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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Der Glockenturm sieht wie der aus, in dem Rapunzel eingekerkert war, und Rosemund, über ihre Stickerei gebeugt, sieht mit ihrem dunklen Haar, der weißen Kappe und den roten Wangen wie Schneewittchen aus.

(Unterbrechung)

Ich glaube, mein Fieber ist wieder gestiegen. Ich rieche Holzrauch, und Imeyne kniet mit ihrem Stundenbuch neben dem Bett und betet. Rosemund sagte mir, sie hätten wieder nach der Frau des Verwalters geschickt. Frau Imeyne verabscheut sie. Ich muß wirklich sehr krank sein, daß Imeyne sie kommen läßt. Ich frage mich, ob sie auch nach dem Pfarrer schicken werden. Sollte er kommen, muß ich ihn fragen, ob er weiß, wo Gawyn mich gefunden hat. Es ist so heiß hier drinnen. Dieser Teil ist überhaupt nicht wie ein Märchen. Sie schicken nur nach dem Pfarrer, wenn jemand im Sterben liegt, aber nach Mr. Gilchrists Untersuchungen liegt die Wahrscheinlichkeit, daß ein an Lungenentzündung Erkrankter stirbt, im 14. Jahrhundert bei 72 Prozent. Ich hoffe, der Pfarrer wird bald kommen, um mir zu sagen, wo der Absetzort ist, und mir die Hand zu halten.

13

Zwei weitere Fälle, beides Studenten, wurden eingeliefert, während Mary ihren Neffen fragte, wie er durch die Quarantäne gekommen sei.

»Es war einfach«, sagte Colin wegwerfend. »Sie sind vollauf damit beschäftigt, die Leute am Verlassen der Stadt zu hindern und achten dabei nicht so sehr auf welche, die herein wollen.« Als er anfing, die Einzelheiten zu berichten, kam die Schwester von der Anmeldung herein.

Mary ließ sich von Dunworthy zur Notaufnahme begleiten, um zu sehen, ob er sie identifizieren könne. »Und du bleibst hier«, sagte sie zu Colin. »Du hast uns für eine Nacht genug Scherereien bereitet.«

Die beiden Neueinlieferungen waren Dunworthy unbekannt, aber das machte nichts. Sie waren bei vollem Bewußtsein und bereits dabei, dem Stationsarzt die Namen ihrer Kontaktpersonen zu geben, als Mary und er zu ihnen kamen. Er musterte die beiden eingehend, dann schüttelte er den Kopf. »Sie können zu der Menschenmenge in der High Street gehört haben, aber das kann ich nicht sagen.«

»Macht nichts«, meinte sie. »Sie können nach Hause gehen, wenn Sie wollen.«

»Ich dachte, ich würde besser hier bis zur Blutprobe warten«, sagte er.

»Ja, aber die ist erst…« Sie sah auf ihre Uhr. »Großer Gott, es ist schon sechs vorbei.«

»Ich werde hinaufgehen und bei Badri hineinschauen«, sagte er, »und anschließend im Warteraum sein.«

Badri schliefe, sagte die Stationsschwester. »Ich würde ihn nicht wecken.«

»Nein, natürlich nicht«, sagte Dunworthy und ging hinunter in den Warteraum.

Colin saß mit untergeschlagenen Beinen am Boden und suchte in seiner Tasche herum. »Wo ist Großtante Mary?« fragte er. »Sie ist ein bißchen sauer, daß ich aufgetaucht bin, nicht?«

»Sie dachte, du seist wieder in London und in Sicherheit«, sagte Dunworthy. »Deine Mutter erzählte ihr, daß dein Zug in Barton angehalten wurde.«

»Wurde er auch. Alle mußten aussteigen und mit einem Gegenzug zurückfahren.«

»Und du gingst beim Umsteigen verloren?«

»Nein. Ich hörte diese Leute über die Quarantäne sprechen, und daß diese schreckliche Krankheit ausgebrochen sei und alle sterben müßten und so weiter…« Er entleerte den Inhalt seiner Tasche auf den Boden: Kassetten und ein Taschenvideo, Kleingeld, Kaugummi, ein Taschenmesser, zerknitterte Fahrscheine und ein Paar schmutzige und abgestoßene Laufschuhe. Er war offensichtlich mit Mary verwandt. »Und ich wollte nicht über die Feiertage mit Eric herumsitzen und die ganze Aufregung versäumen.«

»Eric?«

»Der Untermieter meiner Mutter.« Er befreite seine große rote Kaugummikugel von anhaftenden Fasern und steckte sie in den Mund. Sie machte eine mumpsartige Beule in seiner Wange. »Er ist absolut nekrotisch«, sagte er kauend. »Er hat diese Wohnung unten in Kent, und da gibt es absolut nichts zu tun.«

»Also bist du in Barton ausgestiegen. Was hast du dann gemacht? Bist du zu Fuß nach Oxford gegangen?«

Er nahm den Kaugummi aus dem Mund. Er war nicht mehr rot, sondern von einer fleckig bläulichgrünen Farbe. Colin betrachtete ihn kritisch von allen Seiten und steckte ihn wieder in den Mund. »Natürlich nicht. Barton ist weit von Oxford. Ich nahm ein Taxi.«

»Natürlich«, sagte Dunworthy.

