Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jamie schloss den Mund und kniff mehrmals nacheinander die Augen zu.
»Es ist … äh … rot, nicht wahr?«, stellte er fest.
»Das kann man wohl sagen.« Sang-du-Christ, um genau zu sein. Christi Blut, die modischste Farbe der Saison, so hatte man es mir zumindest zu verstehen gegeben.
»Nicht jede Frau könnte sie tragen, Madame«, hatte die Näherin verkündet, klar und deutlich, obwohl sie den Mund voller Stecknadeln hatte. »Aber Ihr, mit dieser Haut! Mutter Gottes, die Männer werden Euch den ganzen Abend unter den Röcken herumkriechen!«
»Wenn es einer versucht, trete ich ihm auf die Finger«, sagte ich. Das war schließlich ganz und gar nicht die beabsichtigte Wirkung. Doch ich wollte auf jeden Fall nicht zu übersehen sein. Jamie hatte mich gedrängt, mir etwas anfertigen zu lassen, womit ich aus der Menge herausstechen würde. Trotz seiner frühmorgendlichen Umnebelung hatte sich der König offensichtlich an sein Erscheinen beim Lever erinnert, und wir waren zu einem Ball in Versailles eingeladen worden.
»Ich brauche das Gehör der Männer mit dem Geld«, hatte Jamie gesagt, als wir gemeinsam einen Plan schmiedeten. »Und da ich selbst weder besonders gut gestellt bin noch Einfluss habe, muss ich das bewerkstelligen, indem ich sie dazu bewege, meine Gesellschaft zu suchen.« Er seufzte tief und sah mich an, zu diesem Zeitpunkt noch ganz und gar unglamourös in meinen wollenen Morgenmantel gehüllt.
»Und ich fürchte, in Paris bedeutet das, dass wir uns in der Gesellschaft blicken lassen müssen; bei Hofe erscheinen, wenn es sich bewerkstelligen lässt. Sie werden ja wissen, dass ich Schotte bin; also werden mich die Leute selbstverständlich nach Prinz Charles fragen und danach, ob Schottland auf die Rückkehr der Stuarts brennt. Dann kann ich ihnen diskret versichern, dass die meisten Schotten dafür bezahlen würden, die Stuarts nicht zurückzubekommen – obwohl es mir etwas gegen den Strich geht, das zu sagen.«
»Ja, das machst du am besten diskret«, pflichtete ich ihm bei. »Sonst hetzt der Bonnie Prince bei deinem nächsten Besuch die Hunde auf dich.« Da er über Charles’ Aktivitäten im Bilde sein wollte, stattete Jamie dem kleinen Haus am Montmartre wöchentliche Pflichtbesuche ab.
Jamie lächelte flüchtig. »Aye, nun ja, was Seine Hoheit und seine jakobitischen Anhänger betrifft, bin ich den Stuarts treu ergeben. Und solange Charles Stuart nicht bei Hofe empfangen wird, ich aber schon, stehen die Chancen, dass er herausfindet, was ich sage, nicht besonders. Die Jakobiten in Paris bleiben in der Regel unter sich, schon deshalb, weil sie gar kein Geld haben, um in den angesagten Kreisen zu erscheinen. Wir haben es aber, Jared sei Dank.«
Jared hatte – aus völlig anderen Gründen – Jamies Vorschlag zugestimmt, dass wir Jareds übliche geschäftliche Einladungen ausweiteten, und so rannten uns der französische Adel und die Oberhäupter der reichen Bankiersfamilien die Tür ein, um sich von Rheinwein, interessanten Gesprächen und guter Gesellschaft betören zu lassen – und großen Mengen des schottischen Whiskys, den Murtagh im Lauf der letzten beiden Wochen über die Nordsee geholt und über Land in unsere Keller transportiert hatte.
»Sie lassen sich von allem anziehen, was sie unterhaltsam finden«, hatte Jamie gesagt, während er sich auf der Rückseite eines Flugblatts mit einem Gedicht über die skurrile Affäre des Comte de Sévigny mit der Frau des Landwirtschaftsministers Notizen machte. »Der Adel interessiert sich nur für Äußerlichkeiten. Also müssen wir ihnen zuallererst etwas Interessantes für die Augen bieten.«
Der verdatterten Miene nach, die er jetzt trug, machte ich da einen guten Anfang. Ich stolzierte ein wenig vor ihm her und ließ den gewaltigen Überrock schwingen wie eine Glocke.
»Nicht schlecht, oder?«, fragte ich. »Jedenfalls ist es nicht zu übersehen.«
Endlich fand er die Stimme wieder.
»Nicht zu übersehen?«, krächzte er. »Nicht zu übersehen? Gott, ich kann jeden Zentimeter deines Körpers sehen, bis hinunter zur dritten Rippe!«
Ich blickte an mir hinunter.
