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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Etwas machte ein Geräusch hinter ihr, und sie wandte sich um und sagte: »Verzeiht, daß ich in Euren Garten eingedrungen bin.« Es war die Kuh, die den Kopf über den Flechtzaun streckte und welkes Laub von einem Haselstrauch riß.

Sie würde zum Herrenhaus zurückgehen müssen. Sie schleppte sich zum Tor hinaus, hängte die Lederschlaufe wieder über den Pfosten und schob sich am knochigen Rücken der Kuh vorbei, die ein paar Schritte mit ihr ging, als dächte sie, Kivrin wolle sie zum Melken führen, dann wandte sie sich wieder dem Haselstrauch zu.

Die Tür einer der Heuhütten oder Ställe, in denen niemand leben konnte, ging auf, und ein barfüßiger Junge kam heraus. Er starrte herüber. Kivrin hatte das Gefühl, daß er sich fürchtete.

Sie richtete sich trotz ihrer Schmerzen auf. »Bitte« sagte sie, schwer atmend zwischen den Worten, »darf ich eine Weile in deinem Haus ausruhen?«

Der Junge starrte einfältig mit offenem Mund zu ihr her. Er war entsetzlich dünn, mit Armen und Beinen, die kaum dicker waren als die in den Zäunen verflochtenen Weidenzweige.

»Bitte lauf zum Herrenhaus und sag den Männern im Stall, daß sie kommen möchten. Sag ihnen, daß ich krank bin.«

Er kann so wenig laufen wie ich, dachte sie, sobald sie es gesagt hatte. Die Füße des Jungen waren blaugefroren, seine Lippen aufgesprungen und wund, und getrocknetes Blut aus der Nase war über die Wangen geschmiert. Der arme Kerl, dachte Kivrin, er ist schlechter daran als ich, aber sie sagte noch einmaclass="underline" »Lauf zum Herrenhaus und bestell ihnen, daß sie kommen sollen.«

Der Junge bekreuzigte sich mit einer schrundigen, knochigen Hand. »Mihel emeurdroud ooghattund enblast barde«, sagte er und zog sich in die Hütte zurück.

Lieber Himmel, dachte Kivrin verzweifelnd, er kann mich nicht verstehen, und mir fehlt die Kraft, es mit Geduld und Phantasie zu versuchen. »Bitte hilf mir«, sagte sie, und der Junge sah beinahe aus, als hätte er das verstanden. Er trat einen Schritt näher, dann lief er plötzlich in die Richtung der Kirche davon.

»Warte!« rief Kivrin.

Er lief um den Zaun und verschwand hinter der Hütte, wenn man es so nennen konnte. Es sah mehr wie ein Heuschober aus — Gras und faulendes Stroh war in die Spalten zwischen den Stangen gestopft, und die Tür war eine Matte aus Stöcken, die mit einem schwärzlichen Strick zusammengebunden waren, und der Junge hatte sie offen gelassen. Kivrin schleppte sich hinüber, stieg über die erhöhte Schwelle und betrat gebückt die Hütte.

Drinnen war es dunkel und so rauchig, daß Kivrin nichts sehen konnte. Es roch fürchterlich, schlimmer als in einem Stall. Mit den Stallgerüchen vermischten sich moderige Feuchtigkeit, Qualm und der muffig-durchdringende Geruch von Ratten. Die Tür war kaum anderthalb Meter hoch gewesen, und als Kivrin sich drinnen aufrichtete, stieß sie mit dem Kopf gegen den dünnen, anscheinend aus einem Schößling geschnittenen Dachbalken.

Als ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah sie, daß es keine Sitzgelegenheit gab. Der Boden war bedeckt mit alter Sackleinwand und Werkzeugen, als wäre es doch eine Art Geräteschuppen, und bis auf einen wackligen Tisch, dessen rohe Beine ungleichmäßig gespreizt waren, gab es keine Möbel. Aber auf dem Tisch lagen eine hölzerne Schale und ein Kanten Brot, und in der Mitte der Hütte, dem einzigen freien Raum, brannte ein kleines Feuer in einem flachen, ausgegrabenen Loch.

Das Feuer war die Quelle des dichten Rauches, der nicht abziehen wollte, obwohl es im First ein kleines Rauchloch gab. Es war ein kleines Feuer aus dünnen Stecken, aber das Holz war feucht, und die Ritzen und Löcher in den ungleichmäßig gestopften Wänden und zwischen diesen und dem Strohdach zogen ebenfalls den Rauch, und der von überall hereinblasende Wind wirbelte ihn in der engen Hütte herum. Kivrin begann zu husten, und jedes krampfhafte Ausstoßen von Luft fühlte sich an, als wollte es ihr die Brust aufsprengen.

