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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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»Mein ganzes Leben lang«, antwortete sie, ohne sich umzudrehen. »Oder beinahe. Praktisch mein Leben lang.«

»Dittmar?«

»Ja.«

»Großer Gott!« Ich hatte gehofft, sie würde nicht ja sagen. Nicht auch Dittmar! Aber ich mußte weiterfragen. »Und Ja, auch Clinton.« Sie hatte sich noch immer nicht umgedreht.

»Barmherziger Gott! Dann … dann habe ich also gar nichts selbst erreicht«, sagte mein Ego und bemitleidete sich selbst. »Das und alles andere. Die drei Dittmar-Klienten …«

»Dafür habe ich mich zu sehr angestrengt«, antwortete sie leise. »Ich war noch tagelang erschöpft. Aber du warst so aufgeregt, daß du gar nichts davon gemerkt hast. Und ich war so glücklich.« Sie drehte sich nach mir um. »Ich war so glücklich, Liebster! Wenn du Präsident hättest werden wollen …«

»Der Firma?« fragte ich und legte den Kopf schief. »Oder der Vereinigten Staaten?«

»Was würdest du denn wollen?« erkundigte sie sich eifrig. Ich merkte ihr an, daß sie zu allem bereit war, um mir auch diesen Wunsch zu erfüllen.

»Sareva?«

Ich sah, wie sie zusammenzuckte, als ich sie nur mit ihrem Vornamen ansprach, anstatt »Liebling« oder »Schatz« oder »Süße« zu sagen.

»Ja?« Sie bewegte kaum die Lippen.

»Gibt es … gibt es auch eine Byron-Figur?«

»Oh, Liebster, nein, nein, nein!« Sie warf sich in meine Arme, und ich drückte sie an mich, hatte Angst vor ihr, liebte sie, fühlte mich von ihr abgestoßen, war wahnsinnig in sie verliebt, haßte sie, weil sie mein Ego gekränkt hatte, und liebte sie wie am Tag zuvor, weil sie Sareva war. Und sie brauchte es nicht einmal zu sagen. Sie hatte alles für mich getan.

Aber nicht Dittmar. Dittmar hatte ihr grünes Kleid vollgekotzt. Der Rest war Zufall gewesen. Sie hatte eine Möglichkeit gesehen, meine Karriere zu fördern, während sie sich an einem Mann rächte, der sie durch seine Trunkenheit beleidigt hatte. Sie hatte ihn zerschmettert, ihn zu einem menschlichen Wrack gemacht, ihn in einen Geistesgestörten verwandelt, der ins Bett machte, sich beschmutzte und über unsichtbare Spinnen auf seinem Gesicht klagte.

Ja, ich hatte Angst vor ihr.

Und ich liebte sie noch immer. Noch immer? Ich liebte sie. Das war mein Zustand. Ich war außerstande, sie nicht zu lieben.

»Versprich mir, daß du das nie wieder tust«, murmelte ich Minuten später, als wir uns noch immer aneinanderklammerten. »Laß mich mein Leben selbst gestalten, Sareva.«

»Oh, natürlich, Byron, Liebster, wenn du das willst! Was du willst, Liebling!«

Dann gingen wir ins Bett.

Aber ich hatte Angst vor ihr. Ich fragte mich, was passieren würde, wenn ich mich übergeben müßte und … Nein, das war bestimmt nicht schlimm genug. Bei mir würde sie hoffentlich nachsichtiger sein. Aber ich mußte immer wieder daran denken. Was wäre, wenn ich sie ärgerte, wenn ich sie wirklich gegen mich aufbrächte?

Ich hatte mich nie an der Jagd nach den Sekretärinnen unserer Firma beteiligt und Abstand zu der blonden Kollegin gehalten, die es offenbar auf mich abgesehen hatte, seitdem sie vor einem Jahr zu uns gekommen war. Ich hatte keinen Anlaß zu Seitensprüngen, denn meine Bedürfnisse wurden zu Hause mehr als genug befriedigt. Aber in Zukunft würde ich schon aus Angst nicht mehr wagen, eine andere bewundernd anzusehen.

Und dazu kam noch etwas anderes. Ich konnte Sareva nicht einfach fragen, ob irgendein neuer Erfolg oder Triumph mit ihrer Hilfe zustande gekommen war. Vielleicht hatte sie ihr Versprechen gar nicht ernst gemeint. Vielleicht mußte sie mir einfach helfen – oder konnte es nicht ertragen, mich hilflos alleinzulassen. Vielleicht hätte ich jämmerlich Schiffbruch erlitten und die Klienten, meine Position, mein Einkommen und unter Umständen sogar den Job verloren. Das wußte ich nicht sicher, aber ich konnte sie auch nicht danach fragen. Und ich konnte auch nicht mehr stolz nach Hause kommen und meiner Frau erzählen, was ich heute wieder erreicht hatte.

