Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
»Nicht so gut. Der Druck sinkt eindeutig, und die CO2-Konzentration wächst. Aber es gibt keine Gefahr, solange du nur rechtzeitig ankommst. Sie vermeiden alle unnütze Aktivität, um Sauerstoff zu sparen.«
Alle, außer Professor Sessui, möchte ich wetten, dachte Morgan. Er freute sich auf die Begegnung mit dem Mann, dessen Leben er zu retten versuchte. Er hatte mehrere hochgepriesene populärwissenschaftliche Werke Sessuis gelesen und sie als blumig und übertrieben empfunden. Er nahm an, dass der Mann seinem Schreibstil entsprach.
»Wie sieht's auf 10K aus?«
»Der Transporter fährt in zwei Stunden ab. Sie nehmen ein paar Zusatzinstallationen vor, um sicher zu sein, dass auf dieser Fahrt nichts zu brennen anfängt.«
»Gute Idee. Stammt von Bartok, nehme ich an.«
»Wahrscheinlich. Sie kommen die Nordspur herab, für den Fall, dass die Südspur durch die Explosion beschädigt wurde. Wenn alles gutgeht, erreichen sie den Keller in — oh — einundzwanzig Stunden. Zeitig genug, selbst wenn wir die Spinne kein zweites Mal nach oben schicken.«
Ungeachtet der Bemerkung, die er halb im Spaß zu Kingsley gemacht hatte, war sich Morgan darüber im Klaren, dass es zum Entspannen noch viel zu früh war. Indes schien alles planmäßig zu verlaufen, und es gab wirklich nichts, was er während der nächsten drei Stunden hätte tun können, als die sich ständig weitende Aussicht zu bewundern.
Er befand sich in dreißig Kilometern Höhe und stieg rasch und geräuschlos durch die tropische Nacht. Der Mond war nicht zu sehen, aber das Land weit unten enthüllte sich ihm durch die leuchtenden Konstellationen seiner Städte und Dörfer. Wenn er die Sterne oben und die Lichter unten anblickte, fiel es Morgan leicht, sich einzubilden, er sei weit von jeglicher Welt entfernt, verloren in den Tiefen des Weltalls. Er überblickte jetzt die gesamte Insel Taprobane, ihr Umriss bezeichnet durch die Lichter der Küstensiedlungen. Weit im Norden schob sich ein düsterer Leuchtfleck über den Horizont wie der Vorbote einer fehlplatzierten Morgendämmerung. Er zerbrach sich darüber eine Zeitlang den Kopf, bis ihm aufging, dass er auf eine der südindischen Großstädte blickte.
Er war jetzt bereits höher, als Flugzeuge steigen konnten, und allein was er bis jetzt vollbracht hatte, war bereits eine einzigartige Leistung in der Geschichte menschlicher Fortbewegung. SPINNE und ihre Vorläufer hatten zwar zahllose Fahrten bis zu einer Höhe von zwanzig Kilometern unternommen, aber niemand war je in größere Höhen vorgestoßen, weil es von dort, wenn es zu einem Ausfall kam, keine Rettung mehr gab. Ein ernsthafter Einsatz der Spinnen war nicht vorgesehen, bis der Turm ganz nahe herangekommen war. Es gab insgesamt drei Fahrzeuge dieses Typs, die dann an den Bändern auf- und abgleiten würden. Morgan zwang sich, nicht daran zu denken, was geschähe, wenn der Antriebsmechanismus sich verklemmte. Das wäre das Ende der Flüchtlinge im Keller, ebenso wie sein eigenes.
Fünfzig Kilometer. Er hatte eine Ebene erreicht, die zu normalen Zeiten gleichbedeutend mit der untersten Schicht der Ionosphäre gewesen wäre. Er erwartete nichts Aufregendes; aber er hatte sich geirrt.
Das erste Anzeichen war ein leises Knistern im Lautsprecher. Dann sah er aus den Augenwinkeln einen huschenden Lichtfleck. Er erschien unmittelbar unter ihm und war sichtbar nur mit Hilfe des abwärtsgerichteten Spiegels außerhalb des kleinen nach draußen gewölbten Fensters. Einen Augenblick lang starrte er verwundert hinab, und Furcht stieg in ihm auf. Dann setzte er sich mit dem Berg in Verbindung.
