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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
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«Ach, Raymond«, rief sie dann aus,»was für ein Zufall, dass wir uns schon wieder begegnen!«Sie hatte sich schon vor langer Zeit um ihre Bekanntschaft bemüht, und mittlerweile nannte man sich vertraut Raymond, Colette und Rosa. Die beiden hatten nichts dagegen — bei ihr gab es immer reichlich Champagnercocktails und trockene Martinis, dazu jede Menge Kaviar auf kleinen Toastdreiecken. Sie war stinkreich.

Soeben sagte Colette etwas in dieser Richtung.»Kannst du nicht aus der alten Schachtel drüben was rauskitzeln?

Die stinkt doch vor Geld, und du brauchst ihr bloß die Hand zu küssen, dann hackt sie sie ab und schenkt sie dir, samt Brillantringen und allem.« Ihre Hand war wie der Rücken einer Kröte, ganz gesprenkelt mit den grünlichbraunen Flecken alternder Haut.»Trotzdem, ich sag dir jetzt mal was«, versetzte er.

«Wenn du aus dem Weg wärst, du elende keifende Meckerziege, dann würde sie mich zum Millionär machen, darauf kannst du Gift nehmen.« «Ach ja, und was wird dann aus deiner kostbaren Trudi?«, gab Colette gehässig zurück.»Ich glaube nämlich nicht, dass die liebe Rosa sich sehr viel gefallen ließe von diesem dreckigen kleinen Flittchen.« «Was fällt dir ein, Trudi so zu beleidigen!«, schrie er.

«Ich sage nur, wie es ist. Das steht mir ja wohl noch zu, was?« Sie hatte eine schmutzige Fantasie, eine schmutzige Fantasie und ein ordinäres Mundwerk dazu. Wie eine Art Lichtblitz, verschwommen und rötlich gefleckt, durchfuhr ihn die Erkenntnis, dass er sie einmal geliebt hatte — und sich nie hätte träumen lassen, dass sich hinter der Fassade diese Kreatur aus Gift und Schmutz verbarg, sich nie hätte träumen lassen, dass er eines Tages mit erhobener Hand hier stehen würde, vorwärtsstürzen und auf sie einschlagen würde, dass er es darauf abgesehen hätte, sie für immer zum Schweigen zu bringen.

Doch seine Hand berührte sie nicht. Sie trat zurück, weg von ihm, stolperte über den Teppich auf dem blank gebohnerten Boden vor dem Kamin, fiel schwer hin, wobei sie sich ziemlich heftig nach hinten warf, außerhalb seiner Reichweite. Ein kurzer Aufschrei, wild fuchtelnde Arme, ein grässliches Knirschen, als ihre Schädelbasis auf dem runden Knauf des schweren Messinggitters aufschlug. Und plötzlich — Stille.

Er wusste, dass sie tot war.

Trudi stand in der Tür und kam dann langsam zu ihm herüber.

«Ist schon gut«, sagte sie.»Ich hab gesehen. Du hast sie nicht angefasst. «Sie suchte nach dem passenden Ausdruck.»War es — Unfall?«Sie kam nah zu ihm her und starrte hinunter.»Aber sie ist tot«, sagte sie.

Sie war tot. Er hatte sie nicht angefasst, es war ein Unfall gewesen. Doch sie war tot — und er war frei.

Es dauerte eine Weile, bis er akzeptieren konnte, dass Trudi sich nicht lebenslang an einen arbeitslosen, abgehalfterten Schauspieler binden wollte, ob der nun frei war oder nicht.»Aber, Liiiebling, du weißt, dein Geld ist alles weg, bald ich muss sowieso gehen. Hat sie mir gesagt, Mrs. Gray. «Und weil Mrs. Gray tot auf dem Fußboden lag und nicht widersprechen konnte, improvisierte sie flugs eine Aufstellung der Gelder, die ihr noch geschuldet wurden.»Und das muss ich haben, Raymond, bald ich gehe nach Hause, wenn ich nicht mehr habe einen Job hier.« Frei zu sein — frei zu sein, um sie zu heiraten, und sie jetzt verlieren!» Liebst du mich denn gar nicht?«, flehte er sie an.

«Aber natürlich! Bloß — wie wir können heiraten, Liiiebling, wenn du hast kein Geld zum Leben? Also dieses Geld ich muss haben, für nach Hause zu gehen.« «Du kannst sowieso noch nicht weg. Du musst mir beistehen wegen der Sache mit — ihr. «Er hatte das arme tote Ding schon beinahe vergessen, das dort unansehnlich zu ihren Füßen lag.»Du musst für mich aussagen.« Sie zuckte die Schultern.»Natürlich. Es war Unfall.

Aber dann ich kann nach Hause gehen.« «Und mich einfach so hier lassen? Trudi, jetzt habe ich keine Frau, kein Geld — « Wieder dieses leichte Schulterzucken, halb komisch, halb mitleidig, das seinem schmachtenden Herzen so lieb war, das Schwenken des hübschen Köpfchens zum Fenster über Eck.»Wegen Frau, wegen Geld — genug von beidem da drüben.« Rasch warf er ein:»Dann werde ich ja reich. Also können du und ich — ?« Da sagte sie das, was Colette kurz zuvor ebenfalls gesagt hatte:»Ich glaube nicht, dass Mrs. Rosa Fox sich lässt viel gefallen. Ich glaube, macht sie die Geldtaschen ganz schnell — zu.« War die Idee urplötzlich einfach da gewesen, wie es ihm damals vorkam? — oder hatte er eine Weile nachgedacht? – hatte er vor der Leiche seiner Frau gestanden und alles sorgfältig und bedächtig bis zum Ende durchdacht? Später erinnerte er sich nur noch daran, dass er Trudi plötzlich am Arm gepackt hatte, drängend auf sie einredete und sie herunterzog, damit sie sich neben ihn hinkniete, während er ganz vorsichtig ein wenig Blut von dem runden Messingknauf am Kamingitter abkratzte, das dort so rasch gerann, es über den runden Messingknauf des Schürhakens schmierte, einen Knauf von identischer Größe, und seine Hand auf das Verschmierte legte. Und schließlich den Schürhaken wieder in die Feuerstelle warf.

