Im Anfang war der Mord
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- ISBN: 3442459532
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
Als sich die Tür hinter ihm schloss, dachte ich, dass er ja Recht hatte. Ich verdankte ihm tatsächlich meine Freiheit.
Es war seine Schuld. Dieser Klugscheißer. Dieser Emporkömmling. Wer hatte ihn denn gebeten, sich einzumischen und mich aus meinem hübschen Zimmer und von der Arbeit, die ich liebte, und all dem köstlichen Essen wegzuholen?
Zum ersten Mal im Leben wusste ich, was es heißt, jemanden zu verachten.
Ich hasste ihn.
Damals, als man mich wegen Totschlags verurteilte, war viel von Arglist und Vorsatz die Rede gewesen.
Diesmal wäre der Fall eindeutig.
Dem Polizisten hatte ich damals keinen Schaden zufügen wollen. Diesem Anwalt jedoch wollte ich Schaden zufügen.
Ich ergriff einen Brieföffner von seinem Schreibtisch und fuhr mit dem Finger über die Klinge, um zu prüfen, wie scharf sie war. Dann wartete ich hinter der Tür, und als er hereinkam, nahm ich meine ganze Kraft zusammen und stach auf ihn ein. Wieder und wieder und immer wieder.
Jetzt bin ich wieder da, wo ich sein will — in einer schönen Bleibe.
Clever und fix
von CHRISTIANNA BRAND
Viele Fans des klassischen Rätselkrimis würden dem Kritiker Anthony Boucher zustimmen und das Trio John Dickson Carr, Ellery Queen und Agatha Christie als die großen Drei nominieren. Doch gab es auch noch andere Autoren, die zwar nicht so produktiv, in ihrem Engagement und ihrem Talent für fintenreiche Rätselkonstruktionen diesen dreien jedoch durchaus ebenbürtig waren. Zu ihnen gehörte auch Christianna Brand (1907-88), die Schöpferin von Inspector Cockrill.
In Malaya als Tochter britischer Eltern unter dem Namen Mary Christianna Milne geboren, verbrachte Brand ihre Kindheit in Indien. Wie viele Schriftsteller und Schriftstellerinnen arbeitete sie zunächst in einer Reihe von Berufen, unter anderem als Gouvernante, Fotomodell und Tänzerin. Ihre Erfahrung als Verkäuferin in einem Modehaus inspirierte sie zu ihrem ersten Roman, Death in High Heels (1941). Mit Romanen wie Green for Danger (1944), großartig verfilmt mit Alistair Sim, oder Tour de Force (1955; dt. Ein Toast auf den Mörder) bewies Brand ihre Fähigkeit, erstklassige Rätsel zu konstruieren. Nach ihren eigenen Worten feilte sie ebenso sorgfältig an ihrem Stil, wie sie die Schlüssel zu ihren Rätseln verteilte, so dass sie die Leser in die Irre führte und gleichzeitig strikt die Regeln des» Fair Play «befolgte. Im Laufe ihrer Karriere kam sie zeitweilig vom reinen Kriminalroman ab, um etwa unter dem Titel The Honey Harlot (1978) eine Abhandlung über das Rätsel der Marie Céleste zu produzieren, Kinderbücher wie Danger Unlimited (1948) und eine dreiteilige Reihe beginnend mit Nurse Matilda (1964) zu schreiben, in Heaven Knows Who (1960) über ein authentisches Verbrechen zu berichten oder unter einem Pseudonym populäre Unterhaltungsromane zu verfassen. Ihr Hauptinteresse galt jedoch der Kriminalliteratur. Im fortgeschrittenen Alter gern gesehen bei Krimisymposien, ist sie auf ihrem Gebiet sowohl als Persönlichkeit wie auch wegen ihres literarischen Schaffens unvergessen. In seiner Einleitung zu ihrer Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel Buffet for Unwelcome Guests (1983) erinnert sich Robert E. Briney an ihren Redesticlass="underline" »Die Themen und Anekdoten variierten, obwohl manche aufgrund der starken Nachfrage immer wieder erzählt werden mussten (die Geschichte von Dorothy L. Sayers und dem Blut auf der Treppe wurde ein mündlich überlieferter Klassiker). Die Reaktion des Publikums war jedoch immer gleich. Die Zuhörer waren begeistert von den scharfsinnigen verbalen Porträts, lauschten gebannt, sooft eine ernsthafte Note ins Spiel kam, sahen genauso viel von der Richtung voraus, in die die Geschichte ging, wie sie sehen sollten, und reagierten mit genüsslicher Empörung, wenn die Pointe sich als etwas anderes herausstellte als das, was zu erwarten man ihnen eingegeben hatte. Tatsächlich reagierten sie ziemlich genau so, wie es die Leserschaft von Christianna Brands Romanen seit vierzig Jahren tut.« In der Kurzgeschichtenform spezialisierte sich Brand weniger auf die reine Aufdeckung als auf die mehrfach verschlungene, doppeltes und dreifaches Spiel treibende Kriminalgeschichte, für die» Clever und fix «ein vorzügliches Beispiel bietet.
