Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
»Kannst du gehen?« fragte Rosemund. Sie gab schon unter Kivrins Gewicht nach. »Sollen wir das Pferd bringen?«
»Nein, danke«, sagte Kivrin. Irgendwie konnte sie die Vorstellung nicht ertragen, daß sie wie eine eingefangene Ausreißerin auf einem mit Schellen behängten Pferd zurückgebracht würde. »Nein«, wiederholte sie. »Ich kann gehen.«
Da sie in der Hütte ausgeruht hatte, brachte sie das erste Stück des Weges noch relativ gut hinter sich, doch bald waren ihre Kräfte erschöpft, und sie mußte sich schwer auf Rosemund und Maisrys schmutzigen Arm stützen, und es ging langsam voran. Vorbei an den Hütten und dem Haus des Verwalters und in den Hof. Auf dem Kopfsteinpflaster vor der Scheune lag der ausgegrabene Wurzelstock einer großen Esche; auf ihren verschlungenen Wurzeln sammelten sich die Schneeflocken.
Imeyne gab Maisry ein Zeichen, die schwere hölzerne Tür zu öffnen. »Sie wird sich mit ihrer Unvernunft den Tod geholt haben«, sagte sie. »Nun wird sie ohne Zweifel einen Rückfall erleiden.«
Es begann ernstlich zu schneien. Maisry öffnete die Tür. Sie hatte einen Fallriegel wie die kleine Tür am Rattenkäfig. Ich hätte sie freilassen sollen, dachte Kivrin, Geißel oder nicht. Ich hätte ihr die Freiheit geben sollen.
Maisry kam auf Imeynes Geheiß zurück, um Kivrin beim Arm zu nehmen, aber Kivrin schüttelte den Kopf und ging allein und ohne Hilfe durch die Tür und in die Dunkelheit des Hauses.
18. Dezember 1320 (alter Zeitrechnung). Ich glaube, ich habe Lungenentzündung. Ich versuchte hinauszugehen und den Absetzort zu finden, aber ich schaffte es nicht und habe eine Art Rückfall erlitten. Bei jedem Atemzug meldet sich ein stechender Schmerz unter meinen Rippen, und wenn ich huste, was beinahe ständig der Fall ist, habe ich das Gefühl, alles in mir müsse in Stücke gehen. Als ich vor einer Weile im Bett aufsitzen wollte, war ich augenblicklich in Schweiß gebadet, und nach meinem Eindruck ist auch das Fieber wieder gestiegen. Dies alles sind Symptome, die nach Dr. Ahrens auf Lungenentzündung hindeuten.
Eliwys ist noch nicht zurückgekommen. Ihre Schwiegermutter hat einen fürchterlich riechenden Breiumschlag um meine Brust gemacht und dann nach der Frau des Verwalters geschickt. Ich dachte, sie wolle sie ausschelten, weil sie mit ihrer Familie das Herrenhaus usurpiert habe, doch als die Verwaltersfrau kam, ihren sechs Monate alten Säugling im Arm, erklärte Imeyne ihr: »Die Wunde hat ihr das Lungenfieber gebracht«, und die Verwaltersfrau schaute sich meine Schläfe an und ging dann hinaus und kam ohne den Säugling und mit einer Schale bitter schmeckenden Tees zurück. Es mußte Weidenborke oder was darin gewesen sein, denn mein Fieber ist zurückgegangen, und der stechende Schmerz beim Einatmen hat etwas nachgelassen.
Die Frau des Verwalters ist dünn und klein, mit einem schmalen, scharfgeschnittenem Gesicht und aschblondem Haar. Frau Imeyne hat wahrscheinlich recht darin, daß sie diejenige sei, die den Verwalter »zur Sünde« verleite. Sie kam in einem pelzbesetzten Mantel mit so langen Ärmeln, daß sie fast am Boden schleiften, und der Säugling war in eine fein gewebte Wolldecke gewickelt, und sie spricht mit einem seltsam verschliffenen Akzent, der wohl ein Versuch ist, Frau Imeynes Sprache nachzuahmen.
Die embryonale Mittelschicht, wie Mr. Latimer sagen würde, neureich und in Erwartung ihrer Chance, die sie in dreißig Jahren bekommen wird, wenn der Schwarze Tod zuschlägt und ein Drittel des Adels auslöscht.
»Ist das die Frau, die im Wald gefunden wurde?« fragte sie Imeyne, als sie hereinkam, und es war keine »scheinbare Bescheidenheit« in ihrem Verhalten. Sie lächelte Imeyne zu, als ob sie alte Freundinnen wären, und kam herüber zum Bett.
»Ja«, sagte Frau Imeyne und brachte es fertig, Ungeduld, Geringschätzung und Widerwillen in einer einzigen Silbe unterzubringen.
