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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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Wir widersprachen Wish. Er sagte, wenn Clayton diese Gesten wiederholte, so käme ihm das vor, als machte man sich über etwas sehr Ernstes lustig.

»Aber Sie glauben doch nicht daran?« wandte ich ein.

Wish sah Clayton an, der schweigend ins Feuer starrte.

»Ich weiß nicht recht – halb glaube ich doch daran«, murmelte Wish.

Ich sagte: »Clayton, Sie lügen etwas zu gut für mich. Ich meine – die ganze Sache war ja ganz nett. Aber der Schluß, dieses Verschwinden – das klang eigentlich zu echt. Sagen Sie, daß es nur eine erfundene Geschichte war.«

Er stand auf, ohne mich anzusehen, stellte sich auf den Teppich vor dem Kamin und starrte einen Moment auf seine Füße hinunter. Dann hob er den Kopf und richtete den Blick auf die gegenüberliegende Wand, mit einem Ausdruck tiefster innerer Konzentration. Langsam hob er beide Hände in Augenhöhe. Und dann begann er …

Nun muß man wissen, daß Sanderson Freimaurer ist. Er gehört der Loge der Vier Könige an, die sich so eifrig mit dem Studium der Mysterien der Freimaurerei aus Vergangenheit und Gegenwartbeschäftigt. Er folgte Claytons Bewegungen mit einem ganz besonderen Interesse in den kleinen, roten Augen.

»Nicht schlecht«, meinte er, als Clayton fertig war. »Tatsächlich, Clayton, Sie haben diese Dinge erstaunlich gut erfaßt. Nur fehlte da noch eine Kleinigkeit.«

»Ich weiß«, sagte Clayton. »Ich glaube, ich weiß sogar, welche.«

»Nun?«

»Diese«, sagte Clayton und vollführte eine merkwürdige kleine Serie von Wendungen und Verrenkungen der Hände.

»Ja.«

»Genau das ist es nämlich, was auch er nicht gleich traf«, erklärte Clayton. »Aber woher wissen Sie …?«

Sanderson sagte: »Das meiste davon verstehe auch ich nicht. Und vor allem begreife ich nicht, wie Sie das erfinden konnten. Aber diese eine Phase kenne ich wirklich. Es ist zufällig eine Geste, die mit einem bestimmten Zweig der esoterischen Freimaurerei zu tun hat – vielleicht wissen Sie davon. Wenn nicht, begreife ich nicht, wieso …« Er überlegte eine Weile. »Ich glaube, es kann nichts schaden, wenn ich Ihnen die richtige Bewegung zeige. Entweder wissen Sie es sowieso – oder es hilft Ihnen auch nichts.«

»Ich weiß gar nichts«, sagte Clayton. »Außer was dieser arme Teufel mir vorgemacht hat.«

»Na schön«, sagte Sanderson und legte seine lange Tonpfeife vorsichtig auf das Kaminsims. Dann vollführte er sehr rasch ein paar Handbewegungen.

»So?« fragte Clayton und ahmte ihn nach.

»So.« Sanderson wiederholte die Gesten und griff dann wieder nach seiner Pfeife.

»Ach ja«, sagte Clayton. »Ich glaube, jetzt kann ich es.«

Er stand vor dem verglimmenden Kaminfeuer und lächelte uns der Reihe nach zu. Aber es war etwas Unheimliches in seinem Lächeln.

»Wenn ich anfange …«, sagte er.

»Lassen Sie es lieber«, fiel Wish ein.

»Unsinn!« rief Evans. »Materie ist unzerstörbar. Ihr glaubt doch nicht wirklich, daß solcher Hokuspokus den guten Clayton ins Schattenreich befördern könnte! Ich jedenfalls glaube nicht an diesen Humbug. Meinetwegen können Sie Ihre Turnübungen machen, Clayton, bis Sie Muskelkater kriegen.«

»Ich bin dagegen«, sagte Wish und stand auf und legte Clayton die Hand auf die Schulter. »Sie haben Ihre Geschichte so suggestiv erzählt, daß ich halb und halb daran glaube. Und darum mochte ich nicht, daß Sie das machen.«

»Großer Gott!« lachte ich. »Wish hat Angst.«

»Stimmt«, sagte Wish mit echtem oder gut gespieltem Ernst. »Ich glaube, daß Clayton wirklich hinübergeht, wenn er das macht.«

»Kein Gedanke!« rief ich. »Es gibt nur einen einzigen Weg aus dieser Welt – und dazu hat Clayton noch dreißig Jahre Zeit. Sie glauben doch nicht im Ernst …«

Wish machte ein paar Schritte von uns weg und blieb neben dem Tisch stehen.

»Clayton, Sie sind verrückt, wenn Sie es tun«, sagte er.

Clayton lächelte seltsam.

