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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Ja«, sagte Agnes und streichelte das schlafende Hündchen.

»Möchtest du mit ihm sprechen?«

»Ja«, sagte Kivrin.

»Bist du eine Brecherin?«

Es war anstrengend, sich auf Agnes’ Gedankensprünge einzustellen. »Nein«, sagte sie, bevor ihr einfiel, daß sie nicht in der Lage sein sollte, sich an irgend etwas zu erinnern. »Ich erinnere mich nicht, wer ich bin.«

»Großmutter sagt, nur eine Brecherin würde so frech verlangen, mit Gawyn zu sprechen.«

Die Tür ging auf, und Rosemund kam herein. »Sie suchen dich überall, Dummerchen«, sagte sie, die Hände in die Hüften gestemmt.

»Ich spreche mit Kivrin«, sagte Agnes mit einem ängstlichen Blick zur Bettdecke, wo Blackie lag, beinahe unsichtbar auf dem Zobelfell. Offenbar durften Hunde nicht ins Haus. Kivrin zog die Decke so über ihn, daß Rosemund ihn nicht sehen konnte.

»Mutter sagt, das Fräulein muß ausruhen, damit ihre Wunden heilen«, sagte Rosemund streng. »Komm. Ich muß Großmutter sagen, daß ich dich gefunden habe.« Und sie führte das kleine Mädchen hinaus.

Kivrin sah ihnen nach und hoffte inständig, daß Agnes ihrer Großmutter nicht erzählen würde, daß sie wieder den Wunsch geäußert hatte, mit Gawyn zu sprechen. Sie hatte geglaubt, einen guten Vorwand für das Gespräch mit Gawyn zu haben, und auf Verständnis für ihren Wunsch gehofft, Näheres über ihr Gepäck und die Räuber zu erfahren. Aber für eine unverheiratete junge Dame von Stand war es unziemlich, den Wunsch nach einem Gespräch mit einem jungen Mann zu äußern.

Eliwys konnte mit ihm sprechen, weil sie während der Abwesenheit ihres Mannes die Hausherrin und seine Brotgeberin war, und Imeyne war die Mutter seines Herrn, aber Kivrin hätte warten sollen, bis er das Wort an sie richtete, um ihm dann mit aller Bescheidenheit und Züchtigkeit, die von einem jungen Mädchen erwartet wurde, zu antworten. Aber ich muß mit ihm reden, dachte sie. Er weiß als einziger, wo der Absetzort ist.

Agnes kam wieder hereingestürzt und riß den schlafenden Welpen an sich. »Großmutter war sehr böse. Sie dachte, ich wäre in den Brunnen gefallen«, sagte sie und rannte wieder hinaus.

Sicherlich hatte Maisry aus diesem Anlaß wieder Ohrfeigen bekommen, diesmal von der Großmutter, dachte Kivrin. Schon einmal hatte Maisry heute Verdruß bekommen, weil sie Agnes aus den Augen verloren hatte, die zu Kivrin gekommen war, um ihr Imeynes Silberkette zu zeigen, die sie »ein Rillieklary« nannte, ein Wort, vor dem der Dolmetscher kapitulierte. In dem kleinen Kasten, vertraute sie Kivrin an, sei ein Stück vom Grabtuch des heiligen Stephan. Frau Imeyne hatte Maisry die pockennarbigen Wangen geohrfeigt, weil sie Agnes nicht im Auge behalten und sie das Reliquiar hatte nehmen lassen — aber nicht, weil sie das kleine Mädchen ins Krankenzimmer gelassen hatte.

Niemand schien besorgt zu sein, daß die Mädchen Kivrin zu nahe kommen könnten, oder an die Möglichkeit einer Ansteckungsgefahr zu denken. Weder Eliwys noch Imeyne trafen irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen, wenn sie sie versorgten.

Die Zeitgenossen hatten die Mechanik der Krankheitsübertragung nicht verstanden — sie glaubten, Krankheit sei eine Konsequenz der Sünde, und Epidemien eine Strafe Gottes -, aber sie hatten von Ansteckung gewußt. In der Zeit des Schwarzen Todes hatte das Motto gelautet: »Geh schnell fort, wandere weit, verweile lang«, und Quarantänebestimmungen hatte es schon früher gegeben.

Aber nicht hier, dachte Kivrin, und was würde geschehen, wenn die kleinen Mädchen sich bei ihr infiziert hatten? Oder Pater Roche?

Er war während der schlimmsten Phase ihrer Krankheit bei ihr gewesen, hatte ihre Hand gehalten, sie nach ihrem Namen gefragt. Ihre Erinnerung an diese Zeit blieb getrübt und lückenhaft. Sie war vom Pferd gefallen, und dann war da ein Feuer gewesen. Nein, das hatte sie sich in ihrem Fieberwahn eingebildet. Und das weiße Pferd. Gawyns Pferd war schwarz.

