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Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:

1825 wird eine franko-kanadische Verschwörung gegen die englische Regierung in Kanada verraten. Aber der Verräter verzweifelt an seiner Schuld und erschießt sich. Nun setzt die Familie alles daran, dieses Verbrechen zu sühnen, bis ihr guter Name wieder hergestellt ist. In spannenden Episoden schildert uns Verne das Schicksal der beiden Söhne des Verräters, die für ein freies Kanada kämpfen -bis zum bitteren Ende. Ein Abenteuerroman vor historischem Hintergrund, bei dem auch die kanadischen Indianer eine wichtige Rolle spielen.
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Es sollte ihm nicht gelingen. Er wurde sofort von den Polizisten umringt, die ihn mit Püffen und Kolbenstößen nicht verschonten und ihn dann mitten in den Hof zerrten.

Das war zu viel für die Mahogannikrieger, deren Kampfeslust ein solches Attentat nicht ertragen konnte. Ihr großer Häuptling verhaftet, mißhandelt!. Ein Sagamore in den Händen der Feinde, der Bleichgesichter!

Mehr bedurfte es nicht, und das Kriegsgeheul des Stammes erscholl in dem Durcheinander.

»Vorwärts!. Vorwärts, Huronen!« heulte Lionel, der ganz außer sich war.

Die Einmischung der Indianer verlieh der Sachlage schleunigst ein anderes Gesicht. Die Streitaxt in der Hand, stürzten sie sich auf die Angreifer. Diese, von dem schon fast eine Stunde anhaltenden Kampfe erschöpft, mußten nun ihrerseits wieder zurückweichen.

Johann ohne Namen, Thomas Harcher und ihre Freunde fühlten, daß eine letzte Anstrengung ihnen gestatten würde, Rip und seine Mannschaft aus der Umzäunung hinauszuwerfen. Sie ergriffen wieder die Offensive. Nachdem sie erst Meister Nick befreit, kamen sie den Anderen zu Hilfe. Nick selbst war nicht wenig erstaunt, daß er die Indianer jetzt selbst mit Worten, wenn auch nicht mit dem Arme, der noch unfähig war, den Tomahawk seiner Vorfahren zu schwingen, zum Kampfe aufmunterte.

So kam ein Notar von Montreal, der friedfertigste der Menschen, dazu, eine Sache vertheidigt zu haben, die weder die Mahogannis noch ihren Häuptling etwas anging.

Polizisten und Freiwillige wurden nun bald gezwungen, den Hof gänzlich zu räumen, und da die Indianer sie auch draußen eine Meile weit verfolgten, waren die Umgebungen der Farm von Chipogan vom Feinde wieder vollständig befreit.

Immerhin ein schlimmes Ding, das sich auf der Verlustseite der nächsten Bilanz des Hauses Rip & Cie. bemerkbar machen mußte.

An diesem Tage war der Sieg also nicht dem Gesetze, sondern den Patrioten verblieben.

Band 2

 

Erstes Capitel

Erste Scharmützel

Die Vorgänge auf der Farm von Chipogan machten erklärlicher Weise überall großes Aufsehen. Von der Grafschaft Laprairie aus hatte sich die Nachricht davon durch die Provinzen Canadas verbreitet. Die öffentliche Meinung fand kaum eine bessere Gelegenheit, sich offen kundzugeben. Handelte es sich doch nicht allein um einen Zusammenstoß zwischen Polizei und »Bewohnern« des Landes - einen Zusammenstoß, bei dem die Vertreter der Behörden und die Kronfreiwilligen den Kürzeren gezogen hatten. Ernster war jedenfalls der Umstand, der die Absendung einer Polizeimacht nach Chipogan veranlaßt hatte. Johann ohne Namen war eben wieder im Lande aufgetaucht. Der Minister Gilbert Argall wollte ihn, auf die Meldung von seinem Aufenthalte in der Farm, verhaften lassen. Dieser Versuch mißglückte; die Person, in der sich der nationale Widerstand verkörperte, war frei und man ahnte, daß der Mann in nächster Zeit schon Gebrauch von seiner Freiheit machen werde.

Wohin Johann ohne Namen sich nach seinem Weggange von Chipogan gewendet, konnten die eifrigsten, die peinlichsten und strengsten Nachforschungen nicht aufklären. Sein dermaliger Aufenthaltsort war und blieb Geheimniß. Immerhin verzweifelte Rip, wenn er über den Mißerfolg seiner Maßregeln natürlich auch verbittert war, keineswegs daran, sich noch dafür zu rächen. Außer dem persönlichen Interesse kam hierbei ja auch die Ehre seines Hauses ins Spiel; er wollte die Partie fortsetzen, bis sie für ihn gewonnen wäre. Die Colonialregierung wußte ja, woran sie mit ihm war, und hatte ihm niemals ihr Vertrauen entzogen, noch es an Unterstützung fehlen lassen. Jetzt kannte Rip übrigens den jungen Patrioten, dem er Auge in Auge gegenüber gestanden hatte, und er brauchte nicht mehr als Blinder seinen Spuren nachzugehen.

