Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Wieviel von ihrer Zukunft hatte die Addershag überhaupt gesehen, fragte sie sich grimmig. Wieviel hatte sie gar nicht entdecken können?
Sie erhob sich, schaute ein letztes Mal auf den Ellcrys und wandte sich ab. Langsam stieg sie die Gärten des Lebens hinab und nahm dabei schwache Erinnerungen an ihren Trost und ihre Ruhe mit, um sie für eine Zeit wegzustecken, wo sie sie brauchen würde. Für die Zeit, wo Dunkelheit sie umgeben und sie allein sein würde. Sie wollte glauben, daß das nicht eintrat. Sie hoffte, daß sich die Addershag geirrt hatte.
Aber sie wußte, daß sie sich dessen nicht sicher sein konnte. Garth traf sie kurz darauf, und sie blieb den Rest des Tages mit ihm zusammen. Sie sprachen ausführlich über das, was vor ihnen lag, listeten die Gefahren auf, denen sie bereits begegnet waren, und überlegten gemeinsam, was sie brauchen würden, um ihre Reise zurück durch den Wahnsinn, der dort draußen lag, zu überstehen. Garth schien entspannt und zuversichtlich, aber das schien er eigentlich immer zu sein. Sie vereinbarten, daß sie nahe beieinander bleiben würden, was auch immer geschehen mochte. Sie sah Gavilan nur einmal und nur für einen Moment. Es war am Spätnachmittag, und er verließ den Palast zu einem weiteren Botengang, als sie über den Rasen kam. Er lächelte ihr zu und winkte, als sei alles, wie es sein sollte, als sei die ganze Welt noch im Gleichgewicht. Trotz ihrer Verwirrung über seine sorglose Art lächelte sie und winkte zurück. Sie hätte gern mit ihm gesprochen, wenn es möglich gewesen wäre, aber Garth war da und auch mehrere Begleiter von Gavilan, und es gab keine Gelegenheit. Er tauchte danach nicht wieder auf, obwohl sie eifrig nach ihm Ausschau hielt. Als die Dämmerung hereinbrach, war sie wieder allein in ihrem Raum, schaute aus den Fenstern auf das ersterbende Licht, dachte, daß sie etwas tun sollte. Ein Gefühl, als sei sie gefangen, machte sich in ihr breit, und sie fragte sich, ob sie darum kämpfen sollte, davon freizukommen. Garth hatte sich wieder in den angrenzenden Raum zurückgezogen. Sie wollte gerade zu ihm gehen, als sich die Tür öffnete und die Königin erschien.
»Großmutter«, begrüßte sie sie und konnte die Erleichterung in ihrer Stimme nicht völlig verbergen.
Ellenroh eilte wortlos durch den Raum, nahm sie in die Arme und drückte sie an sich. »Wren«, flüsterte sie, und ihre Arme legten sich fester um das Mädchen, als hätte sie Angst, Wren könne fliehen.
Schließlich trat sie zurück, lächelte, nachdem zuvor noch ein Schatten von Traurigkeit ihr Gesicht überzogen hatte, nahm dann Wrens Hand und führte sie zum Bett, wo sie sich setzten.
»Ich habe dich den ganzen Tag beschämend vernachlässigt. Bitte entschuldige das. Es schien, als sei mir jedes Mal, wenn ich mich umwandte, etwas anderes eingefallen, das zuerst getan werden mußte. Es waren zwar nur kleine Aufgaben, die ich vergessen hatte, sie mußten aber noch vor heute abend erledigt werden.«
Sie hielt inne. »Wren, es tut mir leid, daß ich dich in diese Angelegenheit hineingezogen habe. Die Probleme, die wir uns selbst geschaffen haben, sollten nicht auch deine werden. Aber es hilft nichts. Ich brauche dich, Kind. Vergibst du mir?«
Wren schüttelte verwirrt den Kopf. »Es gibt nichts zu vergeben, Großmutter. Als ich mich entschloß, Allanons Botschaft zu euch zu bringen, beschloß ich auch, mich darauf einzulassen. Ich wußte, daß ich mit euch kommen würde, wenn ihr dieser Botschaft folgen würdet. Ich habe noch nie anders darüber gedacht.«
»Wren, du gibst mir soviel Hoffnung! Ich wünschte, Alleyne wäre hier und könnte dich sehen. Sie würde stolz sein. Du hast ihre Kraft und ihre Entschlossenheit.« Die glatten Brauen zogen sich zusammen. »Ich vermisse sie so sehr. Es ist Jahre her, daß sie fortgegangen ist, und noch immer scheint es mir, als sei es nur für einen Moment. Manchmal ertappe ich mich auch jetzt noch dabei, daß ich nach ihr Ausschau halte.«
»Großmutter«, sagte Wren ruhig und wartete, bis sie sie ansah.
»Erzähle mir von der Magie. Was ist es, worüber du Bescheid weißt und Gavilan und Eowen und die Eule und jeder andere auch, nur ich nicht? Warum ängstigt es jedermann so?«
Einen Moment lang antwortete Ellenroh Elessedil nicht. Ihre Augen wurden hart, und ihr Körper versteifte sich. Wren konnte in diesem Augenblick die eiserne Entschlossenheit erkennen, auf die ihre Großmutter immer dann zurückgriff, wenn sie sie brauchte, eine Entschlossenheit, die das jugendliche Gesicht und die schlanke Gestalt Lügen strafte. Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus. Wren hielt ihrem Blick stand. Sie wollte nicht wegsehen, denn sie wollte die Geheimnisse zwischen ihnen unbedingt beenden.
