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Odessa-Komplott. Tom Sydows zweiter Fall.

Электронная книга - «Odessa-Komplott. Tom Sydows zweiter Fall.». Краткое содержание книги:

Berlin, 31. August 1948. Die verstümmelte Leiche einer Stadtstreicherin wird in der Nähe des Lehrter Bahnhofs gefunden. Nichts Besonderes im Berlin der Nachkriegszeit und so glaubt Hauptkommissar Tom Sydow zunächst an einen Routinefall. Doch warum sammelte das Mordopfer Zeitungsausschnitte über den stadtbekannten Kriegsgewinnler, Schieber und Spekulanten Paul Mertens? Bei seinen Ermittlungen kommt Sydow einer Organisation auf die Spur, deren Verbindungen in höchste Kreise von Justiz und Politik zu reichen scheinen ...
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»Ohne Umschweife, Kuragin: Woher …«

»Erinnern Sie sich an das Foto, das Sie mir während der Fahrt gezeigt haben, Herr Kommissar? Ohne mir die Namen der drei Herren zu nennen?«

»Ach, daher weht der Wind.«

»Genau. Über einen Mann wie von der Tann sind wir natürlich bestens im Bilde. Und dass ich eins und eins zusammenzählen kann, dürfen Sie mir getrost zutrauen.«

»Das bedeutet, Sie haben ihn hopsgenommen.«

»Scharfsinnig wie immer, unser Herr Kommissar«, spottete Kuragin und ließ seinen Genießerblick über Sydows überaus anziehende Begleiterin schweifen. »Aber keine Sorge, für sein Wohlergehen ist bestens gesorgt. Das heißt, falls der Herr Brigadeführer kooperiert.«

»Und wenn nicht?«

Kuragins Gesicht verzog sich zu einem zynischen Grinsen, und bevor Sydow nachhaken konnte, war das Flair des Salonlöwen, mit dem sich Kuragin umgab, der eisigen Miene eines Vernehmungsoffiziers gewichen. »Dann werden wir ihn gleich erschießen«, verkündete er mit tonloser Stimme. »Verdient hat er es ja wohl.«

»Finden Sie nicht, Sie gehen ein wenig zu weit?«

»Gegenfrage: Finden Sie nicht, über 31.000 Tote sind Grund genug?«, hielt Kuragin dagegen und atmete tief durch. »Nichts für ungut, Herr Kommissar«, leitete er einen abrupten Themenwechsel ein, »hat mich jedenfalls gefreut, Ihre Bekanntschaft zu machen. Ein paar Hundert mehr von Ihrer Sorte, und der Krieg wäre uns vermutlich erspart geblieben.«

Sydow, den die Reminiszenz an Borodins Worte erneut rot werden ließ, nickte und hob die Hand zum Gruß. »Die Freude ist ganz auf meiner Seite«, erwiderte er mit einem Hauch Wehmut im Ton. »Und machen Sie’s gut.«

Doch da hatte Kuragin bereits das Fenster hochgekurbelt und dem Fahrer der gepanzerten Limousine das Zeichen zum Aufbruch gegeben. Gefolgt von Sydows Blick, rollte der Moskwitsch auf den Kontrollpunkt zu, der sich unmittelbar vor dem Brandenburger Tor befand. Als sei es Stalin persönlich, der in ihm saß, standen die Posten umgehend stramm.

Auch dann noch, als die dunkle Limousine den Kontrollpunkt längst passiert hatte und hinter den Schutthaufen, die einem von Westen aus die Sicht versperrten, verschwunden war.

»Zeit für einen Bummel über den Kudamm, findest du nicht auch?«, hörte Sydow, der sich vom Anblick der bewaffneten Grenzposten, Sandsäcke und Stacheldrahtverhaue nicht losreißen konnte, die MI6-Agentin sagen. »Oder willst du etwa hier Wurzeln schlagen?«

»Lieber nicht«, antwortete Sydow, dem auf einmal wehmütig ums Herz geworden war. »Bis das Gerümpel da drüben verschwindet, wird es bestimmt noch eine Weile dauern.«

»Sieht ganz danach aus«, flüsterte Gladys betrübt und hakte sich bei Sydow unter, bemüht, ihn in die entgegengesetzte Richtung zu dirigieren. »Wovon wir beide uns nicht die Laune verderben lassen dürfen.«

»Ganz deiner Meinung«, stimmte Sydow ihr zu, der gegen die Gänsehaut, die er in diesem Moment bekam, völlig machtlos war. Dann machte er kehrt, lächelte und schlenderte mit seiner Begleiterin, um die ihn sämtliche Kunden der Imbissbude beneideten, im Schein der Mittagssonne auf die Siegessäule zu.