Seit dem gescheiterten Angriff auf Chipogan waren vierzehn Tage - vom 7. bis zum 23. - vergangen. Die letzte Woche des November nahte schon ihrem Ende, und Rip hatte trotz seiner Bemühungen eigentlich noch nichts erzielt.

Nach den Vorfällen, deren Schauplatz die Farm gewesen war, hatte sich übrigens Folgendes zugetragen:

Am nächsten Tage hatte sich Thomas Harcher gezwungen gesehen, Chipogan zu verlassen. Nachdem er die dringlichsten Angelegenheiten in aller Eile nothdürftig geordnet, war er mit seinen Söhnen tief in die Wälder der Grafschaft Laprairie eingedrungen und hatte sich nach Ueberschreitung der amerikanischen Grenze in einem nahegelegenen Dorfe aufgehalten, voller Ungeduld der Wendung entgegensehend, welche die Ereignisse in Canada nehmen sollten. St. Albans am Ufer des Champlain-Sees bot ihm alle wünschenswerthe Sicherheit; die Söldlinge Gilbert Argall's konnten ihn hier nicht erreichen.

Wenn die von Johann ohne Namen vorbereitete Volksbewegung Erfolg hatte, wenn Canada, indem es seine Selbstbestimmung erlangte, der angelsächsischen Unterdrückung ledig ward, wollte Thomas Harcher ruhig nach Chipogan zurückkehren. Scheiterte die Bewegung aber, so konnte er hoffen, daß man mit der Zeit die früheren Vorfälle vergessen werde. Ohne Zweifel mußte nämlich eine Amnestie frühere Thaten ungeschehen machen, und Alles verlief dann allmählich wieder wie früher.

Vorläufig war mindestens eine Herrin in der Farm zurückgeblieben. Während des Winters, der ja doch die Landarbeit unterbrach, konnten die Interessen des Herrn de Vaudreuil auch unter der Leitung Catherine Harcher's nicht geschädigt werden.

Pierre und seine Brüder übten natürlich nach wie vor ihr Geschäft als Jäger in den benachbarten Gebieten der canadischen Colonie, und nach sechs Monaten verhinderte sie voraussichtlich nichts, wieder zum Fischfang zwischen den beiden Ufern des St. Lorenzo auszuziehen.

Thomas Harcher hatte nur zu recht daran gethan, sich in Sicherheit zu bringen. Schon nach vierundzwanzig Stunden war Chipogan durch eine Abtheilung regulärer Truppen, welche von Montreal kamen, militärisch besetzt. Catherine Harcher, welche für ihren Mann und ihre älteren Söhne nichts mehr zu fürchten hatte, ließ sich dadurch nicht außer Fassung bringen. Die Polizei, welche auf Befehl des GeneralGouverneurs möglichst Nachsicht übte, ließ sie das Vergangene nicht entgelten. Im Uebrigen wußte die energische Frau, sich und den Ihrigen seitens der Soldaten schon den nöthigen Respect zu verschaffen.

Mit der Villa Montcalm lag es ganz ebenso wie mit der Farm von Chipogan, doch begnügte sich die Behörde, dieselbe überwachen zu lassen, ohne sie direct zu besetzen. Herr de Vaudreuil, der ja nachgewiesenermaßen für den jungen Patrioten Partei ergriffen, hatte sich auch gehütet, nach seiner Wohnung auf der Insel Jesus zurückzukehren, zumal da ein Haftbefehl gegen ihn vom Polizeiminister Gilbert Argall ergangen war. Wäre er nicht entflohen, so hätte man ihn im Gefängniß von Montreal eingekerkert und er hätte nicht in die Reihen der Aufständischen treten können, wenn es zum Kampfe kam. Wahrscheinlich hatte er bei einem seiner politischen Freunde Zuflucht gefunden; jedenfalls aber hatte er sich dahin mit größter Vorsicht begeben, denn es war unmöglich, das Haus zu entdecken, das ihm jetzt Obdach bieten mochte.

Clary de Vaudreuil kehrte allein nach der Villa Montcalm zurück. Von hier aus blieb sie in Verbindung mit den Herren Vincent Hodge, Farran, Clerc und Grammont.

Betreffs Johanns ohne Namen wußte sie, daß dieser sich in St. Charles bei seiner Mutter in Sicherheit gebracht hatte. Zu wiederholten Malen erhielt sie übrigens durch Freundeshand mehrere Briefe von ihm; doch wenn Johann sich in denselben meist nur über die politische Lage aussprach, fühlte sie recht gut heraus, daß auch noch eine andere Empfindung das Herz des jungen Patrioten beunruhigte.

Wir hätten nun schließlich mitzutheilen, was aus Meister Nick und seinem Schreiber geworden war.

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