Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
In einem chaotischen System konnte alles, ob Karre oder Erkältung, wichtig und jeder Punkt ein kritischer sein. Die Tonne hatte eine vollständige Ausgabe von Blackstones Kommentaren enthalten, die Lincoln sich nie im Leben hätte leisten können. Sie hatte ihm ermöglicht, Anwalt zu werden.
In einem chaotischen System gab es aber auch Vorwärtsschleifen, Interferenzmuster und Gegengewichte, und die meisten aller Aktionen hoben sich durch andere auf. Der überwiegende Teil aller Stürme zerstörte keine Flotten, die meisten Trinkgelder verursachten keine Revolutionen und fast alle Dinge, die man auf einem Wohltätigkeitsbasar kaufte, zogen nichts weiter als Staub an.
So gesehen hatte die Katze nur unendlich wenige Möglichkeiten, die Welt zu verändern, vor allem wenn wir unser momentanes Reisetempo beibehielten.
»Weißt du«, sagte Terence und packte das Brot und den Käse aus, den er in Abingdon gekauft hatte, »wenn wir so weitermachen, müßten wir um ein Uhr an der Tagschleuse sein. Außer uns ist weit und breit keiner auf dem Fluß.«
Ausgenommen ein kleines Boot mit drei Männern darin, allesamt in Blazern und mit Schnurrbärten, das gerade flußabwärts auf uns zuhielt. Auf dem Bug thronte ein kleiner Hund, der aufmerksam nach vorn blickte. Als die drei näherkamen, konnten wir ihre Stimmen deutlich hören.
»Wie lang dauert’s noch, bis du mich ablöst, Jay?« fragte der Ruderer den Mann, der im Bug lag.
»Du ruderst erst zehn Minuten, Harris«, erwiderte der im Bug.
»Nun denn, wie lang dauert’s noch bis zur nächsten Schleuse?«
Der dritte Mann, der untersetzter war als die beiden anderen, sagte: »Wann machen wir Teepause?« und nahm ein Banjo zur Hand.
Der Hund sichtete unser Boot und bellte. »Laß das, Montmorency«, sagte der im Bug Liegende. »Bellen ist unhöflich.«
»Terence!« Ich richtete mich halb auf. »Das Boot dort drüben!«
Er schaute über die Schulter. »Keine Gefahr. Halt einfach den Kurs.«
Der Banjospieler schlug ein paar verstimmt klingende Akkorde an und begann zu singen.
»Nicht singen, George!« riefen der Ruderer und der im Bug Liegende wie aus einem Mund.
»Und du ebensowenig, Harris!« fügte Jay hinzu.
»Warum nicht?« fragte er pikiert.
»Weil du dir nur einbildest, singen zu können«, sagte George.
»So ist es«, sagte Jay. »Denk nur an die Sache mit dem ›Admiralslied‹ aus ›Pinafore‹.«[48]
»Diddel-diddel-diddel-diddel-di«, sang George.
»Sie sind es!« rief ich. »Terence, weißt du nicht, wer das ist? Drei Mann in einem Boot, ganz zu schweigen von dem Hunde.«
»Hund?« fragte Terence geringschätzig. »Das nennst du einen Hund?« Er schaute liebevoll auf Cyril, der im Boden das Bootes lag und schnarchte. »Den könnte Cyril in einem Happen verschlucken.«
»Verstehst du denn nicht?« sagte ich. »Drei Mann in einem Boot. Die Dose Ananas, Georges Banjo und das Labyrinth.«
»Das Labyrinth?« fragte Terence verständnislos.
»Ja, das Labyrinth. Weißt du nicht mehr, wie Harris mit seiner Karte durch das Labyrinth von Hampton Court lief, mit all den Menschen im Schlepptau, und die Karte stimmte nicht, und sie verirrten sich so hoffnungslos, daß der Wächter kommen mußte, um sie rauszuholen?«
Ich lehnte mich aus dem Boot, um besser sehen zu können. Da waren sie, Jerome K. Jerome und seine beiden Freunde, die er unsterblich gemacht hatte (ganz zu schweigen von dem Hunde), auf ihrem historischen Ausflug auf der Themse. Sie ahnten nichts davon, daß sie hundertfünfzig Jahre später weltberühmt sein würden, daß ihre Abenteuer mit dem Käse, dem Dampfer und dem Schwan von unzähligen Generationen würden gelesen werden.
»Gib auf deine Nase acht!« sagte Terence, und ich erwiderte: »Genau. Diese Stelle liebe ich besonders, wo Jerome durch die Schleuse von Hampton Court fährt und jemand ruft: ›Gib auf deine Nase acht!‹ und er denkt, seine Nase sei gemeint, aber der andere meint die Nase des Bootes, die sich gerade in der Schleuse verklemmt hat.«
»Ned!« sagte Terence. Die drei Männer winkten zu uns herüber, riefen etwas, und Jerome K. Jerome stand auf und fing an, mit ausgestrecktem Arm zu gestikulieren.
