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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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»Tun Sie es.«

Die Läden wurden zugemacht, die Vorhänge zugezogen, und wir zündeten Kerzen an.

»Halten Sie ein Frühstück und ein Mittagessen bereit, John«, sagte der Doktor, »wir wollen nicht zu bestimmten Stunden bedient sein, sondern nur dann, wenn ich rufen werde.«

»Sie hören, John«, sagte der Kranke.

»Ja, Herr.«

»Dann geben Sie uns Karten, Würfel, Dominos, und lassen Sie uns allein.«

John brachte die verlangten Gegenstände und entfernte sich.

Der Doktor begann damit, den Kranken nach Kräften zu zerstreuen, indem er bald plauderte, bald mit ihm spielte; dann, als er Hunger hatte, läutete er.

John brachte das Frühstück.

Nach dem Frühstück begann das Spiel wieder und wurde später durch ein neues Läuten des Doktors unterbrochen.

John brachte das Mittagessen. Sie aßen und tranken, nahmen Kaffee und spielten weiter. So für sich gelassen, erschien ihnen der Tag lang. Der Arzt glaubte, daß die verhängnisvolle Stunde vorüber sein müßte.

»Nun denn!« Er stand auf. »Viktoria.«

»Wie, Viktoria?« fragte der Kranke.

»Es muß zweifellos zum mindesten acht bis neun Uhr sein, und das Skelett ist nicht gekommen.«

»Sehen Sie nach Ihrer Uhr, Doktor, und wenn die Stunde vorüber ist, so werde ich wie Sie Viktoria rufen.«

Der Doktor sah nach seiner Uhr, sagte aber nichts.

»Sie hatten sich geirrt, nicht wahr, Doktor?« sagte der Kranke. »Es ist gerade sechs Uhr.«

»Ja.«

»Nun, da tritt auch das Skelett ein.«

Und der Kranke warf sich mit einem tiefen Seufzer zurück.

Der Arzt blickte nach allen Seiten.

»Wo sehen Sie es denn?« fragte er.

»An seinem gewöhnlichen Platz, hinter meinem Bett, zwischen den Vorhängen.«

Der Doktor stand auf, zog das Bett vor, ging hinter dasselbe und nahm zwischen den Vorhängen den Platz ein, den das Skelett einnehmen sollte.

»Und jetzt«, sagte er, »sehen Sie es immer noch?«

»Ich sehe nicht mehr den unteren Teil seines Körpers, da der Ihre es mir verbirgt, aber ich sehe seinen Schädel. Über Ihrer rechten Schulter. Es ist, als ob Sie zwei Köpfe hätten, einen lebenden und einen toten.«

So ungläubig der Arzt auch war, er schauderte doch unwillkürlich. Er wandte sich um, aber er sah nichts.

»Mein Freund«, sagte er traurig, indem er zu dem Kranken zurückkehrte, »wenn Sie noch kein Testament gemacht haben, so beeilen Sie sich.« Und er entfernte sich.

Als John neun Tage später in das Zimmer seines Herrn trat, fand er ihn tot in seinem Bett.

Es waren genau drei Monate seit der Hinrichtung des Räubers vergangen …

Spuk im Klub von H. G. Wells

Herbert George Wells (1866-1946) war ein außerordentlich produktiver Autor, der sich in erster Linie als Reformer und Zeitkritiker verstand. Seine ersten Romane, naturwissenschaftliche Phantasien in der Art Jules Vernes, gehören längst in das Repertoire der klassischen Science Fiction-Literatur, so »Die Zeitmaschine« (1895) oder »Krieg der Welten« (1898). Manche seiner damals bahnbrechenden Ideen sind heute Allgemeingut geworden. Daß H. G. Wells auch Spukgeschichten geschrieben hat, mag zwar bei einem so fortschrittlichen, aufklärerischen Geist befremden, nimmt aber kaum noch wunder, wenn man sich die Tatsache vor Augen hält, daß er Engländer war.

Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie Clayton seine letzte Geschichte erzählte. Da saß er, am Schauplatz der Geschichte selbst, in einem Sessel neben dem offenen Kamin. Neben ihm Sanderson, die unvermeidliche Pfeife zwischen den Zähnen. Auch Evans war da und Wish, dieser großartige Schauspieler und bescheidene Mensch. Wir alle waren an diesem Sonnabend vormittags zum Golfspielen in den Mermaid Club gekommen – außer Clayton, der hier übernachtet hatte, was den Anlaß zu seiner Geschichte gab. Wir hatten bis zum Einbruch der Dämmerung Golf gespielt, dann gegessen. Und nun befanden wir uns in jener angeregten Stimmung, in der man seiner Phantasie gern freien Lauf läßt.