«So, Trudi, jetzt schnell hinaus, und dass dich niemand sieht. Kauf irgendwas irgendwo. Und komm gleich wieder und sorg dafür, dass der Portier dich diesmal sieht.« Als er sich aufrappelte, warf er keinen Blick zurück auf die immer noch ausgestreckt daliegende Leiche — nicht einmal diesen kurzen Augenblick wollte er für die Vergangenheit aufwenden. Vor ihm lag nun die Zukunft.

O, dass nur, betete er, während er verstohlen auf den Hausflur hinausschlich, dass nur Rosa zu Hause ist! Und dass sie allein ist!

Sie war zu Hause und allein. Sie war neuerdings immer zu Hause und allein, hatte sich in einen Sessel geworfen und träumte wie eine Halbwüchsige von ihrer hoffnungslosen, ihrer hilflosen Liebe.»Eine Frau in meinem Alter«, dachte sie,»hockt da und verzehrt sich nach dem Mann einer anderen. «Aber in ihren besten Zeiten war sie auch mal ’ne heiße Nummer gewesen, und sie war nun schon sehr lange verwitwet. Jetzt sagte sie:

«Raymond — wie schön!«Und gleich darauf:»Aber was ist denn los, mein Lieber? Bist du krank?« «Rosa«, sagte er,»du musst mir helfen!«Und er fiel vor ihr auf die Knie, ergriff ihren Rock mit zitternden Händen — wirklich, bei seinem Talent war es eigentlich ziemlich verwunderlich, dass er nicht mehr Arbeit kriegen konnte!

Er legte ein gewisses heiseres Beben in seine Stimme.

«Ich habe sie umgebracht«, sagte er.

Sie wich erschrocken zurück.»Umgebracht?« «Colette. Ich habe sie umgebracht. Sie hörte einfach nicht auf. Sie sagte so schreckliche Sachen über — über dich, Rosa. Sie glaubt, du — sie hat immer behauptet, du – Rosa, ich weiß, du kannst mich gut leiden — « «Ich liebe dich«, sagte sie schlicht, nahm jedoch einen tiefen, tiefen Atemzug, während die Zukunft sich vor ihr entfaltete — so wie sich zuvor die seine vor ihm eröffnet hatte. Seine Frau war tot, und er war frei.

Er tat so, als überraschte ihn ihre Antwort — überraschte ihn und erfüllte ihn mit Dankbarkeit. Doch er war zu clever, gleich zu behaupten, er würde ihre Gefühle erwidern. Endlich kam er zur Sache.»Dann darf ich, Rosa, es umso mehr wagen, dich um etwas zu bitten. Ich liefere mich dir auf Gedeih und Verderb aus und bitte dich inständig, mir aus Freundschaft zu helfen. Und jetzt, wenn du es wirklich ernst meinst, dass du — « Und er ging mit ihr zum Sofa hinüber und saß da und ergriff ihre Hände und schüttete ihr sein Herz aus.»Sie war so widerlich. Sie hatte — nun, Colette ist tot, aber sie hatte eine dreckige Fantasie, Rosa. Seit Wochen ließ sie nicht mehr locker, und plötzlich hielt ich es nicht mehr aus. Ich sah rot. Ich — ich griff nach dem Schürhaken. Ich wollte ihr nicht wehtun — ehrlich, ich schwör’s — wollte ihr nur Angst einjagen. Aber als ich wieder zu mir kam … O mein Gott«, flehte er,»bitte, versuch mich zu verstehen!« «Du hast es getan, weil sie gemeine Sachen über mich gesagt hat?« «Du warst immer so nett zu uns, Rosa. Es hat mich richtig krank gemacht, wie sie daherredete, dieses verächtliche Getue, dieses höhnische Gelächter. «Und wieder schüttete er ihr sein Herz aus, durchlebte das Geschehen noch einmal, nur dass er Trudis Namen durch ihren ersetzte. Ihr breites, hässliches Gesicht wurde erst weiß, dann leuchtend rot, dann wieder weiß. Sie hielt seine Hand fest.»Was soll ich denn jetzt machen?« «Rosa, ich habe ganz schnell überlegt — ich kann nämlich schnell denken, wenn ich in der Klemme sitze. Es kommt mir so scheußlich vor, sie lag ja tot da und ich dachte bloß an mich und wie ich da wieder rauskommen könnte. Aber so war’s. Und dann kniete ich mich hin und — an dem Kamingitter sind zwei Messingknäufe, genau wie der am Schürhaken, und ich — ich rückte ihren Kopf so hin, dass es aussah, als hätte sie ihn an dem einen Kamingitterknauf aufgeschlagen, und dann putzte ich das — ganze Blut und das Zeug von dem Schürhaken ab — « Sie war eine clevere Frau — clever und fix. Mochte ihr Körper auch langsamer geworden sein, dieser einst so kräftige und beherrschte Körper, ihr Verstand war immer noch clever und fix.

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