Das Lächeln der Königin kam unerwartet und bitter. »Wie gesagt, du bist wie Alleyne.« Sie ließ Wrens Hände los. Es schien, als habe sie Angst, es könne eine Schranke zwischen ihnen errichtet werden. »Es gibt einige Dinge, die ich dir gern erzählen würde, die ich dir aber nicht erzählen kann, Wren. Jedenfalls jetzt noch nicht. Ich habe meine Gründe, und du wirst es akzeptieren müssen. Aber ich kann dir versichern, daß es gute Gründe sind. Also werde ich dir nur erzählen, was ich dir heute erzählen kann, und dabei muß es bleiben.«
Sie seufzte und verdrängte die Bitterkeit aus ihrem Lächeln.
»Die Magie ist unberechenbar, Wren. So war es am Anfang, und so ist es bis heute geblieben. Aus Erzählungen über das Schwert von Shannara und die Elfensteine weißt du selbst, daß die Magie nicht immer gleich bleibt, daß sie nicht immer tut, was man von ihr erwartet, daß sie sich auf überraschende Weise offenbaren kann und sich nach längerer Zeit und häufigerem Gebrauch entfaltet. Dies ist eine Wahrheit, die uns scheinbar immer wieder entgeht und die immer wieder neu gelernt werden muß. Als die Elfen nach Morrowindl kamen, beschlossen sie, die Magie neu zu erschließen, die alte Art wieder zu entdecken und sich selbst nach dem Bild der Vorväter zu formen. Das Problem war natürlich, daß es das Vorbild schon lange nicht mehr gab und niemand die Entwürfe aufbewahrt hatte. Die Rückgewinnung der Magie wurde dann jedoch leichter erreicht, als sie erwartet hatten. Sie dann auch zu beherrschen, als man sie erst einmal bei der Hand hatte, war jedoch wieder etwas anderes. Viele Versuche wurden unternommen, und viele davon schlugen fehl. Jenen Versuchen verdanken die Dämonen ihre Existenz. Es geschah ohne Absicht, und es war ein Unglück, aber es ist trotzdem eine Tatsache. Als sie erst einmal da waren, konnten sie nicht wieder fortgeschickt werden. Sie gediehen und vermehrten sich und überlebten alle Versuche, sie wieder zu zerstören.«
Sie schüttelte den Kopf, als sehe sie diese Versuche vor ihren Augen vorbeiziehen. »Du willst mich fragen, warum man sie nicht wieder dahin zurückschicken kann, von wo auch immer sie gekommen sind, nicht wahr? Aber die Magie funktioniert nicht so. Sie erlaubt keine so einfache Lösung. Gavilan und einige andere glauben, daß weitere Experimente mit der Magie bessere Ergebnisse bringen könnten und daß uns Versuche und Irrtümer zufällig einen Weg weisen könnten, die Wesen zu besiegen. Ich halte das für falsch. Ich verstehe die Magie, Wren, denn ich habe sie benutzt, und ich kenne ihre Macht. Ich habe Angst vor dem, was sie bewerkstelligen kann. Es gibt tatsächlich keine Grenzen. Sie macht uns zu nichts anderem als sterblichen Wesen. Ihr fehlen die Schranken, die uns unser Menschsein auferlegt. Sie ist großartiger als wir. Sie wird überleben, wenn wir alle längst tot sind. Ich habe kein Vertrauen in sie, abgesehen von dem Teil, der aus Erfahrung bekannt ist und den die Notwendigkeit erfordert. Ich glaube, daß wir neuen Schrecken in unser Leben lassen, wenn wir sie weiter erproben, wenn wir weiterhin glauben, daß sie die Lösung für all unsere Probleme in sich birgt. Dann werden wir eines Tages vielleicht wünschen, daß wir es nur mit den Dämonen zu tun haben.«
»Was ist mit den Elfensteinen?« fragte Wren ruhig.
Ellenroh nickte, lächelte und schaute fort. »Ja, Kind, was ist mit den Elfensteinen? Was ist mit ihrer Magie? Wir wissen, was sie tun können, wir haben es ja bereits erfahren. Wenn das Elfenblut fehlschlägt, wenn es nicht stark genug ist, wie es bei Will Ohmsford war, schafft die Magie unerwartete Ergebnisse. Der Wunschgesang. Er ist gut und schlecht, beides.« Ihr Blick kehrte zurück. »Aber die Magie der Elfensteine ist bekannt, und sie ist eingeschlossen. Niemand glaubt oder vermutet, daß sie für einen anderen Zweck mißbraucht werden könnte. Dasselbe gilt für den Loden. Wir wissen einiges über diese magischen Kräfte und werden sie einsetzen, weil wir das tun müssen, wenn wir überleben wollen. Aber noch viel größere Magie wartet darauf, erst noch entdeckt zu werden, Kind. Magie, die unter der Erde lebt, die in der Luft zu finden ist und die nach Erkennen schreit. Das ist die Magie, die Gavilan heranziehen möchte. Es ist die gleiche Magie, die ein Druide namens Brona vor mehr als tausend Jahren nutzbar zu machen versuchte – die gleiche Magie, die ihn dazu trieb, Herr aller Zauberer zu werden, und die ihn dann zerstörte.«