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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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Als sie und der Mann vor Gericht standen, angeklagt wegen Verstoßes gegen das Sittlichkeitsgesetz, begangen in einer Johannesburger Wohnung am — . Dezember 19-, wurde dem Gericht eine Aussage des Mädchens

übergeben, die es bei der polizeilichen Vernehmung gemacht hatte. Ich wohnte mit dem weißen Mann zusammen in seiner Wohnung. Er hatte ab und zu Geschlechtsverkehr mit mir. Er gab mir Tabletten zum Einnehmen, damit ich nicht schwanger wurde.

Als sie von den Sonntagsblättern interviewt wurde, sagte das Mädchen:»Es tut mir Leid für all den Kummer, den es meiner Mutter brachte. «Sie sagte, dass sie eines von neun Kindern einer Waschfrau sei. Sie hatte nach der dritten Klasse die Schule verlassen, weil zu Hause kein Geld übrig war für Turnsachen oder einen Schulblazer. Sie hatte in einer Fabrik als Maschinennäherin gearbeitet und als Kassiererin in einem Supermarkt. Dr. von Leinsdorf hatte ihr beigebracht, seine Manuskripte abzutippen.

Dr.

Franz-Josef von Leinsdorf, der als Enkel einer Baronin beschrieben wurde, ein kultivierter Mann, dessen Arbeitsfeld die internationale mineralogische Forschung war, sagte, dass er zwar soziale Rangunterschiede zwischen Menschen akzeptiere, doch sei er der Meinung, dass diese nicht gesetzlich verankert werden dürften.

«Sogar in meiner Heimat ist es schwer für einen Menschen aus der Oberschicht, jemanden aus der Unterschicht zu heiraten.« Die beiden Angeklagten machten keine Aussagen.

Weder grüßten sie sich, noch sprachen sie vor Gericht miteinander. Die Verteidigung führte an, dass die Beweisgründe, die der Sergeant für ihr Zusammenleben vorbrachte, nur auf Gerüchten basierten (Die Frau mit dem Dackel? Der Hausmeister?). Sie wurden beide freigesprochen, weil der Staatsanwalt nicht nachweisen konnte, dass am Abend des — . Dezember 19- ein Geschlechtsverkehr stattgefunden hatte.

Die Sonntagsblätter zitierten die Mutter des Mädchens, von der auch ein Bild abgedruckt wurde:»Ich werde nie wieder zulassen, dass meine Tochter als Dienstmädchen für einen weißen Mann arbeitet.«

II

Solange sie noch klein sind, spielen die Farmkinder immer zusammen, doch wenn die weißen Kinder erst einmal weg ins Internat gehen, spielen sie schon bald nicht mehr miteinander, auch nicht in den Ferien. Zwar bekommen auch die schwarzen Kinder eine Art Schulunterricht, doch bleiben sie Jahr um Jahr weiter hinter den Leistungen der weißen Kinder zurück. All das kindliche Vokabular, das Erforschen der abenteuerlichen Möglichkeiten, die Dam, Koppies, Mealie Lands und Veld den Kindern bieten — es kommt die Zeit, da lassen die weißen Kinder all das hinter sich und vertauschen es mit dem Vokabular des Internats und den Möglichkeiten der Schulwettkämpfe und der Art Abenteuer, die man im Kino sieht. Das geschieht dann passenderweise gerade im Alter von 12 oder 13, so dass die schwarzen Kinder, neben den körperlichen Veränderungen, die alle von ihnen durchmachen, auch gleich schon beim Eintritt ins jugendliche Alter ohne viel Aufhebens zu der Erwachsenen-Anrede überwechseln und ihre alten Schulkameraden nun mit Missus oder Baasie titulieren — was soviel heißt wie kleiner Herr.

Das Verhängnisvolle war, dass Paulus Eysendyck gar nicht zu bemerken schien, dass Thebedi, die man stets an den abgelegten Kleidern seiner Schwestern erkannte, jetzt einfach nur eines von vielen Farmkindern unten im Kral war. Als er in den ersten Weihnachtsferien nach Hause kam, brachte er Thebedi eine bemalte Schatulle mit, die er in der Schule im Werkunterricht gebastelt hatte. Er musste sie ihr heimlich geben, weil er nichts hatte für all die anderen Kinder im Kral. Und bevor er wieder zurückkehrte ins Internat, gab sie ihm ein Armband, das sie aus dünnem Messingdraht und den grauweißen Rizinusbohnen gemacht hatte, die ihr Vater anbaute. (Als sie noch zusammen spielten, war sie es gewesen, die ihm gezeigt hatte, wie man aus Ton kleine Zugochsen formt für ihre Spielzeuggespanne.) Unter den Jungen war es sehr beliebt, auch in den Platteland-Städten wie jener, wo er im Internat war, neben der Armbanduhr noch Armbänder aus Elefantenhaar und ähnlichem zu tragen; seines wurde allgemein bewundert, und seine Freunde baten ihn darum, auch ihnen solch ein Armband zu besorgen. Er sagte, die Eingeborenen auf der Farm seines Vaters würden sie machen, und er wolle es versuchen.