Die Frau des Verwalters war blind gegen solche Feinheiten. Sie trat ans Bett und wich dann zurück: die erste Person, die durch ihr Verhalten zu erkennen gab, daß sie an mögliche Ansteckungsgefahr dachte. »Hat sie das… Fieber?« Der Dolmetscher fing das Wort nicht auf, und ich konnte es wegen ihres eigentümlichen Akzents auch nicht verstehen. Florentiner?
»Sie hat eine Kopfverletzung«, sagte Imeyne in scharfem Ton. »Davon hat sie das Lungenfieber bekommen.«
Die andere nickte. »Pater Roche erzählte uns, wie er und Gawyn sie im Wald fanden.«
Imeynes Haltung versteifte sich bei diesem beiläufig-familiären Gebrauch von Gawyns Namen, und diesmal entging es der Frau des Verwalters nicht und sie eilte hinaus, um den Absud von Weidenborke zu bereiten. Sie deutete sogar eine schnelle Verbeugung an, als sie hinausging.
Nachdem Imeyne gegangen war, kam Rosemund und setzte sich zu mir. Ich glaube, sie wurde beauftragt, achtzugeben, daß ich nicht wieder zu entwischen versuche. Ich fragte sie, ob es wahr sei, daß Pater Roche dabei war, als Gawyn mich fand.
Sie schüttelte den Kopf. »Gawyn traf Pater Roche auf der Straße, als er dich herbrachte, und ließ dich in seiner Obhut, um den Wegelagerern nachzusetzen, aber er fand nichts von ihnen, und sie brachten dich hierher. Du brauchst dich nicht darum zu sorgen. Gawyn hat deine Sachen hierher geschafft.«
Ich erinnere mich nicht, daß Pater Roche da war, außer an meinem Krankenbett, aber wenn es wahr ist und Gawyn ihm nicht allzuweit vom Absetzort begegnete, weiß er vielleicht, wo es ist.
Ich habe über Imeynes Bemerkung nachgedacht, daß meine Kopfwunde zum Lungenfieber geführt habe. Sie sehen meine Schwäche und mein Fieber als unmittelbare Folgen der Kopfverletzung und nicht als Zeichen einer Krankheit. Sie lassen die Mädchen die ganze Zeit ins Krankenzimmer, und niemand scheint die geringste Furcht vor Ansteckung zu haben, ausgenommen die Frau des Verwalters, und als Imeyne ihr erzählte, ich habe »Lungenfieber«, kam sie ohne zu zögern an mein Bett.
Offensichtlich aber sorgte sie sich, daß mein Zustand ansteckend sei, und als ich Rosemund fragte, warum sie ihre Mutter nicht zu dem kranken Häusler begleitet habe, sagte sie, als sei es selbstverständlich: »Sie erlaubte es mir nicht. Der Häusler ist krank.«
Daraus schließe ich, daß sie in meinem Zustand keine Krankheit erkennen. Ich hatte keine offensichtlichen Symptome wie Pocken oder Hautausschlag, und meine Verletzungen mochten ihnen eine ausreichende Erklärung für Fieber und Delirium sein. Wundinfektionen sind nicht selten, ebensowenig wie Fälle von Blutvergiftung. Es gibt keinen vernünftigen Grund, die kleinen Mädchen von einer verletzten Person fernzuhalten.
Und niemand von ihnen wurde angesteckt. Es müssen jetzt fünf Tage sein, daß ich krank bin, und wenn es ein Virus ist, sollte die Inkubationszeit nur zwölf bis achtundvierzig Stunden betragen. Dr. Ahrens sagte mir, die größte Ansteckungsgefahr bestehe, bevor Symptome auftreten, also war ich vielleicht nicht mehr so ansteckend, als die kleinen Mädchen anfingen, mich zu besuchen. Oder vielleicht ist dies eine Krankheit, die sie alle schon gehabt haben und gegen die sie immun sind. Die Frau des Verwalters fragte, ob ich das »Florentiner(?) Fieber« habe, und Mr. Gilchrist ist auf Grund seiner Forschungen überzeugt, daß es 1320 eine Influenzaepidemie gab. Vielleicht ist sie es, die mich erwischt hat.
Es ist Nachmittag. Rosemund sitzt auf der Steinbank unter dem Fenster und näht ein Stück Leinen mit dunkelroter Wolle, und Blackie schläft neben mir. Ich habe überlegt, wie recht Sie hatten, Mr. Dunworthy. Ich war überhaupt nicht vorbereitet, und alles ist ganz anders, als ich erwartet hatte. Aber Sie irrten mit Ihrer Prophezeiung, daß es nicht wie ein Märchen sei.
Wohin ich auch blicke, überall sehe ich Dinge aus Märchengeschichten. Agnes’ roter Umhang und die Haube, und den Rattenkäfig, und Holzschalen mit Haferbrei, und die strohgedeckten Hütten des Dorfes, die aussehen, als könnte man sie umblasen.