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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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»Also ich muß schon sagen …«, bemerkte Wish.

»Er hat das alles natürlich nicht mit klaren Worten dargelegt«, erklärte Clayton. »Aber so ungefähr war der Eindruck, den ich von ihm hatte. Die ganze Zeit huschte er im Zimmer auf und ab, während er mit weinerlicher Stimme über sein armseliges Selbst redete. Mit seiner dünnen Stimme und seinem durchscheinenden Geisterleib wirkte er noch erbärmlicher, als wenn er ein Mensch von Fleisch und Blut gewesen wäre. Aber als Mensch von Fleisch und Blut wäre er wohl kaum in meinem Zimmer gewesen – ich hätte ihn natürlich hinausgeworfen.«

»Ja, ja, es gibt schon solche Menschen«, meinte Evans.

Und ich fügte hinzu: »Und warum sollten sie nicht ebensogut einen Geist haben wie jeder andere.«

« Was für ihn sprach, war seine ehrliche Bestürzung«, sagte Clayton. »Er war entsetzlich deprimiert, weil er die Sache mit dem Spuk verpfuscht hatte. Alle hatten ihm erzählt, daß es ein Heidenspaß sein würde. Er hatte sich natürlich auch einen Heidenspaß erwartet – und nun war es nichts als ein neuer Mißerfolg auf seiner Liste von Fehlschlägen. Alles, alles im Leben war ihm danebengegangen – und selbst in der Ewigkeit schien es ihm nicht anders zu ergehen. Alles käme daher, sagte er, weil sich nie jemand um ihn gekümmert, niemand ihm Interesse oder Sympathie entgegengebracht hatte. Nach seiner Bemerkung brach er erstaunt ab und sah mich an. Ich sei eigentlich der erste, erklärte er verwundert, der sich je für seine Angelegenheiten interessiert hatte. Ich merkte gleich, worauf er hinauswollte, und beschloß, ihm etwas unter die Arme zu greifen. Ich mag ein alter Grobian sein – aber wenn so ein armer Schwächling (ob Mensch oder Geist) in mir seinen einzigen wahren Freund sieht, habe ich nicht das Herz, ihn zurückzustoßen.

Ich ermunterte ihn also, sich nicht weiter mit solch düsteren Gedanken abzugeben. Für ihn gäbe es jetzt nur eines: so rasch wie möglich aus dieser Sache herauszukommen. ›Reißen Sie sich zusammen‹, sagte ich, ›und versuchen Sie es.‹ – ›Ich kann nicht«, sagte er. ›Versuchen Sie es!, beharrte ich. Und das tat er denn auch.«

»Wie denn?« erkundigte sich Sanderson.

»Gesten.«

»Gesten?«

»Nun ja, eine komplizierte Reihe von Gesten und Handbewegungen. So war er hereingekommen, so mußte er auch wieder hinaus. Meine Güte – was hatte ich für eine Plage mit ihm!«

Ich begann: »Ich kann mir nur nicht vorstellen, wieso eine Reihe von Handbewegungen …«

»Mein lieber Mann«, fiel er mir ungeduldig ins Wort. »Sie wollen immer alles ganz genau wissen. Ich weiß auch nicht, wieso. Ich kann Ihnen nur sagen, daß es so war. Eine qualvoll lange Zeit mühte er sich vergeblich ab. Aber dann bekam er wohl die richtige Reihenfolge heraus – und auf einmal war er verschwunden.«

Sanderson erkundigte sich: »Haben Sie diese Gesten beobachtet?«

»Natürlich«, antwortete Clayton nachdenklich. »Es war alles sehr seltsam. Wir beide allein in dem leeren Haus, ich und dieser schwächliche Geist. Alles still, kein Laut außer unseren Stimmen und dem schwachen Keuchen, das er bei seinen Übungen ausstieß. Nur zwei Kerzen brannten in meinem Zimmer, die ab und zu gespenstisch aufflackerten. Eine phantastische Situation! ›Ich schaffe es nicht‹, jammerte er immer wieder. ›Ich schaffe es einfach nicht!‹ Und plötzlich sank er auf den kleinen Stuhl am Fußende des Bettes und schluchzte und schluchzte. Ein jämmerliches Häufchen Elend.

