Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
Und da war das Dorf. Und die Kirche, am anderen Ende des Angers, geradeso wie Kivrin sie in Erinnerung hatte, und dahinter lag die Anhöhe, die sie heruntergekommen waren.
Der Dorfanger sah nicht sehr eindrucksvoll aus. Er war eine unregelmäßige Grünfläche zwischen den Hütten der Dorfbewohner auf seiner Seite und dem mit Erlen und Kopfweiden bestandenen Bachufer auf der anderen. Eine Kuh weidete ab, was an Gras übrig geblieben war, und ein Stück weiter war eine Ziege an eine große, winterkahle Eiche gebunden. Die Hütten zogen sich in unregelmäßiger Reihe längs der Dorfstraße zwischen Heuschobern und Misthaufen hin und wurden kleiner und formloser, je weiter sie vom Herrenhaus entfernt waren, aber selbst die ihm nächste Hütte, in welcher der Verwalter hausen mußte, war nichts als eine elende Kate mit fauligem Strohdach und Wänden aus lehmverschmiertem Flechtwerk. Sie war kleiner und schmutziger und heruntergekommener als die neuzeitlichen Abbildungen und Rekonstruktionen. Nur die Kirche sah aus, wie sie sein sollte.
Der Glockenturm stand getrennt von ihr zwischen dem Friedhof und dem Dorfanger. Er war offensichtlich später errichtet worden als die Kirche mit ihren romanischen Rundbogenfenstern und grauen Steinquadern. Der Kirchturm war hoch und rund, und sein Mauerwerk aus gelblicherem Stein, beinahe golden.
Ein Karrenweg, nicht breiter als jener, der am Absetzort vorüberführte, verließ jenseits von Kirchturm und Friedhof das Dorf und zog sich hangaufwärts in den Wald hinein.
Das ist der Weg, den wir gekommen sind, dachte Kivrin, und schickte sich an, den Dorfanger zu überqueren, aber sobald sie aus dem Schutz der Bäume und Gebäude auf die freie Fläche kam, fiel sie der Wind an. Er fuhr durch ihren Umhang, als ob er nichts wäre, und schien sich in ihre Brust zu bohren. Sie zog den Umhang fest um sich, hielt ihn mit der flachen Hand gegen die Brust und ging langsam weiter.
Irgendwo im Südwesten begann wieder die Glocke zu läuten. Was es bedeutete, blieb ihr verborgen. Eliwys und Imeyne hatten darüber gesprochen, aber das war geschehen, bevor sie verstehen konnte, was die Einheimischen sagten, und als sie gestern wieder geläutet hatte, war Eliwys nicht einmal anzumerken gewesen, daß sie es gehört hatte. Vielleicht hatte es mit der Adventszeit zu tun. Am Weihnachtsabend sollten die Glocken während der Abenddämmerung läuten, und dann noch einmal eine Stunde vor Mitternacht. Vielleicht läuteten sie während der Adventszeit auch noch zu anderen Zeiten.
Der Weg war aufgeweicht und ausgefahren. Kivrins Brust begann zu schmerzen, aber sie drückte ihre Hand fester dagegen und ging weiter, so schnell sie konnte. Weit draußen, jenseits der Felder, konnte sie Bewegung ausmachen. Das mußten die Bauern sein, die mit dem Julblock zurückkamen oder die Tiere von der Weide heimtrieben. Sie konnte nichts Genaueres erkennen. Es war dunstig und es sah aus, als schneite es dort draußen bereits. Sie mußte sich beeilen.
Der Wind schlug ihr den Umhang um die Beine und fegte totes Laub vorüber. Die Kuh wanderte mit gesenktem Kopf über den Dorfanger in den Schutz der Hütten, wo sie ihren Stallverschlag haben mochte. Die Hütten sahen so niedrig aus, daß ein Erwachsener wahrscheinlich nur unter dem Firstbalken aufrecht stehen konnte, und die dürftig verschmierten Flechtwände unter den schadhaften Strohdächern konnten den Wind sicherlich nicht abhalten.
Die Glocke läutete weiter, langsam und gleichmäßig, und Kivrin merkte, daß sie ihren Schritt unwillkürlich dem Rhythmus der Glockenschläge angepaßt hatte. Sie sollte sich lieber beeilen. Jede Minute konnte es anfangen zu schneien. Aber wenn sie schneller ging, wurde der Schmerz in ihrer Brust so stechend, daß sie husten mußte. Und der Husten war so hart, daß sie wieder stehenbleiben und sich krümmen mußte.
Sie würde es nicht schaffen. Sei nicht albern, sagte sie sich, du mußt den Absetzort finden. Nein, du bist krank. Du mußt zurück und ins Bett. Geh bis zur Kirche, dann kannst du drinnen eine Weile ausruhen.
