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Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]

Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:

Der große Kritiker- und Publikumserfolg aus den USA! Connie Willis, preisgekrönt als beste SF-Autorin der 90er Jahre, schickt in diesem Buch Zeitreisende aus der Zukunft in das viktorianische England — ein unvergessliches Abenteuer …
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»Langsam und ruhig«, sagte Terence, als ich das Boot problemlos neben die Anlegestelle manövrierte. »So ist’s richtig. Dir fehlt bloß ein bißchen Übung.«

»Die ich eigentlich zu Genüge haben müßte«, entgegnete ich, nahm ihm die Milchflasche ab und steckte sie in meine Tasche. »Komm, wir wollen weiter! Wo steckt Professor Peddick?«

Terence blickte sich um, als erwarte er, ihn zu sehen. »Er ist noch nicht vom Telegrafenbüro zurück?«

»Nein«, sagte ich, stieg aus dem Boot und vertäute es. »Am besten, wir schauen mal, wo er steckt.«

»Einer von uns sollte beim Boot bleiben«, sagte Terence mit einem energischen Blick zu Cyril. »Falls er zurückkommt.«

»Gute Idee«, sagte ich. Während er weg war, konnte ich noch einmal nach der Katze sehen und sie vielleicht kurz aus der Tasche lassen.

»Am besten ist, du gehst«, meinte Terence. »Du kennst dich in Geschichte besser aus.« Er zog seine Taschenuhr heraus und schaute darauf. Ich nutzte die Sekunde, wo er abgelenkt war, um die Reisetasche hochzuheben und hinter meinem Rücken zu verstecken.

»Zehn Uhr«, sagte Terence und ließ die Uhr heftig zuschnappen. »Ich hätte darauf bestehen sollen, Professor Peddick just in dem Moment, als wir ihn trafen, nach Hause zu bringen.«

»Dazu war keine Zeit«, sagte ich. »Außerdem hast du selbst gesagt, er sei nicht zu bremsen, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt habe.«

Terence nickte düster. »Er ist eine unaufhaltsame Macht. Wie Wilhelm der Eroberer. Die Geschichte besteht aus Persönlichkeiten.« Er seufzte. »Bis wir in Muchings End sind, wird sie bereits verlobt sein.«

»Verlobt? Mit wem?« fragte ich in der Hoffnung, sie habe Terence gegenüber weitere Verehrer erwähnt, und einer von ihnen sei Mr. C.

»Keine Ahnung, mit wem«, entgegnete Terence. »Ein Mädchen wie Tossie… äh… Miss Mering, hat an jedem Finger zehn Verehrer. Wo steckt er? Auf diese Weise kommen wir unser Lebtag nicht nach Muchings End.«

»Aber ja doch«, sagte ich. »Vergiß nicht, das ist Schicksal. Wie bei Romeo und Julia oder Abelard und Heloise.«

»Schicksal«, sagte Terence. »Doch welch ein grausames Schicksal, das mich von ihr fernhält und sei’s nur für einen einzigen Tag!« Er wandte sich dem Fluß zu, um verträumten Auges darauf zu starren, und ich entwischte mit der Reisetasche.

Cyril trottete hinter mir her. »Du bleibst hier«, sagte ich streng, worauf wir uns zu dritt auf den Weg ins Dörfchen machten.

Zwar hatte ich nicht die geringste Ahnung, wo das Telegrafenbüro sein mochte oder wie eines aussah, aber im Ort gab es nur zwei Läden, eine Gemischtwarenhandlung und ein Geschäft, in dessen Schaufenster Angelausrüstungen und Blumenvasen lagen. Dort probierte ich es zuerst. »Wo kann ich ein Telegramm aufgeben?« fragte ich eine alte Frau, die eine Morgenhaube trug. Sie ähnelte aufs Haar genau dem Schaf aus Alice hinter den Spiegeln.

»Unterwegs auf dem Fluß, Sir?« fragte sie. »Ich habe ein paar wunderschöne Wandteller mit der Aussicht von Iffley und der Aufschrift ›Zur Erinnerung an glückliche Stunden auf der Themse‹. Fahren Sie flußaufwärts oder hinunter?«

Weder noch, dachte ich. »Hinunter. Wo ist das Telegrafenbüro?«

»Hinunter«, sagte sie erfreut. »Dann waren Sie ja bereits in Iffley. Ist das nicht hübsch?« Sie reichte mir ein gelbes Satinkissen mit Fransen, auf das die Mühle und die Worte »Andenken an Iffley« gestickt waren.