Sie liebte mich, aber sie hätte mich nicht mehr quälen können, wenn sie mich gehaßt hätte. Manchmal beneidete ich Dittmar. Aber ich sprach nie von ihm. Ich hatte Angst davor. Ich wollte ihr vorschlagen, ihn sterben zu lassen. Oder ihn umzubringen. Aber ich kam zu keinem Entschluß, wenn ich zu überlegen versuchte, was in solchen Fällen angebracht war. Wann war der Tod dem Leben vorzuziehen?

Das Baby kam neun Monate und drei Tage nach dem Abend, an dem ich die Marschak-Figur gefunden hatte, auf die Welt.

Es war eine äußerst schwierige Schwangerschaft. Meine Frau, die ich liebte, war stark und tapfer, aber sie litt, und ich wußte, daß sie litt. Der Gynäkologe erklärte uns, bei der Geburt sei unbedingt ein Kaiserschnitt erforderlich, aber Sareva weigerte sich strikt.

»Ich kann nicht«, sagte sie, nachdem er mich angerufen und aufgefordert hatte, meine Frau zur Vernunft zu bringen. »Ich kann einfach nicht, Liebling. Ich … ich …« Sie biß sich auf die Unterlippe und senkte den Kopf, aber ich hatte noch gesehen, daß sie Tränen in den Augen hatte. »Das gehört zu meinem … zu meinem Pakt. Ich kann einfach nicht.«

»Deinem Pakt!« Darüber hatten wir nie gesprochen. Wir hatten seit damals möglichst alles ausgespart, was damit zusammenhängen konnte. »Liebling, willst du etwa behaupten … hast du wirklich … Großer Gott, hast du einen Pakt mit dem Teufel abgeschlossen?«

Sie warf mir einen traurigen Blick zu, denn sie war stets betrübt, wenn ich in irgendeinem Punkt meine Unwissenheit bewies. »Nein, nein, es gibt keinen Teufel, keine Verkörperung des Bösen wie im persischen Dualismus. Es gibt nur elementare Kräfte, die weder gut noch böse sind. Außer … nun, das hast du ja selbst miterlebt. Es ist so … schwierig, das Gute zu erreichen, ohne dabei das Schlechte in Kauf nehmen zu müssen. Was dem einen Glück bringt, bedeutet für den anderen nur allzu oft … äh … Pech.«

Sie hatte diese Männer also nicht ermorden wollen. Sie hatte mir nur helfen wollen. Ich fragte mich, wohin das Gewitter, das an unserem Hochzeitstag gedroht hatte, gezogen sein mochte. Aufs Meer hinaus? Oder hatte es einer Familie einen lange geplanten Ausflug verdorben? War ein Liebespaar davon im Grünen überrascht worden?

Sie konnte oder wollte mir ihre Gründe nicht näher erklären, aber sie bestand darauf, der Arzt dürfe keinen Kaiserschnitt vornehmen. Da sie davon überzeugt war, dabei zu sterben, versuchte ich, den Gynäkologen umzustimmen.

»Sie ist felsenfest davon überzeugt, an einem Kaiserschnitt sterben zu müssen, Doktor«, erklärte ich ihm. »Und Sie wissen ja selbst, wie gefährlich solche Einbildungen sein können.«

»Dann suchen Sie sich am besten einen anderen Arzt«, empfahl er mir barsch. Uns blieb also nichts anderes übrig, als uns nach einem anderen umzusehen. Eines mußte man ihm jedenfalls lassen: Er trat für seine Überzeugung ein. Und daß er kurze Zeit später in einer Abendsprechstunde von einem Rauschgiftsüchtigen überfallen und mit dreizehn Messerstichen ermordet wurde, war bestimmt nur ein Zufall.

Etwa eine Woche vor der Geburt sagte Sareva eines Abends etwas völlig Uncharakteristisches.

»Liebling? Du erzählst mir gar nichts mehr aus dem Büro. Ich meine … du kommst gar nicht mehr nach Hause und berichtest stolz, was du wieder erreicht hast. Das wäre doch eigentlich normal, nicht wahr?«

Ich starrte sie betroffen an. Normal? fragte mein Blick. Wie kann es zwischen uns jemals wieder normale Zustände geben?

Sie wußte sofort, was ich meinte. Sie warf sich wie damals in meine Arme, aber sie war jetzt schwerfälliger wegen unseres Kindes, das wirklich ein Kind der Liebe war. »Oh, Liebling, ich hab’s nicht getan! Das kann ich beschwören!«

Wahrscheinlich war mein Blick auch diesmal vielsagend genug. Wen konnte sie zum Zeugen ihres Schwurs anrufen? Und was gab mir die Gewißheit, daß sie die Wahrheit sagte?

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