»Dem Fahrer sagte ich, daß ich für unsere Schulzeitung über die Quarantäne berichte und Videos von der Blockade machen wollte. Ich hatte meine Kamera bei mir, also war es die logische Erklärung.« Er hielt die kleine Videokamera hoch, um sein Argument zu unterstreichen, dann steckte er sie wieder in die Tasche und begann darin zu graben.

»Hat er dir geglaubt?«

»Ich denke schon. Er fragte mich nämlich, in welche Schule ich gehe, aber ich sagte bloß, ganz beleidigt: ›Das sollten Sie aber sehen‹, und er sagte St. Edward’s, und ich sagte: ›Natürlich‹. Er muß mir geglaubt haben. Schließlich brachte er mich bis zu den Absperrungen.«

Und ich sorgte mich, was Kivrin tun würde, wenn kein freundlicher Reisender des Weges käme, dachte Dunworthy. »Was hast du dann gemacht, der Polizei die gleiche Geschichte aufgebunden?«

Colin zog einen grünen Wollpullover aus der Reisetasche, legte ihn zusammen und deponierte ihn auf dem Mantel. »Nein. Als ich darüber nachdachte, war es doch eine ziemlich lahme Geschichte, ich meine, was gibt es schon zu sehen, um Aufnahmen davon zu machen? Es ist ja nicht wie ein Feuer, nicht? Also ging ich einfach auf den Posten zu, als ob ich ihn etwas über die Quarantäne fragen wollte, und dann sprang ich im letzten Augenblick zur Seite und unter der Schranke durch.«

»Liefen sie dir nicht nach?«

»Natürlich. Aber nicht weiter als ein paar Straßen. Denen kommt es darauf an, keine Leute herauszulassen. Wer hinein will, ist selbst schuld. Und dann ging ich eine Weile herum, bis ich ein Telefon fand.«

Wahrscheinlich hatte es während dieser Ereignisse die ganze Zeit geregnet, aber Colin hatte nichts davon erwähnt, und ein Taschenschirm war nicht unter den Gegenständen, die er ausgeräumt hatte.

»Der schwierigste Teil war, Großtante Mary zu finden«, sagte er. Er streckte sich aus und schob den Mantel unter seinen Kopf. »Ich ging zu ihrer Wohnung, aber sie war nicht da. Ich dachte, daß sie vielleicht noch in der U-Bahnstation auf mich wartete, aber die war geschlossen.« Er richtete sich auf, brachte den Wollpullover in eine günstigere Position und legte sich wieder hin. »Und dann dachte ich, daß sie ja Ärztin ist, und ich sagte mir, sie wird im Krankenhaus sein.«

Er richtete sich abermals auf, brachte den Mantel in eine andere Form, streckte sich aus und schloß die Augen. Dunworthy lehnte sich in dem unbequemen Sessel zurück und beneidete den Jungen. Colin schlief wahrscheinlich schon, nicht im mindesten aufgeregt oder beunruhigt über seine Abenteuer. Er war mitten in der Nacht in Oxford herumgelaufen, oder vielleicht hatte er weitere Taxis genommen oder ein zusammenklappbares Fahrrad aus seiner Tasche gezogen, ganz allein in einer kalten und regnerischen Winternacht, und er fand nicht einmal etwas dabei.

Kivrin konnte für sich selbst aufkommen. Wenn das Dorf nicht war, wo es sein sollte, würde sie gehen, bis sie es gefunden hätte, oder ein Taxi nehmen, oder sich irgendwo hinlegen, mit dem zusammengefalteten Umhang als Kopfkissen, und den furchtlosen Schlaf der Jugend schlafen.

Mary kam herein. »Beide waren gestern bei einer Tanzveranstaltung in Headington«, sagte sie mit gedämpfter Stimme.

»Auch Badri war dort«, flüsterte Dunworthy zurück.

»Ich weiß. Sie waren dort von neun bis zwei, was auf eine Inkubationszeit von fünfundzwanzig bis dreißig Stunden hinausläuft, wenn Badri derjenige war, der sie infizierte.«

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