Sie waren durch einen Wald und einen Hügel hinab an einer Kirche vorbeigeritten, und der Halsabschneider hatte… Es hatte keinen Zweck. Die Nacht war ein formloser Traum voller beängstigender Gesichter, Glocken und Flammen. Selbst die Erinnerung an den Absetzort war verschwommen und unklar. Große Eichen waren dort, und dichtes Unterholz, und sie hatte mit dem Rücken am Wagenrad gesessen, weil sie sich schwindlig gefühlt hatte, und der Halsabschneider… Nein, sie hatte sich den Halsabschneider eingebildet. Und das weiße Pferd. Vielleicht hatte sie sich auch die Kirche eingebildet. Sie würde Gawyn fragen müssen, wo der Absetzort war, aber nicht vor Frau Imeyne, die sie für eine flüchtige Ehebrecherin hielt. Vor allem mußte sie gesund werden, genug Kräfte sammeln, um aufzustehen und aus dem Haus zu gehen. Hinüber zum Stall, um Gawyn zu finden und allein mit ihm zu sprechen. Alles hing von ihrer Gesundung ab.

Zwar fühlte sie sich ein wenig kräftiger, doch war sie noch immer zu schwach, um ohne Hilfe zum Nachttopf zu gehen. Das Schwindelgefühl war mit dem Fieber vergangen, aber ihre Kurzatmigkeit dauerte an. Auch die anderen glaubten, daß sie sich auf dem Weg der Besserung befand. Sie hatten sie den größten Teil des Vormittags allein gelassen und Eliwys war nur so lange bei ihr geblieben, wie das Auftragen der übelriechenden Salbe gedauert hatte. Und ihre unziemlichen Fragen nach Gawyn.

Es kam jetzt darauf an, sich nicht zu sorgen, was Agnes ihr gesagt hatte, oder warum die antivirale Vorbeugung nicht gewirkt hatte oder wie weit es zum Absetzort war, sondern rasch wieder zu Kräften zu kommen. Den ganzen Nachmittag kam niemand zu ihr, und sie übte das Sitzen auf der Bettkante mit heraushängenden Beinen. Als Maisry später mit einem Kienspan kam, um ihr zum Nachttopf zu helfen, konnte sie ohne Hilfe zum Bett zurückgehen.

In der Nacht wurde es kälter, und als Agnes sie am Morgen besuchte, trug sie einen roten Umhang und eine sehr dicke wollene Kapuze und weiße Fäustlinge aus Kaninchenfell. »Möchtest du meine silberne Schnalle sehen? Sir Bloet hat sie mir geschenkt. Ich werde sie morgen bringen. Heute kann ich nicht kommen, denn wir gehen den Julblock schneiden.«

»Den Julblock?« fragte Kivrin. Der Julblock, der später in Brand gesetzt wurde, war traditionell am 24. geschnitten worden, und dies war erst der 17. Hatte sie Frau Imeyne falsch verstanden?

»Ja«, sagte Agnes. »Zu Haus gehen wir erst am Weihnachtsabend, aber es wird Sturm geben, und Großmutter möchte, daß wir ausreifen und ihn holen, solange noch gutes Wetter ist.«

Schlechtwetter, dachte Kivrin. Wie würde sie den Absetzort wiedererkennen, wenn es schneite? Das Fuhrwerk und ihre Kisten und Kästen waren noch dort, aber wenn es mehr als zehn Zentimeter schneite, würde sie Straße und Lichtung nicht wiedererkennen.

»Gehen alle mit, den Julblock zu schneiden?« fragte Kivrin.

»Nein. Pater Roche rief Mutter zu einem kranken Häusler.«

Das erklärte, warum Imeyne die Tyrannin spielte, Maisry und den Verwalter einschüchterte und Kivrin des Ehebruchs beschuldigte. »Geht deine Großmutter mit euch?«

»Ja«, antwortete die Kleine. »Ich werde mein Pony reiten.«

»Geht Rosemund mit?«

»Ja.«

»Und der Verwalter?«

»Ja«, sagte sie ungeduldig. »Das ganze Dorf geht.«

»Auch Gawyn?«

»Nein«, sagte sie, als ob das selbstverständlich wäre. »Ich muß zum Stall und Blackie Lebewohl sagen!«

Sie rannte fort.

Frau Imeyne ging, und der Verwalter, und Eliwys versorgte irgendwo einen kranken Bauern. Und Gawyn war aus einem Grund, der Agnes offensichtlich schien, aber nicht ihr, zu Haus geblieben. Vielleicht war er mit Eliwys gegangen, aber wenn er geblieben war, um auf Haus und Hof achtzugeben, konnte sie ungestört mit ihm sprechen.

Auch Maisry ging offensichtlich mit den anderen. Als sie Kivrin einen Gerstenbrei zum Frühstück brachte, trug sie einen braunen Umhang aus grobem Wollstoff und hatte die Beine mit ausgefransten Stoffstreifen umwickelt. Sie half Kivrin zum Nachttopf, trug ihn hinaus und brachte ein Becken mit glühenden Holzkohlen herauf. Bei alledem zeigte sie sich flinker und unternehmender als Kivrin sie bisher gesehen hatte.

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