Die Familie ohne Namen
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:
Ja, empfangt den innigen Dank desjenigen, der hier weiter nichts als Euer angenommener Sohn und Bruder war, der für seine Heimat aber Johann ohne Namen ist!«
Diese Antwort erweckte eine unbeschreibliche Begeisterung.
»Hoch Johann ohne Namen!. Hoch lebe Johann ohne Namen!« erscholl es von allen Seiten.
Als diese Worte endlich verstummten, nahm Thomas Harcher das Wort:
»Wohlan denn, da ich es ausgesprochen habe, daß wir Johann ohne Namen vertheidigen würden, so wollen wir auch zu seinem Schutze eintreten, meine Söhne!. Vertheidigen wir uns bis zum Tode!«
Vergeblich bemühte sich Johann dazwischenzutreten, um einen so ungleichen Kampf zu verhüten. Niemand hörte jetzt auf ihn. Pierre und die älteren Söhne des Hauses stürzten sich auf die Beamten, welche den Eingang verstopften, und trieben sie mit Hilfe ihrer Freunde zurück. Sofort wurde die Thür verschlossen und mit allerlei Möbelstücken verbarrikadirt. Um jetzt in den Saal, ja auch nur in das Haus zu gelangen, gab es nur den Weg durch die Fenster, welche mindestens zehn Fuß hoch über dem Erdboden lagen.
Nun galt es also einen Sturm - und zwar in der Dunkelheit, denn inzwischen war es ziemlich Nacht geworden. Rip, der nicht der Mann dazu war, feig zurückzuweichen, und der übrigens den Vortheil der Zahl bei sich hatte, traf seine Maßnahmen zur Vollführung des ihm ertheilten Auftrags, indem er die Freiwilligen gegen das Haus vorgehen ließ.
Pierre Harcher, seine Brüder und Freunde nahmen an den Fenstern Stellung, um Feuer zu geben.
»Wir vertheidigen Dich, auch gegen Deinen Willen, wenn es sein muß!« sagten sie zu Johann, der ihnen nicht mehr Einhalt zu thun vermochte.
Im letzten Augenblicke erst hatte der Farmer Clary de Vaudreuil und Catherine dazu gebracht, sich zu den Frauen und Kindern in einem der Seitenzimmer zu begeben, wo sie vor den Kugeln sicheren Schutz fanden. Im Saale verblieben nur noch die zum Kampfe bereiten Männer - vorläufig etwa dreißig.
Auf die Mahogannis durfte man als Vertheidiger der Farm nämlich nicht rechnen. Unbetheiligt an diesem Vorfalle, waren die Indianer aus ihrer gewohnten Zurückhaltung in keiner Weise herausgetreten. Die Sache ging sie nichts an - ebenso wenig wie Meister Nick und seinen Schreiber, welche weder für noch gegen die Obrigkeit Partei zu ergreifen hatten. Der
Notar gedachte auch bei dem entstehenden Handgemenge die strengste Neutralität zu bewahren. Trotz aller Vorsicht, keinen Schuß wegzubekommen, da er auch keinen solchen abzugeben willens war, hörte er doch nicht auf, Lionel, der ganz Feuer und Flamme war, zu ermahnen und zu warnen. Bah! der junge Schreiber achtete gar nicht auf ihn, so brannte er darauf, in Johann ohne Namen nicht nur den volksthümlichen Helden, sondern auch den wohlwollenden Zuhörer, der seine dichterischen Versuche so freundlich beurtheilt hatte, nach besten Kräften zu vertheidigen.
»Zum letzten Male verbiete ich Dir, Dich in die Sache zu mischen, wiederholte Meister Nick.
- Und zum letzten Male, entgegnete Lionel, gebe ich meine Verwunderung zu erkennen, daß ein Nachkomme der Sagamores sich weigert, mir auf dem Kriegspfade zu folgen!
- Ich folge gar keinem Pfade, als dem des Friedens, verdammter Schlingel, und Du wirst mir das Vergnügen machen, diesen Saal zu verlassen, wo Dir nur die Aussicht winkt, eine Kugel in den Kopf zu bekommen.
- Niemals!. Niemals!« rief der kriegslustige Dichter.
Und auf einen Mahoganni zueilend, ergriff er die Axt, welche in dessen Gürtel hing.
