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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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Cattilara atmete tief durch, und ihr Blick umwölkte sich: »Im Gefolge der Prinzessin gab es einen Höfling, der sich in Eifersucht und Verbitterung verzehrte. Er wollte sie für sich selbst, nehme ich an, und er konnte nicht einsehen, warum sie stattdessen an einen Feind verschachert werden sollte. Lord Pechma, so hieß er, hatte an Rang und Vermögen wenig mehr aufzubieten als der arme Illvin, obwohl er natürlich nicht dessen militärisches Ansehen besaß. Eines Nachts schickte sie ihre Zofen fort, und Illvin … nun, er besuchte sie.« Cattilara schluckte. »Wir nehmen an, dass Pechma ihn gesehen hat und hinterherkam. Am nächsten Morgen war Illvin nirgends aufzufinden, bis Umerues Damen in ihre Gemächer traten und sich ihnen ein grauenvoller Anblick bot. Sie eilten sofort zu meinem Gemahl und mir und weckten uns. Arhys ließ nicht zu, dass ich die Räumlichkeiten betrat, aber man erzählte sich …«, sie senkte die Stimme noch mehr, »… dass man Lord Illvin nackt zwischen ihren zerwühlten Decken fand, besinnungslos und blutend. Die Prinzessin war tot vor dem Fenster zusammengebrochen, als hätte sie noch versucht, zu fliehen oder um Hilfe zu rufen. Ein vergifteter Roknari-Dolch steckte in ihrer Brust. Und Lord Pechma, sein Pferd, seine Ausrüstung und die gesamte Kasse der roknarischen Gesandtschaft, die ihm anvertraut gewesen war — alles war aus Porifors verschwunden.«

»Oh«, sagte Ista.

Cattilara schluckte und rieb sich die Augen. »Die Männer meines Gemahls und die Diener der Prinzessin ritten gemeinsam aus und suchten nach dem Mörder, aber der war längst über alle Berge. Die Gesandtschaft wurde zum Leichenzug und brachte Umerues sterbliche Überreste zurück nach Jokona. Illvin … kam nicht mehr zu sich. Wir sind nicht sicher, ob es an irgendeinem üblen roknarischen Gift lag, das an der Dolchklinge war, die ihn durchbohrte, oder ob er zu Boden stürzte und sich den Kopf anschlug, oder ob er sonst einen furchtbaren Schlag abbekam. Aber wir haben schreckliche Angst, dass sein Geist von ihm gegangen ist. Ich glaube, diese grauenvolle Vorstellung bedrückt Arhys noch mehr, als Illvins Tod ihn schmerzen würde, denn auf den Verstand seines Bruders hielt er immer große Stücke.«

»Und wie wurde das alles in Jokona aufgenommen?«

»Nicht so gut, auch wenn sie ihr Unheil selbst mitgebracht hatten. Die Lage an der Grenze ist seither sehr angespannt. Nun, für Euch war das jedenfalls von Vorteil, denn so waren alle Männer meines Gemahls zum Ausritt bereit, als der Bote des Herzogs von Tolnoxo hier eintraf.«

»Kein Wunder, dass Arhys so empfindlich ist. Das sind schockierende Ereignisse.« Undichte Dächer, allerdings. Ista konnte für Arhys Reizbarkeit nur dankbar sein, andernfalls hätte sie diese Nacht in Prinzessin Umerues Sterbezimmer verbringen müssen. Noch einmal überdachte sie Cattilaras schrecklichen Bericht. Grässlich! Aber es gab nichts Unheimliches daran. Keine Götter, keine Visionen, keine glosenden weißen Feuer, die nichts verbrannten und keine tödlichen roten Wunden, die aufklafften und sich schlossen, so wie ein Mann seinen Kittel auf- und zuknöpft.

Ich möchte mir diesen Lord Illvin gern ansehen, hätte sie am liebsten gesagt. Könnt Ihr mich zu ihm bringen? Und was für eine Ausrede hätte sie für eine solch krankhafte Neugier gehabt, für den zweifelhaften Wunsch, einen Mann auf seinem Krankenlager zu betrachten? Zumindest verspürte sie kein Bedürfnis, die Großen am Boden zu sehen. Am liebsten wäre sie auf ein Pferd gestiegen — nein, auf einen Wagen — und hätte sich weit von hier fortbringen lassen.