Man musste doch den Schein wahren. Also war die Wohnung sehr protzig ausgestattet, wobei allerdings alles, bis hin zum massiven Messingkamingitter vor dem elektrischen Kaminfeuer, nichts als Schwindel und fauler Zauber war. Den Schein wahren und die Rechnungen zahlen waren jedoch zwei Paar Stiefel, und wie es im Theater neuerdings nun einmal lief, hatten sich die beiden eine recht lange» schöpferische Pause «geleistet. Tatsache war daher, dass sie Trudi eigentlich wegschicken sollten.
Trudi war das Aupairmädchen, und aus unterschiedlichen Gründen wollte keiner von beiden, dass sie ging.
Gerade eben stritten sie darüber, beide vor dem Kamin stehend. In letzter Zeit hatten sie ungefähr einmal pro Stunde irgendeinen Streit — ständig wurde genörgelt und gekeift. Colette brachte Raymond buchstäblich um den Verstand. Und jetzt auch noch das mit Trudi. Ob er Trudis Bezahlung etwa heimlich (irgendwie) aufstockte?» Wie wär’s, wenn du ihr für die Arbeit etwas weniger bieten würdest«, schlug er vor.
«Biete du ihr doch ein bisschen weniger — für das Vergnügen«, sagte Colette. Wie immer traf sie damit bei ihm einen wunden Punkt.»Willst du damit etwa andeuten
— ?« «Raymond, dieses Mädchen denkt doch an nichts anderes als an Geld, und das weißt du.« O ja, er wusste es, und bei dem Gedanken stockte ihm das Herz. Wenn es einmal so weit kam, dass er Trudi keine Geschenke mehr machen konnte … Er war verrückt nach ihr — nach dieser kleinen mausgesichtigen Mitteleuropäerin mit dem durchdringenden Blick — und doch: Er war gefangen, verrückt nach ihr, hilflos im Griff ihrer gierigen kleinen Klauen. Er, Raymond Gray, dem die Frauen sein Leben lang, auf der Bühne und auch sonst, nicht hatten widerstehen können, er hatte sich nun selbst in den Schlingen einer Frau verfangen. Wenn ich nun nachlasse, sagte er zu sich, wenn mein Profil schlaff wird, mein Haar, meine Zähne nicht mehr so perfekt sind wie früher — dabei hielt er sich bemerkenswert gut. Sogar dieses lechzende Ungeheuer in der Wohnung gegenüber – Sie war kein Ungeheuer, wenngleich sie, eine große, stattliche Frau, die früher eine ziemliche Sportlerin gewesen war, nun zusehen musste, wie alles Muskulöse an ihr sich in schwabbeliges, weißes Fett verwandelte. Aber lechzend? Ich bin widerlich, dachte sie, völlig außer sich – eine fette, hässliche, alternde Witwe, die zu Hause herumsitzt und nach einem ausgedienten Vorstadttheateridol lechzt, das nicht viel mehr als halb so alt war wie sie.
Doch sie war ebenso gefangen und hilflos wie er – gefangen und hilflos saß sie da wie ein dummes Schulmädchen und sehnte sich danach, auf ihren Balkon hinauszutreten und zu versuchen, ob sie durch sein Fenster nicht einen Blick auf ihn erhaschen könnte. Von ihrem Zimmer aus konnte sie seines nicht einsehen, denn die Wohnungen lagen einander nicht direkt gegenüber, sondern auf gleicher Höhe über Eck.
Doch sie wagte sich nicht hinaus. Die Platanen unten auf der Straße waren voller Blütenstaub, und wenn sie auch nur die Nase hinaussteckte, würde ihre Allergie sofort mit aller Macht ausbrechen. Und mit tränenden Augen und geröteter Nase durfte er sie nicht mal im Vorbeigehen auf dem Hausflur oder beim Hinauf- und Hinunterfahren im Aufzug sehen.
Sie hielt sich ziemlich oft auf den Fluren und im Aufzug auf.