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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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»Welches Alter?« hatte Valerie lauernd gefragt.

Der Arzt, der Vertreter ihres Hausarztes, der in Urlaub gegangen war, sah sie neugierig und erstaunt an.

»Ende der Sechzig, würde ich meinen.« Seine Stimme verriet Befremden über ihre ungewöhnliche Frage, aber als sie nicht reagierte, schloß er seine Tasche, schrieb ein Rezept aus und verabschiedete sich mit den schrecklichen Worten: »Ihr Vater sollte sich ein wenig ausruhen, Miss Terrill, dann wird er sich wieder besser fühlen.«

Keiner war auf den Gedanken gekommen, ihn über seinen Irrtum aufzuklären und ihm die Wahrheit zu sagen. Der Arzt war gegangen. Bob konnte Valeries Blicke nicht mehr ertragen. Er hatte darauf bestanden, daß sie zur Apotheke ging und die Medizin holte. Um noch länger allein sein zu können, gab er später vor, ein unwiderstehliches Verlangen nach Pfefferminzschnaps zu verspüren. Er wußte, daß man diesen Schnaps nur im deutschen Viertel am anderen Ende der Stadt erhalten konnte. Sie half ihm ins Bett, küßte ihn und ging. Endlich war er allein. Er hoffte, sie würde lange ausbleiben, aber schon bald begann er sie zu vermissen. Doch lieber sehnte er sich nach ihr, als daß er ihre forschenden Blicke sah.

Es wurde allmählich dunkel, und als es völlig finster geworden war, hörte er die Haustür gehen. Valerie kam zurück.

Er verspürte keine Lust, den Pfefferminzschnaps zu trinken; er hatte ihn nie gemocht. Also schloß er die Augen und stellte sich schlafend. Er hörte, wie Valerie die Schlafzimmertür öffnete und auf seine regelmäßigen Atemzüge lauschte. Leise schloß sie die Tür wieder. Er verfolgte ihre Schritte bis zur Küche, wo sie die Flasche mit dem Schnaps in den Kühlschrank stellte.

Die Geräusche verrieten ihm, was sie dann tat. Schranktüren wurden geöffnet und wieder geschlossen, Wasser rann, und dann wurde ein Topf auf den Herd gestellt. Aha, sie machte Kaffee. Vielleicht auch ein belegtes Brot dazu. Sicher hatte sie Hunger nach dem langen Weg.

Bob richtete sich auf. Es war nur zu natürlich, daß Valerie jetzt Hunger hatte, aber irgendwie paßte es ihm nicht, daß sie aß, während er sich in ein … ja, in was verwandelte er sich eigentlich? Was war das für eine Metamorphose, die er durchmachte? Die alte Geschichte von Methusalem fiel ihm ein, und es lief ihm kalt über den Rücken.

Valerie ging nebenan ins Wohnzimmer. Er legte sich ins Bett zurück und war bereit, den Schlafenden zu spielen, wenn sie hereinkam. Aber sie kam nicht, sondern ging nach einer kurzen Weile hinaus auf die Terrasse.

Inzwischen war der Mond aufgegangen. Sein bläulicher Schein lag auf den Dächern der Nachbarhäuser und verwandelte sie in glitzernde Diamantenfelder. Vorsichtig stand Bob auf und ging zum Fenster. Wenn er sich ganz nach rechts lehnte, konnte er den Rand der Terrasse sehen. Dort stand Valerie, in der einen Hand die Untertasse, in der anderen die Tasse mit dem dampfenden Kaffee. Sie blickte zu den Häusern hinüber und drehte ihm den Rücken zu. Auf der niedrigen Steinmauer stand ein flacher Teller mit dem angebissenen Brot. Ihr lang herabfallendes, blondes Haar schimmerte wie Gold im Mondlicht.

Sie bewegte sich nicht. Sie hätte eine Marmorstatue sein können. Noch nie zuvor war sie Bob so schön erschienen wie in diesem Augenblick. Er spürte ein plötzliches Verlangen danach, sie jetzt in seine Arme zu schließen. Abrupt drehte er sich jedoch um und ging zur Tür. Das sanfte Mondlicht würde gnädig sein, es würde seine grauen Haare und seine faltige Haut vor ihren Augen verbergen. Vielleicht war das jetzt die letzte Möglichkeit für ihn, noch einmal so wie früher mit ihr zusammenzusein. Sein plötzliches Altern konnte vom Mondlicht verschleiert werden. Vielleicht würde sein Haar nur durch seinen Schein versilbert; die Falten würden vage Schatten werden und seine gebeugte Gestalt eine Täuschung.

Die Hand noch auf dem Türgriff, zögerte er plötzlich. Die Tür war halbgeöffnet, und er konnte das Wohnzimmer übersehen. Irgendwie fiel ihm auf, daß etwas fehlte. Der Raum schien leerer als sonst zu sein.