Als er fünfzehn war und einsachtzig groß, als er mit den Mädchen von dem Pensionat in der gleichen Stadt auf den Schulfesten herumzog und bereits gelernt hatte, wie man neckt und flirtet und auch ganz ungeniert herumschmust mit diesen Mädels, deren Väter ebenso wohlhabende Farmer waren wie der seine; als er bei einer Hochzeitsfeier auf einer Nachbarfarm, zu der ihn seine Eltern mitgenommen hatten, sogar auch schon eine kennen gelernt hatte, die ihn in einem verschlossenen Lagerraum das mit ihr tun ließ, was die Leute immer machen, wenn sie sich lieben — als er nun schon so weit von seiner Kindheit entfernt war, brachte er dennoch aus einem Laden in der Stadt für das schwarze Mädchen Thebedi einen roten Plastikgürtel und ein Paar goldene Ohrreifen mit. Ihrem Vater erzählte sie, die Missus hätte sie ihr zur Belohnung für eine Arbeit geschenkt — es stimmte, dass man sie bisweilen zur Aushilfe ins Farmhaus holte. Den Mädchen erzählte sie, sie hätte einen Schatz; weit, weit weg auf einer anderen Farm, und sie kicherten und neckten und bewunderten sie. In dem Kral gab es einen Jungen namens Njabulo, der sagte, er wünschte, er hätte das Geld, um ihr einen Gürtel und Ohrringe zu kaufen.

Als der Sohn des Farmers die Ferien über zu Hause war, wanderte sie weitab vom Kral, fern ihrer Gefährten dahin.

Auch er ging stets allein spazieren. Sie hatten sich nicht verabredet, es war ein Verlangen, dem jeder aus eigenen Stücken folgte. Schon von weitem sah er, dass sie es war.

Und sie wusste, dass sein Hund nie bellte, wenn sie sich näherte. Unten an dem ausgetrockneten Flussbett, dort wo die Kinder eines großen Tages vor fünf oder sechs Jahren einen Leguan gefangen hatten — eine Kreatur, die auf ideale Weise die Größe und den Schrecken eines Krokodils mit der Harmlosigkeit einer Eidechse in sich vereinte —, ließen sie sich Seite an Seite auf der sandigen Uferböschung nieder. Er erzählte ihr davon, was er auswärts erlebt hatte: von der Schule und vor allem von den Strafen, die es dort setzte, wobei er ebenso die Schwere der Strafen übertrieb wie seine Gleichgültigkeit ihnen gegenüber. Er erzählte ihr von der Stadt Middleburg, in der sie nie gewesen war. Sie hatte ihm selbst nichts zu erzählen, doch wie jeder gute Zuhörer spornte sie ihn mit Fragen an. Während er sprach, zerrte und drehte er an den Wurzeln des weißen Stinkbaumes und der Kapweiden, die rundum aus der ausgewaschenen Erde ragten. Hier unten war für die Kinder schon immer ein beliebter Platz zum Spielen gewesen, im Gewirr der alten, ameisenzerfressenen Bäume, die halb umgestürzt zwischen den gesunden hingen, im wilden Asparagus, der um die Stämme wucherte, mit einem Feigenkaktus hier und da, der sich saftlos am Leben hielt bis zur nächsten Regenzeit, borstig und verschrumpelt wie das Gesicht eines alten Mannes. Während sie ihm lauschte, stocherte sie mit einem spitzen Stock immer wieder in der trockenen Haut eines Feigenkaktus. Oft musste sie lachen bei dem, was er ihr erzählte, und manchmal ließ sie ihr Gesicht auf die Knie sinken, ließ die kühle, schattige Erde zu ihren Füßen teilhaben an ihrem Vergnügen. Wenn er auf der Farm war, zog sie immer ihre einzigen Schuhe an — weiße Sandalen, gegen den Farmstaub dick mit weißer Schuhcreme eingeschmiert —, doch hier am Flussbett hatte sie die ausgezogen und beiseite gelegt.

An einem Nachmittag im Sommer, als es heiß war und dort Wasser floss, watete sie hinein, wie sie es einst als Kinder getan hatten, ihr Kleid hatte sie sittsam hochgerafft und in die Hose gesteckt. Die Schulmädchen, mit denen er immer an den Stauseen und an den Teichen der Nachbarfarmen schwimmen ging, trugen Bikinis, doch nie hatte ihn der Anblick ihrer Bäuche und Schenkel, die im Sonnenlicht glitzerten, das fühlen lassen, was er jetzt fühlte, als das Mädchen die Uferböschung heraufkam und sich neben ihn setzte; und die Wassertropfen, die von ihren dunklen Beinen perlten, waren die einzigen Lichtpunkte hier in diesem düsteren, schattigen Winkel, wo es nach Erde roch. Sie hatten keinerlei Angst voreinander, hatten einander schon immer gekannt; und er tat mit ihr das, was er damals in dem Lagerraum bei dem Hochzeitsfest gemacht hatte, und dieses Mal war es so schön, so schön, er war ganz überrascht … auch sie war überrascht — er sah es auf ihrem Gesicht, das eins war mit dem Schatten, in diesen großen dunklen Augen, die wie weiches Wasser glänzten und ihn aufmerksam anblickten: so wie einst, als sie miteinander über ihre kleinen Ochsengespanne aus Ton gebeugt saßen, wie damals, als er ihr davon erzählte, wie er immer übers Wochenende in der Schule nachsitzen musste.

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