Als Clayton zu erzählen begann, waren wir natürlich fest überzeugt, daß er log. Vielleicht log er wirklich – das mag der Leser selbst entscheiden. Zwar schilderte er sein Erlebnis ernsthaft und überzeugend, wie man eine wahre Begebenheit berichtet; aber wir hielten das nur für den Kunstgriff eines guten Erzählers.

»Wißt ihr eigentlich, daß ich letzte Nacht allein hier war?« bemerkte er nach einer langen Gesprächspause, in der wir alle den Funkenflug im Kamin beobachtet hatten.

»Außer der Dienerschaft«, berichtigte Wish.

»Die schläft im anderen Flügel«, sagte Clayton. »Tja …« Er zog eine Weile an seiner Zigarre, als zögerte er immer noch, ob er sich uns anvertrauen solle. Und schließlich sagte er ruhig: »Ich habe ein Gespenst gefangen.«

»So, ein Gespenst?« meinte Sanderson unbeeindruckt. »Wo ist es?«

Und Evans, der Clayton bewunderte und vier Wochen in Amerika gewesen war, schrie: »Ein Gespenst gefangen? Ist ja toll! Erzählen Sie, Clayton!«

Clayton versprach es und bat ihn, zuvor die Tür zu schließen.

»Nicht, daß ich Horcher fürchtete – aber ich möchte unser ausgezeichnetes Klub-Personal nicht durch Spukgeschichten beunruhigen. Dieses alte Haus mit den vielen dunklen Winkeln und der Eichenholztäfelung hat ohnehin etwas Unheimliches. Übrigens war das auch kein ständiges Gespenst. Ich glaube nicht, daß es jemals wiederkommen wird.«

»Ach – Sie haben es also nicht festgehalten?« fragte Sanderson.

»Ich hatte nicht das Herz dazu.«

»Da bin ich aber überrascht«, sagte Sanderson. Und wir lachten.

Clayton sah etwas gekränkt drein.

»Es war wirklich ein Gespenst«, erklärte er ernst. »Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, wie ich Sie jetzt sehe. Ich scherze nicht. Ich spreche ganz im Ernst.«

Sanderson zog kräftig an seiner Pfeife, klappte ein Auge zu und stieß dann eine dünne Rauchsäule aus, die beredter als Worte war.

Clayton übersah den stummen Einwurf.

»Es ist das Merkwürdigste, das mir in meinem ganzen Leben passiert ist. Sie wissen, daß ich nie an Gespenster oder ähnliches geglaubt habe. Nie. Und unversehens läuft mir selbst eines über den Weg. Höchst sonderbar.«

Gedankenvoll drückte er seine Zigarre aus und brachte eine zweite zum Vorschein, die er mit einem seltsamen kleinen Dolch abzuschneiden begann.

»Haben Sie mit ihm gesprochen?« erkundigte sich Wish.

»O ja. Ungefähr eine Stunde lang.«

»Gesprächig?« warf ich im gleichen Ton trockener Skepsis ein.

»Der arme Teufel hatte Kummer«, sagte Clayton und sah uns der Reihe nach mit mildem Vorwurf an.

»Weinte er?« fragte jemand.

Clayton stieß bei der Erinnerung einen schweren Seufzer aus. »Ja«, nickte er bekümmert. »Der arme Kerl. Ja.«

»Hatten Sie ihm auf den Fuß getreten?« grinste Evans.

Ohne auf ihn zu achten, fuhr Clayton fort: »Ich hatte keine Ahnung, was für ein armer Kerl so ein Geist sein kann.« Wieder schien er sich ganz in der Erinnerung zu verlieren, während er in seinen Taschen nach Streichhölzern suchte, um seine Zigarre anzuzünden. »Ich habe ihn überrumpelt«, murmelte er schließlich.

Keiner von uns hatte es eilig. Wir ließen ihn seine Geschichte in aller Ruhe ausspinnen.

»Ein Charakter«, erklärte er, »bleibt immer derselbe – auch in unkörperlichem Zustand. Das vergessen wir zu leicht. Ein Mensch, der Energie oder Gewandtheit besitzt, wird auch als Geist energisch und gewandt sein. Die meisten Spukgeister sind vermutlich beschränkt und eigensinnig wie Maulesel, daß sie immer wieder an denselben Ort zurückkehren. Mein Geist war nicht von dieser Sorte.« Er sah uns mit einem eigentümlichen Lächeln an. »Ich weiß, ihr glaubt mir nicht. Und doch ist alles wahr, was ich euch erzähle. Schon auf den ersten Blick erkannte ich, daß er schwach war.«

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