Ich gab es ihr zurück. »Sehr schön. Wo kann ich ein Telegramm aufgeben?«

»Bei der Post. Obwohl ich immer finde, es ist freundlicher, einen Brief zu schicken, meinen Sie nicht auch?« Blitzschnell zauberte sie Briefpapier hervor. Oben auf jedem Bogen stand »Grüße aus Abingdon«. »Ein halber Penny der Bogen, ein Penny der Umschlag.«

»Nein, vielen Dank. Wo sagten Sie, ist die Post?«

»Nur die Straße hinunter. Gegenüber dem Klostertor. Haben Sie es schon gesehen? Wir haben hier eine wunderschöne Miniatur davon. Oder gefallen Ihnen unsere Porzellanhunde besser? Handbemalt. Oder diese hübschen Federhalterwischer?«

Es endete damit, daß ich eine Bulldogge aus Porzellan erstand, die nicht die geringste Ähnlichkeit mit Cyril oder irgendeiner anderen Hunderasse hatte, nur um aus dem Laden wieder fortzukommen und das Tor und die Post zu suchen.

Professor Peddick war nicht in der Post, und die alte Frau mit der Morgenhaube, die hinterm Schalter saß, wußte auch nicht, ob er da gewesen war. »Mein Mann ist gerade zum Mittagessen nach Haus gegangen. Er kommt in einer Stunde wieder. Unterwegs auf dem Fluß, Sir?« Sie versuchte mir eine Vase mit dem Bild von Iffley darauf zu verkaufen.

Er war auch nicht in dem Gemischtwarengeschäft gewesen. Ich kaufte einen Zahnbecher, auf dem »Herzliche Urlaubsgrüße von der Themse«stand. »Haben Sie Lachs?« fragte ich.

»Natürlich«, sagte die Besitzerin, eine weitere alte Frau mit Morgenhaube, und stellte eine Dose auf die Ladentheke.

»Ich meine frischen Lachs«, sagte ich.

»Den können Sie selbst fangen«, erwiderte sie. »Hier in Abingdon kann man den besten Lachs der Themse fischen«, und versuchte, mir wasserdichte Anglerstiefel zu verkaufen.

Als ich aus dem Laden kam, sagte ich zu Cyril, der gehorsam vor jeder Ladentür gewartet hatte: »Wohin jetzt?«

Abingdon war um ein mittelalterliches Kloster herum erbaut worden. Die Ruinen mit dem Kornspeicher und dem Gehöft waren noch erhalten, und sie schienen der wahrscheinlichste Platz, zu dem Professor Peddick gegangen sein konnte, aber er war nicht dort. Und auch nicht in den Kreuzgängen.

Es war auch sonst niemand dort. Ich kniete mich an die Wand des Kreuzgangs, setzte die Milchflasche auf den Steinboden und öffnete die Reisetasche.

Cyril hockte sich mit deutlichem Mißfallen neben mich.

»Prinzessin Arjumand?« Ich hob die Katze aus der Tasche. »Frühstück gefällig?«

Ich setzte sie auf den Boden, sie tat ein paar zögernde Schritte über das Gras, schoß dann plötzlich wie ein Pfeil um die nächste Mauerecke und war verschwunden.

Cyrils Miene sprach Bände. Hab ich dir’s nicht gesagt?

»Auf, steh nicht so herum!« sagte ich zu ihm. »Ihr nach!«

Cyril rührte sich nicht.

Ich konnte es ihm nicht verdenken. Unsere Jagd nach der Katze im nächtlichen Wald war nicht gerade ein rauschender Erfolg gewesen. »Na gut, was schlägst du statt dessen vor?«

Er legte sich hin, die Schnauze an der Milchflasche. Das war keine schlechte Idee. Ich holte die Untertasse aus der Tasche und goß etwas Milch hinein. »Miez, miez«, rief ich und stellte die Tasse vor die Mauer. »Frühstück!«

Die Idee war nicht schlecht, wie ich schon sagte, doch zeitigte sie keinen Erfolg. Ebensowenig wie die Suche in den Ruinen, auf dem Dorfplatz oder in den Gäßchen mit den Fachwerkhäusern.

»Du weißt doch, wie Katzen sind«, sagte ich zu Cyril. »Warum hast du mich nicht gewarnt?«

Aber es war mein Fehler gewesen. Ich hatte sie aus der Tasche herausgelassen, und höchstwahrscheinlich war sie inzwischen bereits unterwegs nach London, um Gladstone zu treffen und Mafekings Niederlage zu verursachen.

Wir waren jetzt am Dorfrand angekommen, wo der Weg in abgemähten Kornfeldern endete, die von schmalen Wasserläufen durchzogen wurden.

»Vielleicht ist sie zum Boot zurückgegangen«, sagte ich hoffnungsvoll zu Cyril, aber er hörte nicht zu. Er blickte zu einem morastigen Pfad, der zu einer Brücke hinführte, die sich über eines der Flüßchen spannte.

Und dort bei der Brücke stand Professor Peddick, knietief im Wasser mit hochgekrempelten Hosenbeinen, in der Hand einen großen Käscher, hinter sich am Ufer einen Blechkessel mit Wasser und ohne Zweifel auch Fischen darin. Und neben ihm sah ich Prinzessin Arjumand.

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