»Ich habe Begleitung«, sagte er. »Ich nehme an, sie gehört in Professor Sessuis Abteilung. Eine Kugel aus Licht, Durchmesser — oh — ungefähr zwanzig Zentimeter. Sie läuft gerade unter mir das Band entlang. Die Entfernung ist konstant, hoffentlich bleibt es dabei. Ich muss zugeben, sie sieht hübsch aus — ein angenehmes, bläuliches Leuchten, alle paar Sekunden zuckt sie. Außerdem höre ich sie auf dem Radiokanal.«
Es dauerte eine volle Minute, bis Kingsley antwortete:
»Mach dir keine Sorgen — das ist nur Elmsfeuer. Wir haben ähnliche Erscheinungen entlang der Bänder bei Gewittern beobachtet. An Bord der MARK I könnten sie dir die Haare zu Berg stehen lassen. Aber du bist sicher — zu viel Metall um dich herum.«
»Ich dachte nicht, dass es so etwas in dieser Höhe gäbe.«
»Wir auch nicht. Am besten sprichst du mit dem Professor darüber.«
»Ah — jetzt verschwindet es langsam — wird größer und lichtschwächer — jetzt ist es weg. Ich nehme an, die Luft ist zu dünn. Tut mir leid, dass es nicht mehr da ist.«
»Das war erst die Einleitung«, sagte Kingsley. »Schau nach oben und sieh, was sich dort tut!«
Ein viereckiger Ausschnitt des Sternenhimmels huschte vorbei, als Morgan den Spiegel zum Zenit hin drehte. Zunächst sah er nichts Ungewöhnliches. Daher schaltete er alle Anzeigen der Kontrollkonsole ab und wartete in vollkommener Dunkelheit.
Langsam gewöhnten sich die Augen an die Finsternis. Im Spiegel erschien ein düsterer roter Schimmer, der allmählich intensiver wurde, sich ausbreitete und die Sterne zu verschlingen begann. Er wurde kräftiger und deutlicher und wuchs über die Grenzen der Spiegelfläche hinaus. Bald konnte Morgan ihn ohne Hilfe des Spiegels sehen, denn er erstreckte sich nun bereits halbwegs den Himmel herab. Ein Käfig aus Licht, mit zuckenden, sich bewegenden Stangen senkte sich auf die Erde hinab. Und plötzlich fing Morgan an zu begreifen, warum ein Mann wie Professor Sessui sein ganzes Leben der Entschleierung des Geheimnisses solcher Naturerscheinungen gewidmet hatte.
Die Aurora marschierte zu einem ihrer seltenen Besuche von den Polen herab auf den Äquator zu.
Jenseits des Nordlichts
Morgan bezweifelte, dass selbst Professor Sessui, fünfhundert Kilometer über ihm, einen derart imposanten Ausblick hatte. Der elektromagnetische Sturm entwickelte sich mit bedeutender Geschwindigkeit. Schon jetzt musste er den gesamten Kurzwellenfunk der Erde, der allerdings nur noch nichtwesentlichen Zwecken diente, lahmgelegt haben. Morgan war nicht sicher, ob er das schwache Rauschen hörte oder empfand, ein Geräusch wie das Wispern rieselnden Sandes oder das Knacken trockener Zweige. Anders als die Statik, die die Leuchtkugel verursacht hatte, kam es eindeutig nicht aus dem Lautsprecher; denn es war immer noch vorhanden, nachdem Morgan ihn abgeschaltet hatte.
Vorhänge aus blassgrünem Feuer mit purpurfarbenen Säumen wurden über den Himmel gezogen und dann langsam, wie von einer unsichtbaren Hand, hin und her geschüttelt. Sie zitterten vor den Böen des Solarwindes, des mit Millionen von Kilometern pro Stunde dahinrasenden Sturmes, der von der Sonne zur Erde blies — und weit darüber hinaus. Selbst über dem Mars schwebte jetzt ein dünnes, gespenstisches Nordlicht, und die giftigen Himmel der Venus standen sonnenwärts in Flammen. Oberhalb der vielfach gefalteten Vorhänge breiteten sich lange Strahlen wie das Gerippe eines halb geöffneten Fächers aus, rasten um den Horizont und schienen Morgan mitunter direkt in die Augen, wie die Lichtkegel eines gewaltigen Scheinwerfers. Es war jetzt nicht mehr nötig, die Konsolenbeleuchtung abzuschalten, um das Phänomen besser sehen zu können. Das himmlische Feuerwerk war derart lichtstark, dass man ohne Mühe dabei hätte lesen können.
Zweihundert Kilometer. Die Spinne kletterte noch immer mühe- und geräuschlos. Er konnte sich kaum vorstellen, dass er die Erdoberfläche erst vor einer Stunde verlassen hatte. Fast ebenso schwer fiel es ihm, daran zu glauben, dass die Erde überhaupt noch existierte, während er sich zwischen den engen Wänden einer feurigen Schlucht aufwärtsbewegte.
Diese Illusion dauerte indes nur wenige Sekunden, dann brach das vorübergehende Gleichgewicht zwischen Magnetfeldern und einströmenden Ionenwolken zusammen. Für die Dauer dieser Augenblicke sah Morgan sich tatsächlich aus einem Abgrund aufsteigen, neben dem selbst Valles Marineris, der Grand Canyon des Mars, wie ein Zwerg erscheinen musste. Plötzlich wurden die hundert Kilometer hohen, schimmernden Felsflächen durchsichtig und ließen das Licht der Sterne herein. Sie verloren den Anschein der Körperhaftigkeit und entpuppten sich als fluoreszente Phantome.