Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
In einer Weise ist das günstig für mich. Wenn sie niemandem sagen, daß sie hier sind, werden sie auch nichts über mich verlauten lassen und keine Boten aussenden, um herauszufinden, wer ich bin. Andererseits besteht die Gefahr, daß jeden Augenblick Bewaffnete die Tür eintreten. Oder daß Gawyn, der einzige, der den Absetzort kennt, bei der Verteidigung des Hauses getötet wird.
15. Dezember 1320 (alte Zeitrechnung). Der Dolmetscher arbeitet jetzt mehr oder weniger zufriedenstellend, und die Zeitgenossen scheinen zu verstehen, was ich sage, und auch ich kann sie verstehen, obwohl ihre Sprache keine Ähnlichkeit mit dem Mittelenglisch hat, das Mr. Latimer und Sie mich gelehrt haben. Die starken Beugungen und die Aussprache scheinen mehr vom Altsächsischen bewahrt zu haben als angenommen, während der weiche Tonfall auf französische Einflüsse schließen läßt.
Der Dolmetscher übersetzt, was die Zeitgenossen sagen, mit unveränderter Syntax, und zuerst versuchte ich genauso auszudrücken, was ich sagte, aber das ständige Überlegen ist tödlich — der Dolmetscher braucht ewig, um eine Übersetzung hervorzubringen, und ich stammele und kämpfe mit der Aussprache. So drücke ich mich einfach in meiner gewohnten Weise aus und hoffe, daß annähernd richtig ist, was aus meinem Mund kommt, und daß der Dolmetscher die Beugungen und Spracheigentümlichkeiten einigermaßen angleichen wird. Der Himmel allein weiß, wie ich mich anhöre. Wahrscheinlich wie eine französische Spionin.
Die Sprache ist nicht der einzige Punkt fehlerhafter Einschätzung durch uns. Meine Kleidung ist ebenfalls ganz falsch, von viel zu feiner Webart, und das Blau ist zu leuchtend, ob mit Färberwaid gefärbt oder nicht. Ich habe hier überhaupt noch keine leuchtenden Farben gesehen. Da ich eher klein bin, ist meine Größe hier richtig, aber meine Zähne sind zu gut, und meine Hände sind trotz der abgebrochenen, schmutzigen Nägel zu fein. Sie hätten nicht nur schmutziger und schwieliger sein sollen, sondern ich hätte auch Frostbeulen haben müssen. Alle hier haben Frostbeulen, zum Teil aufgekratzt, auch die Kinder. Schließlich ist es Dezember.
Ich wurde Zeugin einer Meinungsverschiedenheit zwischen Imeyne und Eliwys über die Bestellung eines neuen Kaplans, und Imeyne sagte: »Es ist mehr als genug Zeit. Bis zur Christinette sind es volle zehn Tage.« Also sagen Sie Mr. Gilchrist, daß ich wenigstens meine zeitliche Orientierung gesichert habe. Aber ich weiß nicht, wie weit entfernt vom Absetzort ich bin. Ich habe versucht, mich auf den Abend meiner Ankunft zu besinnen, als Gawyn mich hierher brachte, aber diese ganze Nacht ist hoffnungslos verwirrt, und manches von dem, an das ich mich erinnere, ist nicht wirklich geschehen. Ich erinnere mich an ein weißes Pferd mit Glöckchen am Zaumzeug, und die Glöckchen spielten Weihnachtsweisen, wie das Glockenspiel im Garfax-Turm.
Der 15. Dezember bedeutet, daß dort Weihnachtsabend ist, und daß Sie Ihren Sherry-Empfang geben und dann zum ökumenischen Gottesdienst nach St. Mary hinübergehen werden. Es ist schwer zu begreifen, daß Sie mehr als siebenhundert Jahre entfernt sind. Immer wieder habe ich das Gefühl, daß ich, wenn ich vom Bett aufstünde (was ich nicht kann, weil mir noch immer zu schwindlig ist — ich fürchte, mein Fieber ist wieder gestiegen) und die Tür öffnete, keine Holztreppe vorfinden würde, die in eine mittelalterliche Diele hinabführt, sondern das Laboratorium im Brasenose College, wo Sie alle auf mich warten, Badri und Dr. Ahrens und Sie, Mr. Dunworthy, der seine Brillengläser putzt und sagt: Habe ich es nicht gleich gesagt? Ich wünschte, es wäre so.