Ich winkte zurück. »Gute Reise!« rief ich. »Gebt acht auf Schwäne!«
Bei diesen Worten verlor ich das Gleichgewicht und stürzte, die Füße hoch in der Luft, rückwärts. Die Ruderblätter droschen laut klatschend ins Wasser, der Stapel Gepäck im Bug kippte um. Auf dem Rücken liegend grapschte ich nach der Reisetasche und versuchte mich aufzusetzen, ebenso wie Professor Peddick, der sich schlaftrunken die Augen rieb. »Was ist denn los?« fragte er.
»Ned paßte nicht auf, wo er hintrat«, sagte Terence mit einem Griff nach dem Handkoffer. Ich sah, daß wir geradewegs auf die Uferbank gefahren waren. Wie Jerome K. Jerome im sechsten Kapitel seines Buches.
Ich schaute zu dem anderen Boot hinüber. Montmorency bellte laut, und George und Harris schienen sich vor Lachen zu kugeln.
»Alles in Ordnung?« rief Jerome K. Jerome.
Ich nickte heftig, und die drei winkten und ruderten weiter, immer noch lachend, der Schlacht der Schwäne und Oxford und ihrem Platz in der Weltgeschichte entgegen.
»Ich sagte doch, Kurs halten«, sagte Terence tadelnd.
»Ich weiß. Tut mir leid.« Ich machte einen Schritt über Cyril, der die ganze Episode verschlafen und dadurch die einmalige Chance vertan hatte, einen wirklich berühmten Hund kennenzulernen. Andererseits, wenn ich an Montmorencys Vorliebe für Raufereien und seine sarkastische Ader dachte, war das vielleicht auch ganz gut so.
»Ich habe jemanden gesehen, den ich kenne«, sagte ich und half Terence, das Gepäck aufzuheben. »Einen Schriftsteller.« Dann fiel mir ein, daß die drei gerade flußabwärts ruderten und Drei Mann in einem Boot ja noch gar nicht geschrieben sein konnte. Ich hoffte nur, daß Terence, wenn das Buch herauskam, nicht die Seite mit dem Copyrightvermerk las.
»Wo ist mein Netz?« fragte Professor Peddick. »Das Wasser hier ist bestens geeignet für Tinca vulgaris.«
Wir brauchten bis Mittag, um unser Gepäck wieder ordentlich zu verstauen, festzubinden und Professor Peddick von seiner Tinca Vulgarisloszureißen, aber danach ging es wirklich flott voran. Noch vor zwei Uhr passierten wir Little Wittenbaum. Wenn an der Tagschleuse keine Probleme auftraten, würden wir Streatley vielleicht noch zum Abendessen erreichen.
Wir passierten die Schleuse in Rekordzeit. Und ruderten schnurstracks in einen Stau hinein.
Der Grund, warum uns die ganze Zeit über so wenige Boote begegnet waren, lag vor uns. Die ganze Armada hatte sich hier versammelt. Stechkähne, Kanus, Auslegerboote, zweisitzige Rennboote, Ruderboote mit Dach, Achter, Barken, Floße und Hausboote verstopften den gesamten Flußlauf, alle stromaufwärts schippernd. Und keiner von ihnen schien es besonders eilig zu haben.
Mädchen mit Sonnenschirmen schwatzten mit Mädchen mit Sonnenschirmen in den Nachbarbooten und wiesen ihre Gefährten an, längsseits der anderen Boote zu rudern. Von Dampfern herab schwenkten Passagiere Fahnen mit der Aufschrift »Jahresausflug des Musikvereins Lower Middlessex« und »Landpartie der Mütter« und lehnten sich über die Reling, um den Leuten unten in den Vergnügungsbooten etwas zuzurufen.
Keiner dieser Menschen strebte offenbar einem dringlichen Termin entgegen. Männer mittleren Jahrgangs saßen auf dem Deck ihrer Hausboote und lasen die Times, während ihre Ehefrauen gleichen Jahrgangs, Klammern im Mund, Wäsche aufhängten. Zwischen diesen Booten stakte ein Mädchen im Matrosenanzug und mit einem Strohhut, von dem bunte Bänder flatterten, langsam mit einem flachen Kahn einher und amüsierte sich, wenn der Stecken im Schlamm steckenblieb. Ein Künstler im gelben Malerkittel stand mit seiner Staffelei inmitten der Unzahl von Booten bewegungslos auf einem Floß und malte ein Bild der Landschaft, obwohl es mir rätselhaft blieb, wie er zwischen der Masse blumenbedeckter Hüte, Sonnenschirme und flatternder Union Jacks noch etwas von der Landschaft erkennen konnte.
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Lied aus der komischen Oper »H.M.S. Pinafore« von Gilbert und Sullivan. — Anm. d. Ü.