Sie ging mit einer Willensanstrengung weiter, versuchte den Husten zu unterdrücken, doch ohne Erfolg. Sie bekam keine Luft. Sie konnte es nicht bis zur Kirche schaffen, geschweige denn bis zum Absetzort. Du mußt, du mußt, hämmerte sie sich ein, um den Schmerz zurückzudrängen. Du mußt den Willen haben, es zu schaffen.
Wieder blieb sie stehen, beugte sich gegen den Schmerz vornüber. Sie war in Sorge gewesen, daß ein Bauer aus einer der Hütten kommen würde, aber nun wünschte sie sich, daß irgendwer kommen und ihr zum Herrenhaus zurückhelfen würde. Aber mit Wünschen war nichts getan. Niemand war im Dorf, alle waren in diesem eiskalten Wind draußen, brachten den Julblock ins Dorf und holten das Vieh von den Weiden. Sie blickte hinaus zu den Feldern. Die fernen Gestalten, die sie dort undeutlich gesehen hatte, waren verschwunden.
Sie erreichte die letzte Hütte in der Reihe. Weiter voraus standen scheinbar willkürlich verstreut windschiefe Hütten und Verschläge, in denen sicherlich niemand lebte. Es mußten Heuhütten, Kuhställe oder Schweinekoben sein, und auf der anderen Seite des Fahrweges, nicht mehr weit, erhob sich die Kirche. Wenn ich langsam gehe, dachte sie, schaffe ich es vielleicht, und sie setzte ihren Weg fort. Bei jedem Schritt gingen ihr die Stiche durch und durch. Sie machte halt, ein wenig wankend, und wehrte sich gegen die Vorstellung, ohnmächtig zu werden. Niemand wußte, wo sie war.
Sie wandte sich um und blickte zurück zum Gutshof. Wie sie sich fühlte, würde sie nicht einmal zurückgehen können. Sie mußte sich niedersetzen und rasten, doch überall war es naß, aufgeweicht und schmutzig. Eliwys kümmerte sich um einen kranken Häusler, Imeyne und die Mädchen und das ganze Dorf waren draußen und fällten den Julblock. Niemand wußte, wo sie war.
Der Wind nahm noch zu und kam jetzt nicht in Stößen, sondern in einem gleichmäßigen Blasen, das über die Felder heranfegte und die kahlen Äste der Bäume schüttelte. Kivrin begriff, daß ihr nichts übrig blieb als umzukehren, aber wie sollte sie es schaffen? Selbst das Stehen war jetzt eine zu große Anstrengung. Wenn es irgendwo eine Gelegenheit gäbe, würde sie sich setzen, aber zwischen dem Wegrand und den schiefen Flechtzäunen und zerrauften Hecken, hinter denen sich die Hütten duckten, gab es nur Schlamm und Wasserlachen. Sie würde in die Hütte gehen müssen.
Sie war von einem wackligen Flechtzaun umgeben, der ihr kaum bis zur Hüfte reichte und keine Katze ferngehalten hätte, nicht zu reden von den Kühen, Ziegen und Schafen, deren Eindringen er verhindern sollte. Nur das Tor hatte höhere Pfosten, und Kivrin lehnte sich gegen einen von ihnen. »Hallo!« rief sie. »Ist jemand da?«
Der Eingang zur Hütte war nur ein paar Schritte vom Tor entfernt, und die Hüttenwände konnten nicht schalldicht sein. Sie waren nicht einmal winddicht. Kivrin sah ein Loch, wo der Bewurf aus Lehm und kleingehacktem Stroh sich vom Flechtwerk darunter gelöst hatte und herabgefallen war. Sicherlich konnte man sie hören. Sie hob die Lederschlaufe, die das Tor zuhielt, ging hinein und klopfte an die niedrige Tür.
Keine Antwort, und sie hatte keine erwartet. »Ist jemand daheim?« rief sie, ohne zu horchen, wie der Dolmetscher es übersetzte, und versuchte den hölzernen Stangenriegel zu heben, der vorgelegt war. Er war zu schwer. Sie versuchte ihn seitwärts zu verschieben, doch auch das war nicht möglich. Die Hütte sah aus, als könnte sie keinem Sturm länger als eine Minute standhalten, und sie brachte die Tür nicht auf. Sie würde Mr. Dunworthy sagen müssen, daß mittelalterliche Bauernhütten nicht so gebrechlich waren, wie sie aussahen. Sie lehnte sich an die Tür, hielt den Umhang vor der Brust zusammen und verschnaufte. Wenigstens stand sie hier halbwegs windgeschützt.