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Odessa-Komplott. Tom Sydows zweiter Fall.

Электронная книга - «Odessa-Komplott. Tom Sydows zweiter Fall.». Краткое содержание книги:

Berlin, 31. August 1948. Die verstümmelte Leiche einer Stadtstreicherin wird in der Nähe des Lehrter Bahnhofs gefunden. Nichts Besonderes im Berlin der Nachkriegszeit und so glaubt Hauptkommissar Tom Sydow zunächst an einen Routinefall. Doch warum sammelte das Mordopfer Zeitungsausschnitte über den stadtbekannten Kriegsgewinnler, Schieber und Spekulanten Paul Mertens? Bei seinen Ermittlungen kommt Sydow einer Organisation auf die Spur, deren Verbindungen in höchste Kreise von Justiz und Politik zu reichen scheinen ...
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Oder zusehen müssen, dass er die Fliege machte.

»Noch fünf Minuten bis Primärziel«, meldete der Kopilot, keine Spur aufgeregter als zuvor. Für die Tatsache, dass die Sprengkraft der A-Bombe an Bord der Skinny Minny mindestens doppelt so groß sein würde als die von Little Boy16, schien er sich nicht im Mindesten zu interessieren. »Gute Sicht.«

»Übergebe an Bombenschütze«, konstatierte Nick Sarstedt und stieß einen Schwall heiße Atemluft aus. »Alles klar da unten, Pete?«

»Alles klar, Nick«, antwortete der am Boden des Cockpits kauernde Lieutenant, das Gesicht auf das Okular der Zieloptik gepresst. »Gerät funktioniert einwandfrei. Erreichen Moskauer Innenstadt.«

Und immer noch keine Flugabwehr, schoss es Sarstedt durch den Kopf. Fast nicht zu begreifen.

Noch drei Minuten.

»Bombenschacht öffnen!«, gab Sarstedt an den Bordingenieur durch, mittlerweile total nass geschwitzt.

»Bombenschacht ist offen, Sir«, erklang es wie aus der Pistole geschossen, während der Bombenschütze, der die Skinny Minny steuerte, eine minimale Kurskorrektur vornahm. »Bombe bereit zum Abwurf.«

Was jetzt folgen würde, hatten er und die Crew bereits hundertmal geübt. Bombe ausklinken, 180-Grad-Kurve und ab durch die Mitte. Sarstedt schnappte nach Luft. So leicht, wie sich das Ganze anhörte, war die Sache leider nicht. Die Bombe wog mehrere Tonnen, und das bedeutete, dass die Skinny Minny nach dem Ausklinken wie ein Korken in die Höhe schießen würde. Wem es da noch nicht hochgekommen war, würde es spätestens bei der Kurve erwischen. Oder dem anschließenden Beschleunigen auf Höchstgeschwindigkeit. So magenaufwühlend die Nummer auch war, der Crew blieb keine andere Wahl. Je näher am Explosionsherd, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Maschine von der vom Boden aufsteigenden Druckwelle in Stücke gerissen werden würde. Runter mit der Bombe und dann ab durch die Mitte, lautete folglich die Devise.

Und das in weniger als einer Minute.

»Noch eine Minute«, verkündete der Bombenschütze mit tonloser Stimme, während sich die B-29 dem Innenstadtring von Moskau näherte. »Geschwindigkeit 280 Meilen.«

»Schnallt euch an, Männer«, keuchte Sarstedt, eine Bemerkung, die kaum jemand registrierte. »Gleich reißen die da unten uns den Arsch …«

»Beginne Countdown«, rief der Bombenschütze, den Kreml bereits im Visier. »Zehn, neun, acht …«

»Charly Echo Zulu Tango – können Sie mich hören?«, dröhnte es plötzlich durch Sarstedts Kopfhörer, der die Stimme seines Stabschefs in der Hektik beinahe nicht erkannt hätte. »Operation umgehend abbrechen.«

»… fünf, vier …«

»Ich wiederhole, Nick – Operation umgehend abbrechen!«

»… drei, zwei …«

»Stopp, Pete!«, schrie Sarstedt, die schweißverklebte Sauerstoffmaske in der Hand. »Um Himmels Willen – stooo…«

»Roger, Nick«, erklang es vom Boden des Cockpits, während der letzte Buchstabe von Sarstedts Befehl im Dröhnen der auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigenden Motoren unterging. »Operation cancelled.«

31

Flughafen Berlin-Tempelhof, amerikanischer Sektor

| 23.58 h

Der Plan war ebenso simpel wie genial, ein Scheitern undenkbar. Alles, was man zu seiner Durchführung benötigte, war ein LKW der Marke Studebaker US6, ordentlich Mumm in den Knochen und eine gewisse Abgebrühtheit. Gerade letztere war bei den vier als Rotarmisten verkleideten Mitgliedern der ›Gruppe W 45‹ im Übermaß vorhanden, und so waren sie überzeugt, dass bei ihrem Kommandounternehmen nichts schief gehen könne.

