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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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Valerie nahm den bezeichneten Zahn vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger und ruckte daran. Bob grunzte und wich zurück. Mit der Zunge befühlte er den schmerzenden Zahn.

»Was gesehen?« erkundigte er sich einige Sekunden später.

»Eigentlich nicht. Vielleicht liegt es an der Wurzel …«

»Sicher ist es die Wurzel«, stimmte er ohne Begeisterung zu. »Ich habe vielleicht doch in etwas Hartes hineingebissen.«

»Ich werde den Zahnarzt anrufen«, sagte seine Frau und griff nach dem Telefon neben dem Bett.

»Wozu?« Seine Stimme klang scharf und ablehnend. Valerie veränderte ihre Lage nicht und sah ihn nur stumm an, bis er errötete und nickte. »Ja, rufe ihn an. Es wird besser sein.«

Während sie die Nummer wählte, erhob er sich und begann sich anzuziehen. Er ignorierte das Gespräch, wenigstens versuchte er es. Als Valerie den Hörer auf die Gabel zurücklegte, setzte er sich erneut auf die Bettkante, um seine Strümpfe anzuziehen.

»Heute?« fragte er erschrocken. Seine Frau glitt auf der anderen Seite aus dem Bett. »Das kann kein guter Zahnarzt sein, wenn er gleich Zeit für mich hat.«

»Er ist ausgezeichnet.« Valerie ging ins Badezimmer. »Jemand hat abgesagt.«

»Es tut schon gar nicht mehr so weh.« Bob fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. »Vielleicht ist es nur eine Erkältung oder so was.« In der Badezimmertür stand Valerie und unterdrückte ihr Lächeln. Sie sah ihn nur schweigend an, bis er verzweifelt nickte. »Schon gut«, murmelte er, »schon gut, ich werde gehen. Wann?«

»Zwei Uhr. Ich werde dir um halb zwei Bescheid sagen.«

»Ich vergesse es schon nicht«, sagte er und starrte auf die geschlossene Tür. »Ich glaube kaum, daß ich heute an etwas anderes denken kann.«

Dr. Haufen stand lange Zeit am Fenster und betrachtete das noch feuchte Negativ der Röntgenaufnahme. Bob saß zurückgelehnt in dem Stuhl. Sein Kopf lag auf dem Polster der Stütze. Mit seinen Händen umklammerte er die Lehnen des Stuhles. Vergeblich versuchte er, die blitzenden Instrumente nicht zu sehen, die hinter den Glasscheiben standen. Dicht vor ihm hing der Bohrer. Fast vor seiner Nase.

Der Arzt drehte sich langsam zu ihm um.

»Wie alt, Mr. Terrill, sagten Sie, daß Sie sind?«

Die Frage kam unerwartet. Bob setzte sich aufrecht und nahm den Kopf von der Stütze.

»Sechsunddreißig.«

Der Zahnarzt nickte langsam und hing das Negativ, das von einer Klammer gehalten wurde, an einen Nagel. Dann begann er in einigen Kästen zu stöbern.

»Ist mit dem Zahn was nicht in Ordnung?« fragte Bob. »Ist er gebrochen? Eine Entzündung?«

Dr. Haufen wandte sich ihm zu. Er sagte:

»Ihr Zahn stirbt ab. Der Nerv ist erledigt und die Knochenhaut geschwächt. Er muß heraus, ganz klar.«

»Raus?« Bob starrte ihn an. »Ein Schneidezahn? Ausgerechnet vorn?« Er überdachte die Möglichkeiten. »Ich werde aber doch keine Lücke haben? Sicher können Sie mir einen falschen Zahn einsetzen, Herr Doktor? Wie soll ich sonst meinen Beruf ausüben, mit einer Lücke im Gebiß? Ich komme mit vielen Leuten zusammen, muß viel lächeln und …«

»Natürlich kann ich Ihnen künstliche Zähne einsetzen«, nickte der Arzt. »Aber auf lange Sicht gesehen wird es einfacher und billiger sein, wenn wir damit warten, bis auch die anderen Zähne gezogen sind.«

Bob hatte das Gefühl, in seinem Magen sei nicht alles in Ordnung.

»Die anderen?« stammelte er. »Wollen Sie damit sagen, daß noch andere Zähne gezogen werden müssen?«

Dr. Haufen schien einen Entschluß gefaßt zu haben. Er kam etwas näher und blinzelte vertraulich.