»Nein, das kannst du nicht. Das bin nicht ich unter der Spitze, es ist ein Futter aus weißer Charmeuse.«
»Aye, nun ja, es sieht aber aus wie du!« Er kam näher und beugte sich vor, um das Mieder des Kleides zu inspizieren.
»Himmel, ich kann ja bis zu deinem Nabel sehen! Du hast doch wohl nicht vor, dich so in die Öffentlichkeit zu begeben!«
Das ging mir jetzt aber doch gegen den Strich. Die Freizügigkeit des fertigen Kleides hatte mich durchaus selbst ein bisschen nervös gemacht, trotz der modischen Skizzen, die die Schneiderin mir vorher gezeigt hatte. Aber Jamies Reaktion drängte mich in die Defensive, und das machte mich rebellisch.
»Du hast mir gesagt, ich soll auffallen«, rief ich ihm ins Gedächtnis. »Und das ist gar nichts, verglichen mit der neuesten Mode bei Hofe. Glaube mir, im Vergleich mit Madame de Pérignon und der Duchesse de Rouen werde ich der Anstand in Person sein.« Ich stemmte die Hände in die Hüften und betrachtete ihn kalt. »Oder hättest du gern, dass ich in meinem grünen Samtkleid bei Hofe erscheine?«
Jamie wandte den Blick von meinem Dekolleté ab und spannte die Lippen an.
»Mmpfm«, sagte er, und seine Miene hätte nicht schottischer sein können.
Um ihn versöhnlich zu stimmen, trat ich näher an ihn heran und legte ihm meine Hand auf den Arm.
»Komm schon«, sagte ich. »Du bist schon bei Hofe gewesen; du weißt doch, wie sich die Damen dort kleiden. Du weißt, dass dieses Kleid im Vergleich nicht furchtbar extrem ist.«
Er sah mich an und lächelte etwas verschämt.
»Aye«, sagte er. »Aye, das stimmt. Es ist nur … nun ja, du bist meine Frau, Sassenach. Ich möchte nicht, dass dich andere Männer so ansehen, wie ich diese Damen angesehen habe.«
Lachend legte ich ihm die Hände um den Nacken und zog ihn zu mir herunter, um ihn zu küssen. Er hielt mich um die Taille gefasst, und seine Daumen strichen unbewusst über die weiche rote Seide, die meinen Oberkörper umhüllte wie eine zweite Haut. Seine Berührung wanderte über den glatten Stoff bis zu meinem Nacken hinauf. Seine andere Hand umfasste die Rundung meiner Brust, die sich über den einengenden Griff des Korsetts hinweg erhob, verführerisch frei unter einer einfachen Lage aus Seide. Schließlich ließ er los und richtete sich mit einem skeptischen Kopfschütteln auf.
»Du wirst es wohl tragen müssen, Sassenach, aber sei um Himmels willen vorsichtig.«
»Vorsichtig? Inwiefern?«
Sein Mund verzog sich zu einem reumütigen Lächeln.
»Gott, Frau, hast du denn gar keine Ahnung, wie du in diesem Kleid aussiehst? Ich könnte dich auf der Stelle vergewaltigen. Und diese verdammten Froschfresser sind nicht so beherrscht wie ich.« Er runzelte sacht die Stirn. »Du könntest es nicht … oben ein bisschen verdecken?« Seine Hand winkte vage in die Richtung seines Rüschenkragens, der mit einer Rubinnadel festgeheftet war. »Etwas … Spitze oder so? Ein Taschentuch?«
»Männer«, sagte ich zu ihm, »haben keine Ahnung von Mode. Aber keine Sorge. Die Schneiderin sagt, dazu ist der Fächer da.« Ich öffnete den passenden, spitzenbesetzten Fächer mit einer Handbewegung, deren Perfektionierung ich fünfzehn Minuten lang geübt hatte, und ließ ihn verführerisch über meinem Busen flattern.
Jamie blinzelte meditativ, dann wandte er sich ab, um meinen Umhang vom Schrank zu nehmen.
»Tu mir einen Gefallen, Sassenach«, sagte er und legte mir den schweren Samt um die Schultern. »Nimm einen größeren Fächer.«
Was mein Ziel betraf, Aufmerksamkeit zu erregen, war das Kleid ein voller Erfolg. Was Jamies Blutdruck betraf, so war die Wirkung deutlich zweifelhafter.
Er hielt sich schützend an meiner Seite und warf jedem männlichen Wesen, das den Kopf in meine Richtung wandte, finstere Blicke zu, bis Annalise de Marillac, die uns vom anderen Ende des Saals her erspähte, auf uns zugeschwebt kam, ein herzliches Lächeln in ihrem zarten Gesicht. Ich spürte, wie mein eigenes Lächeln erstarrte. Annalise de Marillac war eine »Bekannte« – so sagte Jamie – aus der Zeit seines ersten Aufenthalts in Paris. Außerdem war sie wunderschön, bezaubernd und hinreißend winzig.