›Nehmen Sie sich zusammen!‹ sagte ich und versuchte ihm auf den Rücken zu klopfen – wobei meine Hand natürlich ins Leere griff. Zu diesem Zeitpunkt war ich nicht mehr ganz so kaltblütig wie vorher auf dem Treppenabsatz. Die haarsträubende Situation begann mich doch etwas nervös zu machen. Ich erinnere mich, daß ich über diesen Griff ins Leere heftig erschrak und zurückzuckte. ›Nehmen Sie sich zusammen!‹ wiederholte ich. ›Versuchen Sie weiter!‹ Und um ihn anzuspornen, begann ich sogar mitzumachen.«

»Was!« rief Sanderson. »Seine Gesten?«

»Ja.«

»Aber …« Ich beugte mich vor.

»Das ist interessant«, sagte Sanderson, einen Finger im Pfeifenkopf. »Wollen Sie behaupten, daß er Ihnen alles …«

»… daß er mir das Geheimnis preisgegeben hat? Ja.«

»Unmöglich!« rief Wish. »Sonst wären Sie ja auch hinübergegangen!«

»Genau!« rief ich eifrig.

»Genau«, murmelte Clayton gedankenvoll.

Eine Weile herrschte Schweigen. Dann fragte Sanderson:

»Und wie ging die Sache aus?«

»Schließlich glückte es ihm. Ich mußte ihm immer wieder zureden und ihn anspornen, aber schließlich glückte es ihm doch. Und zwar ganz plötzlich. Er wollte wieder einmal aufgeben, wir hatten eine heftige Szene. Und dann stand er plötzlich auf und bat mich, die ganze Sache noch einmal mit ihm durchzumachen. Er sagte: ›Wenn ich es bei Ihnen sehe, komme ich vielleicht dahinter, was ich falsch mache.‹ Also machten wir alles noch einmal gemeinsam durch. Auf einmal sagte er: ›Jetzt weiß ich’s.‹ Aber nun hatte er plötzlich Hemmungen und behauptete, er könnte es nicht zu Ende führen, wenn ich ihn dabei ansähe. Ich sollte mich umdrehen. ›Ich bin nun einmal nervös und sensibel‹, erklärte er. ›Sie irritieren mich.‹ Wir stritten eine Weile herum, und schließlich hatte ich es satt. ›Also schön‹, sagte ich. ›Ich sehe nicht hin.‹ Ich drehte ihm den Rücken zu – aber ich konnte ihn im Spiegel neben meinem Bett sehen.

Er begann sofort und haspelte seine Übungen in schnellem Tempo ab. Ich beobachtete ihn im Spiegel, denn ich war natürlich gespannt zu sehen, was er bisher falsch gemacht hatte. Er schwang die Arme herum, ungefähr so und so und so, und dann fiel er ruckartig in die letzte Pose – so: Man steht hochaufgerichtet, die Arme weit ausgebreitet. So stand er also da. Und auf einmal stand er eben nicht mehr da. Er war weg! Ich wirbelte auf dem Absatz herum. Nichts! Weg! Ich war allein mit den heftig flackernden Kerzen und meiner grenzenlosen Verwirrung. Was war geschehen? War überhaupt etwas geschehen? Hatte ich geträumt? Im selben Augenblick schlug die Uhr im Treppenhaus mit dröhnendem Schlag die erste Stunde. Mir war ganz schwach in den Knien, das können Sie mir glauben. Ich war nüchtern wie ein Staatsanwalt, der Sekt und der Whisky waren verflogen, und mir war ganz sonderbar zumute – ganz sonderbar – du liebe Zeit!«

Er betrachtete die Asche an seiner Zigarre.

»Das ist alles«, sagte er schließlich.

»Und dann sind Sie zu Bett gegangen?« fragte Evans.

»Was blieb mir andres übrig?«

Wish und ich wechselten einen Blick. Wir wollten witzeln, aber irgend etwas (vielleicht etwas in Claytons Stimme oder Haltung) hemmte uns.

»Und diese Gesten?« erkundigte sich Sanderson.

»Ich glaube, ich könnte sie jetzt machen.«

»So?« Sanderson brachte ein Taschenmesser zum Vorschein und begann in seiner Pfeife zu stochern. »Warum versuchen Sie es dann nicht gleich jetzt?« schlug er vor und klappte das Taschenmesser zusammen.

»Gut«, antwortete Clayton.

»Das klappt ja doch nicht«, meinte Evans.

»Aber wenn es klappt, dann …«, gab ich zu bedenken.

Wish streckte seine langen Beine aus.

»Ich bin dagegen«, sagte er.

»Warum?« fragte Evans.

»Ich bin dagegen, daß er es versucht.«

»Er kriegt es ja doch nicht fertig«, sagte Sanderson und stopfte zuviel Tabak in seine Pfeife.

»Trotzdem bin ich dagegen«, wiederholte Wish.

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