18 Gaensehaut Stories
- Автор: Kluge Manfred
- Серия: Heyne Anthologie #53
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
An unserem Hochzeitstag war der Himmel grau und wolkenverhangen, und in der Ferne grollte der erste Donner eines heraufziehenden Gewitters. Aber meine schöne Braut sagte: »Regen, Regen, geh nur fort, such dir einen andren Ort!« Und als sie die Kirche betrat, wo ich auf sie wartete, schien draußen die Sonne und ließ die bunten Kirchenfenster im neuen Glanz erstrahlen.
Ein halbes Jahr später hatten wir ein Picknick für einen Tag geplant, an dem es laut Wetterbericht in Rundfunk, Zeitung und Fernsehen mit neunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit regnen sollte. Es regnete tatsächlich überall um uns herum, während meine junge Frau und ich wie von Wasserfällen umgeben picknickten. Aber wir blieben dabei trocken und hatten sogar Sonnenschein.
Als ich sie zum erstenmal sah, war mir klar, daß es für mich nie eine andere geben konnte, obwohl es eigentlich seltsam war, daß ich mich auf den ersten Blick in ein schlankes Mädchen mit etwas zu langem Gesicht und etwas zu kleinem Busen verliebt haben sollte. Ihre Haut war blaß und wurde nicht leicht braun, so daß sie sich vor allzu starker Sonneneinstrahlung schützen mußte. Sie bekam leicht Sommersprossen, die im Feuerschein wie ihr Haar kupferrot waren. Aber am eindrucksvollsten waren ihre Augen, die einen nicht mehr losließen. Sie waren klar, hell und unglaublich grün, so daß ich bei unserer ersten Begegnung davon überzeugt war, sie trage farbige Kontaktlinsen. Aber sie brauchte keine. Ihre Augen waren völlig in Ordnung.
Sie war Sareva. Sie war irischer Abstammung und als Waise aufgewachsen. Sie war meine Frau, und da ich sie so sehr liebte, verstand ich die alten Dichter besser, die so laut schworen, so schmerzlich stark geliebt zu haben.
Sie war leidenschaftlich, und ich stand ihr in dieser Beziehung nicht nach. Selbst im dritten Ehejahr waren unsere Flitterwochen keineswegs zu Ende, und ich schwieg verlegen und bedauernd und verächtlich, wenn ich hörte, wie andere Männer von ihren Frauen sprachen: das Frauchen, die bessere Hälfte, die Chefin, der Klotz am Bein. Ich hielt den Filmstar Raquel Welch für ein dümmliches Wesen, das seine Bluse wie seinen Mund trug: ständig offen. Ich hatte keine Augen für andere Frauen, denn ich besaß Sareva und war von ihr besessen.
Sie half mir sogar, Karriere zu machen. Ich war weder dumm noch faul gewesen, aber manche Dinge brauchen eben ihre Zeit, und ich war deshalb erst Werbetexter, als wir heirateten – wenn auch ein vielversprechender Texter. Sie interessierte sich nicht sonderlich für meine Arbeit, sondern nur für mich, und unterhielt sich auf der großen Weihnachtsparty acht Monate nach unserer Hochzeit nur kurz mit meinen Kollegen und einigen Repräsentanten unserer Klienten. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie sehr ich Anderson von Redleaf beeindruckt hatte, aber als die Firma Anfang des Jahres ihre neue Zigarette auf den Markt brachte, bestand Anderson darauf, ich sollte die Kampagne planen. Clinton, der bisher für Redleaf zuständig gewesen war, benahm sich seitdem merkwürdig. Ich bemühte mich, ihm unauffällig aus dem Weg zu gehen.
Das Taxi, mit dem er am 3. März ins Büro fuhr, wurde von einem mit Erdnußbutter beladenen Sattelschlepper gerammt, und ich war ab 10. März der neue Kundenberater für Redleaf. Mr. Dalby von Dalby, Lockwood & Marschak erklärte mir, die Firma habe praktisch keine andere Wahl gehabt, als mir diese Aufgabe zu übertragen, wenn sie den Klienten behalten wollte. Das hatte er von Anderson und von dem Präsidenten der Redleaf Company gehört, so daß er sich jetzt fragte, wie ich es fertiggebracht hatte, ihr Vertrauen und ihre militante Unterstützung zu gewinnen. Ich konnte es ihm nicht sagen.
