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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
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Rosas fette weiße Arme hatten sich offenbar noch etwas von ihrer einst prächtigen Muskelkraft bewahrt; mit ihrem vor langer Zeit erworbenen anatomischen Wissen hatte sie die verletzlichste Stelle getroffen. Der schwere Knauf des Schürhakens hatte Raymonds empfindlichen Schläfenknochen zu einem spinnwebartigen Geflecht von Brüchen zertrümmert.

Trudi bewegte sich. Mit leicht angeekeltem Gesichtsausdruck rückte sie Raymonds Kopf ein wenig weg, so dass er mit der Wunde dicht neben dem runden Messingknauf des Kamingitters zu liegen kam.

«Dieser Teppich!«, sagte sie und stand wieder auf.

«Immer so gefährlich! Stellen sich vor, zum zweiten Mal, genau so wie arme Ehefrau!«Sie grinste in plumper Selbstgefälligkeit in das breite, vom Ausdruck absoluter Verzweiflung geprägte weiße Gesicht.

«So ein Glück, dass diesmal ich war da zu sehen, dass es wieder bloß war ein schrecklicher Unfall.« Raymonds Jackett war aufgesprungen. Sie bückte sich, um ganz vorsichtig das Bündel Geldscheine herauszufischen und es sich in die Schürzentasche zu stecken.

«Bloß ein ganz, ganz kleiner Anfang«, plapperte sie nach und nahm Rosa den Schürhaken aus der kraftlosen Hand.»Gehen Sie wieder in Ihre Wohnung, Madame.

Brechen Sie auf Ihr Bett zusammen. Ich kümmere mich um alles, dann ich rufe beim Doktor an. «Trudi zuckte die Schultern.»Diesmal ich weiß die Nummer von ihm.« Rosa kehrte in ihre Wohnung zurück. Allerdings brach sie nicht auf dem Bett zusammen.

«Polizei?«, sagte sie, den Telefonhörer in der ruhigen Hand haltend. Sie nannte Raymonds Adresse.»Aber beeilen Sie sich, kommen Sie schnell. Ich habe gerade von meinem Balkon aus gesehen, wie das Aupairmädchen mit dem Schürhaken auf ihn los ist. Und diesmal ist es – zweifellos kein Unfall.« Zufrieden lächelnd lauschte sie, wie eine scharfe Stimme Befehle bellte. Die Stimme wandte sich wieder ihr zu.

«Nun, das kann ich nicht sagen — den Fußboden des Zimmers kann ich nicht sehen. Das Mädchen verschwand eine Weile aus dem Blickfeld, und als sie aufstand, stopfte sie sich Geld in die Schürzentasche. Sie werden es sicher finden, irgendwo in ihrem Zimmer versteckt. Da war eine Affäre im Gange, wissen Sie, schon bevor die arme Frau gestorben ist. Und jetzt hat er sich wohl geweigert, sie zu heiraten.«

Liebende in Stadt und Land

von NADINE GORDIMER

Die Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer (*1923) wurde als Tochter eines Juweliers in der Goldminenregion Südafrikas geboren. Nach der Schulerziehung in einem Kloster schloss sie ihr Studium an der Universität von Witwatersrand in Johannesburg ab. Wie viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller war sie in ihrer Kindheit Einzelgängerin und besuchte wegen einer offenbar eingebildeten Herzerkrankung im Alter von elf bis sechzehn keine Schule. Sie wuchs ohne den Kontakt zu anderen Kindern auf, ihre einzigen Gesprächspartner waren ihre Mutter und erwachsene Freunde. Nachdem sie im Alter von fünfzehn Jahren erstmals veröffentlicht wurde, erschienen ihre Kurzgeschichten in so marktbeherrschenden Publikationen wie The New Yorker, Harper’s und Mademoiselle. 1952 kam ihre erste Sammlung von Kurzgeschichten mit dem Titel The Soft Voice of the Serpent and Other Stories heraus (dt. Die sanfte Stimme der Schlange), 1955 dann ihr erster Roman, The Lying Days (dt. Entzauberung). Ihre Ansichten über Rassengleichheit und ihr Loblied auf die menschliche Vielfalt, die sie schließlich zum offenen Widerstand gegen die Apartheidpolitik ihres Landes veranlassten, schrieb sie eher ihrer Lektüre zu als dem Vorbild ihres unpolitischen Elternhauses. Als einen ihrer Lieblingsschriftsteller nannte sie J.D. Salinger, auch er ein Spezialist für die Beschreibung gesellschaftlicher Außenseiter.