Inzwischen war es so dunkel geworden, dass sie keine Farben mehr unterscheiden konnte. Cattilaras Gesicht war nur noch als undeutlicher blasser Schemen auszumachen. »Es war ein langer Tag. Ich werde langsam müde.« Mühsam kam Ista auf die Füße. Cattilara erhob sich rasch und half ihr die Treppen hinauf. Ista biss die Zähne zusammen und ließ ihre Linke leicht auf dem Arm der jungen Frau ruhen, während sie sich mit der rechten Hand am Geländer empordrückte. Cattilaras Damen trotteten hinterdrein, immer noch in ihre Gespräche vertieft.

Als sie die Galerie erreichten, schwang die Tür am gegenüberliegenden Ende auf. Istas Kopf fuhr herum. Ein kleinwüchsiger, O-beiniger Mann mit kurzem, angegrautem Bart kam heraus. Er trug ein Durcheinander aus schmutziger Wäsche und einen Eimer mit geschlossenem Deckel. Als er die Frauen erblickte, stellte er seine Last neben der Tür ab und kam herbei.

»Lady Catti«, sagte er mit rauer Stimme und senkte den Kopf. »Er braucht mehr Ziegenmilch. Und mehr Honig.«

»Jetzt nicht, Goram.« Mit verärgertem Nasenrümpfen bedeutete Cattilara dem Mann, dass er gehen sollte. »Ich komme gleich vorbei.«

Er senkte wieder den Kopf, spähte dabei jedoch zu Ista hinüber, und seine Augen strahlten unter den dichten Brauen. Ob neugierig oder gleichgültig, konnte Ista im Halbdunkel kaum feststellen. Doch sie fühlte seinen Blick wie eine Hand auf ihrem Rücken, als sie sich nach rechts wandte und Cattilara zu den Gemächern folgte, die am anderen Ende der Galerie auf sie warteten.

Sie hörte den Mann davonstapfen und blickte sich noch einmal um, gerade rechtzeitig, um die Tür am anderen Ende noch einmal auf- und zuschlagen zu sehen. Ein orangefarbener Streifen Kerzenlicht flackerte auf und verschwand sogleich wieder.

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Cattilaras Damen hüllten Ista in ein elegantes, hauchdünnes Nachthemd und steckten sie in ein Bett, das mit dem feinsten bestickten Leinen bezogen war. Auf Zehenspitzen schlichen die Frauen dann aus dem Schlafgemach und schlossen die Tür zur äußeren der beiden Kammern, wo die Akolythin und ein Mädchen in dieser Nacht schlafen würden, in Rufweite der Königin. Die Kerze blieb brennend in einem Glas auf dem Tisch zurück. So lag Ista auf der Anhäufung weicher Kissen, betrachtete das flackernde Licht und die Dunkelheit, die es zurückdrängte, und dachte nach.

Es war möglich, einige Tage ohne Schlaf auszukommen, bis einem das Gemach vor den Augen zu schwanken begann und merkwürdige Trugbilder durchs Blickfeld zogen, wie Funken, die aus einem Feuer emporstieben. Sie hatte das schon einmal versucht, damals, als die Götter sie zum ersten Mal in ihren Träumen heimsuchten. Als sie befürchtet hatte, den Verstand zu verlieren, und Ias zugelassen hatte, dass sie so dachte. Es hatte nichts gebracht.

Es war auch möglich, Verstand und Träume in Alkohol zu ertränken. Für kurze Zeit jedenfalls. Das hatte sie auch schon ausprobiert, und es hatte noch weniger gebracht, langfristig gesehen. Auch der Rausch bot keine Zuflucht vor den Göttern — im Gegenteil.

Sie grübelte darüber nach, wer wohl auf dem anderen Bett liegen mochte, im Gemach auf der anderen Seite der Galerie — einem Bett ähnlich dem ihren, wenn auch nicht so fein parfümiert. Sie war ziemlich sicher, wie dieses Bett und der Teppich und das Gemach aussahen — und der Bewohner. Sie musste es nicht einmal sehen. Allerdings habe ich zuvor nie Goram den Knecht gesehen. Aber dessen Existenz, nahm sie an, war wohl mit eingeschlossen.

So, bis hierher hast Du mich jetzt also gezerrt, wer von euch es auch sein mag, der mich jetzt bedrängt. Aber Du kannst mich nicht zwingen, durch diese Tür zu gehen. Genauso wenig kannst Du sie selbst öffnen. Du kannst noch nicht einmal ein Blatt anheben. Eisen zu biegen oder meinen Willen — beides übersteigt gleichermaßen Deine Kräfte.

Sie standen in einem Patt, sie und die Götter. Sie konnte sich ihnen den ganzen Tag lang widersetzen.

Aber nicht die ganze Nacht. Irgendwann muss ich schlafen.

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