»Wish hat recht, und ihr alle habt unrecht. Ich werde hinübergehen. Ich werde die Gesten richtig machen, und bei der letzten Bewegung – husch – wird der Kaminteppich leer sein. Ihr alle werdet Mund und Augen aufreißen – und ein seriös gekleideter Herr von hundertsiebzig Pfund wird in die Welt der Schatten hineinplatzen. Ich bin ganz sicher. Sie werden sehen. Hören wir auf, darüber zu streiten. Treten wir lieber den Beweis an.«

»Nein«, sagte Wish und trat einen Schritt vor.

Aber Clayton hob die Hände und begann die Gesten des Geistes zu wiederholen.

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns alle in einen Zustand äußerster Nervenspannung hineingesteigert. Ich glaube, daran war in erster Linie Wishs Verhalten schuld. Wir alle hatten die Blicke auf Clayton gerichtet. Ich zumindest saß stocksteif da und hatte das Gefühl, als ob mein Rücken vom Kopf bis zu den Hüften vereiste.

Und vor dem Kamin stand Clayton und vollführte seine Bewegungen mit ernster Feierlichkeit und zugleich mit unerschütterlicher Gelassenheit. Er beugte und drehte seinen Körper, schwang die Arme und bewegte die Hände. Je näher er dem Ende kam, desto atemloser wurde die Spannung im Raum.

Die letzte Geste bestand, wie gesagt, darin, die Arme weit auszubreiten und dann so dazustehen, mit aufwärts gewandtem Gesicht. Als er schließlich zu dieser Pose kam, stockte mir der Atem. Es war lächerlich, gewiß – aber wer kann sich schon diesem gewissen Gruseln verschließen, das einen bei Gespenstergeschichten überfällt. Es war spätabends, in einem alten, unheimlichen Haus. Würde er wirklich …?

Einen endlosen Augenblick lang stand er so da, die Arme weit ausgebreitet, den Blick nach oben gerichtet, heiter und gelassen, im Lichtschein der Hängelampe. Der Augenblick schien uns eine Ewigkeit zu dauern.

Und dann kam von uns allen so etwas wie ein stummer Seufzer grenzenloser Erleichterung. Denn körperlich war er nicht fort. Es war alles Unsinn. Er hatte uns eine Lügengeschichte aufgebunden, auf die wir beinahe hereingefallen wären – das war alles.

In diesem Augenblick veränderte sich Claytons Gesicht mit einem Schlag. Es veränderte sich so wie ein erleuchtetes Haus, in dem plötzlich alle Lichter ausgehen. Sein Blick wurde starr, das Lächeln gefror auf seinen Lippen. Er stand still. Und dann begann er kaum merklich zu schwanken.

Auch dieser Augenblick war eine Ewigkeit.

Plötzlich polterten Stühle, scharrten Schritte – wir alle waren aufgesprungen und stürzten vor. Seine Knie schienen nachzugeben, er fiel vornüber, und Evans konnte ihn gerade noch in seinen Armen auffangen.

Es traf uns alle wie ein Blitzstrahl. Eine Minute lang brachte keiner von uns ein Wort hervor. Wir glaubten es und konnten es doch nicht glauben …

Als ich aus meiner schlotternden Betäubung zu mir kam, lag ich auf den Knien neben ihm. Sein Hemd war aufgerissen, und Sandersons Hand lag auf seiner Brust …

Wir konnten es lange nicht fassen, was geschehen war. Aber das hatte auch keine Eile. Der Beweis lag vor uns, grauenhaft still und unübersehbar. So blieb er noch eine Stunde liegen.

Clayton war wirklich in jene Welt hinübergegangen, die der unseren so fern und doch so nah ist. Er war den einzigen Weg gegangen, der dem Sterblichen offen ist. Ob wirklich die Gesten und Bewegungen, die der arme Geist ihm gezeigt hatte, diese Wirkung auslösten – oder ob er (wie es im Polizeibericht hieß) mitten im Geschichtenerzahlen von einem Schlaganfall getroffen worden war –, wer will das entscheiden? Es war eines jener unerklärlichen Rätsel, deren Lösung wir erst am Ende aller Tage kennen werden.

Ich weiß nur eines: daß er in demselben Augenblick, in dem er diese ganz bestimmte Geste vollendete, vor unseren Augen tot zusammenbrach.

Sareva, meine Hexe von Andrew J. Offutt

Andrew J. Offutt, ein in Deutschland so gut wie unbekannter amerikanischer Autor, der neben SF-Stories für die einschlägigen Magazine in Amerika auch Geschichten aus dem Bereich des Übersinnlichen und Unheimlichen geschrieben hat, enthüllt in der nachstehenden Erzählung sein erstaunliches Talent, den gewöhnlichen Alltag einer amerikanischen Durchschnittsfamilie in einen Hexensabbat umzufunktionieren, in dem es kaum anders zugeht, als in eben diesem Alltag – mit einem Unterschied: Die liebende Gattin ist wirklich eine Hexe!

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