Gordimer äußert sich sowohl in ihren belletristischen Werken als auch ihren journalistischen Texten kritisch über das südafrikanische Regime. Einer ihrer Romane, Burger’s Daughter (1979), war in ihrem Heimatland kurze Zeit verboten. Ein Rezensent schrieb in der Zeitschrift Time über A World of Strangers (1958; dt. Ein Fremdling unter Fremden), ihren zweiten Roman, zitiert in Current Biography (Jahrbuch 1959), Gordimer» sagt nicht nur die Wahrheit über ihre Landsleute, sondern sagt sie so gekonnt, dass sie gleichzeitig der Stachel im Fleische wie auch die beste Autorin des Landes geworden ist«.

Sicherlich hat ihre bewusste Opposition — ebenso wie die Opposition anderer südafrikanischer Autoren und Denker — bei der Abschaffung der Apartheid eine Rolle gespielt.

Obgleich Gordimer nicht einmal annähernd als Autorin von Kriminalliteratur gelten kann, darf die schmerzlich reale Geschichte mit dem Titel» Liebende in Stadt und Land«, in der sich Gordimers Sorge über die Politik ihres Landes widerspiegelt und sich dabei mit einigen grundlegenden Wahrheiten über Rassismus auseinander setzt, durchaus zu dieser Kategorie gerechnet werden.

I

Dr. Franz-Josef von Leinsdorf ist ein Geologe, der völlig in seine Arbeit vertieft ist, der ganz in seinem Beruf aufgeht, wie man so sagt — Jahr um Jahr widmet er sich nur seiner Arbeit, die ihn abkapselt von den Landschaften, den Städten und den Menschen, wo immer er sich gerade aufhält, ob nun in Peru, Neuseeland oder den Vereinigten Staaten. So war er immer schon; seine Mutter zu Hause in Österreich könnte es bestätigen. Schon damals sah sie den hübschen kleinen Jungen stets nur im Proficlass="underline" Immer war er seinen Steinen und Felsproben zugewandt. Seine wenigen Freizeitvergnügungen haben sich seitdem kaum wesentlich geändert. Gelegentlich ein Skiurlaub, Musik hören, Gedichte lesen — Rainer Maria Rilke hatte einst in der Jagdhütte übernachtet, die seine Großmutter in den Wäldern der Steiermark hatte, und auf diese Weise war er schon als Junge sehr früh mit den Gedichten Rilkes in Berührung gekommen.

Eine Gesteinsschicht nach der anderen, von einem Land ins nächste, wo immer seine Arbeit ihn hinführen mochte — und mittlerweile war er schon fast sieben Jahre in Südafrika. Es mangelte hierzulande an Fachkräften, und so kam es zu seiner Einstellung. Die politischen Verhältnisse in den Ländern, in denen er arbeitet, interessieren ihn nicht. Neben seinem allgemeinen Engagement für seine Arbeit galt seine ganze private Vorliebe der Erforschung unterirdischer Wasserläufe, doch die Bergbaugesellschaft, die ihn als übergeordneten, nicht aber als leitenden Fachmann eingestellt hat, ist nur am Aufspüren von Bodenschätzen interessiert. Und so war er oft draußen im Feld — das hierzulande Veld genannt wird — auf der Suche nach neuen Gold-, Kupfer-, Platin- und Uranvorkommen.

Sein Zuhause hat er hier — bei diesem Job, in diesem Land, in dieser Stadt — in einer Zweizimmerwohnung in einem Apartmentblock in den Vororten, mit einer Grünanlage und einem Supermarkt gleich gegenüber, in dem er seine Einkäufe erledigt. Er ist nicht verheiratet — noch nicht. So würden jedenfalls seine Kollegen sagen, die Tippsen und Sekretärinnen in der Hauptgeschäftsstelle der Bergbaugesellschaft. Männer wie auch Frauen würden ihn als gut aussehenden Mann bezeichnen, der etwas Fremdländisches an sich hat; und während seine untere Gesichtshälfte einen dunklen Schatten zeigt und älter wirkt (sein schmaler Mund, die Lippen leicht gekrümmt, und selbst wenn er frisch rasiert ist, sieht man die Stoppeln um Mund und Kinn herum, wie feine Schrotkörner liegen sie in die Haut eingebettet), scheint die obere Hälfte dagegen jünger, mit tief liegenden Augen (manche würden sie grau nennen, andere schwarz), dichten Wimpern und Brauen. Ein rätselhafter, abwesender Blick, dem man seine Konzentration, seine durchschimmernde Nachdenklichkeit leicht als Feuer und Sehnsucht auslegen konnte. Das ist es, was die Frauen in der Firma meinen, wenn sie von ihm behaupten, er sei nicht unattraktiv. Und obgleich dieser Blick viel versprechend scheint, hat er noch nie eine von ihnen eingeladen, mit ihm auszugehen.

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