»Mr. Terrill«, sagte er sanft, »Sie haben eine noch sehr junge Frau, kaum dreißig Jahre alt. Ich habe größtes Verständnis dafür, daß Sie daher Ihre äußere Erscheinung ein wenig – hm, sagen wir angepaßt haben. Ein Mann ist so jung, wie er sich fühlt, das ist völlig richtig. Aber eine mathematisch festgelegte Tatsache läßt sich nicht umstoßen. Die Jahre allein zählen, nicht nur das Aussehen …«

»Einen Augenblick, Doktor!« Bob unterbrach den Arzt und setzte sich nun ganz aufrecht. »Was wollen Sie eigentlich? Können Sie nicht deutlicher werden?«

Auf dem Gesicht des Zahnarztes spielte ein nachsichtiges Lächeln, als er das Negativ an der Klammer vom Nagel nahm und demonstrativ in die Luft hielt.

»Aus verständlichen Gründen versucht man oft, andere Menschen zu täuschen, aber Röntgenstrahlen lassen sich nicht betrügen, und Röntgenbilder lügen auch nicht.«

»Ich verstehe kein Wort«, sagte Bob und fühlte sich ganz elend. »Was wollen Sie eigentlich von mir?«

»Ich versuche Ihnen nur zu erklären, daß Ihre Behauptung, erst sechsunddreißig Jahre alt zu sein, angesichts dieser entwickelten Röntgenaufnahme geradezu lächerlich ist.«

»Aber Doktor – ich bin sechsunddreißig!«

»Nicht, wenn es hiernach geht.« Dr. Haufen hielt ihm das Negativ dicht vor die Augen. Bob starrte auf die grauweißen Konturen, die sich kaum gegen den schwarzen Hintergrund abhoben, dann schüttelte er den Kopf.

»Davon verstehe ich nichts. Ich begreife überhaupt nicht, worauf Sie hinauswollen.«

»Also gut«, sagte Haufen, »dann will ich es Ihnen erklären. Sie behaupten, sechsunddreißig Jahre alt zu sein, aber Sie haben die Zähne eines Mannes, der gut und gern doppelt so alt sein muß.«

Bob ließ die Armlehnen los und sank zurück, bis sein Kopf auf der Stütze Halt fand. Er starrte Haufen an.

»Ich bin sechsunddreißig …«

Der Arzt lächelte nachsichtig und drehte sich um. Sorgfältig wählte er seine Instrumente aus. Als er wieder sprach, schien sein Interesse für das wirkliche Alter seines Patienten erloschen zu sein.

»Wie Sie wollen, Mr. Terrill. Die Hauptsache ist, wir ziehen den Zahn.

Später allerdings wäre ich Ihnen schon dankbar, wenn Sie mich darüber aufklären, wie Sie es schaffen, so jung auszusehen. Auch Ihre Stimme ist …«

Er hatte sich inzwischen wieder umgedreht und verstummte. Der Stuhl, in dem Mr. Terrill gesessen hatte, war leer. Der Patient hatte unbemerkt das Weite gesucht.

Dr. Haufen ließ den Wattebausch in den Abfalleimer fallen und zuckte die Achseln. Diesem Terrill würde er schon eine gepfefferte Rechnung schicken, auch ohne gezogenen Zahn.

Schon von der Terrasse aus konnte er das flackernde Kerzenlicht bemerken. Er steckte den Hausschlüssel in die Hosentasche zurück, durchquerte das Wohnzimmer und ging aufs Schlafzimmer zu. Die Kerzen auf dem Tisch waren halb niedergebrannt. Das Silberbesteck reflektierte das Licht. Er sah auf die Uhr und stellte fest, daß es bereits halb acht war. Von der Küche her kam der Geruch kaltgewordenen Essens.

Er hatte kein reines Gewissen, als er die Tür zum Schlafzimmer öffnete. Valerie saß aufrecht im Bett, bleich und abgehärmt. Die rechte Hand lag in der Nähe des Telefons. Als sie ihn sah, sprang sie auf, und die Farbe kehrte in ihr Gesicht zurück.

»Vom Büro aus haben sie angerufen.« Ihre sonst so ausgewogene Stimme klang schrill und nervös. »Sie fragten, ob dir was passiert sei.« Sie drängte sich an ihn. »Ich wollte gerade die Polizei anrufen.«

»Es tut mir leid«, sagte er ernst.

»War es schlimm?« Valerie lehnte sich zurück, um ihm ins Gesicht sehen zu können. »Beim Zahnarzt, meine ich.«

Bob legte den Arm um sie, damit sie sich nicht noch weiter zurücklehnen konnte.

»Ziemlich schlimm«, betonte er, ohne lügen zu müssen. »Es war so ziemlich das Schlimmste, was ich bisher überhaupt erlebt habe.«

»Laß mich den Zahn mal sehen«, bat sie und sah auf seinen Mund. »Tut er sehr weh? Hat der Arzt eine Füllung gemacht?«

»Nicht direkt«, murmelte Bob. Sanft drückte er ihren Kopf gegen seine Brust, damit sie sein Gesicht nicht sehen konnte. »Er hat gesagt, der Zahn müsse gezogen werden.«

»Oh Bob!«

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