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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Nachdem Maisry gegangen war, wartete Kivrin noch eine Stunde, bis sie überzeugt war, daß alle fort waren, dann stand sie auf, tappte zum Fenster und zog das gewachste Leinen zurück. Außer Zweigen und dunkelgrauem Himmel konnte sie nichts sehen, aber die Luft war noch kälter als die im Raum. Sie stieg auf die Steinbank, um besser hinaussehen zu können.

Sie war über dem Hof. Er lag verlassen, und das große hölzerne Tor stand offen. Die Steine auf dem Hof und die niedrigen, strohgedeckten Dächer der Nebengebäude sahen naß aus. Sie streckte die Hand hinaus, besorgt, der Regen würde bei der niedrigen Temperatur bald in Schnee übergehen, fühlte aber keine Tropfen auf der Haut. Sie stieg von der Steinbank, wobei sie sich an der eiskalten Mauer einhalten mußte, und kauerte beim Kohlenbecken nieder.

Die Holzkohlenglut war bereits am Erkalten und strahlte kaum noch Wärme aus. Kivrin umfaßte die Oberarme mit den Händen, zog die Schultern ein und zitterte in ihrem dünnen Nachthemd. Was mochte mit ihren Kleidern geschehen sein? Kleider wurden im Mittelalter an Pfosten neben dem Bett aufgehängt, aber hier hingen sie nicht, und es gab keine Kleiderhaken.

Ihre Kleider lagen säuberlich zusammengelegt in der Truhe am Fußende des Bettes. Sie nahm sie heraus, dankbar, daß ihre Stiefel noch da waren, dann setzte sie sich auf den geschlossenen Deckel der Truhe, um wieder zu Atem zu kommen.

Sie mußte diesen Morgen mit Gawyn sprechen, und wenn ihr Körper zu schwach war, mußte sie ihn mit einer Willensanstrengung zwingen. Es war das einzige Mal, daß alle fort waren. Und bald mußte es schneien; die kalte Luft roch nach Schnee.

Sie kleidete sich im Sitzen an, so gut es ging, und als sie aufstehen mußte, lehnte sie sich gegen das Bett. Als sie die Stiefel angezogen hatte, fühlte sie sich so erschöpft, daß sie zum Bett wankte. Ich werde ein wenig ausruhen, dachte sie, nur bis ich mich aufgewärmt habe — und schlief sofort ein.

Die Kirchenglocke weckte sie. Es war dieselbe, die sie im Südwesten gehört hatte, als sie durchgekommen war. Sie hatte gestern den ganzen Tag geläutet und dann aufgehört, und Eliwys war ans Fenster gegangen und hatte eine Weile still dort gestanden, wie um zu erspüren, was geschehen war. Das Licht vom Fenster war trüber, aber es lag nur daran, daß die Wolken sich verdichtet hatten und tiefer hingen. Kivrin legte ihren Umhang an und öffnete die Tür. Die Treppe war steil und an die Steinwand der Diele gebaut, und hatte kein Geländer. Agnes hatte Glück gehabt, daß sie sich nur das Knie aufgeschlagen hatte. Sie hätte Hals über Kopf auf den gestampften Lehmboden unten stürzen können. Kivrin hielt sich mit einer Hand an der Wand, um das Gleichgewicht zu wahren, und rastete auf halber Höhe und überblickte die Diele.

Ich bin wirklich hier, dachte sie. Es ist wirklich 1320. Diele und Herdraum waren eins. Die zusammengeschobene Glut der Herdstelle in der Mitte des Raumes glomm dunkelrot, und ein wenig Licht drang von außen durch das Rauchloch oben und die schmalen Fenster herein, aber der größte Teil des Raumes lag im Halbdunkel.

Kivrin spähte in der rauchigen Düsternis umher, um zu sehen, ob jemand da war. Um das Herdfeuer gruppiert waren die Sitzgelegenheiten: an der Rückwand, wo es am wenigsten zog, stand der schön geschnitzte Armstuhl des Hausherrn, daneben der etwas einfachere, seiner Frau, an die sich zu beiden Seiten die Sitzgelegenheiten der übrigen Familienmitglieder und des Gesindes anschlossen. An der Wand hinter dem Platz des Hausherren hing ein Wandteppich, und am anderen Ende des Raumes, wo der Ausgang war, führte eine Leiter durch eine Deckenöffnung zum Dachboden hinauf. An den Längswänden waren ein paar schwere hölzerne Tische mit einfachen, aber breiten Bänken aufgestellt, und an der Wand unter der Treppe stand eine schmalere Bank: die Bettlerbank. Und die Wand, an der sie stand, war die Schutzwand.

