Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
»Aber nein, keinesfalls«, erklärte Cattilara ernsthaft. »Ich habe immer gedacht, dass es damals eine sehr romantische Affäre gewesen sein muss. Wie man sagt …« Sie schaute sich wieder um, errötete leicht und senkte die Stimme, während sie sich näher zu Ista beugte. »Die Herrin von Porifors, Arhys’ Mutter … Man erzählt sich, nachdem Lord dy Lutez sie verließ, um an den Hof zu gehen, verliebte sie sich in ihren Majordomus, Ser dy Arbanos, und er verliebte sich in sie. Dy Lutez kam so gut wie nie zurück nach Porifors, und der Zeitpunkt von Lord Illvins Geburt … nun, er passte einfach nicht. Es war ein offenes Geheimnis, habe ich gehört, aber Ser dy Arbanos erkannte Illvin erst an, nachdem ihre Mutter gestorben ist. Die arme Frau.«
Hier fand sich ein weiterer Grund, dass dy Lutez seine Frau im Norden so lange vernachlässigt hatte … Aber was war die Ursache, und was die Wirkung? Istas Hand berührte die Brosche an ihrer Brust. Wie sehr musste dieser Mann dy Lutez in Verlegenheit gebracht haben, wenn man dessen Eitelkeit und sein besitzergreifendes Wesen bedachte. War es eine großzügige Geste gewesen, als er den Jungen rechtmäßig dem eigenen Vater übertragen hatte, oder war es ihm bloß eine Erleichterung gewesen, als er diesen Bastard von der langen Liste seiner Erben streichen konnte?
»Was für eine Krankheit hat ihn denn befallen?«
»Eigentlich ist es gar keine Krankheit. Eine unerwartete … Tragödie, oder ein grausamer Unfall. Die vielen Mutmaßungen und Unsicherheiten machen es noch schlimmer. Meinen Gemahl hat es in tiefen Kummer gestürzt, und für uns alle in Porifors war es ein großer Schock … Oh, da kommt er ja zurück.«
Lord Arhys hatte sich aufgerichtet und hielt wieder auf seinen Platz an der Ehrentafel zu. Der Offizier, mit dem er gesprochen hatte, stand ebenfalls auf, salutierte knapp und verließ den Innenhof. Cattilara sprach noch leiser: »Es verstört meinen Gemahl zutiefst, darüber reden zu müssen. Ich werde Euch später im Vertrauen alles darüber erzählen, hm?«
»Danke«, erwiderte Ista. Sie wusste nicht recht, wie sie auf all diese geheimnisvollen Andeutungen reagieren sollte. Sie wusste allerdings, was sie als Nächstes fragen wollte: Ist Lord Illvin ein hoch gewachsener, hagerer Mann, mit Haaren wie ein Fluss aus geronnener Nacht? Dy Arbanos der Jüngere konnte natürlich auch klein sein, oder so rund wie ein Fass, oder feuerrotes Haar haben, oder kahlköpfig sein. Sie konnte fragen, und Cattilara würde es ihr sagen — und dann würde der Knoten in ihrem Magen sich lösen.
Die Tische wurden abgeräumt. Der vorhin von Arhys’ ausgesandte Offizier führte einige Soldaten herein. Sie trugen mehrere Kästen, Truhen und Taschen mit sich, dazu verschiedene Waffen und Rüstungsteile. Sie legten alles vor der erhöhten Tafel ab. Es war die Beute der gestrigen Schlacht, erkannte Ista. Lord Arhys und Lady Cattilara traten gemeinsam vor, stellten ein kleines Kästchen vor Ista ab und öffneten es.
Die zahllosen Schmuckstücke darin strahlten so viel Leid und Sterblichkeit aus, dass es Ista traf wie ein körperlicher Anprall. Anscheinend war sie die Erste, die vom Unglück der Jokoner profitieren sollte. Mehrere Ringe, Fibeln und Broschen von feinster Machart oder offensichtlich weiblicher Gestaltung glänzten im schwindenden Licht. Wie viel davon war erst vor kurzem aus Rauma geraubt worden? Wie viel war für Mädchen in Jokona bestimmt gewesen, die ihren Galan nun niemals wiedersehen würden? Ista holte tief Luft, setzte ein geziemend dankbares Lächeln auf und brachte ein paar angemessene Worte hervor. Sie lobte Arhys und dessen Männer für ihren Mut und ihre rasche Reaktion auf den Durchzug der Angreifer. Dabei hob sie die Stimme, damit ihre Schmeicheleien auch bis zu den entfernteren Tischen drangen.
