett Wachsblumen stand, außerdem ein Roßhaarsofa, eine Chaiselounge mit Damastbezug, ein Windsorstuhl, ein Morrisstuhl, ein Chesterfieldstuhl, mehrere Ottomanen, ein Sekretär, ein Bücherregal, eine Vitrine mit Nippsachen, eine Etagere, ein Kaminschirm, eine Harfe, eine Aspidistrapflanze und ein Elefantenfuß.

Außerdem glitt sie sehr langsam, und während der Zeit, die sie brauchte, um niederzusinken, fielen mir mehrere Dinge auf:

Erstens, daß Mrs. Mering nicht die einzige war, die aussah, als hätte sie einen Geist gesehen. Der bleiche junge Mann, der ein Kurator sein mußte, war so weiß wie sein geistlicher Kragen, und Baine, der neben der Tür stand, hielt sich haltsuchend am Türknauf fest. Doch sein Gesichtsausdruck war weder schuldbewußt noch entsetzt. Wenn ich es nicht besser gewußt hätte, hätte ich ihn als Erleichterung deuten können. Oder als Freude. Beides war recht seltsam.

Zweitens, daß Veritys Gesichtsausdruck auf jeden Fall Freude zeigte. Mit meinem immer noch von der Zeitkrankheit getrübten Sinn dachte ich einen Augenblick lang tatsächlich, es wäre wegen mir. Dann fiel mir ein, daß sie noch keine Zeit gefunden haben konnte, Dunworthy Bericht zu erstatten. Tossie dürfte vergangene Nacht den ganzen Haushalt auf Trab gehalten haben, um Prinzessin Arjumand zu suchen. Demnach konnte Verity nicht wissen, daß ich die Verantwortung für die Katze übertragen bekommen und den Auftrag verpatzt hatte. Ich würde es ihr also erklären müssen.

Was mir drittens gar nicht paßte, denn sie war, sogar nach einem eher weniger ergiebigen Nachtschlaf und einer Überzahl an Sprüngen immer noch das schönste Geschöpf, das ich je gesehen hatte.

Und viertens, daß der Grund, warum die Menschen des victorianischen Zeitalters so gehemmt und verklemmt gewirkt hatten, darin lag, daß sich niemand hatte bewegen können, ohne etwas umzustoßen.

»Mama!!« rief Tossie, und Baine, Terence, Professor Peddick und ich stürzten gleichzeitig nach vorn, um Mrs. Mering aufzufangen, wobei wir in alles hineinkrachten, was Mrs. Mering vermieden hatte.

Terence fing Mrs. Mering auf, Baine drehte das Gaslicht höher, damit wir sehen konnten, wo wir hineingelaufen waren. Ich richtete die Schäferin aus Dresdner Porzellan wieder auf und das Stereophon, das ich beides umgeworfen hatte. Der Geistliche nahm wieder Platz und wischte sich mit einem großen weißen Taschentuch die Stirn. Terence und Baine brachten Mrs. Mering zu einem maronenfarbenen Samtsofa, wobei sie eine Büste der Pallas Athene umstießen, und Verity begann, Mrs. Mering Luft zuzufächeln.

»Baine«, sagte sie. »Sagen Sie Colleen, sie soll das Riechsalz bringen.«

»Ja, Miss«, sagte Baine, der immer noch überwältigt wirkte, und eilte davon.

»Oh, Mama!« Tossie wollte zu ihrer Mutter gehen. »Bist du…?« Ihr Blick fiel auf die Katze, die während der ganzen Aufregung meine Brust hochgekrochen war.

»Prinzessin Arjumand!« schrie sie und schoß auf mich zu. »Mein Liebling, mein Herzblatt! Du bist zu mir zurückgekommen!«

Der Liebling mußte Kralle für Kralle vom Vorderteil meines Hemdes abgepflückt werden. Ich reichte ihn Tossie, die eine Reihe Freudenschreie ausstieß und ihn enthusiastisch an sich preßte.

»Oh, Mr. St. Trewes«, zirpte sie. »Sie haben mir meine Miezmiez zurückgebracht!« Sie küßte das Herzblatt. »Arme Miezmiez, so danz allein im Dunkeln draußen! Hattu fürchtie fürchtie gemacht? Aber Mr. St. Trewes hat nach dir geducht, dimmst? Sagst du brav Dankedanke zu liebem Onkelchen?«

Cyril, der neben mir stand, schnaubte laut, und sogar Miezmiez schaute entsetzt. Na denn, dachte ich, das müßte Terence eigentlich wieder zu Verstand bringen, und wir konnten zurück nach Oxford. Tossie konnte Mr. C heiraten, und das Kontinuum war gerettet.

Ich schaute zu Terence. Er strahlte Tossie vernarrt an. »Wirklich keine Ursache«, sagte er. »Sie baten mich, Ihre kostbare Katze zu suchen. Es war Ihr Wille. Ihr Wunsch ist mir Befehl, edles Fräulein.«

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