Was den LKW betraf, mit dem sie sich dem Flughafen Tempelhof näherten, lagen die vier ehemaligen Mitglieder der ›Leibstandarte Adolf Hitler‹ richtig. In der allgemeinen Hektik, die hier draußen auch nachts herrschte, fielen sie niemandem auf. Schließlich mussten die Rosinenbomber, die im Zweiminutentakt landeten, möglichst schnell entladen und die Hilfslieferungen danach verteilt werden. Dass hierfür Dutzende von Trucks benötigt wurden, lag auf der Hand, ebenso wie die Tatsache, dass das Wachpersonal der Tempelhof Air Base nicht jeden Einzelnen davon unter die Lupe nehmen würde. Mit ein wenig Glück und der nötigen Kaltschnäuzigkeit würden sie das Ding schon schaukeln, ihren Plan ausführen und binnen weniger Minuten wieder verschwunden sein.

Ganz ohne jeden Zweifel.

Als der Studebaker US6 von der Yorkstraße in den Mehringdamm einbog, deutete zunächst alles darauf hin, dass ihre Rechnung aufgehen würde. Der Sechszylinder lief wie geschmiert, und die 94 PS taten wie gewohnt ihren Dienst. Auf die Idee, dass sich die Leichen von vier getöteten Sowjets an Bord befanden, wäre so schnell niemand gekommen, was die Zuversicht der vier Männer, auf deren Gesichtern sich grimmige Entschlossenheit abzeichnete, ins Unermessliche wachsen ließ. Wie gesagt: ein Studebaker, Schneid und die nötige Kaltblütigkeit. Mehr war zum Gelingen ihres Plans nicht nötig.

Oder etwa doch?

Was die vier in der gegenwärtigen Situation nicht besaßen, war ein an sich unverzichtbares Requisit: Instinkt. Weshalb er ihnen gerade jetzt, in den alles entscheidenden Minuten, abhandengekommen war, lag an der Geringschätzung, mit der sie ihren Gegnern gegenübertraten. Mit ihnen, des Führers einstiger Elite, würde es niemand aufnehmen können, erst recht nicht die Amerikaner. Bis die aufgewacht waren, wäre ihre Mission längst beendet, der Sturmtrupp bereits über alle Berge.

Und so kam es, dass die vermeintlichen Rotarmisten die Scharfschützen auf dem Dach des Terminals am Platz der Luftbrücke nicht bemerkten. Diese jedoch den Studebaker, der mit hoher Geschwindigkeit den Tempelhofer Damm entlangbrauste. Womit die Chance, unbehelligt zu entkommen, auf ein Minimum gesunken war.

Doch davon, und schon gar nicht von den längs des Wegs postierten Desert Rats, bekamen die siegesgewissen Werwölfe nichts mit. Blind für die Falle, die man ihnen gestellt hatte, wurden sie allesamt vom Jagdfieber gepackt. Dies war ihr Tag, die Nacht der Nächte, in deren Schutz sie mit den Gegnern von einst abrechnen würden. Stand doch eines von vornherein fest: War ihr Plan ausgeführt, würde den Amerikanern nichts anderes übrig bleiben, als in ihrem Sinne zu handeln. Die Folge wäre ein Kreuzzug gegen den verhassten Bolschewismus, ohne sie, die ehemaligen Gegner, nahezu aussichtslos. Und genau zu dem Zeitpunkt, wenn genug Amerikaner in den Weiten Russlands zugrunde gegangen waren, würde ihre große Stunde schlagen. Auf den Trümmern des Sowjetreiches würde Deutschland wieder zu alter Macht und Größe emporsteigen und die Mission des Führers zu Ende führen. Nicht erst in ferner Zukunft, sondern dann, solange sie, die Treuesten der Treuen, noch am Leben waren.

Etwa einen halben Kilometer vom Platz der Luftbrücke entfernt, wurde es für die vier ehemaligen SS-Männer schließlich ernst. In Höhe der Paradestraße, ohne Blick für den Lieferwagen auf der gegenüberliegenden Seite, bog der Fahrer des Studebaker nach links auf das Flughafengelände. Dass sich im Inneren des Lieferwagens ein Browning MG vom Typ M2 verbarg, konnte er nicht ahnen, dass das Gefährt ihm den Rückweg abschneiden würde, dagegen schon.

Zumindest in der Theorie.

Der Fahrer, ein blonder Hüne mit rußgeschwärztem Gesicht, achtete jedoch nicht darauf. In Gedanken längst bei dem Feuergefecht, das jede Sekunde losgehen musste, konnte er es immer noch nicht glauben. Weit und breit nichts zu sehen, von Wachpersonal keine Spur. Das Tor, durch das man auf das Flughafengelände gelangte, war zwar geschlossen, die GIs, die hier gewöhnlich Dienst schoben, jedoch wie vom Erdboden verschluckt. Der Fahrer des Studebaker schaute ungläubig, brachte seinen Wagen zum Stehen und sah den Kameraden auf dem Beifahrersitz verdutzt an. So problemlos, so absolut kinderleicht hatten er und die bis an die Zähne bewaffneten

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