Als Nächstes erhielt Ferda ein außergewöhnlich schönes Schwert, zu seiner offensichtlichen Freude. Cattilara verschenkte auch einige Stücke an ihre Damen, während Arhys den Hauptteil der Beute an seine Offiziere verteilte, stets begleitet von persönlichen Worten oder einem Scherz. Der Rest ging an den Geistlichen und sollte für Gebete im Tempel der Stadt verwendet werden. Ein junger Novize, offenbar der persönliche Gehilfe des alten Geistlichen, nahm die Spenden mit Dankesworten und Segnungen entgegen.
Ista ließ die Finger über den Inhalt des Kastchens gleiten. Es verursachte ihr eine Gänsehaut. Sie wollte diese Hinterlassenschaft der Toten nicht. Nun, dafür gab es eine Lösung. Zunächst suchte sie einen Ring für ihre tapfere Zofe aus, zusammengesetzt aus kleinen goldenen Pferdchen im Galopp, die sie an Liss denken ließen. Wo das Mädchen inzwischen wohl sein mochte? Dann zögerte sie einen Augenblick, und ihre Hand glitt zu einem gebogenen Dolch mit juwelenbesetztem Griff. Er war prächtig, strahlte zugleich aber eine Zweckmäßigkeit aus, die eher zu dem Botenmädchen zu passen schien. Ista erinnerte sich, dass ihr gesamtes Geld auf dem Grund eines Flusses in Tolnoxo lag, und mit einem Seufzer entnahm sie noch einige kleinere Schmuckstücke für ihre Reisekasse. Sie legte den Ring und den Dolch beiseite und schob das Kästchen dann Ferda zu.
»Hier, Ferda, such dir das beste Stück aus, für dich und deinen Bruder. Die vier nächstbesten Stücke sollen für unsere Verwundeten und für die Männer sein, die bei ihnen geblieben sind. Such auch etwas Passendes für dy Cabon. Anschließend soll sich jeder Mann aus deiner Truppe das heraussuchen, was er gern haben möchte. Was den Rest angeht … sorge bitte dafür, dass er dem Orden der Tochter zukommt. Mit meinem Dank.«
»Gewiss, Majestät.« Ferda lächelte, dann wurde sein Gesicht wieder ernst, und er beugte sich über den leeren Platz der Gräfin näher zu ihr. »Ich möchte meine Frage wiederholen: Nun seid Ihr tatsächlich an einem sicheren Ort untergebracht, und für eine Weile kann der Graf gewiss für Eure Sicherheit sorgen. Könnte ich nun die Erlaubnis haben, aufzubrechen und nach meinem Bruder zu suchen, und nach Liss, und nach dem Geistlichen?«
Ich weiß nicht, was für ein merkwürdiger Ort das ist. Als sicher würde ich ihn jedenfalls nicht bezeichnen. Das allerdings konnte sie nicht laut sagen. Am liebsten hätte sie Ferda angewiesen, seine Männer bereitzuhalten und sich auf einen Aufbruch am nächsten Tag vorzubereiten. Noch heute Abend. Aber das war unmöglich, undurchführbar und unhöflich. Die Ritter der Tochter waren fast so erschöpft wie sie selbst. Die Hälfte ihrer Pferde war noch immer irgendwo auf der Straße unterwegs, zusammen mit Porifors Knechten, die sie in geruhsamen Etappen zur Burg brachten.
Sie versuchte, Zeit zu gewinnen: »Ihr braucht genauso viel Ruhe wie wir anderen.«
»Ich würde mehr Ruhe finden, wenn ich wüsste, was mit meinem Bruder geschehen ist.«
Sie musste gestehen, dass er Recht hatte. Doch der bloße Gedanke, ohne eigene Eskorte hier festzusitzen, ließ sie frösteln. Unsicher runzelte sie die Stirn, als Lady Cattilara wieder an ihren Platz kam.
Auch Lord Arhys kehrte zurück. Mit einem unterdrückten müden Seufzer ließ er sich auf seinem Stuhl nieder. Ista fragte ihn, was aus den Briefen geworden war, die er für sie hatte schreiben wollen. Die Briefe, in denen sie nach den vermissten Mitgliedern ihrer Schar fragte. Mit besonderem Mitgefühl hörte er von Ferdas Sorgen um seinen Bruder, doch es war noch zu früh für eine Antwort. In stillschweigender Übereinkunft erwähnte keiner von ihnen die zusätzlichen Probleme, die der Bärendämon mit sich brachte.
»Wir wissen, dass Liss zumindest den Herzog von Tolnoxo erreicht hat«, brachte Ista vor. »Es mag sein, dass auch andere die Nachricht von den Plünderern verbreitet haben. Aber nur sie wusste, dass ich unter den Gefangenen war. Und wenn sie sich in Sicherheit bringen konnte, wird sie auch genug Verstand gehabt haben, nach Eurem Bruder und dem guten Geistlichen suchen zu lassen.«
»Das stimmt.« Ferda verzog die Lippen, hin und her gerissen zwischen Gelassenheit und Sorge. »Wenn man ihr zugehört hat. Wenn man sie empfangen hat …«