Es war der erste Tag im September, die Luft deutlich kühler als noch einen Tag zuvor. Der Tiergarten erstrahlte in herbstlichem Licht, und der Himmel über Berlin, der mit einer schier endlosen Kette silbrig glänzender Punkte besprenkelt war, zeigte sich in einem Blau, wie man es nur selten zu sehen bekam.

Doch davon bekam Tom Sydow, Hauptkommissar der Kripo Berlin, nicht allzu viel mit.

EPILOG

(Kiew/Ukraine, Mai 1965) 

33

Babi-Yar, knapp 15 Jahre später | Samstag,

12. Mai 1956

Es war Vaters Geburtstag, und deshalb war er hier. Nicht etwa, weil noch irgendetwas an den Tag, der sein Leben wie kaum ein anderer geprägt hatte, erinnerte. Die Toten waren längst exhumiert und vor dem Einmarsch der Roten Armee verbrannt, die Wände der Schlucht gesprengt und sämtliche Spuren des Grauens, das dereinst hier seinen Lauf genommen hatte, beseitigt worden. Was die Täter jedoch nicht fertiggebracht hatten, war, die Spuren des Massakers aus dem Gedächtnis der Menschen zu tilgen. In diesem Punkt hatten sie sich getäuscht, und je mehr Zeit seit jenen verhängnisvollen Septembertagen verstrichen war, umso klarer tauchten sie vor dem geistigen Auge der Davongekommenen auf.

Einer von ihnen, ein knapp 30-jähriger, hochgewachsener und kurzsichtiger Mann, dessen ergraute Schläfen ihn wesentlich älter erscheinen ließen, war seit der Rückkehr in seine Heimat sehr häufig hier. Kaum eine Woche verging, da er diesen Ort nicht aufsuchte, ein Ort, mit dem sein Schicksal untrennbar verbunden war. Gerade heute, wo der Frühling Einzug hielt, brachte er es nicht fertig, sich von ihm zu lösen. Und so verharrte er in tiefem Schweigen, umgeben von Maiglöckchen, Krokussen und Schlüsselblumen, die ihn mit ihrem Duft betörten, überwölbt von der Weite des Himmels, aus dem ihm eine nimmermüde Sonne zulächelte.

Tief in Gedanken, hätte Nikolai Borodin vermutlich noch geraume Zeit am Rande der ehemaligen Schlucht verbracht. Die helle, wie für das Frühlingswetter geschaffene Stimme, riss ihn jedoch plötzlich aus den Gedanken. »Kommst du, Papa?«, rief ihm seine Tochter von Weitem zu, an der Hand ihrer Mutter, die sich scheute, diesem Ort zu nahe zu kommen. »Mama und ich wollen nach Hause.«

Von seinen Erinnerungen überwältigt, bekam Nikolai Borodin feuchte Augen. »Nach Hause«, murmelte er mit tränenerstickter Stimme, drehte sich um und winkte den beiden zu. »Nach Hause.«

E N D E

1 ODESSA: Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen

2 russ.: Hure

3 russ.: Mutter

4 germanisches Runenzeichen

5 dt.: auf Wiedersehen

6 UFA-Star der 20er- und 30er-Jahre († 1937)

7 Regierender Bürgermeister von Berlin (1948–1953/SPD)

8 russ.: Genosse

9 Lucius D. Clay (1897–1978), Militärgouverneur der US- amerikanischen Besatzungszone und Initiator der Luftbrücke

10 Josef Stalin, siehe Liste der Charaktere

11 russ.: Guten Tag!

12 engl.: Defence readiness condition, Kriegszustand = DEFCON 1

13 Auszug aus ›Götterdämmerung‹, 2. Aufzug / 5. Szene

14 Deutsche Arbeitsfront, Oberkommando des Heeres

15 Gremium, in dem die Befehlhaber der US-Teilstreitkräfte zusammengefasst sind

16 Spitzname für die Hiroshima Bombe

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Сюжет
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