Sobald er sah, daß die Anderen entschlossen waren, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, machte Johann sich's zur Aufgabe, den Widerstand zu organisiren. Während des Scharmützels gelang es ihm vielleicht zu entkommen, denn später würden, was auch geschehen mochte, der Farmer und seine Söhne, die sich schon in offenem Widerstand gegen die Staatsgewalt befanden, dadurch auch nicht mehr compromittirt sein, als sie es schon waren. Zunächst kam es also darauf an, Rip und seine Begleiter zurückzudrängen, dann würde sich zeigen, was weiter zu beginnen sei. Wenn die Belagerer versuchten, die Thüren des Hauses zu sprengen, so kostete das immer einige Zeit. Und ehe jene von Laprairie oder Montreal Verstärkung erhielten, konnten Polizisten und Freiwillige schon aus dem Hofe vertrieben sein.
Zu diesem Zwecke entschloß sich Johann, einen Ausfall zu wagen, der die Umgebung der Farm von den Feinden befreien sollte.
Hiernach traf er seine Maßregeln. Zunächst krachten gegen fünfzig Flintenschüsse zu den Fenstern hinaus, was Rip und seine Leute zwang, sich mehr nach der Umzäunung zurückzuziehen. Dann wurde die Thür schnell aufgerissen und Johann stürzte sich, gefolgt von Herrn de Vaudreuil, Thomas Harcher, Pierre, dessen Brüdern und ihren Freunden, in den Hof hinaus.
Hier lagen schon einzelne Freiwillige auf dem Boden. Bald gab es natürlich auch Verwundete unter den Vertheidigern, welche sich im Halbdunkel auf die Belagerer geworfen hatten. Mann gegen Mann entbrannte der Kampf, an dem sich Rip übrigens ehrenvoll betheiligte. Immerhin singen seine Leute schon an, Terrain zu verlieren. Gelang es, sie aus dem Hofe zu verjagen und das große Thor zu schließen, so konnten sie die hohe Plankenumschließung der Farm nur weit schwieriger wieder stürmen.
Dahin richteten sich also die Bemühungen Johanns, den seine Gefährten todesmuthig unterstützten. Vielleicht wurde es ihm, wenn die nächste Umgebung von Chipogan gesäubert war, möglich, ins Land und, wenn es sein mußte, bis über die Grenze Canadas hinaus zu entfliehen, um die Stunde abzuwarten, in der er sich an die Spitze der Aufständischen zu stellen beabsichtigte.
Es versteht sich von selbst, daß auch Lionel unerschrocken in den Reihen der Kämpfer stand; Meister Nick aber hatte den Saal nicht verlassen wollen. Fest entschlossen, die stricteste Neutralität nicht aufzugeben, begleiteten seine besten Wünsche Johann ohne Namen und alle Beschützer desselben, unter denen er ja so viele persönliche Freunde zählte.
Leider konnten sich die Bewohner und Gäste der Farm trotz ihres Muthes gegen die Ueberzahl der Beamten und Kronfreiwilligen, welche schon wieder Vortheil erlangten, nicht behaupten. Nach und nach mußten sie nach dem Hause zurückweichen, um sich endlich in dieses selbst zu flüchten. Der Saal mußte jetzt bald gestürmt werden. Damit war jeder Ausweg verlegt, und Johann ohne Namen blieb nichts übrig, als sich zu ergeben.
In der That verminderten sich die Kräfte der Belagerten zusehends. Schon waren zwei der älteren Söhne Thomas Harchers, Michel und Jacques, sowie drei oder vier ihrer Gefährten nach einem Nebenzimmer geschafft worden, wo Clary de Vaudreuil, Catherine und die anderen Frauen sich ihrer Pflege annahmen.
Die Sache schien verloren, wenn Johann und seine Genossen nicht unerwarteter Weise Hilfe bekamen, und zwar um so mehr, als ihnen schon die Munition zu mangeln anfing.
Da entstand eine neue Bewegung.
In Folge einer zum Glück nicht gefährlichen Verwundung, die seine Schulter getroffen, mit Blut bedeckt, war Lionel in den Saal gestürmt.
Meister Nick bemerkte ihn.
»Lionel! Lionel! rief er. Siehst Du, Du hast auf mich nicht hören wollen!. Du unglückseliges Kind!«
Und seinen jungen Schreiber am Arme packend, wollte er ihn in das Zimmer der Verwundeten schleppen.
Lionel stemmte sich dagegen.
»Es ist nichts!. Hat nichts zu bedeuten!. sagte er. Doch Sie, Nicolas Sagamore, können Sie Ihre Freunde unterliegen lassen, wo Ihre Krieger nur des Winkes von Ihnen harren, jenen zu Hilfe zu springen?.
- Nein!. Nein! rief Meister Nick. Dazu habe ich kein Recht!. Mich gegen die von Gott verordnete Obrigkeit aufzulehnen!«
Und gleichzeitig warf er sich, um einen letzten Sühneversuch zu unternehmen, unter die Kämpfenden, die er mit seinen Beschwörungen aufzuhalten hoffte.