Sie biß die Zähne zusammen, um das Husten zu unterdrücken, und ließ sich, gestützt auf einen Spaten, auf einen Sack Zwiebeln nieder und lehnte sich gegen die zerbrechlich aussehende Wand. Sogleich fühlte sie sich besser, obwohl es so kalt war, daß ihr Atem dampfte.

Aber hier in Bodennähe war der Rauch weniger dicht, und der Hustenreiz ließ nach. Sie fragte sich, wie es hier erst im Sommer riechen mochte. Um sich warm zu halten, wickelte sie den fellgefütterten Umgang wie eine Decke um die angezogenen Knie.

Kalte Zugluft strich über den Boden hin. Durch Zusammenkauern bemühte sie sich, auch die Füße in den wärmenden Schutz des Umhangs mit einzubeziehen, dann hob sie ein Gartenmesser auf, das neben dem Zwiebelsack lag, und stocherte damit in dem dürftigen Feuer. Es flammte halbherzig auf, erhellte das Innere der Hütte und ließ es mehr denn je wie einen Geräteschuppen aussehen. An einer Seite befand sich ein niedriger Anbau, wahrscheinlich ein Stall, weil er vom Rest der Hütte durch einen niedrigen Flechtzaun abgeteilt war. Das Feuer brannte nicht hell genug, um in den Anbau hineinzusehen, aber Kivrin hörte ein scharrendes Geräusch, das von dort zu kommen schien.

Ein Schwein, vielleicht, obwohl die Bauern ihre Schweine schon Wochen vor Weihnachten zu schlachten pflegten, um Wurst zu machen und Speck zu räuchern. Oder vielleicht war es eine Milchziege. Sie legte Zweige aus dem kleinen Brennholzvorrat nach, um etwas mehr Helligkeit in den Raum zu bringen.

Das scharrende Geräusch kam nicht aus dem kleinen Anbau, sondern aus einem ansehnlichen, kuppelförmigen Metallkäfig vor der geflochtenen Abtrennung. Mit seinen glatt gebogenen Metallbändern, der komplizierten Tür und dem fein gearbeiteten Tragegriff wirkte der Käfig in diesem schmutzigen Winkel fehl am Platz. In dem Käfig war eine Ratte. Ihre schwarzen Augen glänzten im Feuerschein.

Sie saß auf den Keulen und hielt in den handähnlichen Pfoten ein Stück Käse, das sie vielleicht in die Gefangenschaft gelockt hatte, und beobachtete Kivrin. Am Käfigboden lagen mehrere andere bröckelnde und zum Teil schimmelnde Käsestückchen. Mehr Nahrung als in der ganzen Hütte, dachte Kivrin. Sie blieb still auf dem klumpigen Zwiebelsack sitzen und vermied jede hastige Bewegung. Es fiel ihr schwer, sich vorzustellen, daß diese Leute etwas hatten, was vor einer Ratte zu schützen sich lohnte.

Sie hatte natürlich früher schon Ratten gesehen, in der medizinischen Fakultät und als man sie während ihres ersten Studienjahres auf Phobien getestet hatte, aber nicht von dieser Art. Niemand hatte in den letzten fünfzig Jahren Ratten dieser Art gesehen, wenigstens nicht in England. Es war tatsächlich ein sehr hübsches Tier, mit seidigem schwarzen Fell, nicht viel größer als die weißen Laboratoriumsratten und nicht annähernd so groß wie die braune Ratte, die bei ihrem Test verwendet worden war.

Sie sah auch viel sauberer als die braune Ratte aus, eine Wanderratte, die nicht nur ausgesehen hatte, als ob sie in die Abwasserkanäle und U-Bahntunnels gehörte, sondern mit ihrem glanzlosen graubraunen Fell und dem langen, obszön nackten Schwanz ohne Zweifel auch von dort gekommen war. Als Kivrin angefangen hatte, sich mit dem Mittelalter zu beschäftigen, hatte sie nicht verstehen können, daß die Menschen jener Zeit diese abscheulichen Tiere in ihren Scheunen und sogar Häusern geduldet hatten. Der Gedanke an die Ratte unter ihrem Bett oder in der Wand neben ihrem Bett hatte ihren Abscheu erregt. Aber diese Ratte sah tatsächlich sehr reinlich aus, mit ihren schwarzen Augen und dem glänzenden Fell. Ganz gewiß reinlicher als Maisry, und wahrscheinlich intelligenter. Sie sah harmlos aus.

Als wollte sie dies beweisen, hob die Ratte das Stückchen Käse mit beiden Pfoten zierlich unter die Schnurrbarthaare und begann wählerisch daran zu knabbern.

»Du bist aber nicht harmlos«, sagte Kivrin. »Du bist die Geißel des Mittelalters.«

Die Ratte ließ das Stück Käse fallen und tat einen Schritt näher. Sie schnupperte, daß die langen Schnurrbarthaare zuckten, dann hielt sie sich mit den rosigen Händen an zwei der Metallbänder fest und schaute flehend heraus.

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