Das Telefon! Es war nicht mehr an seinem gewohnten Platz. Die Schnur führte zur Terrasse. Valerie hatte das Telefon mit nach draußen genommen, um anzurufen. Wen anzurufen?

Leise schloß Bob die Tür wieder und kehrte ins Bett zurück. Bis zum Kinn zog er die Decken hoch. Auf dem Nachtschränkchen stand das Anschlußtelefon. Er nahm den Hörer vorsichtig ab und lauschte. Das Freizeichen ertönte. Behutsam legte er den Hörer zurück. Er wartete.

Als er das leise Klicken im Innern des Apparates hörte, wußte er, daß Valerie draußen auf der Veranda den Hörer abgenommen hatte. Schon wollte er nach seinem Hörer greifen, da fiel ihm ein, daß er das jetzt noch nicht tun durfte. Erst mußte die Verbindung hergestellt sein. Er zählte langsam bis zehn, hielt die Gabel mit einem Finger fest und nahm den Hörer ab. Dann erst ließ er die Gabel Millimeter für Millimeter los.

Es summte entfernt. Dann ein Knacken und die Stimme eines Mannes: »Hallo.«

»Marty«, sagte die ruhige Stimme seiner Frau. »Hier ist Val.«

»Val?« erwiderte der Mann. »Val Morrison?«

Bob fühlte einen Stich in der Herzgegend. Morrison war Valeries beinahe vergessener Mädchenname. Plötzlich stand Schweiß auf seiner Stirn, und er bedeckte das Mundstück des Hörers mit der Hand. Atemlos lauschte er.

»Du hast mich doch wohl nicht für tot gehalten?« lachte Valerie.

»Du warst so schnell von der Party verschwunden damals …«

Party? Damals? Bob dachte nach, und ihm fiel ein, daß er in der vergangenen Woche geschäftlich unterwegs gewesen war. Er hatte auswärts geschlafen und spät am Abend Val angerufen. Niemand hatte sich gemeldet. Am anderen Tag hatte sie ihm erklärt, sie hätte eine Schlaftablette genommen und das Telefon nicht gehört. Es war die einzige Nacht, in der sie nicht zu Hause gewesen sein konnte. Wenigstens nahm er das an. Er lauschte weiter auf die Stimmen.

Die Worte kamen ihm vertraut vor. So etwa hatte er mit Val gesprochen, bevor sie verheiratet waren. Aus seinem Unterbewußtsein stiegen Erinnerungen hoch, die plötzlich einen Sinn bekamen. Wie oft hatte sie Verabredungen nicht eingehalten oder war einfach davongelaufen? Nie hatte er etwas über ihre Vergangenheit erfahren, sie war allen solchen Fragen ausgewichen oder hatte geschwiegen. Auch dieser Marty wußte nichts von ihr, kannte ihre Adresse nicht und hatte keine Ahnung davon, daß sie verheiratet war.

Hatten diese Sinnlosigkeiten doch einen Sinn? Bob runzelte die Stirn. Welchen Sinn wohl? Was steckte dahinter? Was sollte das alles bedeuten?

Es fiel Bob schwer, einen vernünftigen Gedanken zu fassen. Er hatte plötzlich Angst, ganz schreckliche Angst. Am liebsten wäre er einfach davongelaufen, weg von Valerie, die ihm unheimlich geworden war, ohne daß er hätte sagen können, warum. Sie war jung und schön und lebensfroh. Und er mußte weg von ihr, solange er noch denken konnte.

Seine Hand zitterte, als er den Hörer vom Ohr wegnahm, aber er wagte es nicht, ihn auf die Gabel zu legen. Das Geräusch konnte ihn verraten. Er legte ihn unter das Kopfkissen und glitt vorsichtig aus dem Bett. Seine Beine schmerzten, und er humpelte bis zum Stuhl, auf dem seine Kleider lagen.

Er mußte den Gürtel enger schnallen, und der Kragen war viel zu weit geworden. Erzog den Knoten des Binders so fest an, bis das Hemd saß. Das Haar fiel ihm in die Stirn, und im Mondlicht konnte Bob erkennen, daß es schneeweiß geworden war. Die Hand, mit der er es zurückstrich, war alt und nervig; blaue Adern durchzogen ihren Rücken. Er konnte sich nicht mehr bücken, um die Schnürriemen der Schuhe zu richten. Ihm war plötzlich übel.

Er atmete schwer, und plötzlich fiel ihm auf, daß seine Sicht sich trübte. Das Augenlicht ließ rapide nach. Nur mit Mühe fand er die Tür und hielt sich am Griff fest, bis der Schwindelanfall vorüber war. Vorsichtig öffnete er dann die Tür und stolperte ins Wohnzimmer. Sein erster Blick galt der Veranda. Wie gebannt blieb er stehen. Die Furcht sprang ihn an wie ein wildes Tier.

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