12
Frau Imeyne glaubte Kivrins Geschichte vom erlittenen Gedächtnisverlust nicht. Als Agnes ihren Hund brachte, der sich als ein kleiner schwarzer Welpe mit großen Füßen entpuppte, sagte sie: »Das ist mein Hund, Kivrin.« Sie hielt ihn mit beiden Händen um die Mitte und streckte ihn Kivrin hin. »Du darfst ihn streicheln. Erinnerst du dich, wie?«
»Ja«, sagte Kivrin, nahm den Welpen aus Agnes’ zu festem Griff und streichelte das weiche Fell. »Solltest du nicht bei deiner Näharbeit sein?«
Agnes nahm den Hund wieder an sich. »Großmutter ist gegangen, mit dem Verwalter zu schelten, und Maisry ist im Stall.« Sie drehte den Welpen herum, um ihm einen Kuß zu geben. »Also kam ich zu dir. Großmutter ist sehr böse. Der Verwalter und seine ganze Familie wohnten in der Diele, als wir herkamen.« Sie gab dem Welpen einen weiteren Kuß. »Großmutter sagt, seine Frau verlockt ihn, zu sündigen.«
Großmutter. Agnes hatte bestimmt nicht »Großmutter« gesagt. Das Wort kam erst um die Wende zum 15. Jahrhundert auf, aber der Dolmetscher machte jetzt große, verwirrende Sprünge, obwohl er Agnes’ falsche Aussprache von Katherine unverändert ließ und manchmal Worte nicht übersetzte, deren Bedeutung sich aus dem Zusammenhang zweifelsfrei ergeben sollte.
»Bist du eine Brecherin, Kivrin?« fragte Agnes.
»Eine was?«
»Eine Brecherin«, sagte Agnes. Der Welpe versuchte verzweifelt, sich ihrem festen Griff zu entwinden. »Großmutter sagt, du bist eine. Sie sagt, eine Frau, die zu ihrem Liebhaber flieht, würde guten Grund haben, sich an nichts zu erinnern.«
Eine Ehebrecherin! Nun, das war jedenfalls besser als eine französische Spionin. Oder Frau Imeyne hielt sie für beides.
Agnes küßte das Hündchen wieder. »Großmutter sagt, eine Frau hat keinen Grund, im Winter über Land zu reisen.«
Sie hatten beide recht, dachte Kivrin, Frau Imeyne und Mr. Dunworthy. Sie hatte noch immer nicht herausgefunden, wo der Absetzort war, obwohl sie gebeten hatte, mit Gawyn zu sprechen, als Eliwys am Morgen gekommen war, ihre Schläfe mit warmem Wasser zu betupfen.
»Er ist ausgeritten, die Wegelagerer zu suchen, die dich beraubten«, hatte Eliwys gesagt, während sie Kivrins gesäuberte Schläfe mit einer Salbe bestrichen hatte, die nach Knoblauch roch und brannte. »Erinnerst du dich an nichts von ihnen?«
Kivrin hatte den Kopf geschüttelt und gehofft, daß ihre vorgespiegelte Amnesie nicht zur Erhängung irgendeines armen Bauern führen würde. Sie konnte schwerlich sagen: »Nein, das ist nicht der Mann«, wenn sie sich angeblich an nichts erinnern konnte.
Vielleicht hätte sie das nicht sagen sollen. Die Wahrscheinlichkeit, daß diese Leute die de Beauvrier kannten, war sehr gering, und daß sie eine Erklärung schuldig geblieben war, hatte Imeyne offensichtlich noch mißtrauischer gegen sie gemacht.
Agnes versuchte dem jungen Hund ihre Kappe aufzusetzen. »Im Wald gibt es Wölfe«, sagte sie. »Gawyn erschlug einen mit der Axt.«
»Hat Gawyn dir erzählt, wie er mich fand, Agnes?« fragte Kivrin.
»Ja. Blackie mag meine Kappe tragen«, sagte sie und schnürte die Bänder zu einem würgenden Knoten.
»Dann würde er nicht so zappeln«, sagte Kivrin. »Wo hat Gawyn mich gefunden?«
»Im Wald«, sagte Agnes. Der Welpe befreite sich von der Kappe und fiel beinahe vom Bett. Sie setzte ihn mitten auf die Bettdecke und hob ihn bei den Vorderpfoten. »Blackie kann tanzen.«
»Laß mich halten«, sagte Kivrin, um das arme Tier zu retten. Sie nahm es behutsam in die Arme. »Wo im Wald hat Gawyn mich gefunden?«
Agnes stellte sich auf die Zehenspitzen, um den Welpen zu sehen. »Blackie schläft«, flüsterte sie.
Tatsächlich schlief der Welpe, erschöpft von Agnes’ Aufmerksamkeiten. Kivrin legte ihn neben sich auf das Fell der Bettdecke. »War der Ort, wo er mich fand, weit von hier?«
Agnes bejahte, aber Kivrin merkte, daß sie keine Ahnung hatte.
So hatte es keinen Sinn. Agnes wußte offensichtlich nichts Genaueres. Kivrin würde mit Gawyn selbst sprechen müssen. »Ist Gawyn zurückgekommen?«