Dittmar wurde wenige Tage nach der Party, die wir gaben, um den Sieg zu feiern, den ich errungen hatte, als es mir geglückt war, uns den Werbeetat von Lady’s Maid zu sichern, auf unerklärliche Weise krank und ist seit Juni ein hilfloser Geistesgestörter, der ins Bett macht und sich Tag und Nacht über Spinnen beschwert, die über sein Gesicht kriechen. Dittmar war für drei wichtige Klienten zuständig gewesen, so daß beträchtliche Aufregung entstand, der eine große Konferenz folgte. Dalby, Lockwood & Marschak konnten es sich nicht leisten, auch nur einen dieser Klienten zu verlieren. Wir wurden alle aufgefordert, baldmöglichst – das heißt schon am nächsten Tag – einen Aktionsplan vorzulegen.
»Was haben Sie mit dem armen alten Dittmar angestellt, Byron?« fragte mich Ted Lorenz, als wir den Konferenzraum verließen.
»Hmm? Wie bitte?«
Er klopfte mir grinsend auf die Schulter. Diese Masche war mir schon immer zuwider gewesen. »Ditty hat sich doch damals auf der Party übergeben und dabei Ihrer Frau das Kleid vollgespuckt, nicht wahr? Ein langes grünes Kleid, wenn ich mich recht erinnere – Anne hat auf der Nachhausefahrt zumindest von einem grünen Kleid gesprochen. Was haben Sie dem armen alten Dittmar angetan, Byron?«
Ich gab keine Antwort. Ich hielt es für gemein, dumme Witze über den armen Dittmar zu reißen.
Der Abend danach war schlimm. Oh, ich meine damit nicht etwa, daß Sareva und ich Streit gehabt hätten; wir stritten uns nie. Aber ich war natürlich nervös, hätte mich am liebsten betrunken und wußte, daß ich das nicht durfte. Mir war klar, daß ich mir etwas Brillantes einfallen lassen mußte.
»Aber machst du dir denn etwas daraus, Liebling? Möchtest du einen dieser Klienten betreuen?«
Ich lächelte. »Vor zwei Monaten habe ich eine so brillante Idee für Pixieware gehabt«, erklärte ich meiner Sareva, »daß ich den ganzen Tag an nichts anderes mehr denken konnte.«
»Aber du hast Dittmar nichts davon gesagt?« Ihre leuchtenden grünen Augen beobachteten mich aufmerksam.
»Nein«, antwortete ich seufzend. »Ich wollte, ich hätte ihm davon erzählt, dem armen Teufel. Aber … ach, du weißt schon. Er hätte die Idee nur zur Hälfte ausgewertet oder irgendwie Mist gemacht.«
»Warum konzentrierst du dich dann nicht auf diesen einen Klienten und denkst gar nicht mehr an die beiden anderen, Liebling?«
»Schatz, wenn jemand eine Idee hat, wie wir alle drei Kunden behalten können, müßte er schon Marschaks häßliche Frau beleidigen, um der Beförderung zum Vizepräsidenten zu entgehen!«
Sie stand lachend auf. »Gut, dann störe ich dich am besten nicht länger. Ich gehe schon nach oben und lese ein bißchen. Soll ich dir irgendwas bringen?«
Ich schüttelte den Kopf. »Nein, danke, Liebling. Tut mir leid, daß ich heute abend so ungesellig bin.«
Sie schüttelte lächelnd den Kopf. »Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, Schatz«, versicherte sie mir. »Ich bin jetzt drei Jahre lang mit einem zärtlichen Liebhaber verheiratet – da kann ich’s wohl ertragen, eine Nacht mit einem strebsamen Werbefachmann, der Vizepräsident werden möchte, verheiratet zu sein. Außerdem müßte ich dieses dumme Buch wirklich bald lesen, weißt du. Es hat schließlich zweiundzwanzig Wochen auf der Bestsellerliste gestanden.«
»Ich liebe dich«, erklärte ich meiner Sareva, und daraufhin kam sie natürlich zurück, um mich nochmals zu küssen, und ging dann hinaus und brachte mir ein Bier, weil Bier mich nicht beim Denken stört. Dann ging sie nach oben, und ich saß da und überlegte und kritzelte und träumte und grübelte – und wachte am nächsten Morgen im Sessel auf. So etwas war mir noch nie passiert.
Sareva lachte nur. Sie behauptete, das sei eben der Preis, den wir dafür zu zahlen hätten, daß ich ein Genie sei.
Ich erklärte ihr, ich würde früh nach Hause kommen.