Kivrin stieg die letzten Stufen hinunter und lief auf Zehenspitzen hinüber zur Schutzwand; trotzdem raschelten ihre Schritte laut in den trockenen Binsen, mit denen der Boden bestreut war. Die Schutzwand war eine dünne innere Trennwand, hinter der sich kleine Schlafkammern mit Alkoven oder einfachen Kastenbetten befanden, aber zwischen diesen Kammern führte ein schmaler Durchgang mit Haken zum Aufhängen von Umhängen zu einem Seiteneingang. Jetzt waren die Haken leer. Gut, dachte Kivrin; sie sind alle fort.

Die Tür war offen. Neben ihr standen ein Paar Holzschuhe, ein hölzerner Eimer und Agnes’ Spielzeugwagen. Kivrin hielt inne, denn sie war wieder außer Atem und hätte sich gern niedergesetzt und ausgeruht, aber es gab keine Sitzgelegenheit, und nachdem sie vorsichtig Umschau gehalten hatte, trat sie auf den Hof hinaus.

In dem abgeschlossenen Geviert war niemand zu sehen. Der Hof war uneben und entlang den Gebäuden mit rundlichen gelbgrauen Steinen gepflastert, aber in der Mitte, wo neben dem Brunnen ein aus einem Baumstamm gehöhlter Wassertrog stand, war die aufgeweichte Erde zertrampelt und voll von Huf- und Fußabdrücken. Dazwischen standen mehrere braune Wasserpfützen. Ein mageres, struppig aussehendes Huhn trank furchtlos aus einer der Lachen. Hühner wurden zu dieser Zeit nur ihrer Eier wegen gehalten, erinnerte sie sich. Die wichtigsten Schlachtgeflügel waren um 1300 Tauben und Enten.

Und dort beim Tor war der Taubenschlag, und das kleine strohgedeckte Gebäude daneben mußte die Küche sein, und die anschließenden Gebäude, alle klein und ebenerdig, mußten Vorratsspeicher, Backhaus und Geräteschuppen sein. Gegenüber vom Wohnhaus lagen die Ställe mit mehreren Türen, dann folgte eine schmale Durchfahrt, und die vierte Hofseite wurde von der großen gemauerten Scheune eingenommen.

Als erstes versuchte sie ihr Glück in den Stallungen. Agnes’ junger Hund kam auf seinen unbeholfenen großen Füßen herausgesprungen, um sie mit glücklichem Gejapse zu begrüßen, und sie mußte ihn rasch wieder hineindrängen und die schwarze Tür aus Holzplanken schließen. Von Blackie spielerisch umsprungen, ging sie durch das ganze Stallgebäude, aber Gawyn war offensichtlich nicht da. Er war auch nicht in der Scheune, in der Küche oder einem der anderen Nebengebäude, deren ansehnlichstes sich als das Brauhaus erwies. Agnes hatte gesagt, er würde nicht mit der Prozession gehen, um den Julblock zu schlagen, als sei es eine Selbstverständlichkeit, und Kivrin hatte angenommen, er müsse bleiben, um Haus und Hof zu bewachen; nun fragte sie sich, ob er Eliwys zu dem kranken Häusler begleitet habe.

Wenn das der Fall ist, dachte sie, muß ich den Absetzort selbst suchen. Sie ging zurück zum Stall, blieb auf halbem Weg stehen. So schwach wie sie sich fühlte, würde es ihr nie gelingen, ohne Hilfe ein Pferd zu besteigen, und wenn sie es doch schaffte, würde das Schwindelgefühl zu stark sein, als daß sie sich auf dem Pferderücken würde halten, geschweige denn ausreifen und den Absetzort suchen können. Aber ich muß, dachte sie. Sie sind alle fort, und es wird Schnee geben.

Sie blickte zum Tor und dann zur Durchfahrt zwischen Stallgebäude und Scheune und überlegte, welchen Weg sie nehmen solle. Sie waren einen Hügel heruntergekommen, vorbei an einer Kirche. Sie erinnerte sich an den Klang der Glocke. Von dem Tor oder dem Hof hatte sie keine Erinnerung, aber das war der wahrscheinlichste Weg, auf dem sie hergekommen war.

Sie ging über das Kopfsteinpflaster, scheuchte das aufgeregt gluckende Huhn ungewollt unter den Wassertrog und blickte zum Tor hinaus auf die Straße. Diese überquerte einen schmalen Wasserlauf mit einer langen Brücke und verlor sich südwärts zwischen den Bäumen. Aber es gab keinen Hügel und keine Kirche, kein Dorf, keinen Hinweis, daß dies der Weg zum Absetzort war.

Es mußte eine Kirche geben. Im Bett hatte sie die Glocke gehört. Sie ging zurück durch den Hof und hinüber zur Durchfahrt. Hier führte ein Karrenweg an einem Flechtwerkzaun vorbei, hinter dem zwei schmutzige Schweine grunzten, und ihrem Auslauf gegenüber befand sich der Abort, unverkennbar durch seinen Geruch. Aber hinter ihm beschrieb der Weg eine Biegung und führte hinaus auf einen Dorfanger.

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